Peter Kwasniewski: Unmännliche Tendenzen im modernen Katholizismus

Vitore Carpaccio - Sankt Georg und der Drache (Wikimedia Commons/Gemeinfrei)

Der katholische Philosoph Peter Kwasniewski kritisiert in einem aktuellen Aufsatz unmännliche Tendenzen im modernen Katholizismus. Diese kämen vor allen in Versuchen zum Ausdruck, das Christentum attraktiver machen zu wollen, indem man seine harten und fordernden Aspekte leugne oder zu verbergen versuche. Diese „Inversion und Perversion“ stelle eine existenzielle Bedrohung für die Kirche in westlichen Gesellschaften dar.

  • Christliches Leben fordere vom Menschen vor allem Opfer sowie einen unbedingten, radikalen und totalen Einsatz. Die unmännliche Haltung von Teilen der Kirche stehe im Widerspruch dazu und lasse das Christentum als unglaubwürdig und irrelevant erscheinen.
  • Dadurch würden vor die besten jungen Männer vom Christentum abgestoßen, die das, was ihnen als nicht fordernd genug erscheine, als wertlos wahrnehmen und zurückweisen würden. Die Angst von Teilen der Kirche vor dem Fordernden, aber auch vor dem Elitären, sei unverständlich und kontraproduktiv.
  • Gute Männer gewinne man nur, indem man ihnen große Aufgaben und Herausforderungen aufzeige. Je größer die Aufgabe, desto größer sei auch die Motivation geeigneter Männer, große Pflichten auf sich zu nehmen. Dies gelte nicht nur im militärischen Bereich, sondern auch für die Kirche.

Unmännliche Tendenzen im modernen Katholizismus würden beispielhaft sichtbar werden, wenn man Videos miteinander vergleiche, mit denen russisch-orthodoxe und katholische Gemeinschaften Kandidaten für die Priesterausbildung ansprechen wollten.

Anstatt das Christentum immer gefälliger und weicher darzustellen und damit irrelevanter zu machen, solle die Kirche dessen fordernde Härte bejahen und betonen, dass es mit seiner Botschaft nur diejenigen anspreche, die zum totalen Einsatz entschlossen seien.

Hintergrund

Im Johannesevangelium wird betont, dass die viele von denen, welche die Worte Christi gehört hatten, diese als zu hart und zu fordernd wahrgenommen hätten:

Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?1

Jesus Christus habe darauf mit einer Bekräftigung dieser Worte geantwortet, woraufhin sich zahlreiche Menschen von ihm abgewandt hätten. Der hl. Apostel Paulus hatte später erklärt, dass die Weichen nicht zu den Erben des Reiches Gottes gehören würden.2 Christen seien zum vorbehaltlosen Dienst an Gott und dem Nächsten berufen und dazu tauge nur, wer „standhaft und unerschütterlich“3 sowie „mannhaft“4 sei.

Die Arbeit des Psychologen Jordan B. Peterson stößt gegenwärtig im westlichen Kulturraum auf starke Resonanz, vor allem bei jüngeren Männern. Peterson konfrontiert seine Zuhörer u.a. mit den Ansprüchen, die sich aus der christlichen Botschaft für deren Leben ergeben. Viele Männer in westlichen Gesellschaften würden erkennen, dass man sie täusche, wenn man sie in ihren Schwächen bestätige und ihnen einen nur auf materielle Dinge beschränkten Lebenssinn zu vermitteln versuche. Sie sehnten sich nach großen Aufgaben und seien bereit dazu, sich den unangenehmen Wahrheiten über den Menschen und das Leben zu stellen.

Der katholische Theologe Ulrich Lehner hatte in diesem Zusammenhang Strömungen im Christentum kritisiert, die dessen maskuline sowie harte, ernste und fordernde Inhalte ausblenden und durch die Suche nach angenehmen Gefühlen ersetzen würden. Strömungen dieser Art würden die Kirche in allen westlichen Gesellschaften zunehmend prägen und stellten eine „tödliche Gefahr“ für das Christentum dar, weil sie seinen Kern aushöhlten.

Bischof Charles Joseph Chaput forderte deshalb vor einigen Monaten eine Erneuerung der Tradition männlicher Spiritualität in der katholischen Kirche:

Männer brauchen Herausforderungen. Männer müssen ihren Wert prüfen und beweisen. Männer fühlen sich dann lebendig, wenn sie sich für eine Sache einsetzen können, die größer ist als ihr eigenes Wohlergeben. Dies ist der Grund dafür, warum junge Männer in den Dienst bei den Marines, den Rangern oder den SEALs eintreten. Sie tun dies nicht obwohl es fordernd ist, sondern eben weil es fordernd ist; weil es weh tut; weil sie die Besten sein wollen und sie sich einen Platz unter Brüdern verdienen wollen die ebenfalls die Besten sind.

Männer schlossen sich den frühen Kapuzinern und Jesuiten nicht an um vor der Welt zu fliehen, sondern um sie zu verändern; um die Welt zu konvertieren indem sie alles vom Mann forderten was er zu geben hat – seine ganze Energie, seine Liebe, sein Talent und seine Intelligenz – im Dienst an einem Auftrag, der größer und wichtiger ist als das Ego und jedes triebhafte Streben.

Dies ist der Grund dafür, warum das Rittertum […] die Herzen und die Vorstellung von Männern immer noch fesselt. Als Männer liegt es in unserer durch das Wort Gottes bestätigten Natur, drei Aufträge zu erfüllen: Zu versorgen, zu schützen und zu führen – nicht um unserer selbst willen, nicht für unsere leeren Eitelkeiten und Lüste, sondern im Dienst an anderen.

Der Autor Leon J. Podles hatte 1999 ein im englischsprachigen Raum stark wahrgenommenes Werk mit dem Titel „The Church Impotent: The Feminization of Christianity“ veröffentlicht, in dem er in diesem Zusammenhang Feminisierungstendenzen im europäisch-geprägten Christentum untersuchte.

  • Er stellte in diesem Zusammenhang fest, dass maskuline Spiritualität, die im Christentum traditionell eine große Rolle spielte, vor allem seit dem 19. Jahrhundert sowohl im Katholizismus als auch im Protestantismus in den Hintergrund getreten sei. Maskulinität würde in beiden Konfessionen im europäisch-geprägten Kulturraum mittlerweile häufig eher als ein zu bekämpfendes Problem wahrgenommen.
  • Aspekte maskuliner Spiritualität wie der Ruf zu Dienst und Opfer sowie asketische Elemente oder die Bereitschaft, sich in den Gegensatz zur umgebenden Welt zu stellen, seien im Zuge dieser Entwicklung stellenweise aus dem europäischen Christentum verschwunden. Jesus Christus, der über den größten Teil der Geschichte des Christentums auch in seinen Eigenschaften als Held, siegreicher Kämpfer gegen das Böse und König dargestellt worden sei, wäre in diesem Zusammenhang verbreitet zu einer von femininen, weichen Eigenschaften geprägten Gestalt umgedeutet worden.
  • Studien würden belegen, dass sich in Folge dessen Männer mit dem Grad ihrer Maskulinität vom Christentum abwenden würden.

Diese Entwicklung sei vor allem deshalb ein Problem, weil sie zu einer verzerrten Darstellung des Christentums führe und viele Männer vom Christentum abstoße. In zweiter Linie führe dies dazu, dass der Kirche, der Kultur und dem Gemeinwesen die Männer und der männliche Geist des Dienstes zunehmend fehlen würden, den sie dringend benötigten. (ts)

14 Kommentare

  1. Lieber Herr Kemmer,

    ich beziehe mich auf Ihren Kommentar vom 6. November:

    Wenn wir über „Gott“ sprechen, sogar bekennen, dass wir an ihn glauben, dann wenden wir uns an den Schöpfer des Himmels und der Natur. Gott ist jenseits der Natur. Er hat die Natur geschaffen, er steht über seiner Schöpfung, er ist übernatürlich. Das wissen und glauben Sie natürlich alles und das sagen Sie auch. Ich auch. Also kein Thema.

    Gott hat den Menschen als sein Ebenbild erschaffen. Nur daraus rührt die viel zitierte Würde des Menschen. Fast möchte man sagen „aus Respekt vor der Würde des Menschen“ überlässt er in seiner Schöpfung sehr, sehr viel dem Menschen. Sogar die Vollendung seiner Schöpfung, wobei er den Menschen immer begleitet. Das ist alles fester christlicher Glaube.

    Wir sollten also nicht auf den großen übernatürlichen „Donnerschlag“ Gottes warten, der alles schön richtet angesichts unserer allgemein bekannten Situation. Er erwartet von uns, dass wir zu Ihm halten, dass wir umkehren und uns in seinem Weinberg einbringen. Wer ist „wir“? An erster Stelle bin ich das für mein Leben. Und natürlich Sie und all die vielen anderen. Wer denn sonst?

    Aus unserer Kommunikation entnehme ich, dass Sie das alles verstehen und als Christenmensch leben. Ich versuche das auch. Wenn Sie noch jung sind (ich auch), haben wir noch etwas mehr Zeit als Andere, aber nicht viel mehr. Am Ende unseres natürlichen Lebens wird es wohl nur darum gehen: Nicht was die Anderen gemacht oder nicht gemacht haben, sondern ob ich mit meinen Talenten, die ich erhielt, gewirtschaftet habe. Also bemühen wir uns. Ich bin überzeugt: Es geht nur um das redliche Bemühen. Das Ergebnis schafft Er.

    • Werter Herr Baron,
      Dank für Ihr Interesse an meinem Kommentar. Nun warte ich nicht auf Gottes wundersamen Donnerschlag. Ja, manches Mal bitte ich ihn darum, wenn mal wieder eine besonders erschreckende Nachricht veröffentlich wird und ja, ich traue ihm das auch zu. Und manches Mal stelle ich ihm auch die Theodizeefrage, warum er das alles, was so geschieht, zulässt und nicht nur zulässt, sondern sich das Hässliche, das abgrundtief Schlechte, das Quälen von Mensch und Tier, das Sadistische in Echtzeit alles auch noch anschauen kann, während wir, wenn wir uns etwas Sensibilität bewahrt haben, nicht einmal Filme zu Ende schauen könnten, die solche Inhalte hätten. Ja, ich stelle mir zuweilen die Frage, wie Gott es schafft, die Ungeheuerlichkeiten des 30-jährigen Krieges, die Kreuzigungen und anderen Schandtaten im alten Rom, den 1. u.2. Wk, die Hexenverbrennungen, die Inquisitonstaten, die Religionssünden der anderen Religionen und deren Vertreter und der Kirchenvertreter nicht nur in heutiger Zeit, Katastrophen, Kinderpornografie, Kinderstrich, Kinderarbeit, Frauenbehandlung in jeglicher Form, die menschenrechtswidrig ist, sich ansehen zu können und obwohl er es könnte, nichts zu tun. Wäre er Mensch, würde der Staat ihn wegen unterlassener Hilfeleistung zur Rechenschaft ziehen. Und ja, aus diesen Gründen habe ich auch Zweifel an seiner Existenz hier und da selbstverständlich auch. Ich denke, dass geht möglicherweise Vielen so. Dann denke ich an das Wunder Seines Sohnes, die Demut Gottes, die uns beschämt, diese Glaubenszweifel zu haben und dass wir diejenigen sind, die seine Gebote missachten und mit Füßen treten und dass wir „den freien Willen“ haben, entweder ihm oder dem Bösen nachzufolgen. Dann denke ich an Jesus, der die Welt so ließ wie sie war. Er hat ja auch nicht allen geholfen durch seine Wunder, sondern er sagte uns, dass wir allzeit Arme bei uns hätten und damit zum Ausdruck bringen wollte, dass immer alles irgendwie unerreichbar ist, aber wir in christlicher Weise tätig werden müssen, wenn wir ihm nachfolgen wollen. Dann stelle ich mir vor, dass Gott die Schöpfung nach dem Ungehorsam von Menschen endlich erschaffen hat im Sinne von unvollkommen und wir in den Kreislauf von Leben und Tod eingebunden sind und wir allein damit klarkommen müssen. Wir tragen die Verantwortung, nicht Gott. Dann gebe ich mich mit solchen und anderen Antworten auf die wohl immer konstant vorhandene Theodizeefrage zufrieden. Ja, dann baue ich meinen Glauben immer wieder neu auf, denn der Glaube ist für mich keine statische Größe, wenn ich für mich ehrlich bleiben will. Der Glaube ist ein Geschenk, eine Gnade. Viele Menschen, die nicht glauben können, zerbrechen gerade an der Theodizeefrage und bezeichnen den Glauben als Selbstberuhigung und Selbstbetrug. Und in diesem Augenblick schweigt die Kirche über ihren Schatz an Berichten über Wunder im Laufe der Kirchengeschichte. Ich bin nicht wundersüchtig. Aber auf solche existenziellen Fragen sollte die Kirchen nicht nur philosophisch antworten, sondern das offenlegen, was ihr durch Gott anvertraut wurde. Die Menschen um Jesus glaubten auch nicht an ihn, selbst die Apostel nicht, bevor das Wunder der Auferstehung geschah. Erst da glaubten sie. Die Menschen haben sich nicht verändert. Ich meine nur, man sollte den Glauben an Wunder, die auch heute noch geschehen, nicht verlieren, sie aber nicht zum Bestandteil des Glaubens machen, als Bereicherung ja, nicht als Glaubenssubstanz. So habe ich den Donnerschlag“ gemeint.

      Ja, Ihr Kommentar sagt alles Nowendige zum christlichen Verhalten und ich wäre der letzte, der etwas kritisches zu Ihrem Kommentar schreiben würde. Im Gegenteil, ich freue mich, dass es junge Menschen gibt, die in ihrem Glauben so fest verwurzelt sind. Ich trete gerade mit 65 Jahren nicht nur die Rente, sondern auch meinen letzten Lebensabschnitt an, wie man so schön zu sagen pflegt. Ja, und jeder ist für sich selbst verantwortlich, wenn damit das eigene Seelenheil gemeint ist und doch würden wir uns letztlich auf eine schiefe Bahn begeben, wenn wir nur Gutes tun würden, um das eigene Seelenheil zu retten. Nein, auch da ist Empfindsamkeit und klare Richtschnur angesagt. Jesus sagt sinngemäß: Tut das Gute, erleidet das alles um „meinetwillen“, also aus Liebe zu ihm und zum Vater im Hl. Geist. Das ist das wohl für viele unerreichbare Ziel der Vollkommenheit des christlichen Glaubens. Es ist richtig, dass jeder allein sich vor dem Richterstuhl Gottes zu verantworten hat. Da kann ihm niemand helfen. Aber versuchen können wir es und das reicht aus. Was Jesus will ist letztlich, die Verkleinerung des Ego und die Vergrößerung des Du, sei es in der Gottes- oder in der Nächstenbeziehung.

      Hätte ich Jesus Christus nicht in mein Herz gelassen, wäre ich strammer Atheist geworden. Dafür bin ich Jesus noch heute dankbar.

      Dank nochmals für Ihren Kommentar.

      Ich wünsche Ihnen natürlich und allen anderen Mitforisten, dass sie immer im Glauben verwurzelt bleiben können. Ich versuche es auch, wie der hl. Paulus jedoch schreibt im Hohen Lied der Liebe über das irdische Leben so schön sagt: Stückwerk.

      • Lieber Herr Kemmer,

        Vielen Dank! Marschieren wir also weiter, sozusagen: Demütig, gesenkten Hauptes….durch die dicke Wand! Dabei sind wir robuste, belastbare Katholiken geworden in einer herausforderungsvollen Umwelt. So ist es: „Was Jesus will ist letztlich, die Verkleinerung des Ego und die Vergrößerung des Du, sei es in der Gottes- oder in der Nächstenbeziehung“.

        Damit verabschiede ich mich von unserer kurzen, aber wertvollen Begegnung auf unserem gemeinsamen Gang in dieselbe Richtung. Alles Gute!

  2. Werter Herr Baron,
    ich habe, um auf ihre theoretisch gemeinte Frage zu antworten, im Grunde hier und da Gespräche über den Glauben geführt, mit Muslimen, mit Atheisten, mit meinen Auszubildenden, wenn diese religiöse Themen interessiert hatten – und das kam sehr selten vor – konnte jedoch niemanden überzeugen. Letztlich: Mangelndes Interesse.

    Ich mache mir keine Sorgen über die Menschen, die in ihrem Christentum glücklich leben.

    Werte Dorothee,
    es ist schön, dass Ihnen die tridentinische Messe so viel innere Andacht gegeben hat. Mir jedoch nicht. Ich bin als Kind noch mit dieser aufgewachsen und als Messdiener noch tätig gewesen. Confiteor und Suscipiat waren die Gebete, die Messdiener (nur Jungs natürlich) auswendig lernen mussten. Ich als kleiner Pimpf musste dann das schwere Lektionar mit hölzerner Buchunterlage von einem Ende des Altars zum anderen Ende schleppen. Einmal lag ich da. War eine niedliche Erfahrung. Ich kann keines mehr davon. Ich habe deren Bedeutung damals auch nie verstanden. Es hat mir niemand die Bedeutung auf deutsch erklärt. Oder ich hab´ nicht aufgepasst.

    Mir persönlich gibt eine lateinische Messe eher wenig, höchstens verstandesmäßig.

    Ich mache mir jedoch Sorgen über Menschen, die von Jesus erfahren könnnten, es aber aus Desinteresse und aus mangelndem Wissen über die Wichtigkeit ihr Seelenheil betreffen, heraus nicht tun. Die Analysen, die auf diesem Blog so exzellent ausgedrückt werden, sind schon wichtig als Ausgangslage dessen, was zu erkennen ist.

    Die Frage, wie diese Ausgangslage verbessert werden kann, habe ich schon des Öfteren gestellt. Klar, persönliches Beispiel geben ist immer gut und wohl auch das beste Missionsbeispiel. Aber das ist nicht der Kern des Problems, auch wenn ich jetzt wieder dröge werden muss.

    Das Hauptproblem ist doch, überhaupt das Interesse für religiöse, spirituelle Dinge zu wecken in einer Gesellschaft, die eher gottvergessen agiert. Wenn ich all das tue, was die werte Dorothee und der werte Herr Baron vorgeschlagen haben, so bin ich mir selbstverständlich bewusst, dass der Herr mit seiner Gnade mich und auch die Dorothee und den Herrn Baron nicht fallenlassen wird. Aber was ist mit den vielen anderen? Reicht es aus, wenn wir unser Seelenheil im Sicheren wissen, aber die Seele der anderen kalt bleibt? Genau das ist das Problem und wie interessiere ich die mit sich selbst zufriedenen Menschen ohne geistliche Ansprüche? Sie brauchen Gott für ihr Leben nicht, meinen sie.

    Ich denke letztlich schon, dass das Beklagen und die nüchterne Erkenntnis aller Punkte, die zu diesem Verfall geführt haben und welches die Folgen sind für die menschliche Seele zunächst voll ausgeleuchtet werden müssen, wenn man sich an die „Reparatur“ heranwagen soll. Vielleicht sind die Ursachen durchaus auf diesem Blog bereits sehr gut ausgeleuchtet worden.

    Aber sind es auch die Folgen der seelischen Beschaffenheit von Menschen, die gottvergessen leben? Sollte dieser Punkt nicht auch deutlichst herausgestellt werden, bevor hier Lösungsansätze zur Behebung der Misere formuliert und ausgeführt werden (können)? Denn die Menschen müssen doch dort abgeholt werden, so sie gerade sind, in ihrem Desinteresse, in ihrer Gottvergessenheit. Wie ist die seelische Befindlichkeit von Menschen, die Gott nicht brauchen, von Atheisten oder Agnostikern oder die falschen Göttern anhängen. Ich denke, da muss auch noch dröge Aufklärungsarbeit geleistet werden.

    Darum ich bleibe dabei: Gott selbst muss eingreifen in einer Zeit, in der das Christentum in Europa – auch wieder dröge – letztlich in der Versenkung verschwindet. Wie wollen wir einer atheistisch und säkular geprägten, ja einer islamischen Religion begegnen, wenn sich die Seelen nicht einmal für ihr Seelenleben im wahrsten Sinne des Wortes interessieren.

    Sorry für die Drögheiten, die ich hier wieder so pessimistisch zum Besten gegeben habe.

    Es geht doch um das Wohlergehen aller Seelen. Und da ist eine Bestandsaufnahme m. E. schon wichtig, aber eben auch die zweite Frage, die hier vielleicht nochn nicht so intensiv beantwortet wurde: die Folgen die Ursachenanalyse für die einzelnen Menschenseelen im irdisch-geistlosen Nirwana.

    • Lieber Herr Kemmer,

      ich möchte nochmals zu bedenken geben: Wenn wir unsere apostolischen Bemühungen gleich einstellen, weil wir keinen Erfolg zu sehen glauben, ist der Teufel begeistert. Er hat gewonnen. Ich bin zutiefst überzeugt, dass Ihre Gespräche „hier und da“ Wirkung hatten, auch wenn Sie keine feststellen konnten, falls Sie diese im Vertrauen auf Gottes Beistand geführt haben. Gespräche dieser Art aus einer Art Besserwisserei ohne Aufschauen auf Gott, also ohne Gebet könnten fruchtlos bleiben. Gespräche aber als Werkzeug Gottes, im Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes, werden immer geistliche Wirkung haben, auch wenn Sie nichts feststellen können. Apostolisches Wirken bedeutet auch: Auftreten, Beispiel geben – und weiter gehen.

      Und noch etwas: Sie bleiben dabei, „Gott selbst muss eingreifen“. Ich widerspreche Ihnen insoweit als dieses Eingreifen nicht mit einem Donnerschlag, Blitz oder was auch immer an göttlicher Machtexposition zu erwarten ist, sondern nur durch Menschen wie Sie und ich. Menschen wurde von Gott die Kirche anvertraut und geschenkt, durch Menschen will Gott seine Schöpfung zur Vollendung führen. Und natürlich bewegt sich alles in diese Richtung. Das ist kein naives Schöndenken, sondern die Realität christlichen Glaubens

      • Werter Herr Baron,

        Dank für Ihren Kommentar.
        Gottes Eingreifen kann auch übernatürlich sein. Ja, Jesus hat auch in seiner idrischen Existenz mehr als übernatürlich eingegriffen. Und das glauben wir doch als Christen alle. Das verkündet sogar der Koran als Wahrheit. Und Gott hat dies nicht nur in Guadalupe mehr als eindrucksvoll getan. Wir neigen dazu, Gott die Möglichkeit zu versagen, übernatürlich einzugreifen, weil wir es uns in einer Wissenschaftshörigkeit nicht erklären können, warum Gott hier und da übernatürlich eingreift, aber nicht bei uns selbst. Dann neigen wir dazu, einfach zu negieren und zu ignorieren, dass Gott je in die Welt übernatürlich eingreifen wird. Diese Wunder Gottes sind eben nicht im Labor reproduzierbar. Deshalb werden sie einfach ignoriert. Insofern machen wir uns dann wieder zum Mittelpunkt und nehmen uns zu wichtig. Ich darf hier bekennen, dass ich schon des Öfteren um ein übernatürliches Eingreifen Gottes gebetet habe, weil ich keinen oder nur einen extremen Not-Ausweg aus der Christentumskrise in Europa sehe. Gott wird einen parat haben. Und wenn wir glauben, dass Jesus lebt, dann ist es ihm auch möglich, auch heute noch Wunder zu tun. Wir sollten auch hier die Hoffnung nicht aufgeben. Oder trauen wir Gott solche Wunder nicht mehr zu?

        Dass Wunder für den Einzelnen auch Gestalt der Nächstenliebe durch Menschen ins Leben treten können, die aktiv helfen, ist Fakt. Klar! Ja, und das ist und muss auch „die Realität des christlichen Glaubens“ sein.

        Sie folgen dem Ausspruch: „Ich habe keine anderen Hände als die Euren“, die in der St. Ludgeri-Kirche in Münster unter einem Kreuz steht, dem im 2. WK die Arme Jesu abgebombt wurden (Der Korpus blieb erhalten), ist und war nie die einzige Option göttlichen Einflusses.

        https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/88/Muenster_Ludgeri_Kreuz.jpg

        Das Hoffen auf Gottes übernatürliches Eingreifen kann selbstverständlich nicht alleinige Hoffnung sein. Wir müssen – und da gebe ich Ihnen völlig Recht – persönlich mit Hand anlegen. Das Eine schießt das Andere ja nicht aus. Ich würde mir nie erlauben, Gott vorzuschreiben, dass er nicht mehr übernatürlich eingreifen darf. Er hat es vor 2000 Jahren getan. Er hat es in Mexiko in Guadalupe im 16. Jahrhundert getan. Er hat es im Kleinen in Lourdes und Fatima und anderen Orten getan. Warum sollte er es nicht wieder tun?

        Der Gottesglaube ist ja nicht aus dem Nichts entstanden. Der Gottesglaube hatte immer mit übernatürlichen Erfahrungen durch Einzelne zu tun. Selbst Nahtoderfahrungen werden als Gotteserfahrungen hier und da von den Erlebenenden gedeutet. Und wenn wir schon auf diesem Parkett sind: Ist gefühlte Liebe nicht auch eine göttliche Erfahrung, eine Liebe, wo Menschen treu bleiben bei Partnern, die jahrelang bettlägerig erkrankt sind und sie aufopfernd pflegen, mit menschlichem Ermessen nicht zu fassen? Oder wenn Angehörige von ermordeten Märtyrern den Tätern vergeben? Ich denke, dass solche Großtaten auch schon fast übermenschlichen, ja, warum sagen wir es nicht, übernatürlichen Charakter haben. Hier tritt der Mensch aus seiner Natur völlig heraus. Auch hier verschwimmen die Grenzen.

        Ich denke, wir ehren Gott nicht, wenn wir ihm Seine Übernatürlichkeit durch direktes Wirken auf Erden absprechen. Wir denken dann Gott beschränkt und nicht groß genug.

  3. Ich habe neulich im Sortiment des Herder Verlags gestöbert und musste feststellen, dass etliche der anspruchsvolleren „Klassiker“ (war auf der Suche nach Johannes vom Kreuz) schon lange aus dem aktuellen Sortiment verschwunden sind, dass es aber dafür eine reichliche Fülle an religiösen Bücher aus einer eindeutig therapeutischen Perspektive gibt.

    Ja, die Religion verkommt zu einer Art Wohlfühlprogramm, das hauptsächlich Frauen anspricht, wenn alles Fordernde (in der Lebensführung und der religiösen Praxis, sowie in den intellektuellen Aspekten) vernachlässigt wird, um bloß niemanden abzuschrecken. Ich als Frau kann gut nachvollziehen, dass Männer sich von so etwas nicht angesprochen fühlen. Ich selber fühle mich wenig angesprochen.

    Aber das erste Mal, dass ich eine tridentische Messe besuchte, war ich zutiefst beeindruckt von den Menschen da, die sich die Mühe gemacht hatten, diese Form der Liturgie und die lateinischen Gebete zu lernen. Ich war beeindrückt, dass ihnen ein Anspruch gestellt wurde und sie darauf antworteten.

    Wie Herr Baron schrieb, müssen wir uns selber fragen, ob wir die Christen sind, die wir gerne wären. Ich denke, jeder, der seinen Glauben vertiefen möchte, kann das Werkzeug dafür erlernen, regelmäßig die Sakramente empfangen, geistliche Begleitung aufsuchen, sein Gebetsleben intensiver gestalten. Das ist der erste Schritt. Auch wir, die so denken, können mehr Verantwortung in der Katechese unserer Kinder übernehmen, können uns mit Gleichgesinnten vernetzen, können Orte aufsuchen, an dem noch ein aufrichtiges Christentum gelebt wird. Und Gott vertrauen! Wenn wir uns ganz nach Ihm richten, haben wir das Wichtigste schon getan.

  4. Das ist alles gut und richtig, aber:
    Die weltweiten Statements, Meinungen, Vorschläge, Entrüstungen zur Lage und zu Vorgängen in der katholischen Kirche sind inzwischen nicht mehr zu entwirren. Manchmal scheint es auch wie ein Geschnatter zu sein, besonders wenn Unberufene und Weltverbesserer sich melden.
    Es ist so dröge, immer wieder zu hören, was sein sollte, was sein müsste. Als würde sich alles verklären, wenn es nur so wäre. Nein, das wird nie kommen.
    Es bleibt wie es immer war und sein wird: Jeder Mensch wird am Ende nicht daran gemessen werden, wie die allgemeine Lage war, sondern nur daran, wie sein persönliches Leben vor Gott war. Müsste ich am Ende meines Lebens erkennen, dass ich mich eigentlich nie um das Wesentliche, nämlich die ständige Gegenwart Gottes in meinem Leben, wohl aber um anderweitige Zustände gekümmert habe, wäre das wohl fatal.
    Es ist alles vorhanden: Die Lehre der Kirche, ihr sakramentales Angebot an den Gläubigen stehen nach wie vor fest (und werden bleiben). Kenne ich mich da aus? Lebe ich das? Bemühe ich mich um einen persönlichen Umgang mit Gott?
    Wenn das so ist, wird es mir leicht fallen, zu unterscheiden und die richtigen Antworten für mein Glaubensleben zu finden. Und wenn alle Katholiken in diese Richtung sich wenden würden: Oh, dann wäre wirklich alles anders.

    • Werter Herr Baron,
      ich denke, dass das den Kommentatoren durchaus bewusst ist. Und es ist völlig richtig, was Sie schreiben. Jedoch gilt doch unser aller Sorge denen, die diese Klarheit im Glauben leider nicht haben und danach handeln können. Die im wahrsten Sinne des Wortes „Seelsorge“, die insbesondere Priester oder auch Gläubige leisten sollten, bleibt aus, weil das einfachste Glaubenswissen nicht mehr – und schon garnicht mehr im Religionsunterricht – vermittelt wird. Das ist doch das Problem. Die Älteren wissen um ihren Glauben bzw. sollten um ihren Glauben wissen.

      Jesus hat auch den Idealzustand verkündet, wohlwissend, dass es den Menschen fast unmöglich ist, dem zu folgen. Er hat es ihnen jedoch zugetraut. Und so wie ich ihn verstanden haben, reichen ernsthafte Versuche und das stetige Wiederaufstehen nach jedem „Sündenfall“ eines ernsthaften Glaubens aus, um der Gnade Gottes teilhaftig zu werden.

      Ich denke, dass ich für Viele hier schreibe, dass uns hier die Sorge um die Seelen der Menschen, die zu retten sind, umtreibt. Die Fragen, die Sie völlig zu Recht in den Raum stellen, gilt für diejenigen, die noch das Glaubenswissen innehaben, also letztlich den Älteren. Die Jungen sind eben durch den sorglosen Umgang der Kirche mit der Vermittlung des Glaubensgerüstes wie der Bedeutung der Eucharistie wohl nur unzulänglich informiert.

      Sie schreiben: Und wenn alle Katholiken in diese Richtung sich wenden würden: Oh, dann wäre wirklich alles anders.

      Genau den Zustand wollen wir alle, aber den zu erreichen, ist eben bei all den Wirrnissen von Glaubens-Infos eben nicht mehr leicht zu treffen für den Einzelnen. Kennen Sie junge Leute, die den Katechismus gelesen haben oder überhaupt etwas von seiner Existenz wissen und wenn sie ihn kennen, wurde er wohl von Religionslehrern und Theologen eher lächerlich gemacht? Es wird eine verschwindend geringe Zahl sein. Ihnen wird somit überhaupt die Möglichkeit genommen, sich damit zu beschäftigen oder man vermiest ihnen das mögliche Interesse.

      Diese Kenntnis des Glaubens, die Ihnen und uns hier möglicherweise noch in den Kinderjahren beigebracht wurde, ist aber leider nicht mehr als selbstverständlich gegeben vorauszusetzen. Das ist das Problem. Viele oder einige Geistliche haben auch da kein Problembewusstsein mehr, denn die Meinung scheint vorzuherrschen, dass alle unter die Gnade Gottes, egal ob gläubig oder nicht, fallen. Und diese Einstellung scheint mehr als leichtfertig zu sein. Die Menschen hier auf Erden in Sicherheit zu wiegen, um dann zu Beginn des jenseitigen Lebens möglicherweise andere schmerzliche Erfahrungen über sich ergehen lassen zu müssen.

      Diese Problemstellung muss allerorten irgendwie gelöst werden und das ist nicht einfach. In meiner Familie ist das z. B. äußerst schwierig. Meine Kinder und meine Frau sind von der kath. Kirche wenig begeistert. Und was die politische Ausrichtung und teilweise auch die religiöse Ausrichtung dieser meiner Kirche ist, bin ich es auch nicht. Aber ich gebe sie nicht verloren, weil es nicht nur die deutsche Teilkirche gibt. Der Besuch der hl. Messe gibt mir ein lebendiges Glaubensleben und das ist für mich gut so.

      Ich weiß, wie schwer es ist, Menschen zu überzeugen vom Glauben. Ich habe es vergeblich selbst in meiner Familie versucht. Ich bin schon froh, dass meine (längst erwachsenen) Kinder noch beten. Darum ist meine Liebe zu meiner Familie nicht weniger geworden. Aber mein Gebet um sie ist umso intensiver.

      • Lieber Herr Kemmer,

        das ist es doch gerade, was ich als dröge empfinde, dass landauf, landab geklagt und gejammert wird, wie schlimm alles sei. Und es ist wirklich schlimm. Aber das wissen wir doch längst!

        Aber, und das steht hinter meinen Zeilen, was tun wir und ganz konkret auch Sie, um der allgemein bekannten und jetzt von Ihnen erneut beschriebenen Unheillage abzuhelfen? Natürlich ist meine Frage an Sie rhetorisch gemeint und nicht auf eine ausgesprochene Antwort aus. Aber diese Frage muss sich jeder stellen, insbesondere diejenigen, die an- und beklagen. Was tun Sie, ich, um einen Beitrag zur konkreten Besserung zu leisten? Und zuerst: Was kann ich tun?

        Darauf gibt es klare Antworten, eine Fülle von Möglichkeiten. Viele von denen, die jammern, scheinen in der Betroffenheitsfalle zu stecken, sie erwecken den Eindruck, sie wären es zufrieden, wenn sie nur laut und einfallsreich genug die Finger auf die Wunden gelegt hätten. Das ist fatal. Im letzten Viertel Ihres Kommentars bringen Sie zum Ausdruck, dass Sie nicht zu diesen Mitchristen zu gehören scheinen.

        Ich möchte Sie noch gerne ermutigen und ermuntern bei den von Ihnen angedeuteten Schwierigkeiten, die auch mir bestens vertraut sind: Sie schreiben, dass Sie es „vergeblich“ versucht haben. Ich weiß nicht, woran Sie einen „Erfolg“ und eine „Vergeblichkeit“ messen. Aber Sie glauben wie wir alle, dass jedes Gebet sofort, unmittelbar, mit unvorstellbarer Liebe entgegengenommen, gehört und erhört wird. Alle Ihre Gebete sind erhört worden, das sage nicht ich, sondern unser Glaube. Das Gebet ist die stärkste „Waffe“. Solange wir beten, dürfen wir hoffen, und christliche Hoffnung ist „sichere Erwartung“ (Papst Franziskus).

    • Sehr geehrter Herr Baron,
      vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Ich habe diesen Beitrag auch aus persönlichen Gründen verfasst. Vor einigen Jahren war ich noch Protestant und zweifelte irgendwann an der Glaubwürdigkeit des Christentums, weil ich die in Deutschland vorherrschende Form des Protestantismus mit diesem gleichsetzte.

      Mir hat es sehr geholfen, als ich eines Tages auf eine Schrift eines aus Spanien stammenden Heiligen der katholischen Kirche stieß, der die christliche Botschaft ganz ohne Sentimentalität und Süßlichkeit in ihrer ganzen fordernden Härte vermittelte.

      Ich werde diesen Forderungen nicht einmal annähernd gerecht, aber um sich dessen bewusst zu werden, muss man zunächst einmal wissen, dass es diese Forderungen Gottes überhaupt gibt. An diesem Punkt konnte ich wieder glauben bzw. annehmen, dass Gott existiert und nicht nur eine Wunschvorstellung sentimentaler Personen und ihres Strebens nach Flucht aus Welt ist. Ab diesem Punkt konnte ich auch die Lehre der Kirche ernst nehmen, mich für das Wirken der Sakramente öffnen und so versuchen als Christ zu leben, wie Sie es beschreiben.

      Wenn es vereinzelt auch in der katholischen Kirche Tendenzen gibt, alles Harte und Fordernde auszublenden, weil man es den Menschen angeblich nicht zumuten könne, halte ich das aufgrund meiner persönlichen Erfahrung für einen fatalen Fehler, der vielen Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie ich vor einigen Jahren, vom Glauben abstößt.

      Ich würde auch nicht sagen, dass ich die Lage der Welt beklage. Diese Lage erscheint mir eher eine Gelegenheit zum Dienst darzustellen. Einer meiner Dozenten an der Führungskademie der Bundeswehr (ein unsentimentaler Protestant) beschrieb einmal die Psychologie des Soldaten mit den Worten, dass auch der Feuerwehrmann von der Tatsache, dass es katastrophale Brände gebe, keinesfalls innerlich niedergedrückt werde. Ohne diese Brände wäre sein Leben ohne Gelegenheit, echte Risiken im Dienst am Nächsten einzugehen, und vor der Vorstellung eines solchen Lebens hätte der Feuerwehrmann (anders als vor den Bränden) tatsächlich Angst.

      Vor diesem Hintergrund sind auch die Beiträge zum Thema Lage zu verstehen: Sie sollen nicht Pessimismus erzeugen, sondern Menschen ansprechen, die nach großen Aufgaben suchen. Wenn man dem hl. Thomas von Aquin Recht folgt, dann stellt die Suche nach solchen bzw. die „magnanimitas“ ein durchaus christliches Motiv dar. Auch das wusste ich als Protestant noch nicht.

      • Lieber Herr Simon,

        wunderbar, da bin ich voll bei Ihnen. So kann man die vielen Lagebeschreibungen verstehen und aufnehmen, so geht es dann in die richtige Richtung. Und Ihren Kommentar sowie besonders Ihre persönliche Erfahrung sind außerordentlich wichtig und anregend; denn eine Verwässerung der christlichen Lehre, ein bewusstes Herausnehmen der „Härten“ wäre doch eine klare Verdrehung dessen, was Christus uns in aller Deutlichkeit unmissverständlich wiederholt gesagt hat.

        Das bedeutet auch, dass wir als Christen ebenso deutlich, aber klug diese Botschaft weitergeben sollen. Dabei sollten wir nicht auf „Erfolg“ schielen. Erfolg schaffe nicht ich, sondern Gott. Wir sollten aussprechen, Beispiel geben – und weitergehen. Wir sind Werkzeuge Gottes, aber nicht die erfolgreichen Ernter.

        Im übrigen geht es mit uns Christen ja nicht in den Abgrund, natürlich nicht, sondern in Richtung Vollendung. Das ist auch die christliche Botschaft. Aber zwischendurch gibt es diese schrecklichen Strecken. Weshalb sind sie schrecklich? Weil so viele Menschen – es sind alle unsere Schwestern und Brüder – zumeist in völliger Gleichgültigkeit zu Boden, vielleicht auch ins Bodenlose, taumeln wie Herbstlaub. Es hilft hier nur das Gebet derjenigen, die dabei sind und das miterleben, das ist unsere gegenwärtige christlich wache Generation. Das Gebet ist das Allerwichtigste, dieses dauernde bei Gott Vorsprechen, nicht nur zu festgesetzten Stunden und wenn man sich danach fühlt, sondern gewissermaßen dauernd.

  5. Schauen wir uns doch einmal den Kirchenbesuch an: 80 % Frauen, 10 % Männer und 10 % Kinder. Ich denke da braucht man kein Wort mehr zu verlieren.

    Im Islam ist eine Männerreligion vorzufinden. Frauen haben dort das Männerdenken verinnerlicht und haben ihre Rolle „aus Überzeugung und mit Selbstbestimmung“ angenommen. Die Kopftuchdebatte erspare ich mir hier.

    Männer stehen in der Kirche am Altar. Selbst Messdienerinnen sind in der Mehrzahl. Jungen kaum noch. Das alles hat aber seine Ursachen in der Indoktrination des linken Feminismus. Wir haben unsere Jungen seit Jahrzehnten zu Schafen erzogen, die nicht mehr wehrfähig sind. Wehrpflicht wurde abgeschafft. Mädchen wurden einseitig gefördert. Erzieher, Lehrer Mangelware. Frauen erziehen, Frauen lehren und Frauen gehen immer den Weg des Nachgebens und des gewaltfreien Weges. Väter vielerorts weg oder beruflich so eingespannt, dass sie sich kaum um Kinder kümmen können. Sozialberufe: Frauensache. Selbstverteidigung wurde den Jungen als unmännlich ausgeredet. Bloß nicht zurückschlagen! Gewalt wurde geächtet, was auch als Angreifaktion richtig ist, nicht jedoch als Verteidigungshandlung. Täterschutz geht noch heute dem Opferschutz in dieser Gesellschaft vor und nun hält nunmehr eine religiöse Kultur Einzug, die auf solche von Linken und insbesondere von Frauen geprägte Weichkultur nur noch mit Verachtung reagieren kann. Das ist die gesellschaftliche Situation außerhalb der Kirche. Dass diese Einstellung in der Kirche zusammen mit Jesu Gottes-, Nächsten- und Feindesliebegebot nur zu gern angenommen wurde und sogar vielerorts als Erleichtung wahrgenommen wurde, ist wohl kaum ein Wunder. Und mit der Annahme dieser gesellschaftlichen Weicheierei wurden dann auch die harten Stellen des Evangeliums gleich mit weginterpretiert und Jesu wurde zum ideellen göttlichen Schmusekater erhoben (weiß Gott in deren Augen nicht degradiert!)

    In dieser gesellschaftlichen und kirchlichen weichen von Nächstenliebe erfüllten Atmosphäre war es wohl selbstverständlich, dass die menschlichen Gefühle für die Kirche zum religiösen Maßstabsrüstzeug mutierten. Ich denke, dass nicht der Fehler gemacht werden sollte, die Kirche als eine Insel in der Gesellschaft zu sehen, sondern als Teil dieser Gesellschaft. Wenn Schule, Universität, Elternhaus und andere Wertebewusstseinsschaffungsorganisationen diese Welle der Weichheit und Liberalität einhergehend mit Relativismus und Feminismus geistig nicht nur mittragen, sondern auch noch fördern, ist es auch um die christliche Ritterlichkeit und Wehrhaftigkeit in der kath. Kirche geschehen.

    Die harten Äußerungen Jesu werden uminterpretiert, die gesellschaftsfähigen liebevollen aufpoliert und Kirche erhält eine jesuanische Verkündigung, die nur noch verzerrt daherkommt und immer in das himmlische Jenseits führen muss. Und bittesehr: Was soll in der kath. Kirche denn noch verteidigt werden? Etwa das Allerheiligste, welches im Kommunionsunterricht auch gern nur noch als „heiliges Brot“ definiert wird, etwa die Kirche, die in den Augen der meisten Menschen doch letztlich nur Prunk ist und für Reichtum steht, die Diözese, die Spenden veröffentlicht, die gelinde gesagt, mehr als zweifelhaft sind, der Priester, den doch jeder letztlich auch am Altar ersetzen kann (wenn es keine Realpräsenz Jesu mehr gibt, gibt es auch keine Wandlung und der Familienvater und die Familienmutter können beim Mittagessen die Wandlungsworte gleichwertig sprechen) Wortgottesdienste sind gleich viel wert wie hl. Messen und überhaupt die Hierarchie in der Kirche ist doch wohl völlig veraltet. Ja, und dann gibt es ja auch noch die Missbrauchsfälle und die Homolobby im Vatikan.

    Sarkasmus aus. Aber im Ernst: Was will die Kirche denn noch verteidigen und verändern wollen? Den Glauben, deren Struktur sich jeder Gläubige selbst ausbilden kann? Ein Glaube, egal welchen, der immer in den Himmel führt?

    Wie immer hier: Glaubensidentität schaffen und dann kann auch wieder darüber gesprochen werden, was an der kath. Kirche verteidigt und verkündet werden soll. Letztlich müssen wir das apostolische Glaubensbekenntnis Wort für Wort durchgehen und jeder Gläubige muss sich selbst fragen, ob er das, was er da in der hl. Messe betet, auch wirklich glaubt. Er muss sich selbst fragen, ob er Jesus selbst mit „Haut und Haar, mit Geist und Seele“ bei der Kommunion empfängt oder nur als Symbol?

    „…Als Männer liegt es in unserer durch das Wort Gottes“. Ja, und da fangen die Probleme schon an. Was wird als Originalwort Gottes im NT angesehen? Welcher jesuanische Ausspruch ist wörtlich zu nehmen, geht also selbst auf Jesus zurück und welchen hat die Kirche hinterher eingefügt oder wer hat dies Jesus in den Mund gelegt? Und genau das muss doch erst einmal geklärt sein, bevor hier die Diskussion startet, wer was und warum ritterlich annehmen, verteidigen und verkünden soll. Die Theologie ist sich da nicht einig und die „moderne“ Theologie hat wohl mehr Verwirrung als Klarheit gestiftet. Gilt der Katechismus noch Wort für Wort oder muss auch der wieder überholt werden, wie wohl jedes Jahrzehnt eine neue Bibelübersetzung herauskommt mit durchgegenderten Begrifflichkeiten?

    Im Übrigen würde es für die Gläuben auch einmal interessant sein, zu erfahren, was sie überhaupt noch glauben sollen. Denn ich bin mir sicher: Bei einer Umfrage würden wir staunen, was die Menschen da alles als katholisch ansehen und was nicht!

    Es ist doch im Grunde genau wie mit der Produktwerbung. Ein Produkt muss vorgestellt werden und es muss halten, was es verspricht. Beim Christentum ist es letztlich jedem selbst überlassen, was er unter Christentum versteht und in was er Jesus nachfolgen kann und in was nicht? Da war die kath. Kirche damals wesentlich klarer.

    Und vielleicht ist es hier untergegangen: Das Glaubenswissen der Gläubigen, insbesondere der jungen Gläubigen liegt bei höchstens 5 %, ok, gefühlt. Ich selbst bilde mir wahrlich nicht ein, über 100 % Glaubenswissen zu verfügen. Glaube ist eine Pflanze, die täglich gegossen werden und nicht nur 1 x jährlich zu Weihnachten praktiziert werden sollte.

    Schwierig die Themen hier auf dem Blog, weil der Glaube durch die Theologie so schwierig gemach wurde und damit der Auflösung preisgegeben wurde. Wer will denn schon für einen Jesus den Märtyrertod erleiden, der überhaupt nicht getötet wurde und auferstand und dessen Worte über das Märtyrertum, Hölle, Satan oder den steilen Weg vielleicht gar nicht von ihm selbst stammen?

  6. Wie der Fall Wucherpfennig zeigt, scheint es die primäre Sorge der katholischen Kirche in Deutschland zu sein, dass sie unmännliche bzw. homosexuelle Lebensstile zu kritisch sehe:
    https://www.zeit.de/2018/44/ansgar-wucherpfennig-sankt-georgen-vatikan-wissenschaft
    Wucherpfenning, der immerhin für die Ausbildung von Priestern verantwortlich ist, spricht von „überwältigender“ Solidarität, mit der innerhalb der Kirche auf seine explizite Ablehnung der Lehre der Kirche begegnet werde. Kriterium für seine Positionen ist dabei seinen eigenen Worten nach nicht die Wahrheit, sondern der Wunsch nach Anpassung an „Ansichten, die in der Gesellschaft verbreitet sind“.
    Von Kardinal Müller abgesehen scheint dem kaum jemand widersprochen zu haben. Vielleicht wird ein männlicher Katholizismus in Polen oder Frankreich überleben, aber für Deutschland sehe ich da kaum Hoffnung.
    Leider wagt es auch Kwasniewski außerdem nicht, über den Elefanten im Raum zu sprechen. Wenn die Kirche normal veranlagte Männer zunehmend abstößt, wie er beschreibt, dann sollte es niemanden überraschen, wenn diejenigen, die sie anzieht, zunehmend nicht normal veranlagt sind und sich auch entsprechend verhalten.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*