Neuheidnische und antichristliche Tendenzen im Feminismus

Salvator Rosa - Der Hexensabbat (Ausschnitt, Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Im feministischen Spektrum wurden in den vergangenen Monaten verstärkt neuheidnische und damit verbundene antichristliche Tendenzen sichtbar. Der amerikanische Journalist Rod Dreher hat diese kürzlich im Zusammenhang mit der feministischen Kampagne gegen den christlich-konservativen Richter Brett Kavanaugh in den USA dargestellt. Auch in Europa sind entsprechende Tendenzen zu beobachten, welche die Feministin Cécile Calla in der Wochenzeitung „Die Zeit“ beschrieben hatte.

Dreher führt diese Tendenz auf das religiöse Vakuum zurück, indem sich die Mehrheit der jüngeren Erwachsenen im westlichen Kulturraum bewege. Er verweist auf Studien, denen zufolge linksgerichteter politischer Aktivismus in diesem Bevölkerungssegment zunehmend die Rolle einnehme, die Religion in der Vergangenheit gehabt habe. Linke Ideologien würden dabei als Quelle der Sinnstiftung und der eigenen Identität verstanden. Dreher vermutet, dass diese Ideologien gegenwärtig möglicherweise damit beginnen würden, sich religiöse Ausdruckformen zu suchen.

Religiöse Vorstellungen im neuheidnischen Feminismus

Bei neuheidnischen Feministinnen handelt es sich vor allem um jüngere, politisch linksorientierte Frauen europäischer Abstammung mit höheren Bildungsabschlüssen, die meist aus wenig oder nicht religiösen Elternhäusern stammen und vorwiegend in den USA und Westeuropa leben. Diese geben an, durch die „Sehnsucht nach etwas Größerem“ motiviert zu sein und nach lebendiger religiöser Erfahrung in Verbindung mit Naturerfahrung sowie der Erfahrung der eigenen Weiblichkeit zu suchen.

Hinter dieser Sehnsucht steht oft ein ernstzunehmender religiöser Impuls, dem von christlicher Seite jedoch nur unzureichend begegnet wird. Hier ist es für Außenstehende äußerst schwierig, Gemeinschaften, in denen jüngere Menschen eine intakte Tradition femininer (oder auch maskuliner) Spiritualität pflegen, überhaupt zu finden.

Die Suchenden stoßen eher auf neuheidnische feministische Gemeinschaften, die ihren Bedürfnissen zudem scheinbar viel besser entgegenkommen und die von den folgenden Eigenschaften gekennzeichnet sind:

  • Das Streben nach Verwirklichung ichbezogener Interessen stellt den Kern neuheidnisch-feministischer Spiritualität dar, die Themen wie „Self-Care“, „Self-Discovery“ und „Self-Empowerment“ sowie die Suche nach angenehmen religiösen Erfahrungen betont. Kinder und die dauerhafte Bindung an einen Partner werden dabei als Einschränkungen der eigenen Selbstverwirklichung wahrgenommen.
  • Fordernde oder potenziell unangenehme religiöse Themen wie die Auseinandersetzung mit der Sünde oder dem Bösen kommen nicht vor. Die Vorstellung, dass der Mensch gegenüber etwas anderem Rechenschaft ablegen müsse als seinen eigenen Gefühlen, wird in diesem Zusammenhang überwiegend abgelehnt. Die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Glauben, etwa in Form der Formulierung einer religiösen Lehre, wird als „dogmatisch“ zurückgewiesen.
  • Die Suche nach Bestätigung der eigenen Person spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Negative Bewertungen von Lebensentscheidungen werden ebenfalls abgelehnt, weshalb sich neuheidnische Feministinnen auch bei objektiv falschen Lebensentscheidungen gegenseitig bestätigen.
  • Es wird „Magie“ praktiziert, durch die das Übernatürliche im Sinne eigener Interessen beeinflusst werden soll. Auch wenn neuheidnische Feministinnen meist behaupten, anderen Menschen dadurch keinen Schaden zufügen zu wollen, stoßen Initiativen, die z.B. konservativen Christen bzw. Vertretern des „Patriarchats“ auf diesem Weg schaden wollen, in der Praxis auf starke Resonanz.

Antichristliche Feindbilder im neuheidnischen Feminismus

Das Christentum mit seiner Betonung der religiösen Bedeutung des Dienstes am Nächsten und des geistlichen Kampfes gegen die Sünde und das Wirken des Bösen im Menschen steht in einem fundamentalen religiösen Gegensatz zum hedonistisch geprägten neuheidnischen Feminismus, der das Christentum zudem als gegen die individuelle Freiheit und Selbstbestimmung gerichtet ablehnt. Diese Ablehnung wird dadurch verstärkt, dass das Neuheidentum nicht über eine authentische eigene Tradition oder eine Lehre verfügt, weshalb es dazu neigt, sich über Feindbilder zu definieren.

  • Diese Feindbilder werden mit historisch weitgehend unhaltbaren Behauptungen begründet, etwa mit der angeblich im Zuge der Hexenverfolgung vollzogenen Bekämpfung freigeistiger Frauen durch das Christentum. Hexen werden in diesem Zusammenhang von neuheidnischen Feministinnen zum „Symbol weiblicher Selbstermächtigung“ erklärt. Tatsächlich handelte es sich beim Hexenglauben jedoch um ein Überbleibsel heidnischer Vorstellungen, die im Volksglauben in Mitteleuropa überdauert hatten und die sich nur dort ausbreiten konnten, wo die Heilige Inquisition nicht ausreichend präsent war, um wirksam dagegen vorgehen zu können.
  • Auch die heidnische Praxis der Tötung weiblicher Kinder wurde in Europa durch das Christentum bekämpft und schließlich überwunden, weshalb es historisch ebenso unhaltbar ist, sich auf das europäische Heidentum als Religion der „weiblichen Selbstermächtigung“ zu berufen.

Zu den Feindbildern des neuheidnischen Feminismus gehören neben dem Christentum auch die von ihm begründete Kultur und Gesellschaftsordnung („Patriarchat“) und ihre Träger („christliche heterosexuelle weiße Männer“). Insbesondere hier ergeben sich Schnittpunkte zwischen politischem Feminismus und feministischem Neuheidentum.

Bewertung

Der neuheidnische Feminismus ist ein modernes Phänomen, das entgegen seiner Behauptungen über keine Verbindungen zu authentischen religiösen Traditionen von Naturvölkern verfügt. Besonders deutlich wird dies in der Bewertung der Mutterschaft, die in diesen Völkern und ihren Religionen ausnahmslos positiv, von neuheidnischen Feministinnen jedoch als negative Einschränkung der eigenen Freiheit bewertet wird.

  • Der neuheidnische Feminismus kann sein Versprechen der Förderung weiblicher Selbstverwirklichung nicht halten, weil er mit der Mutterschaft den Kern weiblicher Identität ablehnt. Vor allem in dieser Hinsicht ist diese Weltanschauung zudem nicht lebensbejahend, wie sie selbst von sich behauptet, sondern insbesondere in Verbindung mit dem Eintreten für Abtreibung radikal lebensverneinend.
  • Auch ihre Behauptung, sich im Einklang mit der Natur zu befinden, trifft nicht zu, da sie wesentliche Aspekte der Natur des Menschen, etwa die natürlichen Geschlechterrollen, die Aufeinanderbezogenheit der Geschlechter und die Einbindung des Menschen in eine Generationenkette faktisch ablehnt. Papst Benedikt XVI. hatte entsprechenden Weltanschauungen daher vorgeworfen, die „Ökologie des Menschen“ zu missachten.

Rod Dreher weist zudem darauf hin, dass viele neuheidnischen Feminstinnen die übernatürlichen Aspekte ihrer Aktivitäten nicht hinreichend ernst nehmen würden. Dies sei potenziell gefährlich, da übernatürliche Kräfte real seien und die Hinwendung zum nicht als solches ernannten Bösen oder die Vorstellung, es durch „Magie“ für sich nutzbar machen zu können, gravierende Konsequenzen für das Leben und die Seelen dieser Frauen haben könne.

Er beschreibt in diesem Zusammenhang die Erfahrungen von Frauen, auf deren Leben die falschen Versprechen dieser Weltanschauung entsprechend negativ Auswirkungen gehabt habe. Die meisten dieser Frauen seien kinderlos geblieben oder hätten ihre eigenen Kinder durch Abtreibung getötet und würden im fortgeschritteneren Alter oft unter Depressionen oder anderen psychischen Störungen wie etwa der Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden. Auch Drogenmissbrauch sei unter ihnen stark verbreitet. Die Unzufriedenheit über die eigene Lebenssituation erzeuge bei diesen Frauen in der Regel Wut, die sich in immer extremeren politischen und aktivistischen Ansichten äußere.

Für Christen ist dies auch deshalb relevant, weil der Großteil der 2018 in Deutschland gemeldeten christenfeindlichen Vorfälle mutmaßlich einen feministischen Bezug hatte bzw. von Linksautonomen verübt wurde, die dadurch feministische Kampagnen unterstützen wollten. Im Fall einer verstärkten Verbindung von militantem feministischem Aktivismus und betont antichristlicher neuheidnischer Weltanschauung wäre eine weitere Radikalisierung des entsprechenden Spektrums wahrscheinlich. (sw)

8 Kommentare

  1. Ob „Selbstbefreiung“, „Emanzipation“ oder „Mündigkeit“: das Ziel ist die unumschränkt herrschende Willkür des sich selbst vergötzenden Menschen. Diese Denkrichtung will nicht mehr Geschöpf sein, sondern Schöpfer, nicht mehr dienen, sondern selbst herrschen – Non serviam.

    Mußte sie früher in einer christlich geprägten Welt ihre Absichten taktisch klug verhüllen, um unliebsames Aufsehen zu vermeiden und verräterische Spuren zu verwischen, so wird dies im Zeitalter der religiösen Analphabeten und tumben TV-Konsumenten zunehmend überflüssig. Ältere oder historisch interessierte Beobachter gewinnen bei den politischen Strömungen in Kirche und Gesellschaft des 20. und nun 21. Jahrhunderts zunehmend den Eindruck, einer Art Schleiertanz beizuwohnen, bei dem sich der nackte, antichristliche Kern immer deutlicher abzeichnet. Manchem Schlafmützchen wird dies aber wohl erst klar werden, wenn der letzte Schleier gefallen ist…

    • @ Kirchfahrter Archangelus

      Sie schreiben:

      „Ältere oder historisch interessierte Beobachter gewinnen bei den politischen Strömungen in Kirche und Gesellschaft des 20. und nun 21. Jahrhunderts zunehmend den Eindruck, einer Art Schleiertanz beizuwohnen, bei dem sich der nackte, antichristliche Kern immer deutlicher abzeichnet. Manchem Schlafmützchen wird dies aber wohl erst klar werden, wenn der letzte Schleier gefallen ist…“

      Brillant formuliert! Genau so ist es es.

      • (Nicht wegen des Lobes) geschätzter Waldgänger,
        herzlichen Dank für Ihre Anmerkung, welche ich gerade von Ihnen zu schätzen weiß. Lob ist wie Alkohol, man muß damit umgehen können, damit es nicht zu Kopf steigt… ;-)
        Wenn ich Ihr Pseudonym und die Schärfe Ihrer Gedanken betrachte, vermute ich Sie beim imaginären Waldgang an der Seite Ernst Jüngers?

        Beste Grüße
        Kirchfahrter Archangelus

  2. Bis auf einen Punkt stimme ich voll und ganz zu. Die sogenannte „heilige Inquisition“ war nicht heilig! Menschen im Namen des HERRN zu foltern und zu töten, das ist nicht heilig. Unser HERR will keinesfalls, dass wir in seinem Namen jemandem ein Leid zufügen oder töten! Ausserdem wurden mit Nichten „nur“ Hexen und Zauberer getötet.

    • Werter J.Buder, war es nicht so, dass die „Heilige“ Inquisition genau dazu gegründet wurde um das Töten zu verhindern?
      Wo hat die Kirche, die Inquisition Menschen als Hexen und Zauberer getötet? Wir sprechen hier ja von den Katholiken? Und wir sprechen nicht von verurteilungswürdigen Alleingängen bekannter Akteure die wie auch bekannt, von „der“ Kirche nach Bekanntwerden verurteilt wurden. Allerdings muß man auch sagen, dass wir heutigen Menschen nicht urteilen sollten über eine Zeit die wir nicht kennenlernen wollen. Wenn das materielle Leben hier auf Erden nicht alles ist. Im Vergleich zur ewigen Glückseligkeit im Himmel nicht mal ein Tausendstel auf einem Meterstab, dann war es den Menschen damals wichtiger den Menschen (Seele) zu retten als seinen sowieso vergänglichen Leib zu schonen. Vielleicht dachten die Menschen damals richtiger?

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