Nikolai Berdjajew: Die Krise Europas und das neue Rittertum

Karl Friedrich Schinkel - Gotischer Dom am Wasser (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Philosoph Nikolai Berdjajew (1874–1948) stand der konservativen katholischen Erneuerungsbewegung seiner Zeit nahe. In seinem Werk „Das neue Mittelalter“ setzte er sich 1923 mit der geistig-kulturellen Krise Europas auseinander und suchte nach „Wegen zu einem neuen Rittertum“, das diese Krise überwinden könne.

Das Buch übte einen starken Einfluss auf Teile des christlichen Widerstands gegen den Nationalsozialismus aus. Berdjajew verfasste es nach seiner Emigration aus der Sowjetunion in Berlin unter dem Eindruck des Aufkommens totalitärer Bewegungen sowie des laufenden kulturellen und religiösen Zerfalls Europas und seiner Selbstzerstörung im Ersten Weltkrieg.

Berdjajews Geschichtsphilosophie

Historische Abläufe seien Berdjajew zufolge von Phasen gekennzeichnet, die er mit Tagen und Nächten vergleicht.

  • Die Tage seien Phasen raschen materiellen Fortschritts und großer materieller Werke, die auf kultureller Substanz beruhten, die in den materiell weniger eindrucksvollen Nächten geschaffen werde.
  • In den Nächten hätten die tragenden Akteure einer Kultur besonderen Zugang zum Heiligen und zur Tiefe. In ihnen werde kulturelle Substanz geschaffen, die über Jahrhunderte lang positiv nachwirken könne. Die Nacht sei „ursprünglicher und elementarer als der Tag“ und nur in ihr offenbare sich das Göttliche.

Die in der Nacht geschaffene geistige Substanz werde während des Tages mangels Kontakt zum Heiligen verbraucht. Wenn dieser Verbrauch ein bestimmtes Stadium erreicht habe, ende der Tag, was mit Krisen und Katastrophen verbunden sei:

Der Tag der Geschichte weicht stets unter gewaltigen Erschütterungen und Katastrophen der anbrechenden Nacht, – nie geht er friedlich zur Neige.

Das christliche Mittelalter habe in einem positiven Sinne die „Nachtzeit der Weltgeschichte“ dargestellt und habe den Großteil dessen geschaffen, was die abendländische Kultur ausmache. In ihm hätten sich „Urkräfte und Energien entfaltet […] die dann später dem Arbeitstag der Neuzeit verschlossen geblieben sind“.

Moderne Ideologien als Antireligionen und Akteure der Selbstzerstörung Europas

Berdjajew verwirft alle Ideologien der Moderne, die er als Gegenentwürfe zu christlicher Weltanschauung bzw. als materialistische Antireligionen betrachtet, die „das ganze geistige Leben der Menschheit“ bekämpfen würden und die für die Selbstzerstörung Europas verantwortlich seien.

Die „Träger der wahren Entwicklung des Geistes“ seien zu allen Zeiten religiöse Menschen gewesen. Wenn der Mensch sich (wie vom materialistischen Denken gefordert) vom wahren Gott abwende, wende er sich automatisch falschen Göttern zu. Die Anhänger modernen Denkens hätten sich durch ihre Abwendung von Gott dunklen Kräften ausgeliefert:

Nicht frei im Geiste ist der Mensch der Neuzeit […]. Er ist in der Gewalt eines ihm unbekannten Herrschers, einer übermenschlichen und unmenschlichen Macht […] welche die Wahrheit, die Wahrheit Gottes, nicht anerkennen will.

Die Aufklärung sei „gegen den Sinn der Welt und gegen die wahren Grundlagen des Lebens“ gerichtet, weil sie Rationalität mit Materialismus gleichsetze und die Auflösung von Bindungen als Voraussetzung zur Befreiung des Menschen betrachte. Kennzeichnend für sie sei der „Verlust eines Zentrums, eines höheren Ziels“.

Der christliche Universalismus propagiere nicht Auflösung, wie einige moderne Ideologien behaupten würden, sondern beruhe auf der Annahme eines geistigen Zentrums, um das herum sich alle Dinge ordneten, wodurch Bindungen geschaffen würden. Das von modernen Ideologien propagierte Gegenteil sei „die entfesselte Welt des heidnischen Partikularismus, in deren Tiefen Todeskampf und Vernichtung toben“.

Linke und rechte Ideologien würden keine weltanschaulichen Gegensätze darstellen, sondern einen zusammenhängenden, auf dem materialistischen Denken der Aufklärung beruhenden Komplex darstellen. Alle diese Ideologien seien das „Resultat eines langen historischen Prozesses des Abfalls vom geistigen Zentrum des Lebens, von Gott“ und gleichermaßen Teil einer „zusammenbrechenden Welt“:

  • Der Kommunismus sei „die Religion des Teufels“. Sozialisten hätten „der bourgeoisen kapitalistischen Gesellschaft ihren Materialismus, ihre Gottlosigkeit, ihr oberflächliches Aufklärertum, ihre Abneigung gegen den Geist und alles Geistige, ihre Gier nach dem Leben und seinen Befriedigungen, ihren Kampf und egoistische Interessen“ entlehnt. Ihr Internationalismus sei „eine widerwärtige Karikatur des Universalismus“.
  • Nationalismus sei Ausdruck eines Strebens nach Atomisierung und Auflösung der gewachsenen christlich-abendländischen Einheit. Der Nationalist denke wie ein Egoist, der seine Bedürfnisse über die aller anderen Menschen stelle. Die europäischen Nationalismen seien „durchaus heidnisch, tief antichristlich und antireligiös“, weil für sie die Nation nicht Teil einer größeren Ordnung, sondern „ein falscher Gott“ sei.
  • Den damals entstehenden Faschismus prägten laut Berdjajew eine „furchtbare Verrohung“ sowie die „kriegerisch-gewalttätigen Instinkte der Jugend“.
  • Auch den Liberalismus lehnt er wegen dessen Materialismus ab. Der Kapitalismus sei „ein Kind der zersetzenden und vernichtenden Gier“. Der liberalen Demokratie wirft er vor, auf der „Verkündigung des Rechts auf Irrtum und Lüge“ zu beruhen. Sie verherrliche aus einem naiv-optimistischen Menschenbild heraus zudem die Masse und unterschätze, dass in ihr auch böse Kräfte wirken könnten.

Berdjajew äußert sich jedoch auch positiv über einzelne Konzepte der Moderne und nennt etwa das Konzept der geistigen Freiheit „eine unverlierbare, ewige Errungenschaft.“ Er lehnt zudem eine romantische Idealisierung des Mittelalters oder Forderungen nach einer Rückkehr zu früheren historischen Zuständen ab. Erst das Versagen von Christen habe das Erstarken moderner Ideologien möglich gemacht. Die kommunistische Revolution in Russland habe nicht eine intakte christliche Ordnung zerstört, sondern stelle das „Zuendefaulen des alten Regimes“ dar.

Die heraufziehende Nacht und die bevorstehenden Verwerfungen

Da die Aufklärung und die auf ihr beruhenden modernen Ideologien die vorhandene geistig-kulturelle Substanz mittlerweile weitgehend verbraucht hätten, stehe eine von Verwerfungen begleitete Zeit des Übergangs bevor. Die „Feinhörigsten“ würden das Herannahen der Nacht bereits wahrnehmen.

Bevor das neue Mittelalter anbreche, werde Europa jedoch eine chaotische, von „Barbarisierung“ gekennzeichnete Phase durchlaufen. Es stehe eine Zeit des „religiösen Kampfes“ und der „religiösen Polarisation“ zwischen dem Christentum und säkularen Antireligionen bzw. modernen Ideologien bevor. Die „Kraft des Bösen wird erstarken, wird neue Formen annehmen und uns neue Leiden bringen“.

Man könne jedoch nicht exakt vorhersagen, wann dieser Prozess seinen Höhepunkt erreiche. Es sei möglich, dass „die technische Zivilisation […] noch einen letzten Versuch machen“ könnte „sich bis zum äußersten, bis zur schwarzen Magie zu entwickeln.“

Wege zu einem neuen Rittertum und zur Erneuerung Europas

Dem Scheitern materialistischer Ideologien werde eine „geistige Revolution“ folgen. Eines Tages werde man die großen Fragen wieder stellen und die „Atmosphäre des Wunders“ werde zurückkehren. Der Gegenentwurf zum materialistischen bzw. horizontalen Denken der Moderne sei das vertikale Denken des Christentums, das die Bindung an Gott betone.

Christen müssten sich auf die bevorstehenden Verwerfungen und die Zeit danach vorbereiten, dem modernen Prinzip der Verneinung das christliche Prinzip des Dienstes entgegensetzen und „Wege zu einem neuen Rittertum“ suchen:

Die Christen müssen ihren Willen auf die Begründung einer christlichen Kultur richten und vor allem das Reich Gottes und seine Wahrheit suchen. […] In der Vorahnung der Nacht kann man das Auge für die Erkenntnis des Bösen schärfen und die Wege zu einem neuen Rittertum suchen.

Die bevorstehenden Verwerfungen würden das Christentum innerlich reinigen, da in ihnen alle Gründe verschwinden würden, aus der Suche nach persönlichen Vorteilen fromm erscheinen zu wollen. Für das Christentum sei Verfolgung besser als staatliche Protektion. Das neue Mittelalter werde möglicherweise keine Zeit voller Freude darstellen, aber in ihm würden auf jeden Fall die „Illusionen eines irdischen Glücks keine Gewalt mehr über uns“ haben.

Es sei sinnlos, frühere Zustände restaurieren zu wollen, welche die modernen Revolutionen erst ermöglicht hätten. Das neue Mittelalter werde statt dessen Europa wieder an das Ewige anbinden. Dabei werde es die Leistungen und Stärken der Moderne integrieren und etwas Neues hervorbringen, so wie das erste Mittelalter nicht die antike Welt wieder herstellte, sondern das Abendland schuf. (ts)

10 Kommentare

  1. Ich danke Ihnen für Ihre umfassende Antwort. Und für vieles, was mir zuvor unbekannt war.

    Zudem nehme ich an, sie haben Verständnis für meine Interpretation.

    In aller Kürze frage ich mich, ob der von Ihnen bezeichnete Dozent, schon lange Oberst iG iR, nicht zugleich derjenige ist, den auch ich erwähnte: Dozent FüAk Geschichte. Spielt aber auch keine Rolle. Von ihm erhielt ich die lehrreichsten und die ersten am klassischen politischen Realismus orientierten Geschichtsstunden. Eigentlich handelte es sich um die Geschichte der praktischen Geostrategie. – Der Unterricht – wenn man es so nennen will, eher „Oberseminar“, stand in keinem Zusammenhang mit der FüAk.

    Über die Wirkung der Freimauererei läßt sich vieles sagen. Dass diese einvernehmlich an einem Strang ziehen würde oder jemals hätte, kann man ausschließen. Sicher bin ich, dass die wenigsten Freimauerer in Deutschland oder England die Revolutionen mitgetragen haben. Anders in Italien, USA und Frankreich. Da ist es exakt andersherum.

  2. Sehr geehrter Bund Stankt Michael,

    ich bin sehr erfreut über die schnelle Reaktion. Aus rein beruflichen Gründen hat bei mir eine gewisse Distanzierung zum Politischen stattgefunden. Diese wachsende Distanz und reduzierte innere Parteinahme verändert durchaus die Brennweite des Blickes.
    Ich hatte mich so umständlich ausgedrückt, um bei einer etwaigen vollen Veröffentlichung des Beitrages, keine neue und sinnlose Kommentierungsschlacht auszulösen. Ihre kluge reduzierte Veröffentlichung hätte ich natürlich ahnen können. Allerdings wußte ich nicht, ob ggf. die Kommentare automatisch freigestellt würden.
    Ob Sie nun diesen Annex-Kommentar freistellen, ist völlig unerheblich. Allerding erweitere ich meine Frage um die Bedeutung Ihres Wappens, natürlich besonders zum Stern.
    Diese Frage steht im Zusammenhang zu den zuvor gestellten.

    Je nachdem, ob ich mit meinen Annahmen recht habe oder nicht, bzw. in wie weit, verbietet sich aus zumindest praktischen Gründen eine tiefgehende Antwort oder zumindest die Veröffentlichung derselben.

    In der Annahme, dass dieses Posting gar nicht erst freigestellt wird, füge ich noch den weitergehnden Hinweis an, dass die im wesentlichen hochadligen barocken Hochgradfreimaurer in der Templer-Tradition St. Michael als eines ihrer wesentlichen Symbole betrachten.

    Obwohl ich Ihre Grundanlage der Brunderschaft in der Nähe der alten Johanniter verorten möchte, ist die Beziehung und Ähnlichkeit einerseits und auch der Gegnerschaft andereseits zum Templerorden und damit zu den angedeuteten freimaurerischen Traditionen, durchaus nicht von der Hand zu weisen. Auch die Johanniter, heute eng mit dem Hause Hohenzollern verbunden, werden aller Wahrscheinlichkeit nach, alleine durch die bis heute hochadelige Zusammensetzung, starke Verbindungen zum Templertum haben.

    Habe bei der Bundeswehr „den einen oder anderen“ Johanniter kennengelernt. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um einen Oberst, der mir den Blick für vieles, vor allem den strategischen und historischen Zusammenhang heutiger Geschehnisse geöffnet hat.
    Von einem anderen, heute in herausragender Verwendung, vermute ich mit vielen Anhaltspunkten, die Freimaurer-Bruderschaft.

    Heute stelle ich fest, dass in meinem erweiterten Freundeskreis mehrere „Blaue“ sind, und ein Hochgrad.
    Aber in offenen Gesprächen, wurde mir die Ambivalenz deutlich gamcht. Zumindest in der ferneren Zeitgeschichte sind wohl Geschehnisse vorgekommen, die untragbar sind.

    Deren Wirkung im Umfeld der Veränderungen der letzten Jahrzehnte sehe ich als zumnindest ähnlich ambivalent, wie die auch Römische Kirche. Ratzinger und Meissner stehen Marx und Bergoglio gegenüber. Letzterer alleine ist schon ambivalent.

    • Sehr geehrter Alter Leser,
      in diesem Fall ist Ihre Deutung des Symbols in unserem Zeichen nicht zutreffend. Hier die Erklärung zu den verwendeten Symbolen:
      ******************************
      Das Zeichen des Bundes Sankt Michael bezieht sich auf das Kapitel 12 der Offenbarung des Johannes, das den überzeitlichen Kampf zwischen den treu zu Gott stehenden Kräften und denen des Bösen beschreibt.
      In diesem Kapitel der Offenbarung des Johannes wird dieser Kampf zwischen einem Drachen und einer Armee von Engeln unter der Führung des Erzengels Michael ausgetragen. Das Kapitel beschreibt zudem den Kampf des Drachen gegen eine „Frau, mit der Sonne bekleidet“ sowie gegen ihren Sohn und ihre geistigen Nachkommen, „die den Geboten Gottes gehorchen und an dem Zeugnis für Jesus festhalten.“ Diese Frau steht in der katholischen Interpretation für die Muttergottes und für die Kirche. Der sie angreifende Drache wird durch den Erzengel Michael besiegt:
      Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. […] Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache […]. Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. […] Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen. […] Als der Drache erkannte, dass er auf die Erde gestürzt war, verfolgte er die Frau, die den Sohn geboren hat-te […] und er ging fort, um Krieg zu führen mit ihren übrigen Nachkommen, die den Geboten Gottes gehorchen und an dem Zeugnis für Jesus festhalten.
      Dementsprechend vereint das Zeichen des Bundes Symbole, die sich auf den Erzengel Michael und seinen überzeitlichen Kampf gegen das Böse beziehen, mit marianischen Symbolen. Es orientiert sich in der Form an den Zeichen christlicher Gemeinschaften, die bereits im Mittelalter zu finden waren und vermutlich bis auf römische oder sogar noch ältere Vorbilder zurückgehen.
      Im Einzelnen enthält das Zeichen des Bundes die folgenden Elemente:
      ■ Der Schild ist eines der Attribute des Erzengels Michael. In der Kunst wird er oft mit einem Schild dargestellt. Der Schild ist eine Defensivwaffe. Er symbolisiert Schutz und Verteidigung. Das Kreuz ist das Zeichen des Christentums. Es symbolisiert den einzigen Weg des Menschen zu Gott in der dienenden Nachfolge Jesu Christi.
      ■ Die Farbe Rot als Farbe des Blutes symbolisiert Dienst- und Opferbereitschaft, während die Farbe Weiß das Streben nach ehrenhaftem Verhalten symbolisiert. In künstlerischen Darstellungen wird der hl. Erzengel Mi-chael häufig mit einem Schild dargestellt, das ein rotes Kreuz auf weißem Grund trägt. Diese Form der Darstellung ist zudem allgemein im Zusammenhang mit dem hl. Georg zu finden, weshalb sie auch als „Georgs-kreuz“ bekannt ist. Im um das Jahr 1240 entstandenen Roman „Perlesvaus“ bzw. „Li Hauz Livres du Graal“ (Die hohe Geschichte des Heiligen Grals) werden Ritter der Gralsinsel beschrieben, die ein rotes Kreuz auf weißen Gewändern tragen. Zudem erhält Galahad im Roman den „heiligen Schild des Kreuzes“, „für den niemand außer Gott den Preis zu zahlen wagte“ der ein rotes Kreuz auf weißem Grund zeigt und einst Josef von Arimathäa gehört habe, dem ersten Gralshüter. Über den Schild heisst es dort, dass Galahad mit ihm den Gral erringen könne.
      ■ Der achtstrahlige goldene Stern auf blauem Hintergrund ist ein marianisches Symbol. Er steht für die Mutter Gottes, die den wichtigsten Auftrag ausführte, den jemals ein Mensch erhielt oder erhalten wird und ihn gehorsam annahm, und findet sich im Buch der Offenbarung. Die bereits erwähnte Frau trägt dort einen „Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt“ und kündigt die Verfolgung der Christen und einen sich über lan-ge Zeiträume erstreckenden Kampf gegen das Böse an. Auch außerhalb des Buchs der Offenbarung ist die Sternensymbolik zusammen mit der Farbe Blau eng mit der Mutter Gottes verbunden. In den Marienerscheinungen von Guadalupe in Mexiko im Jahr 1531 trug die Mutter Gottes etwa einen blauen Mantel mit goldenen Sternen. In der Kunst wird zudem die Krone der Unsterblichkeit als Sternenkranz dargestellt. Sie ist ein Symbol für den Lohn der Märtyrer, die Treue bis in den Tod zeigten.
      *******************************
      Der Stern bzw. das marianische Symbol hat eine Darstellung im Vatikan zum Vorbild, die ca. Anfang des 17. Jahrhunderts und somit vor der Freimaurerei entstanden ist. Spontan habe ich dieses Bild gefunden, das das Vorbild im Vatikan zeigt: https://www.tripadvisor.rs/LocationPhotoDirectLink-g187793-d631111-i70531664-St_Peter_s_Basilica-Vatican_City_Lazio.html

      Davon abgesehen hatte ich im militärischen Kontext ebenfalls Begegnungen mit Freimaurern. Von einer Ausnahme abgesehen (einem militant-atheistischen aber immerhin diskussionswilligen Geschichtsdozenten an der FüAkBw) habe ich diese als Rechtsliberale wahrgenommen, die von den von ihnen ursprünglich mitgetragenen Revolutionen seit langem überholt worden sind und nicht mehr zu den relevanteren Kräften gehören.

  3. Zwei Anmerkungen zu den Kommentaren:

    1. Ad Einigung:
    Eine Einigung zwischen „rechten“ Protestanten und „rechten „Katholiken“ ist doch unproblematisch. Wandlung oder nicht. Das ist der Focus des ganzen Gegensatzes. der Rest ist unbedeutend, Kultur, kaum mehr als Show.

    Die Einigung zwischen linken Katholiken und Protestanten hat doch schon längst statgefunden. Und mit mit dem Judentum und Islam gleich dazu – glauben die Linken.

    2. Ad Evangelisch/Protestantisch

    Die Römische Kirche wird nicht evangelischer. Sie wird der heutigen „Evangelischen“ „Kirche“ ähnlicher. Nur ist diese eben nicht mehr evangelisch. Und das im Wesentlichen offen und ausdrücklich.

    Klar muß sein, dass die evangelische Kirche in Deutschland als „Hort des preussischen Militarismus“ konsequent von den Alliierten zerstört wurde.
    Ich entstamme dieser Richtung. Und ich vertrete diese auch.

    Der letzte Papst versuchte die alte kirche zu retten. Wohl erst spät lernend, welchen Kräften der Realmacht er da gegenüber stand. Da halfen auch Gesten der Annäherung, AT-Schenkungen an gewisse Glaubengemeinschaften, nicht viel. Der jetzige Amtsinhaber hingegen, – positiv gesagt versucht den schmalen Grat vom „Südhang“ her zu halten.

  4. Sehr geehrte Kollegen vom Bund StMichael,

    das Konkrete dieses Beitrages, die Idee einer neuen Ritterschaft, möchte ich zum Anlaß nehmen, etwas Allgemeines anzumerken, präziser, zu erfragen. Fragen, die sich mir im Zusammenhang mit diesem Blog und dem dahinterstehenden Projekt schon länger stellen.
    [Anmerkung des Moderators: Sehr geehrter und geschätzter alter Leser, ich freue mich, von Ihnen zu hören. Über Ihren etwas rätselhaften Kommentar (an dessen Bezüge ich mich natürlich erinnere aber mit dessen Details die Leserschaft wohl nichts anfangen könnte weshalb ich sie hier nicht veröffentlicht habe) muss ich etwas nachdenken und werde die Antwort hier einstellen.]

  5. Geschätzter Herr Kemmer,
    zur alle einigenden „Massenmobilisierung“ fehlt das allgemein sichtbare Fanal, welches die bestehende Gefahr deutlich macht. Die eingelullte Gesellschaft zerfällt in Zeitlupe, der politisch-mediale Komplex behauptet frohgemut das Gegenteil, der sedierte Durchschnittsbürger läßt sich brav berieseln und glaubt, was Slomka & Co. ihm erzählen (https://kirchfahrter.wordpress.com/2018/03/17/warum-wird-eigentlich-die-systemtransformation-kaum-wahrgenommen/). Die Kirche wird zunehmend protestantischer, der Kirchgänger realisiert es nicht – oder es ist ihm schon egal. Die aktuellen Eliten in Kirche und Gesellschaft orchestrieren säuselnd den eigenen Niedergang, beruhigen, zerstreuen Zweifel und gefallen sich öffentlich in irrwitzigen „Wir schaffen das!“-Optimismus. Auch kritische Kirchenführer wie die Kardinäle Burke und Müller oder Weihbischof Schneider sprechen gleichsam nur codiert. Lediglich kryptisch merken Sie Mißstände an und kritisieren die Zustände „durch die Blume“ – mit der Folge, dass Durchschnittsgläubige etweder nichts mitbekommen oder seufzend herumlamentieren.

    Aber: Die „Hände in den Schoß legen“ braucht man nicht, ein paar geistig Wache werden sich schon finden lassen… ;-) Was zu tun ist, sollte allerdings nicht in Kommentarspalten ausgebreitet werden, wenn Sie Interesse haben, kommen Sie auf kirchfahrter.wordpress.com.

  6. Der Bericht dieses Denkers ein Genuss und dass 1923, fünf Jahre nach den Grausamkeiten des 1. WK. Geniale Prophetie. Die Katastrophe folgte auf dem Fuße 1939 und wurden nach einer solchen Katastrophe die großen Fragen gestellt? Wohl eher nicht! Im Gegenteil, diese Fragen geraten immer mehr in den Hintergrund. Betreutes Denken, Ideologie des Materialismus gepaart mit (Pseudo)Wissenschaftsgläubigkeit (hier interessant am Beispiel Diesel-Fahrzeuge: https://www.cicero.de/wirtschaft/diesel-fahrverbote-feinstaub-stickstoffdioxid-wissenschaft-dieter-koehler ), eine der neuen Religionen, gewinnen in dieser EU-Gesellschaft wohl noch mehr an Fahrt. Und das Christentum wird durch Islam ersetzt und da ist dann auch bereits eine kleiner Makel der Denkweise des Herrn Berdjajew.

    Er schreibt: Die „Träger der wahren Entwicklung des Geistes“ seien zu allen Zeiten religiöse Menschen gewesen. Er meinte wohl 1923 eher die Menschen aus dem jüdisch-christlichen Bereich.

    Nun gab und gibt es auch viele „religiöse“ Menschen, die die Verfolgung von Christen und anderen Minderheiten sich auf die Fahnen geschrieben haben.

    Das Christentum hat mittlerweile – und da sind dann diese Überlegungen des Autors unvollständig geblieben, weil er es nicht voraussehen konnte, mehrere Angriffe zu parieren, nicht nur die materialistischen Ideologien von außen, wie B. diese so vorzüglich treffend beschreibt, sondern auch noch die islamische Ideologie, welche letztlich geistliches Leben zur Erstarrung bringt, gleichwohl aber eine unvollkommene Form der Religiosität, weil starr und geisttötend, mit sich bringt und gegen den größten Feind des Christentums, den Geist der Uneinigkeit, der Anbiederei an den materialistischen und islamischen Zeitgeist, der Christusbildrelativierung und der inneren Fäulnis der Schlaffheit, der Selbstzufriedenheit, der Menschenvergöttlichung, welche einhergehen mit Zukunftslosigkeit im Rahmen von Wohlfühlchristentumsdogmen, die ihnen kaum noch etwas abverlangen bei gleichzeitigen Heilsversprechungen.

    Was sind also die großen Fragen? Die erste sollte doch wohl sein, nachdem die Erkenntnis zum Tragen gekommen sein sollte, das materialistische Ideologien wohl nicht zum Glück des Menschen führen, welche Form des Christentums denn die beste und die erstrebenswerteste ist. Die 2. Frage sollte lauten, wie mit dem Islam umgegangen werden soll, der noch immer christen- und nichtmuslimfeindlich eingestellt ist. Die 3. Frage sollte lauten, die aber erst nach Beantwortung der ersten Frage möglich ist: Wie sollte das Christentum verkündet werden bei Menschen, die im Grunde echte Materialisten geblieben sind.

    Also ich bin dafür, nicht erst den Zusammenbruch als unabwendbares Ereignis oder Schicksal zu betrachten und abzuwarten, sondern bereits in den Phasen des Abschwungs diese Fragen zu stellen und danach zu handeln. Warum erst warten, bis alles zu Asche verbrannt ist?

    Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit. In diesen wenigen Worten liegt wohl schon ein großer Teil nicht nur des Problems, sondern auch der Antwort. Nur wie wecke ich geistig tote Christen, von denen es viele gibt, auf!?

    Letztlich immer die gleiche Problematik in fast allen Bereichen: materialistisch geprägte Ideologie (wie z. B. Klimaschutz, CO2-Ausstoß, Feinstaubbelastung, Klimawandel usw.) wird absolut gesetzt wird und diese Ideologiethese durch ideologisierte Wissenschaft solange begründet und damit bestätigt, bis das Hinterfragen der Richtigkeit dieser Standardgutachten, geschweige denn, das Hinterfragen der Ideologie selbst bereits ein Sakrileg und damit einen Exkommunikationsgrund darstellt. Diese ideologisierte Wissenschaft hat die Macht, bis in die Regierungsbänke hinzumanipulieren, wo sie von ideologisierten Politikern dankbar aufgenommen werden.

    Dieses Prinzip gilt nicht nur für die Wissenschaft, die offensichtlich die neue Religion ist, die wie eine Sekte handelt, in der alle wissenschaftlichen Abweichler diskreditiert und diskriminiert werden, sondern auch für politische Ideologien, für Religionen und für sonstige politische Doktrin, die unhinterfragbar und alternativlos gestellt werden. Freie Wissenschaft war gestern, heute wurde die Wissenschaft auch an die Leine gelegt, eben so wie im Islam. Die Wissenschaft hat im Islam nur dann einen Marktwert, wenn sie islamische Thesen unterstützt.

    Selbst Geschichtsschreibung funktioniert genau nach diesem Prinzip. Die Geschichte wird immer von den Siegern geschrieben wie z. B. die des 2. Weltkrieges. Die Alleinschuld Deutschlands ist Dogma, ist zur historischen Ideologie verkommen. Es werden nur immer wieder dieselben Redeschnippsel Hitlers und anderer NS-Größen und – -schergen gezeigt und darüber in Filmberichten refereriert. Wie der Autor Schulze-Rhonhof in seinem Buch: “ Der 2. WK hatte viele Väter“ aufzeigt, wird das Verhalten der Siegermächte jedoch weitgehend ausgeklammert oder teilweise das Verhalten der Siegermächte verschwiegen und nur das zur Unterstützung der Alleinschuld Deutschlands zugelassen, was dieser These zuträglich ist.

    Wer sie hinterfragt, wird zum Außenseiter und zum Mobbingopfer. Selbstständiges Denken scheint gefährlich und führt oftmals dazu, dass die Exkommunikation aus der so hehren Gemeinschaft, wie z. B. der Ideologie der Politischen Korrektheit betrieben wird. Darum auch das Prinzip des betreuten Denkens, um zu gewährleisten, dass die Menschen nichts oder nur wenig hinterfragen und das selbstständige Denken einstellen. Es wird wohl alles richtig sein, denn die Wissenschaft hat es ja bestätigt. Diese Wissenschaftsgläubigkeit ist damit nichts anderes als die Religion des gläubigen Jetztmenschen.

    Oha, jetzt bin ich ins Faseln gekommen. Man sehe es mir nach. Themaverfehlung. Hatte wohl noch den zitierten Diesel-Fahrzeug-Artikel unterschwellig im Kopf, also sorry.

    Lassen wir das Pendel doch nicht immer in die Extreme ausschwingen.

    • Geschätzter Herr Kemmer,
      das Aufwecken „der Christenheit“ ist so notwendig wie illusionär. Ist doch bereits die Resonanz auf Weckrufe innerhalb der Katholiken beinahe null: diejenigen, welche überhaupt noch Gottesdienste aufsuchen, lassen dort stoisch alles über sich ergehen – von linksgewirkten Fürbitten über Lull&Lall-Predigten, da könnte die Pastoralassistentin auch nackt vor dem Altar tanzen. Im Netz tummeln sich meist besserwissende Maulhelden, von denen außer Phrasen und Geschwätz nichts kommt.

      Engstirnige Traditionalisten sehen bereits im Gespräch mit Katholiken, die mit ihrem Gott in der Landesspache sprechen, Hochverrat und wollen überhaupt erst gesellschaftlich wirken, wenn sich das ganze Land vorher einhellig zum vorkonziliaren Lehramt bekannt hat. Sedisvakantisten haben sich grollend mit ihrem Rosenkranz in den Bunker verzogen und streiten sich dort untereinander, welche Päpste nach Petrus überhaupt anzuerkennen sind.
      Was die anderen betrifft: Mainstream-Protestanten sind meist von Agnostikern kaum zu unterscheiden und Evangelikale wollen politische Handlungsmaximen buchstabengetreu aus der Bibel nehmen und erreichen dadurch zuverlässig Wahlergebnisse im Promille-Bereich.

      • Werter Kirchfahrter Archangelus,
        völlig d’accord. Sie bringen die unterschiedlichen selbst innerkatholischen geistligen Differenzen voll auf den Punkt, ebenso die evangelischen. Aber wollen Sie die Hände in den Schoß legen und nichts mehr tun oder sagen? Welcher Weg ist der richtige? Was also nützen die tollen Analysen hier auf dem blog, wenn keine Einigung – nicht einmal innerhalb der kath. Kirche – vollzogen werden kann? Jesu Auftrag zur Einheit ist damit doch schon erledigt? Welche Gruppierung hat das beste „Katholikentum“? Welche Gruppierung ist vom Hl. Geist erfüllt und welche eher weniger?

        Was wir brauchen ist einheitliche und standhafte Theologie, die auch von Christen gelebt werden kann, und zwar in bewusster Überzeugung, die auch in der Verfolgung standhaft bleibt. Wie das aber erreichen bei immer mehr Säkularisierung und Relativierung sowie Labbrigkeit des Glaubens?

        Also nix machen und auf den großen Crash warten, um dann unter islamischer Herrschaft sich neu als Katakombenchristen zu konstituieren? Bis dahin lebt jeder sein Christentum, wie er selbst es individuell für richtig hält?

        Nun, ich weiß auch keine Lösung. Aber der christliche Einheitswille sollte schon jetzt geweckt werden, und zwar gewaltig. Letztlich zerbrechen alle Vorschläge an der Realität. Charismatische Persönlichkeiten fehlen allerorten.

  7. Dank für diesen sehr interessanten Text über diesen heute nur noch wenig bekannten Denker.
    Stoff zum Nachdenken – etwa auch zu dieser Vorhersage:

    „Dem Scheitern materialistischer Ideologien werde eine ´geistige Revolution´ folgen. Eines Tages werde man die großen Fragen wieder stellen und die ´Atmosphäre des Wunders´ werde zurückkehren.“

    Jeder extreme Ausschlag des Pendels (der Gegensätze) führt ja zwangsläufig und geradezu naturgesetzlich zu einem nachfolgenden Gegenausschlag.
    Da nicht davon auszugehen ist, dass das sozusagen anthropologische Bedürfnis des Menschen, auch die „großen Fragen“ zu stellen, auf Dauer verkümmern und absterben wird, hat seine Vorhersage etwas Ermutigendes.
    Aber – vorher die „Barbarisierung“ …

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