Erzbischof Gänswein: Die christliche Zivilisation ist in Gefahr

François de Nomé - Explodierende Kirche (gemeinfrei)

Die Krise der Kirche und des Christentums

Die jüngsten Ereignisse im Zusammenhang mit der Aufdeckung von Missbrauchs-Netzwerken, welche die Kirche bis auf höhere Hierarchieebenen unterwandert haben, seien eine „Katastrophe“, die einen „Zusammenbruch“ der Kirche nach sich ziehen könnte.

  • Die Kirche befände sich gegenwärtig „mitten in der Gottesfinsternis“ und durchlaufe „eine wahrhaft endzeitliche Krise“. Es gebe eine „Ökumene des Unglaubens“, die alle christlichen Konfessionen erfasst habe. Diese Krise habe schon vor langer Zeit begonnen und die Volkskirche sei in Europa „schon lange gestorben“.
  • Weder die mahnenden Worte Papst Benedikts XVI., der von „Schmutz“ und „Verrat“ im Innern der Kirche gesprochen hatte, noch „die Lippenbekenntnisse von einem Großteil der Hierarchie“ hätten dem Wirken des Bösen in der Kirche Einhalt gebieten können.
  • Möglicherweise sei jetzt der Punkt erreicht, der im Katechismus als „die letzte Prüfung der Kirche“ angekündigt wird. Wenn die Kirche sich nicht erneuere, „steht […] das ganze Projekt unserer Zivilisation auf dem Spiel“.
  • Die innere Krise des Christentums werde verstärkt durch äußere Bedrohungen bzw. durch die Tatsache, dass das Christentum „nicht nur in Europa […] seit Jahrzehnten wieder eine Völkerwanderung, die niemals mehr an ein Ende kommen wird“, erfahre.

Die gegenwärtige Lage sei vergleichbar mit der Zeit unmittelbar vor dem Untergang des Römischen Reiches, das ebenfalls durch eine Kombination aus innerer Dekadenz und äußerem Druck zerstört worden sei, was einen beispiellosen Kulturbruch nach sich gezogen haben. In dieser Lage sei jedoch der hl. Benedikt von Nursia als Ordensgründer hervorgetreten, der „die Kirche durch die Wirren der Zeit rettete und damit die europäische Zivilisation im gewissen Sinn neu begründete“.

Die Benedikt-Option als Antwort auf die Krise

Gänswein zufolge enthalte das Buch „Die Benedikt-Option“, das sich auf den hl. Benedikt bezieht und in dem der Autor Rod Dreher eine Strategie für christliches Leben in postchristlichen Gesellschaften entwirft, geeignete Antworten auf die gegenwärtige Krise.

Die Benedikt-Option sei eine „wunderbare Inspiration“ und gleiche „einer praktikablen Anleitung zum Bau einer Arche“. Es gebe „keinen Staudamm […] mit dem sich die große Flut noch aufhalten ließe, die nicht erst seit gestern dabei ist, das alte christliche Abendland zu überschwemmen“. Drehers Blick auf die Lage sei gleichermaßen analytisch und prophetisch, denn er habe „die große Flut kommen sehen“.

Sein Strategieentwurf erscheine „in weiten Teilen quasi im stillen Dialog mit dem schweigenden Papa emerito verfasst“, aber die beschriebene Strategie müsse noch konkretisiert werden. Die „Stunde der souveränen Laien“ sei nun gekommen.

Hintergrund

Wir haben die Benedikt-Option hier ausführlich vorgestellt. Dreher hatte sich vor einigen Wochen positiv über den ersten Strategieentwurf des Bundes Sankt Michael geäußert, der im Sinne des Aufrufs von Erzbischof Gänswein den Ansatz der Benedikt-Option zu konkretisieren versucht. (sw)

11 Kommentare

  1. Es gab immer nur die einzige Gemeinschaft der wiedergeborenen Kinder Gottes, die oft sogar grausam von den großen Organisationen der Volkskirchen verfolgt wurden. Diese Jesus Nachfolger werden bis zu ihrer Entrückung auf diese Erde als kleine Herde verstreut Licht in der Finsternis sein! Nur wer persönlich sich für die Nachfolge Jesus entschieden hat, wird bei dieser Entrückung dabei sein, nicht aber solche, die als Baby irgendwo „getauft“ wurden ( dies kann lediglich eine Einsegnung bedeuten, aber niemals eine Mitgliedschaft am wahren Leib Christi!

  2. @ Kemmer, Hermann-Josef
    Geschätzter Herr Kemmer,
    die Hoffnung auf den Herrn ist fraglos immer begründet. Was die operative Ausgangslage betrifft, bin ich weniger optimistisch. Denn bei Ihrem Verweis auf den Hl. Benedikt und den Hl. Franziskus ist natürlich zu bedenken, dass beide weit vor der Reformation und damit auf dem Boden einer (in West- und Mitteleuropa) ungeteilten Christenheit operieren konnten. Kirchenfeindliches Gedankengut wurde damals sorgfältig unter der sichtbaren Oberfläche gehütet und trat kaum offen in Erscheinung.

    Heute ist die Christenheit nicht nur in sich konfessionell gespalten (allein unzählbare protestantische Denominationen), sondern beispielsweise auch die katholische Tradition selbst ist stark fragmentiert. Im Alltagsleben findet Gott bereits größtenteils nicht mehr statt, medial wird Kirche nur mehr als soziale NGO geduldet, Gläubige als eher schräge Typen (z.B. in Krimis, Reportagen etc.) gezeigt – ein Lebensstil „als ob es Gott nicht gäbe“ ist somit heute im Westen durchgängig normaler Alltag.

    • Werter Kirchfahrter Archangelus,
      ich denke, dass das bereits alles mehrfach hier auf dem Blog intensivst geschildert und analysiert wurde. Und da bin ich ja auch ganz bei Ihnen. Meine Hoffnung hatte ich im letzten Kommentar auch wohl realistisch gestutzt (Schwalbe, Inselchristentum). Diesen Satz meinte ich etwas ironisch. Aber ja, ich hoffe auf den Phönix, der aus der ASCHE des fast untergegangenen Christentums heraustritt. Diesen haben wir hier in Jesus Christus. Viele Wege führen zu ihm in unterschiedlichster Weise und Spielarten. Die Frage ist wirklich, ob wir jemals wieder eine EINE hl. kath. Kirche wiederbekommen nach den Regeln der 10 Gebote, des Feindesliebegebots Christi und des Katechismus, die Kirche, die sich Christus so sehr wünscht. Die kath. Kirche tut zurzeit alles, um sich den Christen der heutigen Zeit unbeliebt zu machen und sich darzustellen wie eine Verbrecherorganisation, die sie auch leider in den Augen vieler Menschen war und ist. Wenn Sie sich auf diversen Blogs umschauen, gibt es gar viele Menschen, die in der kath. Kirche den Antichristen, die Jesuiten etwa mit den Freimaurern und Illuminaten vereint als Speerspitze im Dienste Satans sehen.

      Es kann sogar möglich gewesen sein, dass dieses jahrhundertealte Damoklesschwert der Nähe zu den politisch Mächtigen über ihr lag und liegt wie Mehltau und sie unter diesem historischen Leidensdruck zu einer Kirche des vergöttlichen Barmherzigen fand, der sich als Irrweg herausstellte. Jetzt nun wieder dieser Skandal, auch wenn er nur einen geringen Prozentsatz der Priester und Bischöfe betreffen mag.Dieser Makel wird wieder viele Jahrzehnte auf ihr lasten. Auch nach einem endgültigen Zusammenbruch des Christentums in Europa glaube ich an viele Inseln des Christentums, aber eben vielleicht nicht unter dem Dach des Katholischen. Diese Kirche hat in 2000 Jahren offensichtlich bis heute noch immer nicht viel gelernt, weil sie zumindest hier in Europa schon fast orientierungslos dahindümpelt und viel Glaubwürdigkeit verspielt hat und leider – und das ist wohl auch historische Tatsache- sich immer im Windschatten der Mächtigen befand. Das muss endgültig ein Ende haben. Der Missbrauchskandal wird ihr den Rest geben, zu Recht. Da muss ganz neu im Sinne der neubenediktinischen „Entweltlichung“ aufgestellt werden, insbesondere im Vatikan und in den Bischofskonferenzen der Welt und vor allem in den Kirchen vor Ort selbst. Die Drohung des IS bleibt, Rom zu erobern und das ist nicht nur metapherhaft gemeint. Sie nimmt in Europa praktische Gestalt an.

      Da müssen noch viele charismatische Menschen aus dieser Kirche erwachsen, will sie überleben. Diese Menschen werden wohl in der Minderheit noch aus Europa kommen. Vielleicht hat Bischof Gänswein da etwas, auch nur ein kleines Etwas dazu beigetragen, schon in der Phase des Niedergangs.

      Die Haupt- und Kernfrage ist doch beim Wiederaufbau: Will die „neue“ Kirche ein Christentum, welches nur noch – wie viele Christengruppen, die sich wahre Christen nennen – die Offenbarung, also die Apokalypse als Glaubens- und Lebensinhalt machen und die Angst davor für ihren Glauben brauchen als Lebenselixier? Das kann nur ein falsches Christentum werden.

      Oder will sie ein Christentum, welches nach vorn blicken kann und nicht NUR auf die Endzeit völlig fixiert ist. Denn die Gefahr liegt bei dieser „operativen Ausgangslage“ duchaus nahe, dass die Endzeit im „Inselphönixchristentum“ das bestimmende Thema sein wird. Vieles deutet auch auf die Endzeit hin. Die Kirchenformen, wie wir sie heute kennen, werden sich nicht mehr durchsetzen können.

      2000 Jahre Theologie hat die Kirche wohl auch im Überbau überfrachtet und sich durch die neue Theologie selbst in Frage gestellt. Da muss eine Entschlackung im Heiligen Geist stattfinden. Vielleicht wird es eine Kirche sein, die jetzt noch 2000 Jahre Gottes- und Nächstenliebe der Praxis unter dem theologischen Erbe Benedikts des XVI. in Trennung von Kirche und Staat, die auch andere tiefgreifende Reformen durchmachen muss, sein. Prophet bin ich nicht und ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Aber die Kirche wird überleben, egal wie, Zusage des Herrn. Buße und Gebet wird neben der echten Nächstenliebe (und nicht der politischen Fernstenliebe) wieder in den Vordergrund des Christenlebens gestellt werden müssen. Das Wohlfühlchristentum wird abdanken. Nur noch bewusstes Christentum wird sich in einer Welt des Zusammenbruchs des Christentums etablieren und existieren können. Die Experimentierphase des Synkretismus wird ein Ende finden müssen, um die eigene Identität in einem historischen Jesus wiederfinden zu können. Alles andere wäre kein wünschenswerter Neuanfang. Glauben aus Angst war immer ein schlechter Ratgeber ebenso wie ein undifferenter Allerweltsglaube, der Jesus aus der synkretistischen Mitte als den Sohn Gottes verbannt. Der Glaube wird sich neu gestalten müssen in Christus. Er will ein Liebes-, Vertrauens- Hoffnungschristentum, kein Angstchristentum, welches viele Untergangschristengruppen leben. Das „Fürchtet Euch nicht“ muss bestimmendes Element des neuen Christentums sein. Das kann nur dann gelingen, wenn es die eigene Identität wieder zu Ehren kommen lässt.

      Bei allen Unwägbarkeiten glaube ich, dass wir ein übernatürliches Geschehen brauchen, um die Menschen zu Christus führen zu können. Aus eigener Kraft werden wir es nicht schaffen können. Dafür ist die „operative Ausgangslage“ (faszinierender Begriff, danke) zu divers, zu verästelt und zu unterschiedlich, um eine theologische Einheit unter den Christen herstellen zu können. Der Mensch denkt und Gott lenkt. Dieser Kindheitsspruch mag vielleicht noch einmal von großer Bedeutung sein, wenn Jesus übernatürlich in das Geschehen eingreifen wird. Wie gesagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und die Liebe währet ewiglich, weil Gott lebt. Nur mit dem Glauben haperts an allen Ecken und Enden. Das Christentum braucht Einigkeit und das ist das größte Manko des derzeitigen Christentums.

    • Werter Kirchfahrter Archangelus: Noch eine gute Predigt durch Kardinal Müller:

      http://kath.net/news/65155

      Wieder eine kleine Insel der Hoffnung aufgemacht. Klar, dass dieser Mensch nicht der Vorsitzende der Glaubenskongregation im Vatikan bleiben konnte unter diesem Pontifex.

  3. Ich danke den Kommentatoren für Ihr Interesse. Meistens gebe ich ja eher Kommentare ab, die in Richtung Hoffnungslosigkeit tendieren. Aber nun lassen sie mir doch die eine (Hoffnungs-)Schwalbe, die natürlich keinen Sommer macht. Natürlich haben Sie recht, dass es bei der gesamten Bischofsführung einer Kehrtwende um 180 Grad bedürfte, das Boot zumindest hier in diesem Lande vom Kentern abzubringen. Nun, die Gesamtheit der Bischöfe wird sich dadurch nicht anstecken lassen, möglicherweise der ein oder andere oder auch der ein oder andere auf Priesterebene oder auf Gläubigenebene. Wenn einer den Anfang macht, kann es doch geschehen, dass der ein oder andere Christ nachfolgt. Die Hoffnung stirbt zuletzt! Hier wurde doch so intensiv das Inselchristentum beschrieben. Solche Statements Einzelner könnten dazu beitragen, diese Form des Inselchristentums bereits jetzt in der Kirche in die Wege zu leiten, denn spätestens in wenigen Jahren oder Jahrzehnten fällt diese Theologie-Politik der Kirche schmerzhaft auf die Füße. Das werden zunehmend auch die Priester und Bischöfe erkennen müssen, wenn die Alten dann wirklich alle weggestorben sind und die Kirchen vollends leer sind und die Kriminalisierung und Verfolgung christlicher Grundsätze justiziabel werden. Einige müssen offensichtlich erst Schmerzen erleiden, bis sie zur erkennenden Umkehr und Buße gebracht werden können. Wie gesagt: Der Islam wird’s richten und wenn nicht dieser, dann die PC-Diktatur, die allen noch heftiger ins Gesicht blasen wird. Die vitalere Bevölkerung siegt auf Dauer: Das kann nur Fakt sein. Der gesellschaftliche und christentumsmäßige Selbstmord wurde in den 1968ern eingeleitet und die Kirche und deren veränderte Theologie hat bereitwilligst mitgemacht. Dabei bleibe ich selbstverständlich. Aber ein doch erfrischendes Wort eines bekannten Bischofs ist doch in dieser Zeit des Zerfalls recht bemerkenswert, auch wenn ich selbst nicht daran glaube, dass sich daraufhin wirklich Grundlegendes ändern wird. Erst Schmerz, dann erfolgt Umdenken. Einen anderen Weg scheint es nicht mehr zu geben. Trotzdem: Die ersten Stimmen nach Gänswein können sich jetzt auch trauen, dies auch auszusprechen, auch auf Bischofsebene. Da muss sich eben jeder einzelne selbst fragen, wie weit er falsch liegt. Wir dürfen doch um den Hl. Geist beten, oder?

    Die Kirche muss erst offensichtlich am Boden liegen wie die Missbrauchsfälle weltweit ja nun auch demonstrieren. Diese Theologie hat diese Missbräuche begünstigt, weil der Pfad Gottes des Rechts verlassen wurde. Mit Barmherzigkeit waren dann auch schwerste Missbrauchsfälle letztlich möglich, denn die Gerechtigkeit Gottes scheint es ja nicht mehr zu geben. Auch hier erst Zusammenbruch, bevor das wirklich reale Christuspflänzchen in der Kirche wieder zum Blühen gebracht werden kann, dann aber nur mit einem historisch auferstandenen Christus und nicht mit einem mit Methaphern und menschlichen Wünschen behafteten Jesus, dessen Weg die Kirche vorgibt und nicht – so wie es sein sollte – der Herr Jesus Christus, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist und niemand zum Vater kommt, denn durch ihn, auch wenn genau dies vielen in der Kirche nicht genehm ist.

    • Geschätzter Herr Kemmer,
      Ihr Wort in Gottes Gehörgang.
      Ihre Hoffnung würde ich gerne teilen, bin aber skeptisch, da zwar die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwinden werden, „Kirche“ in dem Satz aber leider nicht definiert wird (am Ende noch die berühmten „2 oder3″… ;-)
      Beste Grüße vom Kirchfahrter!

      • Werter Kirchfahrter Achangelus,
        Dank für Ihr Statement.
        Die Hoffnung ist doch eine der 3 christlichen Großtugenden außer dem Glauben und der Liebe. Geben wir auch ihr eine Chance. Aber das hier viel beschworene Inselchristentum des Aufbaus nach der Zerfallskatastrophe wird doch auch gerade das „2 oder 3 in meinem Namen“ sein!? Der hl. Benedikt fing wohl auch erst klein an, ebenso wie der hl. Franziskus.

        Mit freundlichen Grüßen

  4. Ich danke sehr für diesen Beitrag und werde interessiert erwarten was bald hier zu lesen sein wird, besonders was seine Exzellenz Gänswein sagt und schreibt.

  5. Es ist gut, dass ein namhafter und wohl auch bekannter katholischer Erzbischof hier dieses endlich einmal zum Thema macht. Ich kann nur hoffen, dass dieses Statement unsere deutsche kirchliche Elite endlich einmal einen Aufwachimpuls beschert und zu einer anschließenden tiefergreifenden Analyse veranlasst. Dabei könnte dieser Blog hilfreich zur Seite stehen. Der Heilige Geist sollte auch endlich in die Herzen der deutschen Christen, egal welcher Konfession, einfahren.

    Gerade die kath. Kirche sollte diese tiefe Krise auch als Chance verstehen und die eigene Identität wiederfinden, die sie wohl lange Zeit „vernachlässigt“ hat.

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