Die Benedikt-Option – Teil 3: Das Licht der Welt

Hubert Robert - Betender Eremit in einer römischen Tempelruine (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

In seinem Buch „Die Benedikt-Option“ entwirft der Autor Rod Dreher eine Strategie für christliches Leben in dem schwierigen Umfeld, das westliche Gesellschaften künftig darstellen könnten. Der dritte und abschließende Teil unserer Serie über das Buch behandelt praktische Aspekte dieser Strategie.

Dreher setzt sich in diesem Zusammenhang vor allem mit Gemeinschaftsbildung, dem Aufbau von Netzwerken und der Ausbildung jener auseinander, die unter den künftigen Krisenbedingungen im Sinne ihrer christlichen Berufung als „Licht der Welt“1 die Erneuerung und den Wiederaufbau westlicher Gesellschaften leisten sollen.

Der erste Teil unserer Serie beschrieb Drehers Analyse der Krise westlicher Gesellschaften sowie des Versagens der Kirche und des christlichen Konservatismus bei der Abwendung dieser Krise.

Der zweite Teil unserer Serie behandelte die Gedanken Drehers darüber, wie das Christentum gestützt auf Netzwerke resilienter kleiner Gemeinschaften die unabwendbar gewordene Krise westlicher Gesellschaften überdauern soll, um diese Gesellschaften anschließend wieder aufbauen zu können.

1. Sammlung und Gemeinschaftsbildung

Die Grundlage der von Dreher vorgeschlagenen Strategie stellt die Sammlung der Kräfte dar, die dazu bereit seien „Gemeinschaften zu bilden […] in denen eine gelebte Tugend das lange Dunkle Zeitalter, das uns bevorsteht, überleben kann“.

Diese Sammlung solle um religiöse Kerne herum erfolgen, in denen die christliche Tradition und Lehre sowie Liturgie noch intakt und lebendig seien. Man erkenne diese Kerne daran, dass sie am Ziel festhalten, den Menschen nach dem Vorbild Christi zu formen. Um solche Kerne herum könne der Glaube gepflegt werden, wachsen und in schwierigen Umfeldern überdauern.

Dreher, der als Journalist an der Aufdeckung der bis auf höchste Ebenen der kirchlichen Hierarchie in den USA und möglicherweise auch darüber hinaus reichenden Missbrauchsnetzwerken in der katholischen Kirche beteiligt war, geht davon aus, dass aufgrund der Verfallserscheinungen in der Kirche eine wesentliche Herausforderung bestehen wird, solche intakten Kerne zu identifizieren:

Wenn wir heutigen Christen nicht fest auf dem Felsen der geheiligten Ordnung stehen, wie unsere heilige Tradition sie offenbart – eine Ordnung des Denkens, Redens und Handelns, die das Christliche in der Kultur verkörpert und von Generation zu Generation weiterträgt -, dann haben wir überhaupt keinen Boden mehr unter den Füßen. Wenn wir nicht Praktiken in unser tägliches Leben einbeziehen, die sicherstellen, dass diese geheiligte Ordnung uns, unseren Familien und Gemeinschaften stets präsent bleibt, werden wir sie verlieren. Und wenn wir sie verlieren, laufen wir Gefahr, Ihn aus den Augen zu verlieren, auf den alles in dieser geheiligten Ordnung hinweist wie eine göttliche Schatzkarte.2

Es sei erforderlich, im ersten Schritt Grenzen zwischen entsprechenden Gemeinschaften und der umgebenden Welt zu ziehen, um diese Gemeinschaften vor der Korrumpierung zu schützen, die verweltlichte Teile der Kirche ergriffen habe. Einer der von Dreher befragten Benediktinermönche sprach davon, dass eine gute christliche Gemeinschaft als „Insel der Heiligkeit und Beständigkeit“ in der sie umgebenden Welt existieren müsse. Hinter schützenden Grenzen sei es leichter, das eigene Leben mit den Anforderungen heiliger Ordnung in Übereinstimmung zu bringen.

Die entstehenden Gemeinschaften sollten Impulse des monastischen Lebens in das Leben christlicher Laien integrieren, um ein resilienteres christliches Leben zu ermöglichen:

[W]ir […] folgen unserem Pilgerweg auf den Spuren Benedikts, hinaus aus der in Trümmern liegenden imperialen Stadt […]. Wir finden andere, die so sind wie wir, und bauen Gemeinschaften auf, Schulen für den Dienst des Herrn. Wir tun das nicht, um die Welt zu retten, sondern aus keinem anderem Grund als dem, dass wir Ihn lieben und wissen, dass es eine Gemeinschaft und eine geordnete Lebensweise braucht, um Ihm voll und ganz zu dienen.

Wir leben liturgisch, tragen unsere geheiligte Überlieferung in Anbetung und Gesang weiter. […] Wir heiraten und geben unsere Kinder in die Ehe, und obwohl wir im Exil leben, „suchen wir der Stadt Bestes“. […] Wir lesen die Bibel und erzählen unseren Kindern von den Heiligen. Und wir erzählen ihnen auch – im Obstgarten und am Lagerfeuer – von Odysseus, Achill und Aeneas, von Dante und Don Quixote, von Frodo und Gandalf, und all die Geschichten, die überliefern, was es bedeutet, Männer und Frauen der westlichen Welt zu sein.3

Eine Herausforderung für solche Gemeinschaften werde darin bestehen, sektenartige Eigenschaften wie übertriebene Kontrolle der Mitglieder zu vermeiden. Die über viele Jahrhunderte hinweg aufgebauten Erfahrungsbestände des christlichen Mönchtums könnten dabei helfen.

Drehers Ansatz wird zum Teil missverstanden, weil die christlichen Gemeinschaften, die er in seinem Buch vorstellt (darunter die benediktinischen Mönche von Norcia und die katholische Laiengemeinschaft Tipi Loschi in Italien) zum Teil räumlich getrennt vom Rest der Gesellschaft leben. Dreher betont jedoch, dass dies daran liege, dass es noch nicht viele Beispiele für solche Gemeinschaften gebe und dass eine räumliche Trennung künftig in den meisten Fällen weder möglich noch wünschenswert sein werde.

2. Christliche Gemeinschaften als Schulen des Dienstes

Christen könnten der Welt nicht geben, was sie selbst nicht hätten. Der hl. Benedikt habe seine Klöster als „Schulen für den Dienst des Herrn“ und seine Ordensregel als eine praktische Anleitung zu christlicher Lebensgestaltung verstanden, was ein Vorbild für die zu schaffenden Gemeinschaften und die von ihnen zu leistende Formung und Ausbildung von Christen für ihren Dienst darstelle.

Dreher zitiert den Kirchenhistoriker Robert Louis Wilken, demzufolge es in der gegenwärtigen Lage zunächst darum gehen müsse, „die Überreste christlicher Kultur zu verstehen und zu verteidigen“ und sie sich anzueignen. Die kulturellen Bestände des Christentums beinhalteten „eine Weisheit, die einfachen Gläubigen dabei helfen kann, sich inmitten der modernen Welt zum Kampf zu rüsten, das neue Dunkle Zeitalter nicht bloß durchzustehen, sondern sogar in ihm aufzublühen“.

Das Christentum sei mehr als nur eine Weltanschauung. Es äußere sich in der gesamten Lebenshaltung eines Menschen. Die Menschen der sich um religiöse Kerne herum bildenden Gemeinschaften müssten ihrem Leben eine entsprechende Form geben.

3. Der Aufbau christlicher Netzwerke

Diese Gemeinschaften sollten sich untereinander vernetzen, denn die „zersetzenden Kräfte, die von der populären Kultur ausgehen, sind zu stark als dass Individuen oder einzelne Familien ihnen aus eigener Kraft widerstehen könnten“.

Dreher bezieht sich bei seinen Gedanken über christliche Netzwerke vor allem auf das Konzept der „Parallel-Polis“, das von christlichen Dissidenten im Ostblock während der Zeit der kommunistischen Herrschaft entworfen und umgesetzt worden war. Wir hatten dieses Konzept hier näher vorgestellt. Dreher bezieht sich außerdem auf Erfahrungen von Juden, die ähnliche Strukturen in für sie ungünstigen Umfeldern geschaffen haben.

Diese Netzwerke sollten Christen möglichst unabhängig machen und eine Solidarstruktur bilden, die christliches Leben unter schwierigen Bedingungen unterstützen solle, etwa durch die Vermittlung von Bildung, unabhängig von dysfunktionalen oder ideologisierten öffentlichen Schulsystemen oder durch die Vermittlung von Arbeitsplätzen.

Solche Netzwerke sollten unnötige Konflikte mit ihrer Umwelt vermeiden. Wo sie politisch aktiv würden, solle es vor allem darum gehen, Freiräume für Christen aufrechtzuerhalten oder zu schaffen.

4. Das Licht der Welt

Die Benedikt-Option ist eine offensive Strategie, deren Ziel es ist, Christen dabei zu unterstützen, dass sie auch unter schwierigen Bedingungen ihren Auftrag erfüllen können, „Licht der Welt“ und „Salz der Erde“ zu sein.

Die aufzubauenden Gemeinschaften und Netzwerke sollen dazu als Inseln intakten christlichen Lebens in ihrem unmittelbaren Umfeld evangelisierend wirken, so wie es die Klöster des hl. Benedikts in der Zeit nach dem Untergang des Römischen Reiches taten.

Dreher knüpft hier an Gedanken Joseph Ratzingers (Papst Benedikt XVI.) an, der 1970 beschrieben hatte, wie kleine christliche Gemeinschaften, die sich innerlich von „falschen Progressismen“ befreit hätten, nach dem Scheitern der säkularen utopischen Ideologien den Wiederaufbau der von ihnen zerstörten westlichen Welt beginnen könnten. Die Menschen dieser innerlich und möglicherweise auch äußerlich verwüsteten Welt würden dann „die kleine Gemeinschaft der Glaubenden als etwas ganz Neues entdecken […] als eine Antwort, nach der sie im Verborgenen immer gefragt haben.“ Ratzinger schrieb dazu 1996:

Vielleicht müssen wir von den volkskirchlichen Ideen Abschied nehmen. Möglicherweise steht uns eine anders geartete, neue Epoche der Kirchengeschichte bevor, in der das Christentum eher wieder im Senfkorn-Zeichen stehen wird, in scheinbar bedeutungslosen, geringen Gruppen, die aber doch intensiv gegen das Böse anleben und das Gute in die Welt hereintragen: die Gott hereinlassen. Ich sehe, daß hier wieder ganz viel Bewegung dieser Art da ist.4

In den zunehmend von kulturellem, spirituellem und sonstigem Verfall gekennzeichneten Umfeldern würden Dreher zufolge sichtbares christliches Leben und christliche Kultur wie Leuchttürme in ihre Umgebung ausstrahlen und so die Erneuerung der Überreste westlicher Gesellschaften bewirken.

Dreher zitiert abschließend Marco Sermarini, den Leiter der von ihm vorgestellten Laiengemeinschaft Tipi Loschi, mit dem Aufruf:

Ich weiß nicht, was in diesem Leben als nächstes passiert, aber in der Zwischenzeit müssen wir für das Gute kämpfen […]. Die Chance, das Gute in der Welt zu bewahren, ist nicht mehr als eben nur eine Chance. Wir müssen die Gelegenheit nutzen, die wir haben, um einen Felsen in die Erde zu pflanzen und dafür zu sorgen, dass dieser Felsen fest an seinem Platz steht. […] Nichts, was wir in diesem Leben tun, wird ewig Bestand haben, und trotzdem müssen wir Dinge so bauen, als wären sie für die Ewigkeit […]. Das ist es, was Gott will.5

5. Die Benedikt-Option und der Bund Sankt Michael

Der Bund Sankt Michael hat einen ersten Kontakt zu Rod Dreher aufgebaut und wird sich daran beteiligen, den Ansatz der Benedikt-Option im deutschsprachigen Raum praktisch zu verwirklichen. (sw)

8 Kommentare

  1. Ob das Christentum, wie es im ersten Teil lautet, „Jahrhunderte eines kommenden dunklen Zeitalters“ nach der Benedikt-Option überstehen kann, ist für mich schwer vorstellbar. Dies dann nicht nur in einer wie heute vom Glaubensverfall und Dekadenz geprägten Umwelt, sondern sehr wahrscheinlich unter dem Christentum feindselig gegenüberstehenden Bedingungen. Solche Bedingungen, so stelle ich mir vor, gehen einher mit Gesinnungsdruck, staatlichem und unauweichlichem Einfluss auf Erziehung, Meinungsmanipulation durch massenmediale und orchestrierter Propaganda, Geschichtsverfälschungen, Entwurzelung, Gruppendruck, fortschreitender Ideologisierung, Vereinzelung, Bildungsverlust, Geschichtsvergessenheit, Pervertierungen etc., und dies über viele Generationen hinweg. Sicher, Druck erzeugt Gegendruck, und es wird immer Menschen geben, die sich Bevormundung, Gängelung, Lügenkonstrukten, Heuchelei, Repressalien, Verfolgung, Ächtung, Verächtlichmachung und alles, was zu einer christenfeindlichen als auch antichristlichen Umgebung dazu gehört, zu entziehen versuchen werden. Aber über Jahrhunderte den Glauben weiter tragen zu können ohne standhafte und richtungsweisende, auch öffentlich auftretende kirchliche und priesterliche Autorität, wie es doch (oder irre ich mich) implizit im Artikel steht, als hauptsächlich von Laien getragenes Christentum im Verborgenen, dies unter Umständen über Jahrhunderte hinweg, da ist für mich die Gefahr eines sektiererischen Abgleitens und Orientierungsverlusts in einer künftigen Postmoderne zu offensichtlich. Damit es nicht so kommt bedürfte es neben dem Heiligen Geist auch von ihm beseelte Menschen. Die Vergangenheit zeigt für uns Christen, dass Gott in solch beseelten Menschen zur Wirkung kommt und die Geschichte bestimmt. Dann muss ich aber auch fragen: Warum sollte Gott nicht auch jetzt wirksam werden können? Warum also nicht Optimismus, dass jetzt, unter besseren Bedingungen als oben dystopisch skizziert und einer Fortschreibung bestehender Fehlentwicklungen geschuldet, das Christentum und der Glauben revitalisiert werden kann? Warum nicht auch jetzt auf den Heiligen Geist vertrauen und die Berufung charismatischer Priester? Brauchen wir erst eine Katastrophe, die ja dann wohl der Zusammenbruch unserer Zivilisation wäre, um uns eine Erneuerung des Glaubens vorstellen zu können? Müsste man denn nicht den Zusammenbruch des spätestens dann ehemaligen Abendlandes nicht als Siegeszug des Islam und Ablösung des Christentums in Europa denken, wie historisch zum Beispiel im ehemals christlichen Orient geschehen? Ist also nicht jetzt die Zeit, den Glauben zu bekennen, zu verkünden und zu erneuern? Hier würde ich mir eine Analyse wünschen, was es eigentlich genau ist, das den modernen europäischen Menschen tatsächlich von Jesus sich entfernen lässt und den Traditionsbruch herbei geführt hat. Und was sind die Konsequenzen daraus? Wie muss die römisch-katholische Kirche handeln und verkündigen, sich auch verändern, damit es zu einer Neuevangelisierung im Geiste Jesu kommt? Wo ist jetzt die kirchliche Autorität, wo sind jetzt die geistigen Führer? Wo ist die Kirche, die sich nicht dem Zeitgeist anbiedert, sondern unbequem der Botschaft Jesu verpflichtet ist und dadurch intellektuell führt? Die sogenannte progressive und doch bereits im Rückzug befindliche Linke ist schon längst intellektuell gescheitert. Eine wachsende Anzahl fühlt sich orientierungslos, geistig und moralisch erschöpft und sucht nach Wahrhaftigkeit. Der Boden für eine Umkehr ist schon bereitet. Heiliger Geist, komm auf uns herab!!

    • Sehr geehrter k.b.,
      Rod Dreher betont in seinem Buch ausdrücklich die Bedeutung dessen, was Sie als „standhafte und richtungsweisende, auch öffentlich auftretende kirchliche und priesterliche Autorität“ bezeichnen. Er stellt im Buch sehr ausführlich u.a. ein Benediktinerkloster vor, das sich als religiöser Kern einer Laienbewegung im Sinne er Benedikt-Option versteht. Die Gedanken eines ehemaligen Priors dieses Klosters hatten wir hier vorgestellt: https://bundsanktmichael.org/2018/08/03/cassian-folsom-europa-als-erbe-und-auftrag/
      Dreher regt hier also keine Sezession der Laien an. Er ist allerdings skeptisch, was die Bereitschaft der kirchlichen Hierarchie angeht, die Initiative bei diesem Thema zu übernehmen.

  2. Auch auf die Gefahr hin, einige potentielle Mitstreiter zu verprellen: Die Benutzung abstrakter Begriffe wie „Christentum“ oder „christliche Kirchen“ führt nicht weiter. Theologische Überlegungen beiseite gelegt, läßt sich nüchtern feststellen, dass zum einen protestantische Denominationen größtenteils (Ausnahme: evangelikale und hockkirchliche Gruppen) ausfallen, da deren Auffassungen vom sozio-kulturellen Mainstream kaum mehr unterscheidbar sind. Bedingt durch die historisch bedingte starke Orientierung an den jeweils Herrschenden überwiegt dort der Drang, „irgendwie“ Kompromisse mit der jeweils dominierenden Ideologie zu finden und sich halt durchzuwurschteln.
    Bleibt die katholische Kirche. Hier sehe ich das Hauptproblem nicht in der Mißbrauchsproblematik, sondern, dass sie seit dem Konzil in den 1960ern dem Protestantismus immer ähnlicher wird. Nach der Liturgie- folgt nun die Strukturangleichung (meist von Pastoralassistentinnen geleitete „Wortgottesfeiern“, Pilotprojekt laiengeleiteter Pfarreien, interkonfessioneller Religionsunterricht in NRW etc.). Folgerichtig gleicht sich die Aussendarstellung den protestantischen Denominationen an: Beflissen will die Hierarchie Gender „katholisch lesen“ (http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/gender-katholisch-gelesen) und lobt in Person des DBK-Vorsitzenden, die Kanzlerin habe sich „sogar über das Gesetz hinweggesetzt, das gehört auch zur politischen Führung!“ (https://www.merkur.de/bayern/fluechtlingsversorgung-kardinal-reinhard-marx-lehnt-absenkung-standards-5518329.html).Allgemein wohl wenig bekannt, hat sich die katholische Kirche in Deutschland auch organisatorisch mit dem regierungsfreundlichen soziokulturellen Mainstream der sog. „zivilgesellschaftlichen Akteure“ vernetzt, indem sie sich der sog. „Allianz für Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaat – gegen Intoleranz, Menschenfeindlichkeit und Gewalt“ angeschlossen hat (http://www.allianz-fuer-weltoffenheit.de/).
    Mithin gilt es erst einmal sorgfältig zu eruieren, welche Gruppen überhaupt als Fundament für eine „Benedikt-Option“ zur Verfügung stünden. Dabei gilt es dann schmerzlich konkret zu werden und Allgemeinplätze zu verlassen.

    • @Kirchfahrer Archangelus,
      Dem, was Sie über die Lage der katholischen Kirche und des Protestantismus schreiben, kann ich nur zustimmen. Man muß damit rechnen, dass Anstrengungen in Richtung Benedikt-Option bei relevanten Akteuren innerhalb der Kirche auf wenig Unterstützung stoßen werden. Es wäre m.E. schon einiges erreicht, wenn dieser Ansatz zumindest toleriert würde.
      Eine Diskussion über das praktische Vorgehen bezüglich des von Ihnen angesprochenen Themas würde ich sehr begrüßen. Meine Position dazu ist:
      – Was die Konkretisierung der Akteure angeht, die für diesen Ansatz zu gewinnen sind, gehe ich davon aus, dass diese sich entweder melden werden oder nach direkter Verbindungsaufnahme erklären werden, wie sie diesem Ansatz stehen.
      – Gegenwärtig geht es m.E. vor allem darum, die eigene Position und den eigenen Ansatz zu beschreiben, damit für potenzielle Interessenten und Partner sichtbar zu werden und diese zu sammeln. Positive Aussagen ermöglichen es Interessenten dabei zu beurteilen, wo das Vorhaben steht, und sorgen für die nötige Abgrenzung von anderen Vorhaben.
      – Negative Aussagen in Form einer aktiveren Auseinandersetzung mit den von Ihnen m.E. völlig zutreffend beschriebenen problematischen Erscheinungen innerhalb der katholischen Kirche und des Protestantismus hätten zum gegenwärtigen Zeitpunkt wenig Wirkung, weil das Vorhaben noch bei weitem nicht das nötige Gewicht hat, um in solchen Auseinandersetzungen eine Rolle spielen zu können. Sie würden außerdem das Risiko mit sich bringen, dass das Vorhaben noch bevor es wirklich begonnen hat bereits den Raum des Tolerierten verlässt.

    • Werter Kirchfahrter Archangelus,
      Meinen Sie mit dem „schmerzlich konkret werden“ Worte dieser Art:
      „Die Fassade der nachkonziliaren Kirche ist zusammengebrochen….Teile der Hierarchie der Kirche sind vollständig verrottet“?
      https://m.die-tagespost.de/meinungsmacher/Der-Rauch-Satans;art36,191440
      Wenn es so weitergeht, wird es in der Tat erforderlich werden, sich von bestimmten Teilen der katholischen Kirche aktiv zu distanzieren, um selbst nicht mit den Strudel ihres Untergangs mit hineingerissen zu werden.

    • @ Kirchfahrter Archangelus

      Taktisch gesehen dürfte es trotz der Kernfäule in Teilen der katholischen Kirche erfolgreicher sein, in gefestigten altgläubigen Gruppen unter dem Dach der Kirche auszuharren.

      Ein Schisma wäre zwar möglich und inhaltlich angebracht, doch ist die Gefahr, danach nur noch sektenhaft agieren zu können, nicht von der Hand zu weisen.

      Hinsichtlich der evangegelischen Kirche ist die Lage inzwischen wohl so katastrophal, dass es da kaum noch was zum Anknüpfen und Retten gibt.
      Die haben sich selbst abgeschafft und aufgelöst.
      1934 schafften sie es immerhin noch, die „Bekennende Kirche“ gegen das NS-Regime zu gründen, dazu reicht es heute nicht mehr.

  3. Was damals noch Leuchtturm sein konnte mit christlichem Vorbild in einer Welt, in der das Soziale noch weitgehend unterentwickelt war, dürfte heute schwerer zu leben sein, denn der materialistische Humanismus fährt genau diese Schiene ohne Bezug zu Gott. Sozialverhalten ohne Gott einhergehend mit Abtreibung, Euthanasie und Ehe für Alle. Dies spricht den Großteil des Menschen sowohl innerhalb der verfallenden Kirchen als auch außerhalb derselben an. Die Menschen sind in dieser Weise „umerzogen“ und Gott ist ihnen völlig egal. Auch wenn sie ohne Gott leben, fehlt ihnen nichts. Das ist die heutige Situation. Hier wird der Hl. Benedikt als Vorbild hingestellt. Benedikt folgte der kath. Lehre, die die Eucharistie, die Marienverehrung beinhaltete. Damals gab es nur die kath. Kirche. Zumindest war sie damals als Glaubensgerüst, wenn sie denn durchdrang, einzige Option und hatte den Vorteil, dass diese Benedikt-Klöster dann auch diese „Art des Christentums“ einheitlich leben konnten in einer Zeit, in der die Meinung vorherrschte, dass es Gott geben muss. Heute existieren X Christenkonfessionen und -gruppen, die sich ihr eigenes Christentum „zusammengebastelt“ haben, ohne dass ich den Wert dieser Christengruppen irgendwie abwertend darstellen will. Die kath. Kirche wird von einigen dieser Gruppen sogar gehasst und sogar als Problem, als die Hure Babylons hingestellt, was nach den letzten Missbrauchsskandalen immer mehr verständlich wird. Dieser Missbrauch ist m. E. die Folge einer Theologie, die Satan selbst initiiert hat und zu einer Glaubensverdunstung exorbitanten Ausmaßes zumindest in der westlichen Welt geführt hat. Die Christenheit hat aber m. E. nur eine Chance nach den obigen Ausführungen überleben zu können (auch wieder hier in Europa) wenn sie geeint auftritt, wenn sie die Eucharistie hochhält und an die Realpräsenz Jesu als wahres Himmelsbrot glaubt und diese wörtlich so versteht wie in Johannes ausgeführt. Die Regeln des hl. Benedikt waren auf dem Grund des Geistes des Katechismus (ich weiß nicht, ob es diesen damals schon gegeben hat) aufgebaut, also nach festen Regeln wie es ja auch der Herr Dreher empfiehlt. Und es ist ein Unterschied, ob der Kommunismus hier Einzug hält oder der Islam als Staat die Führung unternimmt. Da werden die Christen der nächsten Generation aber noch viel Glaubenswissen aneignen und bewusstes Rüstzeug des Glaubens anlegen müssen, um sich unter dem Dach einer einheitlichen christlichen Denkweise vereinigen zu können, damit sich dann die Kraft entwickeln kann, um entgegen der dann bestehenden regierungsamtlichen Rechtsvorgaben z. B. der Scharia ihre Existenz sichern zu können. Wie dies in einer m. E. islamischen Mehrheitsgesellschaft funktionieren soll, die in der Zukunft wohl hier ihr Unwesen treiben wird, ist noch völlig offen. Wir können möglicherweise schon heute Blicke hinter die Kulissen von Christen in Saudi Arabien, im Iran oder selbst in der Türkei werfen, wie die Christen da ihr Leben hinbekommen. Die Kopten in Ägypten hatten nur eine Chance: Einigkeit und viel Glaubenszeugnis in der Vergebung der Täter bei Attentaten. So haben sie in Ägypten überlebt, weil sie damals noch viele waren.

    Aber eines werden beide Gruppen, die uns regiern werden, nicht zulassen: Jeder christliche Aufbruch wird im Keim erstickt werden. Ich sage es immer wieder: Wenn Jesus selbst da nicht eingreift, aus menschlicher Kraft allein wird es nicht gelingen. Das Senfkorn der kath. Kirche, die sich in der letzten Zeit selbst zerlegt – und der derzeitige Papst ist leider nicht gerade der rettende Anker dieser Kirche -, wird sehr vielen Hindernissen begegnen, sich „auszubreiten“. Die Ruf der kath. Kirche hat zunehmend Schaden genommen. Ob angesichts dieses Glaubwürdigkeits-Schadens eine Revitalisierung derselben Kirche überhaupt möglich sein wird, ist angesichts der Kirchengeschichte und insbesondere angesichts der jüngsten Missbrauchsereignisse mehr als fraglich.
    http://kath.net/news/64898

    Die Gefahr besteht, dass die kath. Kirche in den Augen der Menschen, wenn sie in Verbindung mit dem Namen Jesus benutzt wird, mehr als schlechte Karten hat, überhaupt in den Denkrahmen des christlichen Glaubens zu geraten, wenn der christliche Glaube wieder zum Erblühen gebracht werden soll.

    Das sind die Folgen, wenn die Theologie den Menschen und seine Bedürfnisse vergöttlicht(Barmherzigkeitsvergöttlichung in jeder Lebenslage, auch der, die die eigene Existenz des Christentums gefährdet wie derzeit) und Gott nur noch als Statist die Bedürfnisse und Regeln des Menschen zu erfüllen und all diese Regeln gefälligst zu akzeptieren hat. Kraftvolle liebende Demut mit großem christlichen Selbstbewusstsein, welches jedoch erst mit starkem Glaubenswissen einhergehen muss, ist die Grundeinstellung, die diese christlichen Inseln in ihr Glaubensleben die Möglichkeit geben können, dass das Christentum überleben kann.

    • @ Kemmer, Hermann-Josef

      Volle Zustimmung!

      Ansonsten wie schon am anderen Ort geschrieben: Die Situation ist heute weit ernster als zu Zeiten des hl. Benedikt.
      Gefestigte Gruppen dürften die noch kommenden Schwierigkeiten und Gefahren dennoch überstehen können – die Christen der Frühzeit haben das aber teilweise auch nur im Verborgenen geschafft.

      Ja, vielleicht ist im Hinblick auf die sozusagen altgläubigen christlichen Gruppen die Situation heute ohnehin nicht so sehr mit der nach dem Kollaps von Westrom zu vergleichen (also der Zeit Benedikts v. Nursia), sondern eher mit der Zeit des 2. und 3. Jahrhunderts … In der Spätantike und im frühen Mittelalter gab es ja keine Christenverfolgung, sondern es handelte sich um eine andersartige Krise.

      Die Vorstellung, aus gefestigten christlichen Gruppen heraus mit Erfolg missionierend in die Gesellschaft wirken zu können, setzt m. E. eine vorangegangene Krise derartigen Ausmaßes voraus, dass sie auch in der Allgemeinheit ohne Wenn und Aber als katastrophal empfunden wird.
      Etwa wie 1945. Darunter gehts wahrscheinlich nicht.

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