Die Benedikt-Option – Teil 2: Krisenfeste christliche Gemeinschaften

Carl Blechen - Stürmische See mit Leuchtturm (gemeinfrei)

In seinem Buch „Die Benedikt-Option“ entwirft der Autor Rod Dreher eine Strategie für christliches Leben in dem schwierigen Umfeld, das westliche Gesellschaften künftig in immer größerem Maße darstellen könnten.

Der erste Teil unserer Serie über das Buch beschrieb Drehers Analyse der Krise westlicher Gesellschaften sowie des Versagens der Kirche und des christlichen Konservatismus bei der Abwendung dieser Krise.

Der zweite Teil unserer Serie behandelt die Gedanken Drehers darüber, wie das Christentum gestützt auf Netzwerke resilienter kleiner Gemeinschaften die unabwendbar gewordene Krise westlicher Gesellschaften überdauern soll, um diese Gesellschaften anschließend wieder aufzubauen zu können.

Der heilige Benedikt und das Problem der Bewahrung des Guten in scheiternden Kulturen

Dreher stützt sich auf Überlegungen des Philosophen Alasdair MacIntyre, der in den 1980er Jahren in seinem Werk „Der Verlust der Tugend“ die kulturelle Krise des Westens aus moralphilosophischer Sicht analysiert und das Scheitern moderner und postmoderner Ideologien und der darauf beruhenden Gesellschaften prognostiziert hatte.

MacIntyre sprach in diesem Zusammenhang vor einer „heraufziehenden Zeit der Barbarei“, in der jene, die das Gute bewahren wollten, dies nur als Akteure einer Gegenkultur tun könnten, die sich in einem schwierigen Umfeld behaupten werden müsse:

Es ist immer gefährlich, zu enge Parallelen zwischen einer historischen Periode und einer anderen zu ziehen; und zu den irreführendsten dieser Parallelen gehören jene, die zwischen unserer eigenen Zeit in Europa und Nordamerika und der Epoche vom Niedergang des Römischen Reichs bis ins frühe Mittelalter gezogen worden sind. Dennoch gibt es gewisse Parallelen. Es stellte einen entscheidenden Wendepunkt in der älteren Geschichte dar, als Männer und Frauen mit guten Absichten Abstand davon nahmen, das Römische Imperium zu stützen und aufhörten, den Fortbestand der Zivilisation und der moralischen Gemeinschaft mit dem Fortbestand dieses Imperiums gleichzusetzen.

MacIntyre formulierte hier den Gedanken, den Dreher zum Kern der Benedikt-Option machte:

Statt dessen machten sie sich daran, oft ohne genau zu erkennen, was sie taten, neue Formen von Gemeinschaft aufzubauen, in denen das moralische Leben aufrechterhalten werden konnte, so daß Moral und Zivilisation die heraufziehende Zeit der Barbarei und Finsternis überleben konnten. Wenn meine Darstellung unserer moralischen Lage richtig ist, sollten wir ebenfalls zu dem Schluß kommen, daß auch wir nun seit einiger Zeit ebenfalls diesen Wendepunkt erreicht haben. Was in diesem Stadium zählt, ist die Schaffung lokaler Formen von Gemeinschaft, in denen die Zivilisation und das intellektuelle und moralische Leben über das neue finstere Zeitalter hinaus aufrechterhalten werden können, das bereits über uns gekommen ist. Und da die Tradition der Tugenden die Schrecken der letzten Finsternis überstanden hat, sind wir nicht ganz ohne Grund zur Hoffnung. Diesmal warten die Barbaren allerdings nicht jenseits der Grenzen; sie beherrschen uns schon seit einer ganzen Weile. Und gerade das mangelnde Bewußtsein dessen macht einen Teil unserer mißlichen Lage aus. Wir warten nicht auf einen Godot, sondern auf einen anderen, zweifelsohne völlig anderen Benedikt.

MacIntyre geht in seinem Buch nicht weiter auf den hl. Benedikt ein, den er hier nur als Symbol für die von ihm beschriebene Antwort auf die Krise westlicher Gesellschaft erwähnt. Dreher stützte sich bei seiner Benennung der Benedikt-Option vor allem auf die entsprechenden Gedanken MacIntyres, bezog in seine im nächsten Teil unserer Serie über die Benedikt-Option beschriebenen praktischen Überlegungen jedoch auch benediktinische Ansätze mit ein.

Die Krise überdauern: Aufbau christlicher Gemeinschaften und Netzwerke

Da die Krise westlicher Gesellschaften nicht mehr abzuwenden sei, müssten Christen laut Dreher nach Ansätzen suchen, die diese Krise überdauern könnten. Die Benedikt-Option sei ein strategischer Ansatz zur Schaffung einer offensiven Gegenkultur, die in Form von Netzwerken kleiner Gemeinschaften kulturelle Kontinuität unter ungünstigen Bedingungen gewährleisten könne.

Angesichts der beschriebenen Lage brauche es laut Dreher „kreative, gemeinschaftsorientierte Lösungen […] die uns helfen, an unserem Glauben und unseren Werten festzuhalten in einer Welt, die ihnen immer feindseliger gegenübersteht“:

Die Flut steigt den Kirchen bis ans Dach. […] Die Welle kann nicht aufgehalten werden, man kann sie nur reiten. […] Könnte es sein, dass der beste Weg, die Flut zu bekämpfen, darin besteht … die Flut nicht zu bekämpfen? Aufzuhören, Sandsäcke aufzutürmen, und stattdessen eine Arche zu bauen, die Schutz bietet, bis das Wasser zurückweicht und wir unsere Füße wieder auf trockenes Land setzen können? Statt unsere Energie und Ressourcen in politischen Kämpfen zu verschwenden, die wir nicht gewinnen können, sollten wir daran arbeiten, Gemeinschaften, Institutionen und Netzwerke des Widerstands aufzubauen, die die feindliche Übermacht überlisten, überdauern und schließlich überwinden können.1

Entweder gelinge es, eine „gegenkulturelle Weise, das Christentum zu leben“ zu schaffen, oder spätestens die Generation der eigenen Kinder werde dem Assimilationsdruck der postmodernen Kultur und Gesellschaft erliegen, womit das Christentum dort erlöschen werde.

Christlicher Konservatismus in einer scheiternden Kultur: Widerstand statt Verteidigung

Dreher zufolge sei das zentrale Motiv des christlichen Konservatismus (den er nicht parteipolitisch definiert) der auf der christlichen Nächstenliebe beruhende Wille zum Dienst am Nächsten. Darauf beruhe der christlich-konservative Wille zur Bewahrung der Bindung des Gemeinwesens an seine religiöse Grundlage und zur Bewahrung der kulturellen Bestände, die auf dieser Grundlage geschaffen wurden.

  • In den vergangenen Jahrhunderten sei das Christentum die dominierende kulturelle Kraft in westlichern Gesellschaften gewesen, weshalb sich konservative Christen im Rahmen des kulturellen Konsenses dieser Gesellschaften bewegten bzw. diesen definierten.
  • Der Großteil des Handelns christlicher Konservativer habe in der Vergangenheit daher darin bestanden, als Teil politischer und kultureller Eliten die Kultur und Ordnung christlicher Gesellschaften zu schützen und zu verteidigen.
  • Dies habe sich in den vergangenen Jahrzehnten jedoch geändert. Diese Gesellschaften würden nun von anderen Eliten und nicht-christlichen Ideologien geprägt.
  • Liberale Tendenzen in der Kirche seien auch Folge von Versuchen des christlichen Bürgertums, in den sich zunehmend von ihren christlichen Wurzeln entfernenden Gesellschaften Teil des kulturellen Konsenses und dessen zu bleiben, was in Deutschland als „Mitte der Gesellschaft“ bezeichnet wird.

Wer am zeitlos Gültigen festhalte, fände sich zunehmend in einer gesellschaftlichen Randposition wieder. Unter den künftigen Bedingungen werde man als Christ daher bewusst eine Gegenposition einnehmen müssen, weil die Akzeptanz durch die neuen gesellschaftlichen Eliten und den von ihnen definierten kulturellen Konsens nur um den Preis der Aufgabe des eigenen Christseins möglich sein werde.

Für konservative Christen bedeute dies, dass sie stärker als bisher dazu bereit sein müssten, „Zeichen des Widerspruchs gegen die moderne Welt“ zu setzen und die Distanz gegenüber der sie umgebenden Welt zu betonen. Um für die Menschen in zerfallenden Gesellschaften da sein zu können, müssten Christen sich von diesen Gesellschaften und ihrer Kultur deutlich unterscheiden und „denen, die zu uns kommen, eine neue und entschieden andere Lebensweise bieten“.

Die Benedikt-Option: Ein offensiver Ansatz

Dreher betont ausdrücklich, dass die von ihm beschriebene Strategie nicht mit einem „Rückzug ins Ghetto“ verbunden sei. Jesus Christus habe nicht den Rückzug befohlen, sondern die Jünger in Einsätze „mitten unter die Wölfe“ entsandt:

Angriff ist die beste Verteidigung. Man verteidigt sich, in dem man attackiert […]. Greifen wir an, indem wir Gottes Königreich vergrößern – zuerst in unseren Herzen, dann in unseren Familien, und dann in der Welt. Ja, man benötigt Grenzen, aber es ist unsere Pflicht, diese Grenzen nicht dort zu belassen, wo sie sind. Wir müssen sie ausweiten, Territorium hinzugewinnen, immer weiter.2

Christen müssten ihren Dienst an den Menschen gerade dann versehen, wenn die Bedingungen schwierig seien. Es gehe darum, „die reale Welt zurückzuerobern“, sie von den Problemen „des modernen Lebens zu befreien“ und die „große Lüge der Moderne“, nämlich ihren den Menschen zerstörenden Materialismus, zu überwinden.

Dreher beschreibt somit keinen Rückzug bzw. kein Ausweichen, sondern die Schaffung befestigter Stützpunkte, von denen aus besser in die Welt hinein gewirkt werden kann. Er zitiert einen benediktinischen Mönch, der diese Stützpunkte als „Insel der Heiligkeit und Beständigkeit“ in einer Welt des Chaos beschreibt.

Dreher zufolge seien die durch die christliche Gegenkultur errichteten Grenzen gegenüber der umgebenden Welt nicht dazu da, um sich hinter ihnen zu verstecken. Diese Grenzen sollten vielmehr Räume schaffen, in die die schlechten Kräfte dieser Welt weniger hineinwirken könnten, so dass Christen in ihnen für ihren Dienst stark werden könnten. Auch die Klöster des frühen Mittelalters, die der hl. Benedikt gründete, waren keine Orte der Weltflucht, sondern Schulen des Dienstes, die Männer hervorbrachten, die das sie umgebende Chaos mit der Hilfe Gottes bekämpften.

Im dritten Teil der Serie über die Benedikt-Option wird es um praktische Aspekte der von Dreher beschriebenen Strategie gehen. (sw)

6 Kommentare

  1. Sicher ist die „Benedikt-Option“ mit Abstand die zugkräftigste „Vision“, die international viele Glaubenstreue anspricht und zur Vernetzung beiträgt. Bereits dies ist positiv. Allerdings müssen meines Erachtens nach Begriffe wie „christlich-konservativ“ sorgfältig erörtert und definiert werden, da sie inhaltlich (wenn überhaupt) nur im jeweiligen Kontext aussagekräftig sind. Beispielsweise unterscheiden sich konzilskonservative Katholiken von konservativen Evangelikalen meistens erheblich. Empfehlenswert ist daher aus meiner Sicht, den vorschnellen interkonfessionellen Schulterschluß skeptisch zu sehen. Bereits innerhalb der katholischen Kirche liegen die konkreten Probleme unterhalb der üblichen Sprechblasen („gelebter Glaube“ etc.), da der „Geist des Konzils“ dem „Geist der Welt“ zunehmend angleicht. Allerdings kann auch nicht per se „die Tradition“ als Plattform gelten, da diese in sich auch vielschichtig ist. Hier ist m.E. nach vor der Umsetzung noch sehr viel Detailarbeit zu leisten.

  2. Wieder ein toller Artikel. Ich weiß nicht, ob die benediktinische Strategie in der heutigen Zeit aufgehen wird. Benedikt lebte im Frühmittelalter so um 600 herum. Damals, so nehme ich an, war Analphabetismus Gang und Gäbe. Heute sind jede Menge Halbgebildete so wie ich unterwegs. Sie zu christlichen Werten zu überzeugen allein durch Argumente halte ich für ausgeschlossen, es sei denn, da sucht jemand und dann ist auch keine Garantie gegeen. Dann mag es jedoch möglich sein. Glaubensmission lebt vom Vorbild. Wer gibt heute Vorbild? Etwa Bischöfe, die Kreuze abnehmen, wenn sie auf Besuch sind? Das Christentum, welches heute verkündet wird, leidet an innerer Schwäche, an innerer Zerrissenheit und sogar an Blutleere. Die konservativen Christen müssten schon echte Glaubenszeugen sein. Aber welche Glaubensinhalte sollten einig vertreten werden. Selbst unter Konvervativen gibt es keine gemeinsame Einheit. Jeder hat sich so seinen eigenen Glauben zurechtgelegt und fühlt sich darin wohl, falls überhaupt noch Restglauben vorhanden ist. Während im 6. Jahrhundert noch Gott als Respektsperson behandelt wurde von den Gläubigen (Begriffe wie Ehrfurcht sind heute kaum noch verständlich zu machen), so hat sich heute Gott gefälligst nach den Bedürfnissen der Menschen zu richten. Zur babylonischen Sprach- ist zudem noch eine verstärkte Glaubensverwirrung hinzugekommen und zieht sich bis in höchste kirchliche Kreise hinein. Der eine Kleriker erklärt auf eine Glaubensfrage etwas völlig anderes als ein anderer innerhalb einer KOnfession. Dieses Umfeld muss erst einmal stimmen und in Ordnung gebracht werden. Das Umfeld, bestehend aus Islam, Atheismus, Agnostikertum und anderen Ideologien ist in der Regel christenfeindlich eingestellt.

    Die heutige Politik beschäftigt sich letztlich mit Marginaliäten; die Hauptthemen, die die Menschen direkt berühren, interessiert die Politik nicht. Damals wurden Völker erobert. Heute geben sich Völker durch freiwilligen masochistischen Suizid auf.

    Das Königreich Gottes vergrößern im eigenen Herzen, ja, das mag klappen. Selbst in der Familie schon fast unmöglich. Selbsterfahrung. Festgefahrene Meinung überall. Da wird kaum was draus. Und wenn die Familien, die hier ohnehin eher klein und bescheiden sind, schon nicht zu überzeugen sind, dann brauchen wir uns doch letztlich erst nicht mehr in die Welt hinaustrauen nach dem Motto: „Uns will er überzeugen, aber bei seinen engsten Familienmitgliedern hat er es nicht geschafft“.

    Darum hilft letztlich in der heutigen Zeit wirklich nur beten und Hilfe, wenn Hilfe geboten ist. und dann war Benedikt Mönch. Ehefrauen und Ehemänner haben Verantwortung gegenüber ihren Familien und ihren Angehörigen zu tragen. Mönche gibt es heute kaum noch. Und Einsiedeleien sind ja wohl kaum noch besetzt. Zu Benedikts Zeiten waren mehr Mönche im Glauben unterwegs als heute und die Mensvhen waren möglicherweise wesentlich leichter zu beeinflussen und zu begeistern. Ich frage also die Mitkommentatoren, wie diese Inseln aussehen sollen? Zölibatäre Menschen könnten solche Inseln am besten gründen und ausfüllen und nach außen ihre Wirkung entfalten wie Benedikt. Eheleute mit Kindern haben letztlich kaum Zeit für das Betreiben solcher Inseln; die müssen ihre Familien durchbringen.

    Die Voraussetzungen können wir nicht 1 zu 1 von damals auf heute übertragen. Damals waren die Menschen noch naturverbundener und sahen allein im Wetter Gottes Wirken. Das alles fällt heute völlig weg. Ich weiß noch, als ich Kind war und beim Bauern die Ställe und das Vieh eingesegnet wurden aus Angst vor Seuche, Brand, Gewitter und sonstigen Plagen.

    Naja, also, ich stehe da – und das gebe ich gern zu – mehr als ratlos da. Wahrscheinlich muss erst ein Tief eintreten. Und vielleivht erwächst aus diesem Tief ja ein Phönix aus der Asche.

  3. Es ist klar, dass man bei den „krisenfesten christlichen Gemeinschaften“ sofort an die Klöster des Frühmittelalters denkt – und dies aus gutem Grund.
    Doch wiederholt sich die Geschichte nicht. Die künftigen christlichen Gemeinschaften werden doch etwas anders geartet sein müssen – vermutlich mit einer stärkeren Familienbetonung.

    Ein erheblicher Unterschied zur Situation um 500 n. Chr. ist ja, dass damals trotz des römischen Zusammenbruchs wenigstens die religiöse Ordnung anerkannt blieb. So gesehen war die Lage damals sogar besser als heute, denn sowohl für gallische Bauern (nun von den Franken beherrscht) wie für römischen Stadtbewohner Italiens (im neuen Ostgotenreich) war das Christentum ja wichtig und geschätzt.
    Davon können heutige Orden, Klöster und Gemeinden nur träumen.

    • Werter Waldgänger,
      Weite Teile Mittel- und Nordeuropas waren um die von Ihnen angesprochene Zeit herum noch nicht christianisiert:
      http://projects.mcah.columbia.edu/courses/medmil/pages/non-mma-pages/maps/westermannsIIpg44b.html
      Klöster wurden nur anfänglich in christianisierten Gebieten gegründet, von denen dann aus weitere Klöster als Stützpunkte in nicht-christianisierten Gebieten aufgebaut wurden:
      https://bundsanktmichael.org/2018/05/19/christopher-dawson-die-apostel-des-abendlandes-teil-1-der-lange-winter/
      https://bundsanktmichael.org/2017/05/26/dienstvorhaben-und-kulturelle-erneuerung-die-christliche-strategie-der-zellen/
      Es scheint m.E. gerade die Spannung zwischen christlicher und heidnischer Kultur gewesen zu sein, die eine entscheidende Stärke bei der Verbreitung des Christentums darstellte. Das Christentum scheint sich zu dieser Zeit vor allem auch deshalb so erfolgreich verbreitet zu haben, weil seine Kultur solche Strahlkraft entwickelte. Dies wäre prinzipiell auch in einem postchristlichen Europa wieder möglich. Joseph Ratzinger hat einmal geschrieben, dass das Christentum in Europa eine große Zukunft haben könne, wenn die Kirche Fehlentwicklungen in ihrem Inneren überwindet und die Menschen postchristlicher Gesellschaften erst einmal das ganze Elend erfahren haben, dass eine von ihren christlichen Wurzeln vollständig gelöste Kultur für sie bedeutet.

      • Lieber @ ts

        Sie schreiben:
        „Es scheint m.E. gerade die Spannung zwischen christlicher und heidnischer Kultur gewesen zu sein, die eine entscheidende Stärke bei der Verbreitung des Christentums darstellte.“

        Mag sein.
        Im Unterschied zu heute hatte allerdings damals die heidnische Welt keine areliogiöse und allein materialistische Kultur, sondern lediglich eine andersartig religiöse Kultur.
        Das Christentum konnte in der Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Spielarten des alten Polytheismus bestehen – einen atheistischen Gegenpart gab es damals aber nicht.
        Hinzu kommt, dass in der vormodern-unaufgeklärten Zeit des frühen Mittelalters, die ganz allgemein noch dem mythischen Denken nahe stand, christliche Vorstellungen weit weniger vom üblichen Denken abwichen als dies heute der Fall ist.
        In unserem heutigen Sinne am modernsten und aufgeklärtesten waren wahrscheinlich spätrömische Intellektuelle aus dem philosophischen Umfeld des Neuplatonismus.

        Außerdem wurde – trotz des Zusammenbruchs des römischen Westreiches – das Christentum in den nie römisch gewesenen Teilen Nord- und Osteuropas nach wie vor mit der Kultur der als modern, wohlhabend und technisch überlegen empfundenen südlichen Kernräume des Kontinents assoziiert.

        Betrachten Sie meine Gedanken bitte nicht als Kritik – Sie wissen, wie sehr ich Ihr Projekt schätze – sondern nur als Hilfe bei der Lageanalyse.

        Die Lage ist heute ernster als in den Jahren 500 oder 600 n. Chr.

      • Werter Waldgänger,
        danke für Ihre Präzisierungen. Kritik ist hier davon abgesehen immer willkommen. Sie sind ja schon länger an der Diskussion beteiligt, und ohne Kritik hätte sich hier nie etwas weiterentwickelt.
        Und leider haben Sie m.E. völlig Recht, dass die Lage heute noch ernster ist als im frühen Mittelalter. Wenn der Inhalt dieser Meldung zutrifft, dann steht die katholische Kirche möglicherweise vor einer Krise, wie sie seit mindestens 500 Jahren nicht erlebt hat:
        https://de.catholicnewsagency.com/story/ehemaliger-nuntius-erhebt-schwere-vorwurfe-gegen-papst-im-fall-mccarrick-3565

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