Christopher Dawson: Die Apostel des Abendlandes – Teil 2: Der Kampf um Europa

Der Drachenkopf des Oseberg-Schiffs, Urheber Jean-Pierre Dalbéra, Lizenz CC BY 2.0

Christopher Dawson (1889-1970) lehrte an der Harvard University und gilt als einer der bedeutendsten christlichen Historiker des 20. Jahrhunderts. In seinen Werken „Die Religion im Aufbau der abendländischen Kultur“ und „Die Gestaltung des Abendlandes“ schildert er unter anderem den Überlebenskampf des christlichen Europas im neunten und zehnten Jahrhundert. Europa habe damals in Folge der Invasionen der Wikinger, der Ungarn und der Muslime sowie außer Kontrolle geratener Dekadenz innerhalb der Kirche zeitweise am Rand der Vernichtung gestanden.

Die namentlich häufig unbekannten Mönche, Herrscher und Krieger des frühen Mittelalters, die Dawson als die „Wächter und Hüter“ des christlichen Europas bezeichnet, hätten nicht nur die militärischen Bedrohungen ihrer Zeit erfolgreich abgewehrt, sondern auch eine weitgehend korrumpierte Kirche erfolgreich reformiert. Ohne ihr Wirken wäre das heutige Europa niemals entstanden. Dawson betont, dass man angesichts dieser Leistungen die Herausforderungen der Gegenwart nicht überschätzen sollte. Die Wurzeln des Abendlandes würden sehr tief reichen.

Im ersten Teil unserer Serie hatten wir behandelt, wie christliche Mönche im „langen Winter“ nach dem Untergang des Römischen Reiches zunächst Inseln im Chaos schufen und anschließend planvoll das christliche Europa aufbauten.

Europa am Rande der Vernichtung

Als das christliche Europa aus den Trümmern des Römischen Reiches zu entstehen begann, hätten die islamischen Eroberungswellen die Südwestflanke Europas erreicht. Um das Jahr 720 seien sie bis nach Zentralfrankreich vorgestoßen und hätten den gesamten nördlichen Mittelmeerraum bis zu den Alpen bedroht.

Dawson führt die enormen militärischen Erfolge des Islam auf „die kämpferische Sittenstrenge, dieses Wesensgesetz des Islam“ zurück. Dem Islam sei es durch seine „düstere Einfachheit“ und seine Betonung von asketischer Strenge, Gehorsam und Unterwerfung gelungen, kriegerische arabische Stämme, die sich zuvor ständig gegenseitig bekämpft hätten, zu einen und ihre Kraft nach außen zu richten. Die byzantinischen Söldnerheere hätten dieser Kraft an der Südostflanke des christlich-europäischen Kulturraumes wenig entgegenzusetzen gehabt.

Die um das Jahr 800 einsetzenden Wikingereinfälle hätten kurz darauf die irisch-schottische Klosterkultur, von der die Christianisierung großer Teile Westeuropas ausgegangen war, vernichtet. Es gebe Hinweise, dass die Wikinger dabei nicht nur materielle, sondern auch weltanschauliche Motive verfolgten und gezielt das Christentum bekämpften. Sie hätten bei ihren Einfällen im Raum zwischen Irland, Schottland, Nordfrankreich und Norddeutschland „große Landstriche […] in Wüsten verwandelt“ und das gesellschaftliche und kulturelle Gefüge an vielen Orten aufgelöst.

In den Jahren zwischen 850 und 950 habe Europa die größte Krise seiner gesamten bisherigen Geschichte durchgemacht und in Folge der von Norden, Süden und Osten angreifenden Invasionen mehrfach am Rande der Vernichtung gestanden. Es sei damals „in die schlimmste Gesetzlosigkeit und Finsternis, die es vielleicht je erlebt hat“, eingetreten. Europa sei wieder in kleinste, von räuberischen Adeligen beherrschte Regionen zerfallen, die sich untereinander in ständigen Fehden bekämpft hätten.

Erneut hätten Klöster eine wichtige Rolle als Rückzugsorte der Kultur in einer von Krieg und Chaos geprägten Umgebung gespielt:

So war in der ersten Hälfte des zehnten Jahrhunderts die westliche Kultur bis an den Rand des Abgrunds geraten. […] Die Christenheit war eine Insel geworden, umgeben von den steigenden Fluten des Islam und des Barbarentums.

Wissenschaft, Schriftkultur, Kunst und sonstige Kultur seien zu dieser Zeit nur innerhalb der Kirche aufrechterhalten worden.

Die Zeit der christlichen Kriegerheiligen

Zu dieser Zeit seien heute weitgehend vergessene Kriegerheilige wie Herzog Bruno von Sachsen (ca. 830-880) hervorgetreten. Er fiel als Heerführer zusammen mit den als „Ebstorfer Märtyrern“ bekannten Adeligen und Kriegern in der Normannenschlacht in der Lüneburger Heide im Jahre 880 beim Versuch, eine Invasion heidnischer Normannen abzuwehren.

Das christliche Europa habe sein Überleben zu dieser Zeit jedoch insgesamt weniger seiner militärischen Widerstandskraft verdankt, sondern vor allem der kulturellen Strahlkraft des Christentums, die zur Konversion der heidnischen Nordvölker und der Einstellung ihrer Angriffe geführt habe.

Religiöse Krise und Erneuerung

Im neunten und zehnten Jahrhundert habe sich auch die Kirche auf dem Tiefpunkt ihrer Geschichte befunden und ein „dunkles Jahrhundert“ durchgemacht. Der Heilige Stuhl sei damals zur „Spielfigur einer verdorbenen und rohen Adelsherrschaft geworden“ und habe im 10. Jahrhundert „die tiefsten Tiefen seiner Entehrung“ erfahren und zeitweise der Kontrolle einer Maitresse namens Marozia unterstanden.

Diese Entwicklung habe eine vom Benediktinerkloster Cluny ausgehende Reformbewegung hervorgebracht, die nicht wie die des 16. Jahrhundert gegen das Papsttum gewirkt habe, sondern es erneuern wollte. Dabei sprach die damalige Erneuerungsbewegung die Verfallserscheinungen ihrer Zeit sehr deutlich an. Französische Bischöfe hätten zum Beispiel im Jahre 991 erklärt „Zeugen der Ankunft des Antichrist zu sein, denn dies ist der Abfall, von dem der Apostel spricht, nicht der Völker, sondern der Kirche selbst“.

Aus dieser Bewegung seien Päpste hervorgegangen, welche die Bindung der Kirche an die Tradition wieder hergestellt hätten. Sie hätten außerdem zusammen mit weltlichen Herrschern wie Otto III. das Heilige Römische Reich als Gemeinwesen der christlichen Völker geschaffen.

Die Morgendämmerung Europas und das Ende des „langen Winters“

Die Krise Europa im neunten und zehnten Jahrhundert war laut Dawson rückblickend Ausdruck der „Geburtswehen einer neuen Zeit“. Während der Zeit der Krise seien in Europa Kräfte entstanden, die es ermöglicht hätten, dass der Kontinent zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert sein „gestaltendes Zeitalter“ erlebt habe. Dieses „brachte nicht diese oder jene Kulturerscheinung hervor, sondern die Kultur selbst – die Wurzel und den Grund aller späteren kulturellen Hochleistungen“. Das Hochmittelalter sei entgegen dem verbreiteten Klischee nicht „die Zeit der Finsternis“ gewesen, sondern „die Zeit der Morgendämmerung“. Dies sei auch deshalb möglich gewesen, weil die korrumpierten Elemente europäischer Kultur die vorhergehende Krise nicht überlebt hätten:

Der Krieg unterwarf die im Aufbau begriffene Ordnung des abendländischen Christentums einer furchtbaren Probe. Alles Schwache und Überflüssige wurde ausgemerzt, und nur die härtesten und widerstandsfähigsten Elemente, die sich als gegen Unsicherheit und Gewalt gewappnet erwiesen hatten, blieben übrig.

Im 11. Jahrhundert hätten die Kräfte der Erneuerung sich endgültig durchgesetzt und die Krise Europas überwunden. Zu dieser Zeit sei das Heidentum erloschen und es hätten sich auf der Grundlage der gemeinsamen christlichen Religion sowohl die abendländische Einheit als auch die Völker Europas herausgebildet:

Und zu derselben Zeit hatte der lange Winter des finsteren Zeitalters sein Ende erreicht, und überall im Westen regte sich neues Leben, neue soziale und geistige Kräfte erwachten, der Westen trat aus dem Schatten des Ostens hervor und nahm seinen Platz  ein als unabhängige Einheit an der Seite der älteren Kulturen der morgenländischen Welt. […] [D]as dunkle Zeitalter war zu Ende, die westliche Kultur trat ans Licht. […] Es wurden nicht nur die Grundlagen der heutigen Welt geschaffen, sondern vor allem bildete sich jener Völkerverband, der mehr ist als irgendeine rein geographische Einheit und den wir Abendland nennen.“

Auf dem Gebiet des heutigen Nordfrankreichs und des westlichen Deutschlands sei damals in einer Phase höchster kultureller Produktivität ein nordeuropäischer Katholizismus entstanden, der Institutionen wie Universitäten oder das Rittertum sowie Werke wie die gotische Baukunst geschaffen habe. Es habe ein rasches Bevölkerungswachstum eingesetzt, das die Besiedlung zuvor unbewohnter Räume und die Gründung von Städten ermöglicht habe.

Dieser nordeuropäische Katholizismus sei später der Träger des jahrhundertelangen Abwehrkampfes gegen die islamischen Eroberungswellen gewesen und habe diese zeitweise in Form der Kreuzzüge zurückdrängen können. Diese Hochphase europäischer Kultur sei erst im 16. Jahrhundert endgültig zu Ende gegangen, nachdem Nordeuropa protestantisch und das Papsttum italienisch geworden sei. (ts)

3 Kommentare

  1. Ein Blick in die Geschichte mag mehr als erhellend sein: Jedoch nur für die damalige Zeit. Ich fürchte jedoch, diese Zustände sind nicht 1 zu 1 auf die heutige Zeit übertragbar, weil die Voraussetzungen völlig andere sind.

    Ein Kloster nach dem anderen schließt. Kein Nachwuchs mehr vorhanden, weder in Kirche, Gemeinde noch im Kloster. Kein Nachwuchs im Priesterberuf. Während im Mittelalter die Geburtenrate noch mit denen des heutigen Afrikas vergleichbar waren, haben sich die Europäer heute durch Kinderlosigkeit mittels Verhütung und Abtreibung zu einer suizidalen Gesellschaft entwickelt. Wer soll da noch „kämpfen“ in Wort und Tat? Wir werden – unterstützt durch Merkel und die gesamte Regierung duch Verwandlung von einer monoethnischen in eine multiethnische Gesellschaft, vgl. Yasha Mounk in den Tagesthemen (was nunmehr offen gesagt werden kann und keine Verschwörungstheorie mehr darstelle – mit Massen von religiös christen- und judenfeindlichen Menschen dschihadmäßig überrannt. Die Fertilitätsraten sind in diesem Kulturkreis überdurchschnittlich. Deutsche Fachkräfte wandern aus, gering Gebildete wandern ein, und dann auch noch junge muslimische Männer, die hier völlig ohne Not integriert werden sollen.

    Die Glaubensverdunstung mit einhergehender Identitätslosigkeit ist enorm. Im Mittelalter wustten alle, wer der Feind ist. Selbst Jesus hat den Feind als Feind ausgeprochen in seinem Feindesliebegebot. Wer diese Feinde waren, hat Jesus durch seine Brandreden gegen die damaligen Rechtgläubigen (Ihr habe Satan zum Vater, übertünchte Gräber, usw.) deutlich zum Ausdruck gebracht. Durch die Öffnung des Gottesbildes mit Allah im 2. Vat.(ich muss es leider immer wieder betonen = schwerer Fehler!!) als dem „einen“ Gott und dem naiven Aufgreifen der Kirchenbasis dieses Irrweges ist jegliches natürliche Gespür dafür, wer religöser Feind ist, völlig abhanden gekommen. Der Antichrist (Islam) wurde zumindest in den Augen der Kirche von unten und auch einem großen Teil der Priesterschaft bis hinauf in Bischofskreise auf eine Stufe mit dem Dreifaltigen Gott gestellt.

    Wer Feind ist, wird aus folgendem Link deutlich:
    http://derprophet.info/inhalt/
    Auf der ersten Seite sofort die zweite Tafel. Choudry.

    Die erste ist auch ganz interessant. Sie schildert unsere devote Sichtweise zum Islam.

    Die Achtsamkeit, die Vorsicht, die zu einem gesunden Selbsterhaltungstrieb dazu gehört, wurde durch extremen Schuldkult, den es im Mittelalter eben auch nicht gab – gefördert und dankbar aufgenommen, um dann zu dem irrigen Ergebnis zu kommen, dass alle Religionen und Kulturen gleich gut und wertvoll sind, außer der eigenen, welches durch die 68er Bewegung initiert wurde. Die Theorie lieferte wohl damals die „Frankfurter Schule“.

    Das sind alles gravierende Unterschiede zu den gewiss auch zersplitterten machtpolitischen Adligenspielchen der damaligen Zeit.

    Im Mittelalter war die allgemeine Religiösität noch erheblich umfangreicher. Da es damals viele Arme gab, gab es auch vermehrt Gottesglauben. Allein schon ein Gewitter, dessen wissenschaftliche Deutung man damals nicht kannte, führte zum Gebet. Heute lebt der Durchschnittsbürger materiell wie damals hochgestellte Persönlichkeiten. Die Wissenschaft hat Fortschritte gemacht. Sie kann zwar viele Aussagen zum „Wie“ treffen, aber nicht zum „Warum“. Diese Wissenschaft hat den Atheismus mittels Evolutiontheorie, die des im Mittelalter wohl noch nicht gab, gefördert und zur allgemeinen Ideologie als Gottersatz erhoben, aus der dann seine atheistisch-ideologischen Missgeburten des Kommunismus und der Sozialismus geboren wurden. Der Faschismus erlebt auch eine Blütezeit, Faschistische Tendenzen gab es allerdings auch bereits mit dem Glauben an Gott, jetzt noch im Islam lebhaft präsent und zunehmend auch im Hinduismus, dessen radialer Hindupräsident Modi wohl nach vorn bringen will.

    http://www.deutschlandfunk.de/hinduistischer-nationalismus-rassistische-attacken-auf.799.de.html?dram:article_id=378686

    Persönlich nenne ich Islam und diese Art des Hinduismus: Religionsrassismus.

    Ich denke, wir können die beiden Zeiten einfach nicht miteinander vergleichen. Wir müssen neue Lösungen finden, die dieser Zeit angemessen ist. Der Atheismus war damals wohl noch nicht so präsent wie heute. Wahrscheinlich müssen wir die Lösung der Urkirche wieder in den Vordergrund stellen. Wie das mit den heute „aufgeklärten“ Menschen, die sich alle Infos aus dem Internet ziehen können, was damals im Mittelalter nicht möglich war, da der Analphabetismus noch grassierte, die Bibel war noch nicht in die deutsche Sprache übersetzt, und das Allgemeinwissen der normalen Bevölkerung war bodenständig. Eine echte Neuevangelisierung ist bitter vonnöten, aber wie? Die Kirchen sind in Europa so geschwächt und leider wohl mehr auf finanzielle Besitzstandswahrung als auf Glaubenbewahrung aus. Sie haben im Grunde keine innere Kraft mehr, eine Neuevangelisierung zu starten unf für wen auch ohne Nachwuchs. Und wenn es schon beim Nachwuchs nicht klappt, wie soll es denn bei Muslimen oder Menschen aus anderen Kulturen klappen, die ihre eigenen starken Identitäten, auch wenn diese irrig sind, mitbringen und die ihre hier implantieren werden (sollen). Menschen können und wollen sich nur von Religionen missionieren lassen, die selbst eine starke Identität haben. Wer selbst schwach ist, kann wohl kaum damit rechnen, Gläubige für sich zu gewinnen. darum haben auch die Islamisten hier guten Zulauf. Zunehmend wurzellose Jugendliche geraten in die Fänge dieser Islamisten und erhalten dort wohl zum 1. Mal so etwas wie Anerkennung und Aktzeptanz in der Gruppe, wenn sie konvertieren oder sich konvertieren lassen.

    Der einzige Weg ist wohl die Vernichtung der europäischen Kulturgesellschaft, um dann mit Bonifatius wieder zu beginnen. Selbst Klöster sind vielleicht noch als Gebäude vorhanden. Aber auch dort ist kein Nachwuchs. Und Klöster sind heute nicht die einzige Quelle des Wissens wie im Mittelalter. Dieses – leider große Halbwissen,welches auch mich befallen hat – ist eher ein Hindernis als eine Basis zur geistigen Weiterentwicklung.

    Erst brutale wirtschaftliche Schwäche, die mit Zwangsenteignungnen, Hungersnöten und Bürgerkriegen einhergehen wird, kann die Menschen noch aufwachen lassen. Erst dann wird Gott wieder wichtig oder das Gegenteil: die Verfluchung des Glaubens mag zunehmen. Andere Szenarien sehe ich nicht. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass ich Unrecht habe und hoffe sehr, dass das alles nicht eintritt. Ich sehe jedoch keinen anderen Weg außer dem, zum Islam zu konvertieren, um das eigene Leben zu erhalten, was ja heute schon insbesondere viele Frauen, die Muslime heiraten, aus Liebe tun. Berühmtes Beispiel: Herr Özil
    https://www.derwesten.de/panorama/freundin-von-mesut-oezil-tritt-zum-islam-ueber-id3346481.html

    • Und selbst beim letzten Link tauchte der Satz auf: „Letztendlich ist doch die Hauptsache, dass die beiden sich lieben. Anna-Maria und Mesut sind Teil unserer Großfamilie. Ob nun muslimisch oder christlich, spielt in unserem Clan zumindest keine Rolle.“

      Könnte das nicht auch die Frucht des Satzes aus dem Dokument des 2. Vat. sein? Die Befürworter dieses Teils des Dokuments haben wohl noch immer nicht die irrige Großausstrahlung dieses türöffnersatzes verstanden? So wie für die meisten Christen „von unten“ und auch bei den hiesigen Klerikern katholisch oder evangelisch ein und dasselbe ist, wird jetzt auch noch der Islam in diese Gruppe des „ein-und-dasselben“ aufgenommen und gedanklich eingepflegt. Vorbilder, wenn sie denn berühmt sind, prägen. Besser kann es nicht laufen für die Globalisierer, Relativierer und Beliebigkeitsapologeten und Synkretisten. Was ist denn der Unterschied zwischen Christentum und Islam. Ist doch alles das Gleiche, gell?
      Auf dieser gedanklichen Ebene bewegen wir uns. Die Voraussetzungen für die glaubensmäßige Bestandswahrung des Christentums ist mehr als denkbar schlecht. Wer keine starke Identität hat, wird leicht geneigt, bei Schwierigkeiten zu konvertieren. Ist doch alles das Gleiche!

      Diese Verirrung gab es im Mittelalter nicht!

    • Möchte Ihnen voll zustimmen.
      Der Artikel über die Krise des mittelalterlichen Europas ist zweifellos sehr interessant, aber die Parallelen zu heute bestehen eigentlich nur im Hinblick auf die Gefährdung, nicht aber in Bezug auf die Lösungsmöglichkeiten.
      Das Europa der Jahre 850 bis 1000 war im Spengler´schen Sinne jung, war nicht angekränkelt durch Dekadenz. Die Schwäche kam nicht so sehr von innen, sondern der Außendruck war lediglich stärker.

      Ob es möglich ist, dass man die erst lückenhafte Christianisierung selbst als Grund der Schwäche annimmt, ist schwer zu beantworten.
      Wenn man so argumentiert, müsste das komplett christianisierte Westfrankenreich gegenüber dem kultuerell und religiös heterogenen Ostfrankenreich überlegen gewesen sein. Das war aber nicht der Fall.

      Ihr Kommentar, Herr Kemmer, weist eine düstere Tönung auf als frühere Texte von Ihnen …

      Allem Irrsinn der Gegenwart um Trotz glaube ich aber schon, dass es auch innerhalb der katholischen Kirche sehr wohl noch halbwegs intakte Bereiche gibt. Die Kraft, sich der Fehlentwicklung erfolgreich entgegenzustemmen, dürfte aber fehlen. Es kann nur um Bewahren kulurellen Erbes gehen.

      Zustimmung leider auch dazu:
      „Erst brutale wirtschaftliche Schwäche, die mit Zwangsenteignungnen, Hungersnöten und Bürgerkriegen einhergehen wird, kann die Menschen noch aufwachen lassen. Erst dann wird Gott wieder wichtig oder das Gegenteil: die Verfluchung des Glaubens mag zunehmen. Andere Szenarien sehe ich nicht.“
      Ja.

Kommentare sind deaktiviert.