Kardinal Sarah: Der Dienst des Christentums an einem sterbenden Europa

Caspar David Friedrich - Abtei im Eichwald (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Robert Kardinal Sarah gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der katholischen Kirche der Gegenwart. In einer Predigt in der Kathedrale von Chartres hat er vor einigen Tagen Christen zum Dienst an einem sterbenden, von wahnhaften Ideologien geistig zerstörten Europa aufgerufen. Die gegenwärtige Lage erfordere von Christen einen totalen Einsatz. Nur Heilige und Märtyrer könnten Europa aus der Dunkelheit führen.

Die Predigt war Teil des Pontifikalamtes zum Abschluss der traditionellen Pfingstwallfahrt nach Chartres. Ein Video seiner Predigt findet sich hier und englischsprachige Übersetzung hier.

Benedikt XVI. hatte in einer seiner wenigen öffentlichen Äußerungen nach seiner Emeritierung im vergangenen Jahr die Bedeutung Kardinal Sarahs herausgestellt und ihn als „geistlichen Lehrer“ bezeichnet. Er ist bereits mehrfach als Vordenker eines Christentums in Erscheinung getreten, das die Herausforderungen der Zeit mit unmissverständlicher Deutlichkeit anspricht und sich ihnen aktiv stellt. Einige entsprechende Gedanken Kardinal Sarahs haben wir hier gesammelt.

Europas Weg in die Dunkelheit

Der christliche Glaube sei Ausdruck der Entscheidung für das Licht in einer von Dunkelheit geprägten Welt. Jesus Christus sei das Licht der Welt. Am Kreuz habe Gott sich als dienende, für die Menschen aufopfernde Liebe offenbart. Diese Liebe sei die geistige Quelle Europas und der wesentliche Antrieb der Entwicklung seiner Kultur gewesen.

Westliche Gesellschaften hätten sich jedoch für die Dunkelheit entschieden, als sie damit begannen, sich ohne Bezug zu Gott zu organisieren. Sie hätten sich vom Licht der Welt abgewandt und den täuschenden Lichtern des Konsums, des Profits, des Egoismus und des Individualismus zugewandt. In ihnen gebe es nicht mehr genügend Liebe, um Kinder hervorzubringen und deren Leben zu schützen oder die Alten zu achten. Wahnhafte Ideologien, welche die Natur des Menschen leugneten und sich gegen das Leben und die Familie richteten, würden sich in diesen Gesellschaften ausbreiten, die nichts mehr anzubieten hätten außer Leere.

Christen sollten sich vor dem Hintergrund der geistigen Lage der westlichen Welt an die Warnung Jesu Christi erinnern, dass die größte Gefahr nicht von dem ausgehe, das den Leib töte, sondern von dem, das die Seele des Menschen zerstöre. Die Entwicklungen in westlichen Gesellschaften würden viele verlorene und zerstörte Seelen hervorbringen.

Der Dienst des Christentums an Europa und seinen Menschen

Christen dürften die Seelen der Menschen nicht Irrtümern, Nihilismus oder einem aggressiven Islamismus überlassen. Sie seien in der gegenwärtigen Lage dazu berufen, die Menschen aus der Dunkelheit und zum Licht zu führen, das Jesus Christus ist. Christen müssten die Menschen dieser Welt lieben, indem sie ihnen dienen, aber sie dürften diese Welt nicht lieben, die von satanischen Ideologien beherrscht werde. In vielen westlichen Staaten stelle es bereits eine Straftat dar, sich diesen Ideologien nicht zu unterwerfen.

Die westliche Welt sei von Heiligen und Märtyrern zum Christentum geführt worden. Die jungen Christen des heutigen Europas müssten erneut Heilige und Märtyrer in einem Europa sein, das ihren Dienst dringend benötige, um wieder zum Christentum finden zu können. Christen müssten in der gegenwärtigen Lage gegen den Strom schwimmen und zum Beispiel gegen Gesetze kämpfen, die sich gegen die Natur des Menschen sowie gegen das Leben und die Familie richteten. Die Völker des Westens müssten zur Quelle zurückkehren und sich für das Licht und gegen die Dunkelheit entscheiden.

Der Ruf Gottes sei radikal und fordere den totalen Einsatz des Menschen. Es gebe keine Berufung zu einem mittelmäßigen Christentum. Das christliche Europa sei von Männern und Frauen geschaffen worden, die Jesus Christus auf eine radikale Weise nachgefolgt seien. Zu lieben bedeute, im Dienst am Nächsten alles zu geben, auch das eigene Leben, so wie Oberst Arnaud Beltrame es getan habe. (ts)

5 Kommentare

  1. Nun, die Flutung Europas mit vor allem Moslems hat ja linke politische Gründe!

    Vielleicht führt das zu einem Bürgerkrieg und vllt. war das ein Hintergrund dafür.
    Nun, wenn zwei sich streiten (Christen und Moslems) freut sich bekanntlich der Dritte.

    • Dieser Kommentar ist ausgesprochen dumm und kurzsichtig.
      Es geht nicht um Streit zwischen Christen und Moslems.
      Es geht hier darum, daß der Islam hofiert wird um das Christentum zu maginalisieren, in der Hoffnung den Islam durch westlichen Wohlstand hernach genauso korrumpieren zu können, wie dies mit dem Christentum (zumindest der EKD) gelungen ist.
      In dieser Verachtung für beide Religionen liegt aber der gewaltige Irrtum. Das Christentum ist leichter zu zerstören und an die Wand zu drängen als der Islam, denn das Christentum (soweit es echt ist) zeichnet sich durch Liebe, Sanftmut und Demut und Vergebungsbereitschaft aus.
      Diese Begriffe kennt der Islam nicht, oder bestenfalls im Verhältnis zu Allah.
      Wenn der Islam in Deutschland und Europa noch weitere 10 Jahre so an Kraft und Macht gewinnt, wie in den letzten 10 Jahren, dann werden unsere rot-grünen Gendermenschen erkennen, daß sie Goethes Zauberlehrling gleichen, nur das dann kein Meister kommt der die gerufenen Geister wieder in die Besenkammer schickt.

      • Werter Mathias Schaebs,
        ich weiß nicht, ob der Kommentar von Herrn Martin P so dumm ist. Sicher haben Sie recht mit dem, was Sie schreiben, weil ich diesen Inhalt auch voll vertrete, aber vielleicht schauen Sie selbst da etwas zu kurz. Wenn Herr Yasha Mounk in den Tagesthemen von Februar 2018 öffentlich – und vor allem unhinterfragt – sagen kann:

        https://www.youtube.com/watch?v=BsksiWTnH1o
        Experiment monoethnische, monokulturelle Demokratie in eine multiethnische verwandeln

        Da frage ich mich schon, wer davon profitiert? Wer erdreistet sich, solche flächendeckenden Menschenexperimente überhaupt unaufgefordert und unhinterfragt durchzuführen? Ist die Erde jetzt für einige Machthaber zum Menschenlabor verkommen. Sind wir jetzt für diese Elite Tiere, mit denen man menschliche Verhaltensweisen überprüfen und testen will und es scheint die senile selbstzerstörerische Kultur Europas aufgrund linker Indoktrination seit Jahrzehnten zu sein, die sich dafür am besten eignet? Bevölkerungsrückgang: Lücke muss ungedingt ausgefüllt werden!? Damit wird der Fortdauer der Überbevölkerung lediglich Vorschub geleistet. Haben die Völker Europas diese Herrschaften darum gebeten? Und wenn ich mir die vom Westen in Irak, Syrien und Lybien angezettelten Kriege anschaue, die dann alle neben anderen wie islamische Überbevölkerungsregularien als Flüchtlingsursachen anzusehen sind, die also von außen bewusst aufgeworfen und somit gesteuert wurden, so kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das auf Betreiben der Globalisierungsbefürworter, wer auch immer diese sind (Einige sprechen sogar davon, dass der Papst zu diesen gehöre), geschieht. Sind das nicht die Globalisierungseliten, die den Nationalstaat als störend empfinden und gewachsene jahrhundertalte Religions-Kulturen an europäischer Stätte durch Vermischung der Bevölkerung zerstören wollen, nur um noch mehr Geld und Macht scheffeln zu können? Soll in diesen Völkern die Erinnerung an ihre Wurzeln gelöscht werden, damit der Islam sagen kann, dass alle Erfindungen, die Europa bislang hervorgebracht hat, die seinen waren? Nun kann der Gedanke durchaus kommen. Und der Gleichheitswahn, der insbesondere die westlichen Staaten erfasst hat mit einhergehendem seit Jahrzehnten von linker Seite gesteuerten Identitätsverlustes unter vehementer Ablehnung einer Leitkultur, kann ich mit dem Inhalt des Kommentars von Martin P durchaus anfreunden.

        Ich selbst habe das bis zum dem Sehen dieser Tagesthemen im Frebruar immer als Verschwörungstheorie abgehandelt. Wenn das aber schon in den Mainstreamnachrichten ausgestrahlt wird, so erwachsen bei mir doch so einige schrille Alarmglocken.

  2. Solche klaren Worte wünschte ich mich sowohl vom derzeitigen Papst als auch von den Bischöfen der DBK. Kardinal Sarah hat den vollen christ-katholischen Durchblick. Seine Stellungnahmen lassen an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Wenn Papst Benedikt XVI. diesen Mann als „geistlichen Lehrer“ einstuft, so können und dürfen wir bei ihm von dem Innewohnen eines tiefsinnigen und von einem Christentum ausgehen, welches sich an den Wurzeln, nämlich denen des Herrn Jesus Christus orientiert. Dieser Kardinal nimmt Jesus noch als anbetungswürdigen Sohn Gottes ernst und lässt ihn nicht zu einem Propheten degradieren, damit die Kompatibilität zum Islam erreicht werden kann. Ihm ist die Dreieinigkeit wichtig.

    Seine Einschätzungen und Analysen zu Europa kann hier vollauf geteilt werden. Alles andere wäre Makulatur und geschwätziges Pseudochristentum der Wohlfühlinseln ohne Tiefgang.

    Zu diesem Artikel und zu den Äußerungen, die hier von Kardinal Sarah gesammelt wurden, fallen mir weder Ergänzungen noch andere Erwägungen ein. Von dieser Sorte des geistlichen Lebens bräuchte die Kirche viel mehr. Am Mangel dieser Persönlichkeiten krankt diese Kirche.

    Stattdessen setzen sich Pfarrer bei Pfingstgottesdiensten Kopftuch auf wie dieser hier:
    http://kath.net/news/63881
    Wer die Tiefe des hl. Messopfers für solche Karnevalsesken missbraucht, hat den Sinn der hl. Messe nicht verstanden. Mit dem Aufsetzen des Kopftuchs hat er somit auch zu Pingsten den Hl. Geist ferngehalten, weil er nicht einsehen und erkennen will, dass die Geisteshaltung unter dem islamischen Kopftuch eine ausgrenzende ist und die Mentalität, die unter dem Kopftuch sich in den Gedanken vieler Muslime abspielt, korangemäß eine herabwürdigende Haltung gegenüber allem was nicht islamisch ist, demonstriert und innerlich bewahrt. Was er auch nicht berücksichtigt, ist, dass er allen islamischen Freiheitskämpferinnen mit solchen Gesten einen Dolch in den Rücken stößt und somit auch damit einverstanden ist, dass Kinder bereits im Kindergarten oder in der Schule bereits mit diesem Stück Stoff in dieser Geisteshaltung gefangen gehalten werden. Darum kann es bei aller Islamkritik doch nur gehen. Es darf kein Platz sein, andere Menschen bereits gedanklich als weniger wertvoll oder sogar als Höllenbewohner anzusehen. Wenn das geschieht und das geschieht sowohl bei den orthodoxen Juden als auch bei den streng gläubigen Muslimen der Parallel- oder Gegengesellschaft, dann ist Vieles falsch in einer solchen Religion.

    Hätte sich der Priester beim Tragen des Kopftuches auf die Predigt beschränkt, wäre es noch immer bedenklich gewesen, aber spätestens ab Opferung muss Schluss mit Sperenzchen sein.

    Wie hätte Kardinal Sarah als Bischof reagiert, wenn ein Priester seiner Diözese solches bewerkstelligt hätte?

    Ich schätze, dass Papst Franziskus jetzt vermehrt Kardinäle mit „liberalerem“ Gedankengut ernennen und der nächste Papst aus diesen Kreisen kommen wird, damit die Kirche noch ein wenig mehr an geistlicher Tiefe verliert und an globalem Glauben unter Förderung der Relativierung und Beliebigkeit einhergehend mit der Degradierung Jesu zu einem heiligen Menschen oder Propheten gewinnen wird. Damit wäre dann allerdings das Ende des Christentums, zumindest des katholischen eingeläutet.

    Ich kann diesen Papst nicht recht einschätzen. Ich will ihm das auch nicht unterstellen. Aber wer Kardinäle wie Burke oder Müller in die Wüste schickt, hat ein Ziel vor Augen. Und mit Kardinal Sarah kommt der Papst wohl auch nicht klar.

    Vielleicht wäre manchmal auch für einen Papst die Rede silbern, das Schweigen so manches Mal Gold.

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