Christopher Dawson: Die Apostel des Abendlandes – Teil 1: Der lange Winter

Aus dem Book of Kells, Kloster Iona, ca. 800 (gemeinfrei)

Christopher Dawson (1889-1970) lehrte an der Harvard University und gilt als einer der bedeutendsten christlichen Historiker des 20. Jahrhunderts. Sein Werk beeinflusste unter anderem J.R.R. Tolkien und T.S. Eliot. In seinen Büchern „Die Religion im Aufbau der abendländischen Kultur“ und „Die Gestaltung des Abendlandes“ schildert er, wie christliche Mönche und Herrscher im Frühmittelalter inmitten der Trümmer des untergegangenen Römischen Reiches Europa schufen und in einem jahrhundertelangen Überlebenskampf verteidigten.

Im ersten Teil unserer Serie behandeln wir die Ausführungen Dawsons darüber, wie die Mönche im „langen Winter“ nach dem Untergang des Römischen Reiches zunächst Inseln im Chaos schufen und anschließend planvoll das christliche Europa aufbauten. Dawson nennt sie „die Apostel des Abendlandes“ und „die Wächter und Hüter“, denen das heutige Europa seine Existenz verdanke.

Der Verlust der Erinnerung an die Wurzeln Europas

In der öffentlichen Wahrnehmung sind Zerrbilder sehr verbreitet, was die kulturelle und historische Bedeutung des Christentums für Europa angeht. Solche Zerrbilder prägen auch die Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe des Magazins „Der Spiegel“. Dort wird unter anderem behauptet, dass das Christentum „die Finsternis des Mittelalters über Europa“ gebracht habe.

Die Autoren Clemens Höges und Walter Mayr stützen sich dabei nicht auf die Arbeit von Historikern, sondern auf eine polemische Schrift der Journalistin Catherine Nixey. Dawson beschreibt in seinen Werken dieses bereits zu seiner Zeit vorhandene Problem der Entstellung der historischen Erinnerung durch Aktivisten:

  • Liberalen und progressiven Akteuren gehe es dabei nicht darum, eine bestimmte Zeit und ihr Denken oder sonstige historische Sachverhalte zu verstehen, sondern darum, ihre Forderung nach dem radikalen Bruch mit dem historischen Erbe dadurch zu rechtfertigen, dass sie es verzerrt darstellten.
  • Eine Entstellung der Erinnerung werde auch durch Nationalisten begangen, denen das Bewusstsein für die Einheit des Abendlandes und die gemeinsamen christlichen Wurzeln seiner Völker fehle, weshalb sie diese  leugnen oder nicht zur Kenntnis nehmen würden.

Akteuren dieser Art mangele es Dawson zufolge vor allem auch an Verständnis für die Kraft des Glaubens als Treiber kultureller Entwicklung. In den engen Grenzen materialistischen Denkens betrachtet müsse die Geschichte der Entstehung Europas im Mittelalter zwangsläufig unverständlich bleiben. Zu dieser Zeit habe der Glaube jedoch „als die letzte geistige Triebkraft“ gewirkt und in den handelnden Menschen zu „einer Anspannung der sozialen Tatkraft“ geführt, die alle Gebiete des Lebens durchdrungen und geprägt habe.

Der Autor Douglas Murray hatte kürzlich weitere Versuche von Aktivisten beschrieben, das Christentum aus der historischen Erinnerung Europas herauszudefinieren und die Geschichte im Sinne multikulturalistischer Ideologie umzuschreiben, damit die durch sie herbeigeführten kulturellen Brüche weniger deutlich sichtbar würden oder als weniger schädlich erschienen.

Wie die Kirche den Zusammenbruch des Römischen Reiches überstand

Die Grundlagen Europas seien laut Dawson im Chaos des im fünften und sechsten Jahrhundert von Migrationswellen überrannten untergehenden Römischen Reiches von Männern geschaffen worden, die sich aus christlichem Geist heraus gegen die Auflösung und den Zerfall gestellt hätten, der sie umgab.

Papst Gregor der Große (540-604) habe im sechsten Jahrhundert die Lage Roms so beschrieben:

Wenn wir betrachten, wie andere Menschen gestorben sind, finden wir Trost in dem Gedanken an die Art des Todes, die uns bedroht. Welche Verstümmelungen, welche Grausamkeiten haben wir an Menschen verübt gesehen, für die der Tod die einzige Rettung ist und in deren Mitte zu leben eine Qual war! […]

Und sogar wir Überlebenden, wenige wie wir sind, täglich werden wir mit dem Schwerte geschlagen, täglich werden wir heimgesucht von Schmerzen ohne Zahl […] Denn der Senat ist nicht mehr, das Volk ist vergangen, aber Sorge und Seufzen werden täglich vervielfacht unter den wenigen, die übrigblieben. Rom ist nun schon leer und brennend.

In dieser „Zeit des allgemeinen Verfalls und der Zerstörung“ seien „die Grundlagen des neuen Europa gelegt“ worden. Das Papsttum sei damals der letzte verbliebene Träger der antiken Kultur gewesen, die christliches Denken mit griechischer Philosophie und römischem Ordnungsgeist verbunden habe.  Es sei der Kirche dadurch gelungen, „alle Lebenskräfte im allgemeinen Verfall der europäischen Kultur zu vereinen“:

Durch alles Unglück der Völkerwanderung hindurch bewahrten die Wortführer der christlichen Sache, Männer wie Sidonius Apollinaris oder der heilige Avitus, nicht nur den Glauben an Christus, sondern auch an die Berufung des Römischen Reiches und an die Überlegenheit der alten Kultur. Die Christen fühlten, dass das Werk des Reiches nicht vergeblich sein konnte, solange die Kirche lebte.

Die Kirche, die schon damals von staatlichen Institutionen unabhängig gewesen sei, habe so als einige Institution den Zusammenbruch des Reiches überstanden und weiter wirken können. Dabei sei es zunächst gar nicht die Absicht Gregors des Großen und anderer Männer seiner Zeit gewesen, eine neue Ordnung zu schaffen, da dieser Gedanke unter den damaligen Bedingungen absurd gewesen wäre. Die Männer dieser Zeit hätten ihre Kraft aus dem christlichen Motiv geschöpft, den überlebenden Menschen bis zuletzt zu helfen. Einer zeitgenössischen Inschrift zufolge habe Gregor der Große es „verachtet“, „niedergeworfen zu werden, obgleich die Welt versagte.“

Christliche Klöster als Inseln im Chaos und Geburtsstätten europäischer Kultur

Bereits im sechsten Jahrhundert hätten Persönlichkeiten wie der römische Beamte und spätere Klostergründer Cassiodor (ca. 485-580) erkannt, dass der Staat als Träger höherer Kultur früher oder später ausfallen würde. Er habe systematisch das Wissen der Antike in einem Kloster gesammelt, um es über den Zusammenbruch hinaus zu retten.

Später seien weitere Führergestalten und Heilige wie Benedikt von Nursia (480-547) in Italien oder Columban und Columba in Irland hervorgetreten. Diese hätten eine „in jeder Beziehung zertrümmerte Welt“ vorgefunden, ihren Auftrag im Geist der Propheten des Alten Testamentes ausgeführt und Gemeinschaften um sich versammelt und mit ihnen Zentren geistiger Macht in Form von Klöstern geschaffen. Die Heiligen hätten dabei als „lebendige Kraft“ gewirkt, und die von ihnen gegründeten Klöster waren „Heimstätten einer solchen lebendigen Kraft“:

So war der Geist der Männer, die die neue Zeit schufen – Männer wie der heilige Augustinus, der die Eitelkeit und Vergeblichkeit menschlicher Macht erkannte; wie der heilige Benedikt, der mitten im Unheil der Gotenkriege eine kleine Welt des Friedens und der geistlichen Ordnung schuf; wie der heilige Gregor, der die Sorgen einer ganzen Welt auf seinen Schultern trug, als die ihn umgebende Kultur in Trümmer fiel; wie der heilige Bonifatius, der trotz tiefer Entmutigung und Enttäuschung sein Leben hingab für das Wachstum des christlichen Volkes.

Als „die Finsternis sich über dem Abendland verdichtete“, seien „die Mönche […] die Apostel des Abendlandes und die Begründer der mittelalterlichen Kultur“ gewesen, „die Wächter und Hüter“, „welche auf den Mauern der Stadt Christi Wache hielten und die Angriffe der feindlichen Geister abwehrten“.

In „einer Welt voller Unsicherheit, Unordnung und Barbarei“ hätten die christlichen Mönche „das Ideal einer geistlichen Ordnung und disziplinierten sittlichen Tätigkeit“ gelebt, „die das Kloster zu einer Oase des Friedens in einer kriegerischen Umwelt machten“. Die Klöster seien Komplexe aus Schulen, Kirchen, Wohnhäusern und sozialen Einrichtungen gewesen, die zunehmend an die „Stelle der sterbenden Städte getreten“ und zu Zentren der Kultur geworden seien. Von den Klöstern aus hätten Missionare Reisen in chaotische Gebiete unternommen und dort Stützpunkte geschaffen, aus denen wiederum neue Klöster hervorgingen.

Der in Irland lebende Abt Molua (gest. ca. 609) beschrieb die Arbeit der Mönche folgendermaßen:

Meine lieben Brüder, pflügt die Erde gut und arbeitet fleißig, damit ihr ausreichend zu essen, zu trinken und euch zu kleiden habt. Denn dort, wo die Diener Gottes keinen Mangel leiden, dort herrscht Beständigkeit, und wo Beständigkeit ist, dort ist Gottesdienst möglich und damit religiöses Leben. Und das Ziel des religiösen Lebens ist das ewige Leben.

John Henry Newman zeichnete dieses Bild des kulturbegründenden Wirkens der Klöster:

Überall auf den Feldern und in den Wäldern bemerkte man schweigsame Männer, die dort gruben, lichteten oder anbauten, während andere schweigsame Männer, die man nicht zu sehen bekam, in den kalten Klöstern saßen und mit angespannter Aufmerksamkeit und arbeitsmüden Augen immer aufs neue die Manuskripte abschrieben, die sie gerettet hatten. Da war kein Streit noch Lärm und niemand machte Aufhebens von dem, was geleistet wurde, aber nach und nach erwuchsen in der sumpfigen Wildnis erst eine Einsiedelei, dann ein Kloster, ein Gutshof, eine Abtei, ein Dorf, ein Seminar, eine Schule und schließlich eine Stadt.

Papst Benedikt XVI. schrieb einige Jahrzehnte nach Dawson an ihn ankünpfend über die kulturellen Wurzeln Europas im Mönchtum des frühen Mittelalters:

Von der Wirkungsgeschichte des Mönchtums her können wir sagen, daß im großen Kulturbruch der Völkerwanderung und der sich bildenden neuen staatlichen Ordnungen die Mönchsklöster der Ort waren, an dem die Schätze der alten Kultur überlebten und zugleich von ihnen her eine neue Kultur langsam geformt wurde.

Es sei dabei nicht die Absicht der Mönche gewesen, „Kultur zu schaffen oder auch eine vergangene Kultur zu erhalten.“ Die Mönche hätten nach religiöser Wahrheit gesucht und die Kultur Europas dabei eher nebenbei geschaffen, weil sie für Ihre Suche Schulen und Bibliotheken sowie Sicherheit und Ordnung benötigt hätten.

Die iro-schottischen Mönche und die Synthese von heidnischer Kultur und christlichem Geist

Dawson hebt das Wirken des iro-schottischen keltischen Mönchtums hervor, welches das Christentum in weiten Teilen Mittel- und Westeuropas verbreitete. Die keltischen Mönche hätten den Zusammenbruch des Römischen Reiches an entlegenen Orten an der Peripherie Europas überstanden und dort eine Kultur geschaffen, die von ausgeprägter Disziplin, Opferbereitschaft, sowie Wertschätzung von Ehre, Treue und Arbeit gekennzeichnet gewesen sei.

Diese Kultur habe römische und christliche Kultur mit dem lokalen Erbe sowie dem Ethos der heidnischen Kriegerbünde verbunden. In Form der Heiligenlegenden habe man die alte Heldendichtung fortgesetzt, die zudem christianisiert worden sei, etwa in Form des Beowulf-Mythos. Dadurch sei enorme kulturelle Strahlkraft auf die Umgebung entstanden, aus der sich vor allem Adelige den Mönchen angeschlossen hätten.

Die keltischen Mönche hätten außerdem unter heidnischen Bauern gewirkt, zunächst in Irland und Schottland und später auf dem europäischen Kontinent. Sie hätten den „bäuerlichen Geist von der Ankunft einer neuen Macht überzeugt, stärker als alle Naturgeister der alten Bauernreligion“. Dies sei ihnen gelungen, weil sie nicht als Fremde in Erscheinung traten und die mönchische Kultur stark von Elementen heidnischer Kultur geprägt gewesen sei, die jedoch durch christlichen Geist veredelt waren.

Diese Mönche seien, „selbst Landleute mit einem tiefen Gefühl für die Natur und ihre Wildheit“ gewesen. Sie „standen der bäuerlichen Gesittung nah genug, um sie mit dem Geist der neuen Religion durchtränken zu können“. Wo früher Naturgeister verehrt worden seien, habe man nun christliche Heilige sowie heilige Quellen und Bäume verehrt, die den neuen, größeren Mächten geweiht gewesen seien. Steinkreuze hätten die Druidensteine des alten Kultes ersetzt, dessen Bräuche man ebenfalls umgewidmet habe.

Die Strategie der Christianisierung Europas

Die seit dem späten sechsten Jahrhundert von den Klöstern in Irland und Schottland in Einsätze auf dem europäischen Kontinent ausgesendeten Mönche hätten im Rahmen einer Strategie der Kirche gehandelt, deren Ziel die Christianisierung Europas gewesen sei. In ihrem Handeln sei die „wohlüberlegte Absicht erkennbar“ gewesen, „eine lateinisch-christliche Kultur zu schaffen bzw. wiederherzustellen, die allgemeiner geistiger Besitz des neuen christlichen Reiches werden sollte.“

Die im Rahmen dieser Strategie eingesetzten Mönche seien „zum Schöpfer einer neuen christlichen Kultur und zur Schule christlichen Lebens für die neuen Völker Westeuropas“ geworden. Es sei ihnen gelungen, „die Welle der Barbarei im westlichen Europa zum Rückfluten zu bringen und das Land, das in der Völkerwanderungszeit verwüstet und entvölkert worden war, wieder zu kultivieren“.

Die von ihnen geschaffenen Klöster wie Fulda, St. Gallen, Hersfeld, Benediktbeuern, Tegernsee, Kremsmünster, Lorsch und Corvey seien „Ausstrahlungspunkte der christlichen Kultur“ sowie weiterer Missionstätigkeit unter den germanischen und keltischen Stämmen gewesen.

Persönlichkeiten wie Bonifatius (675-753), der Apostel der Deutschen oder Alkuin (730-804), ein Berater Karls des Großen, hätten enorme Wirkung entfaltet und wesentlich zur Schaffung des Karolingerreiches beigetragen. Die iro-schottischen Mönche hätten mit der Zeit „Inseln des geistigen Lebens inmitten der wiederkehrenden Flut des Barbarentums“ geschaffen, wobei Dawson sich auf die im neunten Jahrhundert einsetzenden Wikingereinfälle bezieht. Die Klosterkultur Irlands und Schottlands sei später von den Wikingern weitgehend vernichtet worden, aber es sei ihr zuvor noch gelungen, die Saat für die Erneuerung Europas zu legen.

Im zweiten Teil unserer Serie werden wir die Ausführungen Dawsons über den Überlebenskampf des christlichen Europa gegen die Bedrohung durch die Wikinger- und Ungarneinfälle, die islamischen Invasionen und das Wirken korrumpierter Kräfte innerhalb der Kirche vorstellen. (ts)

2 Kommentare

  1. Werte(r) ts,
    danke für diese historischen Fakten, die mir nicht bekannt waren, leider wohl auch nicht der allgmeinen christlichen Öffentlichkeit. Es wäre einmal eine Idee, dass die Weltkirche sich diese Themas annähme und die Bedeutung von Klostergemeinschaften der Vergangenheit den Menschen nahe bringt und in den geschichtlichen Kontext stellt.

    Geschichte ganz allgemein wird zunehmend vom zeitgeistigen Standpunkt aus geschrieben und berücksichtigt nicht die Verhältnisse und Denkweisen der damaligen Zeit, über die Historiker wohl nachsinnen und forschen. Diese Methode ist jedoch unzulässig, weil solche Historienaufarbeitung im Kern schon verfälschend ist, weil sie mit dem Ziel der Kompatibilität mit dem Maßstab heutiger Verhältnisse konkurrieren wollen und das ist kontraproduktiv.

    Ich denke, dass das Mönchsleben wohl in Ägypten oder im Orient seinen Anfang nahm. Ich klaue jetzt einmal aus einer Antwort eines anderen blogs. Für die Richtigkeit kann ich keine Gewähr übernehmen:

    Der Kommentator schreibt: Der Grund liegt darin, weil Antonius (250-356 n. Chr.) der erste christliche Mönch in die Einsamkeit der ägyptischen Wüste ging, um ein strenges asketisches Leben zu führen. Um ihn sammelten sich Nachahmer und bildeten so die erste Mönchsgemeinschaft in Ägypten.

    Sie bildete die Vorstufe der ersten christlichen Klöster in Oberägypten (320/325), wo Mönche hinter abgeschlossenen Klostermauern (Klausur) ein gemeinsames Leben führten.
    Geleitet wurde es von einem Abbas (Abt = Vorsteher).
    Pachomois verfasste (4. Jhd.) die ersten Klosterregeln (Engelsregeln).
    Der nicht mit Klarnamen schreibende Kommentator war folgender Meinung:
    Seine Schwester war zeitgleich die erste Leiterin einer weiblichen Klostergemeinschaft.

    Die im 4. Jhd. entstandenen Klostergemeinschaften sind weder auf Christus, noch auf die Apostel zurück zu führen, weil sie die Menschen nie aufgefordert habe in die Einsamkeit zu gehen, um dort ein asketisches Leben zu führen. Darum sind auch im 1. und 2. Jhd. keine Hinweise für ein Mönchsleben zu finden.

    Stattdessen hat z. B. Paulus die Christen in Römer 12, 1.2 aufgefordert :

    „Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.“

    Christen werden also nicht aufgefordert die Welt zu verlassen, sondern sich in ihrem Verhalten nicht von den weltlichen Gepflogenheiten beeinflussen zu lassen.

    Niemand wird deshalb ein besserer Christ oder heiliger, wenn er sich von der Welt zurück zieht. Darin liegt nicht der Sinn des christlichen Lebens.

    Stattdessen sollen Christus im Alltag durch ihre Lebensweise einen positiven Einfluss auf ihre Mitmenschen ausüben. Sie sollen nach der Vorstellung Jesu ein Licht und ein Salz für ihre Mitmenschen sein.
    Ende der kopierten Stellungnahme.

    Ich will den Kommentator da nicht kritisieren, aber ich denke, er bringt das landläufig gedachte christliche Denken des heute und überträgt es auf die damalige Zeit. Auch er – so nehme ich an, kannte die Fakten nicht, über die der obige Artikel so anschaulich aufklärt.

    Dass es die Klöster waren, die das Christentum letztlich aufrechterhalten haben, war dem Kommentator damit nicht bekannt.

    Ich frage den Autor des obigen Artikels, ob die Frauenklöster nicht auch ihren Anteil dazu beigetragen haben, das Christentum in Europa aufrechtzuerhalten. Ich denke, dass dieses nicht vernachlässigt werden dürfte, ohne dies jetzt näher begründen zu können. Wenn man keine Ahnung hat, sollte dann auch der Mund gehalten werden, was ich jetzt hiermit tue.

    Eine alte Quelle über Frauenklöster habe ich hier gefunden: http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/z/zsn2b022969.pdf

  2. Der Spiegel hat sich in seiner Ansammlung schwarzer Legenden übrigens auch auf Gedanken von Otto Rahn bezogen, der in den 30er Jahren im Auftrag der SS agierte und die Katharer zu einer aufgeklärten Strömung des Christentums umzudeuten versuchte, die von der reaktionären katholischen Kirche vernichtet worden sei, weil diese die von den Katharern verkörperte Wahrheit unterdrücken habe wollen. Nun war der Katharerkreuzzug gewiss kein Höhepunkt der christlichen Geschichte, aber mit dem romantischen Bild, dass Rahn und der Spiegel von ihnen zeichnen, hatte diese Sekte, deren Aufnahmeritual oft zum Tod durch Verhungern führte, nichts zu tun.
    Natürlich nennen die Spiegel-Autoren ihre Quelle auch nicht beim Namen, und möglicherweise hat sie das romantische Katharerbild Rahns auch nur über Umwege erreicht. Es sagt aber viel über das Niveau dieses Magazins aus, dass man das Dargestellte nicht überprüft hat. Es war anscheinend wichtiger, auch noch das abstruseste Belastungsmaterial gegen die Kirche in den Artikel einzubauen.
    Der Vollständigkeit halber muss man aber auch darauf hinweisen, dass das hier aufgeführte schöne Zitat Newmans historisch nicht ganz korrekt ist, was die von ihm behauptete Entwicklung von Klöstern zu Städten angeht. Viele Städte wurden zwar zur damaligen Zeit gegründet, aber mit Klöstern hatte das meist nicht direkt etwas zu tun.

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