Zerfall und Bedrohung: Franz Kafka und die Spiritualität des schützenden Dienstes (Teil 2)

David Roberts - Die Belagerung und Zerstörung Jerusalems durch die Römer im Jahre 70 (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der jüdische Schriftsteller Franz Kafka zählt zu den bedeutendsten Autoren der deutschen Literaturgeschichte. In einigen seiner Erzählungsfragmente setzt er sich mit Fragen der Spiritualität des schützenden Dienstes auseinander. Sein Text „Ein altes Blatt“ behandelt den Zerfall eines Gemeinwesens, das seine religiöse Kraft verloren hat, und dessen daraus resultierende Wehrlosigkeit gegenüber der Bedrohung durch das feindselige Fremde.

Der erste Teil unserer Serie hatte Kafkas Erzählung „Beim Bau der Chinesischen Mauer“ betrachtet, die in der Sprache des Mythos den schützenden Dienst als spirituelle Aufgabe beschreibt. Diese wird von einer Art religiösem Orden geleistet, der im Gemeinwesen größere Kraft entfaltet als die ebenfalls in ihm wirkenden Kräfte der Auflösung und der die metaphysische Bedrohung des Reiches bekämpft und ihren Sieg verhindert.

Kafkas Erzählung „Ein altes Blatt“

In seiner Erzählung „Ein altes Blatt“ sind die religiösen Kräfte ebenso verschwunden wie das Reich, dessen Träger sie waren. Der Horizont der Erzählung beschränkt sich auf die Hauptstadt dieses Reiches, die von feindseligen Nomaden besetzt wurde. Die kraftlos wirkenden Bewohner der Stadt, die sich auf allen Ebenen bis hin zum Kaiser nur noch für sich selbst interessieren, reagieren passiv auf die sich andeutende Katastrophe:

Es ist, als wäre viel vernachlässigt worden in der Verteidigung unseres Vaterlandes. Wir haben uns bisher nicht darum gekümmert und sind unserer Arbeit nachgegangen; die Ereignisse der letzten Zeit machen uns aber Sorgen.

Ich habe eine Schusterwerkstatt auf dem Platz vor dem kaiserlichen Palast. Kaum öffne ich in der Morgendämmerung meinen Laden, sehe ich schon die Eingänge aller hier einlaufenden Gassen von Bewaffneten besetzt. Es sind aber nicht unsere Soldaten, sondern offenbar Nomaden aus dem Norden. Auf eine mir unbegreifliche Weise sind sie bis in die Hauptstadt gedrungen, die doch sehr weit von der Grenze entfernt ist. jedenfalls sind sie also da; es scheint, daß es jeden Morgen mehr werden. […]

Sie beschäftigen sich mit dem Schärfen der Schwerter, dem Zuspitzen der Pfeile, mit Übungen zu Pferde. […]

Sprechen kann man mit den Nomaden nicht. Unsere Sprache kennen sie nicht, ja sie haben kaum eine eigene. […] Unsere Lebensweise, unsere Einrichtungen sind ihnen ebenso unbegreiflich wie gleichgültig. […] Oft machen sie Grimassen; dann dreht sich das Weiß ihrer Augen und Schaum schwillt aus ihrem Munde, doch wollen sie damit weder etwas sagen noch auch erschrecken; sie tun es, weil es so ihre Art ist. Was sie brauchen, nehmen sie. Man kann nicht sagen, daß sie Gewalt anwenden. Vor ihrem Zugriff tritt man beiseite und überläßt ihnen alles. […]

„Wie wird es werden?“ fragen wir uns alle. „Wie lange werden wir diese Last und Qual ertragen? Der kaiserliche Palast hat die Nomaden angelockt, versteht es aber nicht, sie wieder zu vertreiben. Das Tor bleibt verschlossen; die Wache, früher immer festlich ein- und ausmarschierend, hält sich hinter vergitterten Fenstern. Uns Handwerkern und Geschäftsleuten ist die Rettung des Vaterlandes anvertraut; wir sind aber einer solchen Aufgabe nicht gewachsen; haben uns doch auch nie gerühmt, dessen fähig zu sein. Ein Mißverständnis ist es; und wir gehen daran zugrunde.“

Kulturzerfall als Folge von Religionsverlust

In der 1917 im untergehenden Österreich-Ungarn verfassten Erzählung verwendet Kafka einige Bilder, die sich auch im zeitgleich entstandenen Werk „Der Untergang des Abendlandes“ von Oswald Spengler finden. Während Spengler jedoch davon ausging, dass Kulturen biologischen Lebenszyklen folgen, stützt sich Kafka auf einen anderen Ansatz zur Erklärung des Aufstiegs und des Untergangs von Kulturen, den wir an anderer Stelle beschrieben hatten.

Dieser Ansatz geht davon aus, dass eine Religion den Kern jeder Kultur darstelle. Eine Kultur wachse, wenn ihre Bindung an diesen Kern intakt sei, und sie zerfalle, wenn sich diese Bindung auflöse. Der Untergang einer Kultur stellt demnach kein unabwendbares Schicksal dar, sondern ist Folge des Versagens kultureller Eliten. Gleichzeitig geht dieser Ansatz davon aus, dass kulturelle Erneuerung möglich ist, wenn diese Eliten oder Gegeneliten aus starken religiösen Bindungen heraus tätig werden.

Die katholische Schriftstellerin Gertrud von le Fort (1876-1971)  hatte die Ursachen des Niedergangs Europas auf der Grundlage dieses Ansatzes so beschrieben:

Das Geheimnis, um das es hier geht, aber ist: Daß man mit der Aufopferung Gottes auch die Welt opfert, daß der Verrat an der Religion den Verrat an der Kultur nach sich zieht, nach sich ziehen muß. Die abendländische Kultur wird genau so lange leben wie die abendländische Religion.

Kardinal Robert Sarah hatte ebenfalls auf der Grundlage dieses Ansatzes 2016 davor gewarnt, dass nicht nur der  Kultur, sondern auch den Menschen Europas der Tod durch Trennung von ihren religiösen Wurzeln und Abbruch der Weitergabe ihres Erbes drohe:

[D]ie größte Sorge besteht darin, dass Europa den Sinn für seine Ursprünge verloren hat. Es hat seine Wurzeln verloren. Und ein Baum, der keine Wurzeln hat, stirbt ab. Ich habe Angst, dass der Westen stirbt. Es gibt viele Anzeichen dafür. Niedrige Geburtsraten. Und ihr seid schließlich von anderen Kulturen überströmt, von anderen Völkern, die euch fortschreitend in ihrer Zahl dominieren und eure Kultur vollkommen verändern werden, eure Überzeugungen, eure Werte.

In Kafkas Erzählung steht dieser Auflösungsprozess unmittelbar vor seinem Ende, wobei die Frage am Schluß der Erzählung („Wie lange werden wir diese Last und Qual ertragen?“) noch die Möglichkeit einer Umkehr und einer Rettung zulässt.

Die Bedrohung durch das feindselige Fremde als Strafe Gottes

In der alttestamentarischen Tradition, deren Teil Kafka war, wird der Fremde auf drei unterschiedliche Weisen beschrieben. Der Fremde tritt hier entweder als hilfsbedürftiger Notleidender, als Gast oder als Bedrohung in Erscheinung. Die Bedrohung durch feindselige Fremde wird im Alten Testament im Einklang mit dem oben erwähnten Ansatz durchgängig als Folge der Abwendung seines Volkes von Gott bzw. als Strafe dafür beschrieben, zum Beispiel im Buch Ezechiel:

So spricht Gott, der Herr, zum Land Israel: Das Ende kommt, das Ende kommt über die vier Ecken der Erde. Jetzt ist das Ende für dich da; ich lasse meinen Zorn gegen dich los, ich spreche dir das Urteil, das dein Verhalten verdient, und strafe dich für alle deine Gräueltaten. […] Ich gebe ihn den Fremden zur Beute, die Bösen der Erde sollen ihn rauben und entweihen. Ich wende mein Angesicht von ihnen ab und man wird meinen kostbaren Besitz entweihen. Räuber werden kommen und ihn entweihen. Sie werden ein Blutbad anrichten; denn das Land ist voll von Todesurteilen und die Stadt ist voll von Gewalttat. Ich führe die schlimmsten Völker herbei, damit sie die Häuser besetzen. Ich mache dem Hochmut der Mächtigen ein Ende, ihre Heiligtümer werden entweiht.

Das Judentum hat in seiner auf ständiger Krisenerfahrung beruhenden Spiritualität die Möglichkeit, dass das Fremde auch eine Bedrohung darstellen kann, im Gegensatz zu großen Teilen des Christentums in Europa nicht vergessen. Einige deutsche Katholiken bekundeten dementsprechend ihr Unverständnis darüber, dass der Staat Israel seine Grenzen mit hohem Aufwand schützt und großen Wert auf die Pflege der Leistungsfähigkeit seiner Streitkräfte legt. Einige israelische Denker, darunter der Militärhistoriker Martin van Creveld und der Geostratege Arnon Soffer, kritisierten diese unter deutschen Christen verbreitete Einstellung wegen ihres Mangels an Wirklichkeitssinn.

Das Alte Testament beschreibt zahlreiche Situationen, in denen das Volk Gottes sich von ihm abwandte, von Illusionen leiten ließ und die Warnungen seiner Propheten ignorierte. Die im Buch Ezechiel beschriebenen Krisen waren dabei Strafe und Ausdruck der Zuwendung Gottes zugleich, denn die damit verbundene Botschaft sollte der Rettung seines Volkes dienen:

Werft alle Vergehen von euch, die ihr verübt habt! Schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist! Warum wollt ihr sterben, ihr vom Haus Israel? […] Kehrt um, damit ihr am Leben bleibt.

Der Theologe Romano Guardini und der Historiker Christopher Dawson hatten in diesen Zusammenhang darauf hingewiesen, dass auch das Christentum und die von ihm begründeten Kulturen in Europa immer wieder die Erfahrung existenzieller Krisen brauchten und auch künftig brauchen würden, um Fehlentwicklungen in ihrem Inneren zu korrigieren. (ts)

4 Kommentare

  1. „…Der Theologe Romano Guardini und der Historiker Christopher Dawson hatten in diesen Zusammenhang darauf hingewiesen, dass auch das Christentum und die von ihm begründeten Kulturen in Europa immer wieder die Erfahrung existenzieller Krisen brauchten und auch künftig brauchen würden, um Fehlentwicklungen in ihrem Inneren zu korrigieren.“

    Ist es aber auf der anderen Seite nicht mehr als traurig und auch beschämend, erst den Phönix aus der Asche geben zu müssen, damit das Innere des Christentums die kulturelle Stabilität bieten kann, die für eine christliche Kultur, die Bestand haben soll, erforderlich ist.

    Ich glaube aber, dass diese Einschätzung der Historiker grundsätzlich gesehen richtig ist. Wir sind aber jetzt in einer Situation, in der die christliche Religion und Kultur in Europa überrollt werden (sollen) mit Willen und Wissen sowohl der politischen als auch der kirchlichen Eliten. Die Demographie ist da mehr als entscheidend.

    Ob der „point of no return“ bereits erreicht ist, weiß ich nicht, aber er nähert sich mit großen Schritten.

  2. Da fällt mir doch noch zur Überschrift ein: Zerfall und Bedrohung: Franz Kafka und die Spiritualität des schützenden Dienstes
    1. Analyse des Zerfalls. Das wird in diesem Blog exzellent ausgearbeitet.
    2. Bedrohung: Was wird denn genau als Bedrohung aufgefasst und wer fasst es als Bedrohung auf?
    – Sind es nicht eher die Alten oder Älteren wie ich. Ich weiß nicht, welche Altersstruktur hier vorwiegt, die ihre spirituellen Ziele aus der Jugend als verlustig gehend empfinden, einfach nur, weil wir sie noch kennengelernt haben? Wie da ein junger Katholik denkt, ist möglicherweise ein völlig anderer Ansatz. Der wird das vielleicht gar nicht so tragisch sehen.
    a) Islam, b) links gestrickter Rundumschlag gegen christliche Traditionen oder einfach nur c) die allgemeine Lethargie des Sichtreibenlassens, die die Menschen wie Mehltau über ihre Seele gelegt haben ohne bewusste Wahrnehmung der Feinde des christlichen Lebens und Glaubens, weil sie selbst auch im Grunde nicht mehr wissen, welcher Sinn im Christentum liegt. Ich denke, dass dieser Mehrfrontenkrieg letztlich kaum noch für Europa zu gewinnen sein wird und die Kommentare, die meine Wenigkeit abgibt, gelten in der Regel in erster Linie für das senile Europa.
    3. Auf was konkret soll denn nun die Spiritualität des schützenden Dienstes ausgerichtet sein und sich in konkretem und in welchem Dienst manifestieren? Letztlich eine Folge aus Punkt 2.

    Es muss doch erst die Bedrohung erkannt und benannt werden, bevor sich die geistige Beschaffenheit im schützenden Dienst herausbilden und konkret eintreten kann. Solange dieser nicht konkret benannt wird, bringt es doch letztlich auch nicht viel. Schaffung von Feindbildern ist solange richtig und gut, solange diese als Ideologien (Kommunismus, Faschismus, Sozialismus u. ä. oder Politreligionen erkannt und benannt werden. it diesen muss der Christ sich geistig und geistlich auseinandersetzen, was eine wichtige Arbeit wäre. Aus dem Feindbild herausgenommen werden MÜSSEN jedoch die konkreten Menschen, die diesen Ideologien folgen. Ob dies immer so exakt zu trennen sein wird, bleibt dem Geist der Unterscheidung überlassen. Und welche christliche Verhaltensantwort ist uns Christen in der Feindesliebe aufgetragen?

    Und es bringt ja auch im Grunde recht wenig, sich über christliches Soldatentum Gedanken zu machen, wenn wir die Jungen nicht mit einbeziehen können oder sollen sich noch alte Männer aufraffen und gegen junge Feinde jeglicher Couleur mit christlichem Wissen und Verantwortung gefüllt, in den Kampf ziehen?

    Provokation jetzt:
    Es nützt ja nichts, wenn wir Älteren diese Bedrohung insbesondere für Kinder und Kindeskinder wahrnehmen, m. E. auch zu Recht wahrnehmen, aber die Jungen dies eben nicht in gleicher Weise tun. Vielleicht sind die ja viel offener oder denen ist die Bedrohung, in der und mit der sie zu leben haben, nicht einmal bewusst!? Und vielleicht finden sie sogar Gefallen an islamischen Denk- und Handlungsweisen? Die Frage ist doch letztlich: Haben die Alten in Europa versagt? Ich würde da sagen: Auf ganzer Linie. Gründe lassen sich immer finden. Aber letztlich haben wir es nicht geschafft, die Jungen, ja, auch ich, meine eigenen Kinder, für Jesus zu begeistern. Ich hoffe, dass es anderen Mitarbeitern und Kommentatoren besser gelungen ist als mir.

  3. Auch hier wieder ein mehr als sinnvoller und auch tiefsinniger Artikelteil.

    Ja,die Religion prägt die Kultur. Definition von Kultur: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur
    Bei Wiki ist natürlich von Religion nicht die Spur, zumindest nicht im ersten Artikelteil. Aber die Kultur richtet sich immer nach geistigen Werten, die normativ für eine Gesellschaft gelten sollen. Ist die Religion, also der Glaube an Allah federführend, so bildet sich die Kultur eben anders, blutiger und sklavenhafter aus, als wenn der dreifaltige Gott mit Jesu Geist im Inneren Gottes die Religionsführung übernimmt und aus Knechten Freunde macht. Allein dieser Vergleich bestätigt die oben angeführte These mehr als deutlich. Ist die Religion gottlos (auch der Atheismus ist als Religion zu werten) setzt sich der Mensch auf den Thron Gottes und gestaltet seine eigenen Regeln. Wie die ausssehen, bleibt dann im Einzelfall dem Menschen, der sich keinem höheren Wesen unterordnen will und auch kann, überlassen. Da kann es dann aber leicht sein, dass der Recht des Stärkeren gilt mit all seinen negativen kriegerischen und derzeit wohl menschengesellschaftsexperimentiererischen Erscheinungen.

    Und wenn der religiöse Überbau zerfällt, zerfällt auch die entsprechende Kultur, die ja von der Religion geprägt war, was ja im Grunde ja auch logisch ist.

    Sexuelle Freizügigkeit
    Ehe für Alle
    Genderideologie der x-fachen sozialen Geschlechter
    Abtreibung als Barmherzigkeitstat getarnt
    Familienzerbröselung
    Euthanasie als Barmherzigkeitstat getarnt,
    damit einhergehend natürlich auch die Glaubensverdunstung, das trügerische Wissen darum, dass Gott tot ist oder zumindest der Mensch auch ohne Gott bestens zurecht kommt. Wozu noch religiöse Regeln, wenn das Leben bequem auch ohne diese noch besser zu bewältigen ist, zumindest auf den ersten Blick.

    Von diesem Virus ist insbesondere das auf Freiwilligkeit aufgebaute Christentum befallen. Wenn eine Religion auf Freiwilligkeit in Liebe, Erbarmen und Dienen aufgebaut ist, so ist sie auch sehr anfällig für den Zerfall. Das muss hier schon klar sein. Die letzten Kirchgängerinnen und Kirchgänger sind noch in einer Zeit groß geworden, als es hieß, dass der Nichtbesuch des sonntäglichen Messopfers als Sünde angesehen wurde. Somit wurde damals Druck aufgebaut, als noch Schule, Elternhaus und Politik an einem Strang zogen. Da wurde dann auch noch gebeichtet, denn die Angst vor der Hölle war durchaus in der Kirche auch noch präsent.

    Die Kirche nach dem 2. Vatikanum hat auf den mündigen Christen gesetzt und anstelle des Drucks auf die Einsicht dieser Art von Christ gesetzt, was wohl in die Hose gegangen ist. Aber zu dieser Einsicht brauchen wir dann auch ein Konzept, welches die Gläubigen für Christus positiv begeistern lässt. Da hat uns das 2. Vatikanum irgendwie im Stich gelassen und solch ein Konzept wurde wohl nicht erarbeitet. Wenn also der Nichtkirchgang keine Sünde darstellte, konnte man dann ja auch im Wald beten, was man dann auch letztlich nicht mehr getan hat und diese Aussage nur noch als Alibi-Argument missbraucht hatte, um sich selbst nicht zum sonntäglichen Kirchbesuch verpflichten zu müssen. Und wenn darüber hinaus noch überflüssigerweise der Synkretismus ein wenig in unser Glaubensgerüst eindringt, dann ist es auch noch mit der Argumentation, warum wir Katholiken bleiben sollen, können wir doch auch in anderen Religionen unser Seelenheil finden, schwierig. Mit der Einsicht fiel dann auch das Sakrament der Beichte oder Buße der fehlenden Einsicht zum Opfer. Warum beichten, wenn uns Gott doch alle so liebt?

    Die jetzt fast leeren Kirchen profitieren letztlich noch immer von dem damaligen Druck, den die alten Menschen in ihrer Jugend noch kennengelernt haben. Ich mit meinen fast 65 Jahren bin da keine Ausnahme, wobei ich jetzt hier an Ort und Stelle bekunden möchte, dass ich gern das heilige Messopfer besuche, auch aus Überzeugung. Ich brauche keinen Druck mehr. So kann Druck auch Positives erwachsen lassen. Nachwuchs: Flächendeckend Fehlanzeige.

    Ach ja, da ist noch etwas: Messopfer, hl. Messe, kath. Gottesdienst; Opferung, Gabenbereitung; Wandlung von Brot in den Leib Christi von Wein in das Blut Christi in Realpräsenz, Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi als Symbol, Kommunionunterricht: Heiliges Brot; Agnus Dei, Lamm Gottes, Friedensgruß! Tendenz klar? Immer weitere semantische Abschwächung des Ursprünglichen. Das Original wird zur Ersatzhandlung, die Ersatzhandlung zum Symbol, das Symbol wird zum Gedächtnis, das Gedächtnis wird zur bloßen Erinnerung degradiert. Die Sinnhaftigkeit des ursprünglich Echten wird zur bloßen Zeichenhaftigkeit herabgestuft. Jesus ist nicht mehr auf dem Altar zugegen, sondern ist irgendwie in unserer Mitte, da, wo zwei oder drei sich versammelt haben. Die körperlicher Vereinigung mit Christus ist einem bloßen „Darandenken“ gewichen; darum auch die Ehrfurchtslosigkeit bei der hl. Kommunion. Man nimmt nur noch ein Stück Hostie in den Mund und denkt nicht daran, dass das Wort des Priesters „Der Leib Christi“ auch so gemeint ist, wie es gesagt wurde. Die Hostie als Symbol für Christus. Da gehen Muslime mit dem „schwarzen Stein“ in der Kaaba wahrscheinlich ehrfurchtsvoller um als Christen kommunizieren.

    Die Bedrohung durch das feindselige Fremde als Strafe Gottes.
    Nun, wie stehen dann die Kirchen und deren Führer, ja, selbst bis zum Papst da? Sind es nicht neben den politischen Eliten gerade die kirchliche Eliten, die das Fremde, ja, auch das kulturell Fremde, ja sogar das explizit „Dreifaltigkeitschristenfeindliche“ eben nicht als Strafe Gottes ansehen, sondern als „Bereicherung“, als Inspiration. Während Alttestamentler im Leben Mauern ziehen, laden Kirchen und Politik kulturell Fremde, ja feindlich gesonnene Politreligionen förmlich ein.

    Haben also Kirchenführer diese Stelle aus dem AT nicht nur vergessen, sondern auch letztlich innerlich abgelehnt? Gibt es diese Strafe Gottes überhaupt!? Diese Verhaltensweise ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Sünde, die Hölle, die Gottferne einfach nur noch in marginaler Weise in der Kirchenverkündigung existiert, obwohl der Papst ja immer wieder auf Satan warnend zu Recht hinweist. Hat auch er vergessen oder sogar verdrängt, dass das Fremde auch als Strafe Gottes angesehen werden kann? Denn immerhin vertritt er ja letztlich auch das paneuropäische Experiment der Flüchtlingsaufnahme im globalistischen Sinne mehr als deutlich als Sache der christlichen Barmherzigkeit. Das Fremde wird zumindest in der deutschen Kirche einfach nicht mehr als Strafe Gottes angesehen, sondern in besonders verquerer Ansicht als Herausforderung der Umsetzung des Erbarmen Gottes in völliger Sinnentstellung zum AT. Wie soll sich dann ein „normaler Christ“ noch zurechtfinden, wenn die Kirche bereits zeitgeisthörig politkorrekt „eingenordet“ ist?

    Fragen über Fragen. Anworten werden von Jahr zu Jahr wohl schwächer werden. Senil gegen jung. Was wollen wir da ausrichten?

    • „Ich träumte, dass
      Hannibal und Scipio,
      auf ewig vereint,
      dem Weltimperium zufügen
      den Todesstoß.
      Patton und Rommel,
      wie zwei Brüder,
      unter dem selben Banner
      und an diesem Tage
      würde der große Pyrrhus
      Russe sein“

      Les Brigandes
      „Die Rückkehr der Helden“

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