Iwan Iljin: Das christliche Ethos des militärischen Dienstes

Józef Brandt - Die Schlacht von Wien (Ausschnitt, Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der russisch-orthodoxe Philosoph Iwan Iljin (1883-1954) wurde 1922 aus der Sowjetunion verbannt und setzte sich in seiner Arbeit unter anderem mit Fragen der Bekämpfung totalitärer Ideologien auseinander. In seinem 1925 veröffentlichten und jetzt erstmals in deutscher Übersetzung erschienenen Werk „Über den gewaltsamen Widerstand gegen das Böse“ (weitere Informationen finden sich hier) entwirft er ein christliches Ethos für die Verteidiger des Gemeinwesens in Militär, Polizei, Nachrichtendiensten und Justiz.

Hintergrund: Die Militäraversion im Christentum der Gegenwart

Der Hintergrund des Werkes Iljins ist die im Christentum der Gegenwart verbreitete Aversion gegenüber militärischen Dingen.

Jede Kultur verfügt über ein besonderes, aus dem religiösen Kern dieser Kultur heraus geschaffenes Ethos für den Berufsstand derer, welche das auf ihr beruhende Gemeinwesen und dessen materielle und immaterielle Werte vor Bedrohungen schützen. Im europäischen Kulturraum hat sich die Kirche aus diesem Bereich der Kultur jedoch seit Langem weitgehend zurückgezogen. Der katholische Philosoph Nicolás Gómez Dávila kritisierte diesen Zustand einige Jahre nach Iljin mit den Worten:

Die Kirche hat zu viele Ordensbrüder, es fehlen ihr Ordensritter.

In Deutschland findet ethische Bildung in den Streitkräften seitens der Kirche nur noch in einer auf „Friedensethik“ reduzierten Form statt. Bei vielen Soldaten entsteht auch deshalb der Eindruck, dass ihr Dienst im Widerspruch zu ihrem christlichen Glauben stehe. Andere suchen wegen dieser Verweigerungshaltung der Kirche in nichtchristlichen Weltanschauungen nach ethischen Impulsen für ihren Dienst.

Iljin erklärt in seinem Werk, warum gerade Christen zu diesem Dienst berufen seien und wie sie ihn als Teil einer christlichen Berufung praktizieren können. Christen sollten nicht als Soldaten oder Polizisten dienen, obwohl sie Christen seien, sondern gerade weil sie Christen sind. Er greift dabei auf eine lange, erst in jüngerer Zeit weitgehend in Vergessenheit geratene Tradition im Christentum zurück.

Pazifismus als Ausdruck hedonistischer Verweigerung der Nächstenliebe

In seinem Werk kritisiert Iljin zunächst pazifistische Positionen im Christentum, wie sie unter anderem durch den Schriftsteller Leo Tolstoi vertreten wurden. Pazifistische Ideologie stelle laut Iljin eine sentimentale Flucht vor den Härten der Welt dar:

  • Pazifisten seien, von wenigen Ausnahmen abgesehen, vom Schutz derjenigen abhängig, die sie moralisch verurteilten. Pazifismus sei daher inkonsequent.
  • Pazifismus, der Gewalt auch dann ablehne, wenn sie andere Menschen vor ungerechter Gewalt schützen könne, sei Ausdruck einer egoistischen Haltung. Der Pazifist ziehe außerdem das Gefühl moralischer Reinheit sowie die Pose moralischer Überlegenheit der Übernahme von Verantwortung und dem Dienst am Nächsten vor. Seine Einstellung sei daher auch eine Form des Hedonismus bzw. der Ausrichtung des eigenen Lebens am Streben nach angenehmen Gefühlen, für die er bereit ist, schutzbedürftige Menschen zu opfern.
  • Indem der Pazifist seine Gefühle über das Gebot der Nächstenliebe stelle, wende er sich letztlich von Gott ab. Der Pazifist mache seine Gefühle und die ihrer Herstellung dienende falsche Moral zu einem Götzen. Bei der Nächstenliebe, die der Pazifist zu praktizieren behaupte, handele es sich nicht um Dienst am Nächsten, sondern um eine Idealisierung von Passivität und Schwäche.

Vor allem aber fördere der Pazifismus die Herrschaft derer, die dazu bereit seien, zur Erlangung ihrer Herrschaft ungerechte Gewalt anzuwenden. Das Böse gewähren zu lassen, ohne ihm Widerstand zu leisten, bedeute, es zu unterstützen und zu seinem Werkzeug zu werden.

Die Notwendigkeit des schützenden Dienstes und der Gewalt

Jedes Gemeinwesen müsse Vorkehrungen für den Schutz des inneren und äußeren Friedens und zur Abwehr von Feinden treffen, die diesen Frieden bedrohen. Der hl. Apostel Paulus schrieb im Römerbrief, dass der gerecht handelnde Staat Teil der „Ordnung Gottes“ sei:

Vor den Trägern der Macht hat sich nicht die gute, sondern die böse Tat zu fürchten […]. Denn sie steht im Dienst Gottes für dich zum Guten. Wenn du aber das Böse tust, fürchte dich! Denn nicht ohne Grund trägt sie das Schwert. Sie steht nämlich im Dienst Gottes und vollstreckt das Urteil an dem, der das Böse tut.

Zur Aufrechterhaltung dieser von Gott gewollten Ordnung sei der schützende Dienst von Menschen in Politik, Verwaltung, Militär, Polizei, Justiz und Nachrichtendiensten erforderlich. Dieser Dienst sei damit verbunden, Gewalt anzuwenden und „zu verhaften, zu verurteilen und zu erschießen“. Er müsse sich daher auf Menschen stützen, die dazu fähig und bereit seien, entsprechende Mittel anzuwenden.

Die Aneignung der größtmöglichen Kompetenz bei der Anwendung dieser Fähigkeiten könne die Notwendigkeit zum tatsächlichen Einsatz von Gewalt minimieren, weil das Böse seinem Wesen nach dazu entschlossen sei, gegen das Gute zu handeln und dabei durch Schwäche provoziert werde. Man könne dem Bösen daher nur durch Abschreckung oder Bekämpfung angemessen begegnen. Je glaubwürdiger die Abschreckung sei, desto weniger Kampf sei erforderlich. Die Herausbildung von Wehrhaftigkeit sei daher prinzipiell gut.

Es gibt keine heilige Gewalt

Der Einsatz von Gewalt im Kampf gegen das Böse sei immer ein Ausdruck der Unvollkommenheit des Menschen. Gewalt könne kein heiliges Mittel sein, weil sie das Böse nicht zum Guten wandele, sondern ihm nur notwendige Grenzen setze. Ihr Einsatz könne aber notwendig sein und eine Pflicht darstellen, wenn die Alternative dazu ein noch größeres Übel wäre.

Der Einsatz von Gewalt sei daher stets das Ergebnis eines Kompromisses. Man habe hier aber nur die Wahl zwischen einem feigen, der Übernahme von Verantwortung ausweichendem und einem mannhaften Kompromiss.

Die Abwehr des Bösen sei außerdem auch gegenüber dem Angreifer ein Akt der Nächstenliebe, da dieser seiner Seele durch sein Handeln Schaden zufüge. Indem man seinen Angriff gewaltsam unterbinde, verhindere man auch, dass er sich selbst noch größeren Schaden zufüge. Jesus Christus habe diese harte Form der Nächstenliebe in Mt 18,6 beschrieben, als er sagte, dass es für manchen böse handelnden Menschen besser wäre, „wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde“.

Der schützende Dienst als Weg der Nachfolge Jesu Christi

Der Kampf gegen das Böse mit den Gewaltmitteln des Staates könne Ausdruck von christlicher Nächstenliebe in Form einer „verneinenden Liebe“ sein, die sich dem Bösen zum Schutz des Nächsten und des Guten gewaltsam entgegenstelle. Jesus Christus habe diese Form der Nächstenliebe bei der Tempelreinigung praktiziert.

  • Dieser Weg sei jedoch ein besonders schwieriger Weg der dienenden Nachfolge, weil er mit besonderen Risiken für die Seele des Menschen verbunden sei.
  • Anders als alle anderen Formen der Nachfolge sei der Weg des schützenden Dienstes mit der aktiven Begegnung mit dem Bösen verbunden. Die Seele des im Dienst stehenden Menschen werde dadurch korrumpierenden Einflüssen in Form der „leidenschaftliche[n] Anziehungskraft zur Entfesselung des Tieres“ ausgesetzt. Herrscher könnten dadurch zu Tyrannen und Soldaten zu Marodeuren werden.
  • Diese Berufung sei daher nicht nur körperlich, sondern vor allem auch für die Seele des Menschen gefährlich. Vor dieser Berufung zurückzuweichen löse dieses Problem nicht, da die Verweigerung des Dienstes in der eigenen Berufung ebenfalls eine Sünde darstelle.

Die Berufung zum schützenden Dienst stelle deshalb besonders hohe Anforderungen an diejenigen, die sie ausüben:

Und so sind nur die besten Menschen fähig, diese Ungerechtigkeit zu ertragen, ohne sich von ihr infizieren zu lassen, das notwendige Maß in ihr zu finden, an ihre Ungerechtigkeit und ihre geistige Gefahr zu denken, und für sie das persönliche und gemeinschaftliche Gegengift zu finden.

Gerade Christen seien in besonderem Maße zum schützenden Dienst berufen, weil es in ihren Seelen Grenzen für das Wirken korruptiver Kräfte gebe. Diese Grenzen müssten durch Bildung und Erziehung gefestigt werden, in der es darum gehe, innere „Mauern zu erbauen, zu erhalten und zu verteidigen“. Wer im schützenden Dienst stehe, dürfe weder schwach noch böse sein. Er müsse seine Leidenschaften unter Kontrolle haben und bedürfe wegen der seelischen Folgen der Begegnung mit dem Bösen einer intensiven geistlichen Begleitung.

Andere Berufungen seien der zum schützenden Dienst nicht überlegen:

Verglichen mit staatlichen Regierungsinhabern sind die Mönche, Gelehrten, Künstler und Betrachter glücklich: Ihnen ist es gegeben, ein reines Werk mit reinen Händen zu vollziehen. Doch sie dürfen die Politiker und Krieger weder dem Gericht noch der Verurteilung ausliefern, sondern müssen ihnen Dankbarkeit erweisen […] denn sie müssen verstehen, dass ihre Hände und ihr reines Werk eben deswegen rein sind, weil sich andere reine Hände für eine unreine Tat fanden.

Die Berufung des schützenden Dienstes könne sogar ein herausragender Ausdruck von Nächstenliebe sein, denn der in ihr lebende Mensch nehme nicht nur Risiken für sein eigenes Leben in Kauf, sondern auch die mit seinem Dienst verbundenen besonderen Risiken für seine eigene Seele. (ts)

7 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Kemmer,
    hier können wir von unseren türkischen Mitbürgern lernen: historische Themen behandelnde Spielfime, Serien wie „Tal der Wölfe“ , Soaps wie jene, die im Harem von Soliman dem Prächtigen spielen, haben wohl mehr Einfluss auf junge türkische Patrioten ausgeübt, als Geschichts- und Religionsunterricht.

  2. Wenn ich das Evangelium, in dem Jesus selbst beteiligt war, lese, habe ich Schwierigkeiten, den christlichen Kampf zu legitimieren. Andererseits halte ich die im Artikel aufgeführten Argumente durchaus für stichhaltig. Einig sind wir uns dessen, dass christliche Kriegsführung nur als Abwehrkampf angesehen werden kann. Dann kommt schon die nächste Frage: Können dann auch sog. Präventivschläge christliche Begründung finden? Ist Tyrannenmord christlich erlaubt? Und da kommt dann auch schon die Frage der Wahrheit der Beweismittel ins Spiel? Geschichte wird von Siegern geschrieben, manchmal auf Kosten der Wahrheit. Irakkrieg! Wahrheit? Mitnichten? Der letzte Syrienschlag? Wahrheit? Mehr als offen. Aber erst einmal bomben. Das Böse ist wirkmächtiger als wir denken. Das Böse kennt nur seine eigene Wahrheit und diese ist nicht die jesuanisch-göttliche.

    Jesu Antwort auf das Böse war die Kreuzigung in der Liebe zu uns Menschen. Wenn wir uns die Seligpreisungen anschauen, finden wir nichts, was auf kriegerische Handlungslegitimation hindeutet. Selbst wenn das „Selig“ im Sinne von „Freude“, auf den Himmel hinweist, ist es auch durchaus als irdische Verhaltensweise gedacht, welche sich im Leben als Mensch und Anhänger Jesu, also Christ, als Lebensmaxime hart erarbeitet werden muss. Kampf im Christentum ist zunächst immer ein geistiger Kampf; selbst den verlieren unsere Kirchen heute, weil sie ihre christliche Identität immer mehr und immer weiter zugunsten eines immer flauschigeren Christentums ohne Ecken und Kanten aufgeben, Hauptsache nicht anecken.

    Jesus selbst hat sogar dem römischen Hauptmann einen Wunderwunsch erfüllt, einem Besatzer seiner Heimat und seines Volkes, nicht gerade für Juden verständlich. Selbst beim Missionsbefehl befahl Jesus reine Freiwilligkeit. Andererseits hatten die Jünger, zumindest 1 Jünger ein Schwert mit sich geführt, als er Malchus das Ohr abhieb. Somit war Verteidigung wohl durch Jesus legitimiert, was er jedoch durch sein Handeln schon wieder infrage stellte. Die Tempelreinigung ist für mich eher ein Akt, den Jesus durchgeführt hat, um zu zeigen, dass der Zeitpunkt für seine Erlösungstat eingeleitet werden sollte. Schließlich haben die 3 Synoptiker diese Tatsachenbericht kurz vor das irdische Ende Jesu gestellt. Und die im Artikel erwähnte mehr als kryptische Äußerung Jesu, „… wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde“, ist interpretierbar, wie es dem Leser gerade gefällt. Sorry!

    Der Kampf Jesu mit dem Bösen hat er auf vielfältige Weise geführt, aber eben nie mit der Waffe. Er hat eine Art von Waffe nur bei der Tempelreinigung eingesetzt – und das noch im religiösen Kontext, als er betonte, dass der Tempel das Haus seines Vaters sei. Und Vertreibung ist kein Mord, keine Tötung und auch kein Krieg, denn die Tempelhändler führten keine Waffen mit sich. Die Tempelreinigung war demnach keine Kriegshandlung. Nach jüdischer Sitte waren Geldwechsler und der Verkauf von Opfertieren im Vorhof des Tempels erlaubt, Geldwechsler wohl deshalb, um Opfertiere passend erstehen zu können. Jesus hat hier, streng nach jüdischem Recht geurteilt, wohl eine Straftat begangen, ebenso wie er auch in anderen Fällen das jüdische Gesetz seines Vaters selbst wohl infrage gestellt hat wie Sabbatheilung oder die Ehebrecherin nicht steinigen lassen und jüdische Reinheitsgebote ad absurdum zu führen. Darum haben Juden auch wohl noch heute Schwierigkeiten, Jesus richtig einzuordnen, weil er sich ja eben nicht immer an die jüdischen Gesetze gehalten hat. Also: Da trat Jesus durchaus auch als geistiger und geistlicher Aggressor auf, bei der Tempelreinigung auch als Täter, der Körperverletzungen und Sachbeschädigung nach unserem Verständnis billigend in Kauf nahm. Daraus nun eine Tat der Nächstenliebe zu wenden, ist m. E. doch reichlich konstruiert. Und wie ist er mit den Feinden des Vaters, den Pharisäern, die er Söhne des Satans zu sein, bezichtigt hatte, umgegangen? „Übertünchte Gräber“ und Co. sind keine Verteidigungshandlungen, aber eben harte geistige Auseinandersetzungen Aber eben auch nicht mit Waffengewalt. Er griff sie eben lediglich verbal an, weil er Ihnen in ihrer “ elitäre Rechtgläubigkeit“ den Spiegel vorhielt!

    Auf der anderen Seite ging Jesus als Sohn Gottes mit dem Bösen selbst in Autorität um: Ein Wort von ihm und die unreinen Geister waren weg. Manchmal reichte auch seine bloße Anwesenheit aus. Wir alle sind nicht Jesus. Anderseits hat er staatliche Steuereintreiber geboten, ehrlich zu bleiben und nicht sich ungerechtfertigt zu bereichern. Ähnliches mit Soldaten. Er hat aber auch nicht geboten, unehrliche Zöllner umzubringen oder anzugreifen oder die staatliche Besatzungsmacht anzugreifen, wie die Juden dies von ihrem Messias wohl erwartet hätten. Jesus als Messias war für sie wohl eine herbe Enttäuschung.

    Jesus war somit kein Pazifist. Das ist schon einmal klar, wohl, was seine Person anbelangt, weil er sich als Lamm zur Schlachtbank führen ließ; zeugt eben auch nicht von militärischem Widerstand. Das christ-katholische Märtyrertum spricht auch nicht gerade von waffenbewehrtem Abwehrkampf oder die noch stärkere prophetische Äußerung Jesu, dass seine Jünger, so auch wir, um seinetwillen Verfolgung zu leiden hätten, spricht auch nicht gerade von Kampf, denn er fordert die Jünger ja in diesem Moment nicht explizit auf, sich gegen diese Verfolgung zu wehren.

    Aus Jesu Taten und Worten christliches Soldatentum herzuleiten, ist nicht ganz einfach und auch nicht ganz klar. Paulus und die nach ihm kamen, konnten auch nur interpretieren wie wir auch. Ob sie da den hl. Geist hatten, kann ich nicht beurteilen.

    Anderseits kann ich die Argumentation des Herrn Iljin bestens nachvollziehen. Gesunder Menschenverstand scheint hier wohl angebracht. Was ist denn der Rat dieser Gemeinschaft für dieses Land? Christliche Soldaten erziehen und in den Kampf senden, zurzeit gegen wen? Schwierig, das Thema. Notwehr in kämpfender christlicher Verantwortung. Eine Gratwanderung der ersten Klasse. Ich würde mir dies nicht zutrauen. Der heilige Soldat Martin möge uns durch seine Fürsprache den Heiligen Geist herabrufen.

  3. Das Buch wurde auch unter traditionalistischen Katholiken, unter denen es übrigens einige aktive und ehemalige Offiziere gibt, sehr positiv aufgenommen, soweit ich es überblicken kann. Seine Argumentation ist meistens auch aus katholischer Sicht nachvollziehbar. Es wurde aber auch bemerkt, dass er die Lehre des gerechten Krieges ablehnt. In der Rezension wird ja angedeutet, dass Iljin Gewalt grundsätzlich nicht für gerecht sondern allenfalls für das kleinere Übel hält.
    Was über die Bundeswehr geschrieben wird kann ich ansonsten weitgehend bestätigen. Militärseelsorger leisten im Einsatz einen sehr wertvollen Dienst, und mancher hat mit ihrer Hilfe wieder oder neu zum Glauben gefunden. Davon abgesehen tritt die Kirche hier aber als Zweig der Friedensforschung und -Bewegung in Erscheinung: http://www.zebis.eu/home/
    Über christliche Wehrethik erfahren viele Soldaten eher über Umwege wie die „Herr der Ringe“-Serie, wobei sie glauben, dass die Gedanken Tolkiens aus neuheidnischen Quellen stammen. Die Militärseelsorge hätte hier viel gewinnen können, wenn sie Filmabende veranstaltet und den Soldaten den christlichen Hintergrund erklärt hätte. Nur eine von so vielen vergebenen Gelegenheiten…

    • Werter Morbrecht,
      in dem Zusammenhang möchte ich auf die Beobachtung Henri de Lubacs verweisen, der schon in den 1940er Jahren darauf hingewiesen hatte, dass der Verlust maskuliner Impulse im Christentum das Erstarken neuheidnischer Tendenzen in Europa mit den bekannten Folgen mit verursacht habe:
      https://bundsanktmichael.org/2018/04/23/henri-de-lubac-die-kulturelle-notwendigkeit-eines-maennlichen-christentums/
      In der Bundeswehr habe ich selbst beobachten können, wie alleingelassene Soldaten sich selbst auf die Suche nach geistigen Bezügen gemacht haben, auf die sie sich stützen konnten. Oft ging diese Suche leider nicht gut aus. Der neue Traditionserlass hilft da nicht weiter: Er spricht zwar positiv von „Ritterlichkeit“, wagt es aber nicht zu sagen, wo dieses Konzept herkommt. Eine wirkliche Vermittlung solcher Konzepte ist auch nicht vorgesehen und würde vermutlich als Propagierung von Kreuzzügen skandalisiert werden, falls dies jemand wagen würde. Also werden viele Soldaten auch künftig auf fragwürdige Vorbilder stoßen, die für sie aber glaubwürdig sind, weil sie sich in einem Krieg militärisch bewährt haben.

    • Lieber Morbrecht,
      Ihren letzten Vorschlag sollte man unbedingt umsetzen!
      Als Sprachwissenschaftler dachte Tolkien derart komplex, suchte die Wurzel jeden einzelnen Begriffs, dass seine Aussagen nicht nur schwer zu verstehen, sondern häufig gar nicht als solche erkennbar sind. Links-grüne Tolkienfans fallen regelrecht in Schnappatmungen, wenn man ihnen erklärt, dass Tolkien ein strenggläubiger, patriotischer und erzkonservativer Monarchist war.
      Wir brauchen eine christliche Fantasy, christliche Sience Fiction, christliche Abenteuergeschichten und christliche Spielfilme. Diesen Bereich überlassen wir Autoren, welche die Kirche bzw. ihre Vertreter entweder als Witzfiguren oder blutrünstige Irre darstellen.
      Die Heilige Schrift und unsere Geschichte liefern genügend Themen und Helden, was fehlt sind Geld, die nötige Infrastruktur und Vermarktungsstrategie.

      • Werter Attila Varga,
        wow, die Bibel in Form von Fantasy, Science Fiction und Abenteuergeschichten der christlichen Art: Vielleicht gar keine so schlechte Idee für unsere Jugendlichen, damit sie auf diese Weise endlich wieder einmal mit dem christlichen Glauben in Kontakt, wenn auch ungewöhnlichen Kontakt, kommen. Im Religionsunterricht oder im Gottesdienst scheint da keine Nachhaltigkeit mehr zu gelingen.

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