Oberst Beltrame: Soldat, Held und christlicher Märtyrer

Gustave Doré - Der Triumph des Christentums (Ausschnitt, Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat den Opfergang des französischen Obersts Arnaud Beltrame in seiner Osterpredigt angesprochen. Dabei betonte er, dass Beltrame auch ein Held sowie „ein Beispiel für militärische Tugenden“, vor allem aber ein christlicher Märtyrer gewesen sei. Das Opfer Beltrames mache einen Teil des Ostergeheimnisses sichtbar, in dessen Zentrum der Dienst an anderen stehe.

Bischof Voderholzer sagte über Oberst Beltrame und seine Tat:

Die Nachricht aus dem südfranzösischen Trèbes hat mich tief erschüttert: Arnaud Beltrame, Mitglied einer Spezialeinheit zur Terrorbekämpfung, bietet sich als Ersatz für eine als Geisel genommene Frau an. Der Geiselnehmer stimmt dem Tausch zu. Die Frau überlebt. Wenig später eskaliert die Situation. A. Beltrame wird die Kehle durchgeschnitten. Er stirbt wenige Stunden später im Krankenhaus.

Inmitten der Hölle dieses Terrors blitzt ein Licht auf, das in seiner Größe und Menschlichkeit sprachlos und andächtig macht. Für mich wird etwas vom Ostergeheimnis sichtbar.

Ein Mann setzt im vollen Bewusstsein der möglichen Folgen für jemand anders sein eigenes Leben ein. Offenbar war A. Beltrame ein praktizierender Christ. […]

Das Lebensopfer des A. Beltrame ist nicht nur ein Beispiel für militärische Tugenden, sondern macht etwas sichtbar vom Geheimnis der Pro-Existenz, vom Geheimnis des Daseins-Für andere, der Stellvertretung, die im Zentrum der Osterbotschaft steht.

„Es gibt keine größere Liebe, als wenn jemand sein Leben hingibt für seine Freunde“, sagt Jesus im Blick auf seinen nahenden Tod am Kreuz. In Trèbes hat ein Polizist sein Leben geopfert, eine Geisel gerettet und vermutlich noch größeres Unheil verhindert. Beltrame ist ein Held. Er verdient Hochachtung und Bewunderung. Im Licht des Glaubens sehe ich in ihm einen Märtyrer, einen Zeugen für die Leben schenkende und die Welt verwandelnde Kraft der göttlichen Liebe, die im Kreuz unseres Herrn Jesus Christus vollends sichtbar geworden ist. Das Geschehen zeigt, dass die Wehrlosigkeit und Selbstlosigkeit der Liebe machtvoller und kraftvoller strahlt als alle Feuerwaffen. Ich hoffe, dass sein Opfer nicht umsonst war, sondern noch mehr zum Segen wird für viele Menschen.

Ich hoffe, dass dieses Lebenszeugnis alle Kritiker und Bekämpfer des Kreuzes und der Religion des Kreuzes zu einer anderen Sichtweise bekehrt und im Kreuz das Zeichen der wehrlosen, aber letztlich alles bezwingenden Macht der göttlichen Liebe zu sehen lehrt. Ich wünsche Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest!“

Beltrame war vor einigen Tagen posthum zum Oberst ernannt worden. Der französische Präsident Emmanuel Macron stellte ihn dabei in die Tradition der Helden Frankreichs, wobei er vor allem die heilige Johanna von Orleans hervorhob.

Der Priester Jean-Baptiste, der Beltrame nahestand, hat sich außerdem über dessen spirituelles Leben geäußert. Darin habe die heilige Muttergottes, der hl. Erzengel Michael und der hl. Joseph, der Beschützer der Familie Jesu, eine besondere Rolle gespielt. (ts)