Kardinal Sarah: Der Selbstmord Europas und die Verantwortung der Kirche

Caspar David Friedrich - Abtei im Eichwald (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der aus Guinea stammende Kardinal Robert Sarah gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der katholischen Kirche der Gegenwart. Während eines Aufenthalts in Belgien warnte er vor einigen Tagen vor dem drohenden kulturellen Selbstmord Europas und warf Teilen der Kirche des Kontinents eine Mitschuld an dieser Entwicklung vor.

Die geistig-kulturelle Lage westlicher Gesellschaften sei insbesondere in Europa Besorgnis erregend. Die Trennung dieser Gesellschaften von ihren religiösen Wurzeln im Zuge der Durchsetzung materialistischer Ideologien führe zunehmend dazu, dass sie ihre Seele verlieren würden, was sie nicht dauerhaft überleben könnten.

  • Europäischen Gesellschaften, die diesem Weg weiter folgten, drohe der Zusammenbruch. Eine von der Ordnung des Naturrechts losgelöste Anhäufung von Reichtum und Technologie würde diese Gesellschaften zu einem „steuerlosen Schiff“ machen, das „früher oder später auf die Riffe der Selbstsucht“ stoßen und sinken werde.
  • Die säkularen Akteure, welche die dahinter stehende globalistische kulturelle und wirtschaftliche Agenda vorantrieben, würden über enorme finanzielle Mittel sowie den Rückhalt der Medien verfügen und mit ihren „tödlichen Ideologien“ von westlichen Gesellschaften ausgehend die gesamte Welt „vergiften“.
  • Die Kirche in Europa befände sich in einer „großen Glaubenskrise“ und trage eine Mitschuld an dieser Entwicklung. Sie würde häufig nicht mehr treu zur eigenen Lehre und Tradition stehen, stattdessen Anpassung an utopische und materialistische Ideologien betreiben und mit entsprechenden Akteuren kollaborieren, etwa bei Anstrengungen zur Auflösung von Ehe und Familie. Kardinal Sarah sprach diesbezüglich von einem „Verrat“ von Teilen der Kirche an der Menschheit.

Die Kirche müsse in dieser Lage den Schatz ihrer Lehre und Tradition gegen die „Raubtiere einer Welt ohne Gott“ entschlossen verteidigen.

Hintergrund

Die Worte Kardinal Sarahs wurden von katholischen Medien als Antwort auf die jüngsten Vorstöße deutscher Christen in Lebens- und Familienfragen gedeutet.

Kardinal Sarah ist für seine besonders deutliche Ansprache der existenziellen Herausforderungen bekannt, denen das Christentum in Europa gegenübersteht. Bereits im November 2016 hatte er davor gewarnt, dass nicht nur der  Kultur, sondern auch den Menschen Europas der Tod durch Trennung von ihren Wurzeln und Abbruch der Weitergabe ihres Erbes drohe. Gegenüber französischen Medien sagte er:

[D]ie größte Sorge besteht darin, dass Europa den Sinn für seine Ursprünge verloren hat. Es hat seine Wurzeln verloren. Und ein Baum, der keine Wurzeln hat, stirbt ab. Ich habe Angst, dass der Westen stirbt. Es gibt viele Anzeichen dafür. Niedrige Geburtsraten. Und ihr seid schließlich von anderen Kulturen überströmt, von anderen Völkern, die euch fortschreitend in ihrer Zahl dominieren und eure Kultur vollkommen verändern werden, eure Überzeugungen, eure Werte.

Eine Übersicht über die Positionen Kardinal Sarahs haben wir hier veröffentlicht. (ts)

4 Kommentare

  1. Schließe mich den Vorkommentatoren an.

    Dieser Kardinal scheint einer der wenigen Kardinäle zu sein, die sich nicht durch Papst Franziskus in die Ecke drängen lassen und klar seine Position deutlich zum Ausdruck bringt. Er ist der einzige, der auch den MITverursacher der Religionskonflikte und den Glaubensschwund in Europa beim Namen nennt, nämlich neben dem inneren Identitätsverlust des Christentums wegen Unglaubens oder Glaubensschwundes und der Zuwendung hin zum atheistisch-humanistischen Materialismus in Europa, den Islamismus, während der Papst nur allgemein davon spricht, dass es keine Gewalt im Namen Gottes geben könne und dürfe, was zwar völlig richtig ist, aber es dieser Aussage doch an Eindeutigkeit mangelt.

    Kardinal Sarah sieht, ohne Prophet zu sein, die bevorstehende Katastrophe, die meine Vorkommentatoren deutlich beschrieben haben, auf Europa zukommen, während es Papst Franziskus vor lauter Barmherzigkeitsverkündigung in Kauf nimmt, durch die Bejahung massenweiser Zuwanderung nach Europa aus Westeuropa einen islamischen Machtbereich aufkeimen zu lassen. Und wie Christen in diesem Machtbereich leben müssen, sollte er schon wissen.

    Die grundlegende Frage bleibt also: Sieht die Kirche den Islam nicht mehr als Gegner an, sondern als gemeinsamen Weggefährten im Kampf gegen den Atheismus? Will sich die immer schwächer und konturlosere Kirche im Windschatten des Erstarkens des Islams anhängen, um dem Atheismus paroli zu bieten. Sind nicht eher der Islam und der Atheismus ausgewiesene Gegner des Christentums, vor denen die Kirche warnen und auch Position beziehen sollte?

    Oder traut Papst Franziskus der eigenen Kirche kein Erstarken aus den inneren eigenen Kräften mehr zu, dass er den Islam als Mittel zum Zweck benutzt, damit das Christentum in der Verfolgung erstarken kann? Manchmal habe ich den Eindruck. Denn leider ist es tatsächlich so. In der Verfolgung war das Christentum immer stark, nicht in Zeiten allgemeinen Wohlstandes. Da verlernt man zu schnell das Danken für Dinge, die man als selbstverständlich ansieht, z. B. den Frieden und kleine Dinge wie das Veilchen am Wegesrand.

  2. Kardinal Sarah ist ein realer Warner vor der Katastrophe, das Christentum dem Zeitgeist zu opfern. Multi-Kulti, Globalisierung und die ökumenische Einheitsreligion sind im Buch der Offenbarung, in den Kapiteln 13 bis 19 exakt beschrieben. Wir Bürger sollten auch die Warnung in Offenbarung, Kapitel 18 und Verse 4 bis 10 beherzigen. Wohl dem der hört und reagiert !

  3. Sehr gut kommentiert, Hannelore Richter.Bespassungsmassnahmen im Gottesdienst sind schon an der Tagesordnung.Der Glaube wird in Europa von innen ausgehöhlt.Das ist gefährlicher als Verfolgung von aussen.

  4. Kardinal Sarah hat vollkommen recht. Dazu braucht man keine Theologie, wer denken kann, der sieht den Zustand Europas ( besonders der EU-Politik) mit freiem Auge. Die westliche Kirche ist einäugig geworden und hat die Beziehung mit Gott aufgegeben und ihre Liturgie verformt sich zum Unterhaltungsschauspiel. Aber jesus am Kreuz und nach der Auferstehung, hat sich nicht wie ein angepasster Gaukler verhalten und verarscht uns auch heute nicht

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