Erzbischof Schick: Die Bewahrung der kulturellen Identität Europas als christlicher Auftrag

Karl Friedrich Schinkel - Gotischer Dom am Wasser (Wikimedia Commons/gemeinfrei)
Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat Christen anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018 zum Einsatz für die Bewahrung der christlichen Identität Europas aufgerufen.

Das Christentum sei die kulturelle Grundlage Europas. Die auf ihm aufbauende Kultur „macht unsere Identität aus, bewahrt unser gutes Leben und ist Fundament für eine gute Zukunft“:

Bei der Entwicklung unserer Kultur haben die Christen und die Kirche entscheidend mitgewirkt, zu ihrer Bewahrung und ihrem Fortschritt können und sollen wir alle beitragen. […] Diese unsere Kultur ist geprägt von einem Wertekanon, der in der guten Botschaft Jesu seine wichtigste Quelle hat. Sie ist entstanden und wird gespeist aus den Zehn Geboten, die fordern, nicht zu lügen, zu stehlen, zu töten sowie dass Ehepaare sich treu sind, Eltern und Kinder sich gegenseitig achten. […] Unsere Kultur ist von der Verantwortung für das Gemeinwohl und von der Solidarität, von den Werten der Treue und Verlässlichkeit, der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, der Freiheit und Sicherheit geprägt. Sie sind aus dem Hauptgebot Jesu, der Gottes- und Nächstenliebe, sowie der Goldenen Regel hervorgegangen, die lautet: „Alles, was ihr wollt, das euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!“ (Mt 7,12).

Christen hätten den Auftrag, diese Kultur und Identität zu bewahren und zu erneuern:

Diese Kultur zu erhalten, ist ein wichtiger Auftrag. Der Apostel Paulus fasst sie im Brief an die Philipper so zusammen: „Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht“ (Phil 4,8).

In den verschiedenen Facetten der christlichen Kultur Europas könne man das Wirken des Heiligen Geistes erkennen und erfahren. Jesus Christus helfe Christen, in der Kultur das Wahre, Gute und Schöne zu sehen, es zu erhalten und zu fördern sowie das Böse aufzudecken und zu überwinden.

Hintergrund

Im Mai 2017 hatte Erzbischof Schick im Rahmen der Leitkultur-Debatte darauf hingewiesen, dass eine Kultur nicht auf Gesetzestexten wie dem Grundgesetz beruhe, sondern dass umgekehrt die Kultur solche und andere Werke hervorbringe. Wer die gute politische Ordnung, die das Grundgesetz beschreibe, erhalten wolle, müsse daher die Kultur erhalten, die diese Ordnung hervorgebracht habe, und diese Kultur sei christlich. Der Auftrag der Christen in Deutschland sei es, die kulturelle Substanz zu schaffen und pflegen, welche die Grundlage der Gemeinwesen Europas sei:

Kirche muss heute wie gute Erde und Humus in unserer Gesellschaft wirken, auf dem das Gute wächst und gedeiht. Wir reden zur Zeit wieder über Leitkultur und viele sagen, dass sie im Grundgesetz gegeben ist. Stimmt! Aber unser Grundgesetz, weder die deutsche noch die bayerische Verfassung, sind vom Himmel gefallen. Sie sind auf dem Boden unserer Tradition und Kultur entstanden. Dieser Boden war und ist das Evangelium und das Christentum, das Judentum, die griechische Weisheit und die römische Rechtskultur integriert hat. Diese fruchtbare Erde, diesen Humus zu erhalten, ist unsere Aufgabe.

In diesem Zusammenhang hatte Erzbischof Schick auch zu mehr Wachsamkeit gegenüber islambezogenen Herausforderungen aufgerufen. Er forderte außerdem eine stärkere Steuerung von Migration nach den Erfordernissen des Gemeinwohls. Wer bestimmte Grenzen nicht beachte, „der kann auch nicht in dieser Gesellschaft leben“. In Deutschland müsse „ein Stück christliches Abendland […]  wieder aufwachen“. Zudem hatte er muslimische Migranten an ihre Pflicht erinnert, die gewachsene Kultur in Europa zu respektieren.

Anfang 2018 hatte Erzbischof Schick außerdem angesichts zunehmender militanter Christenfeindlichkeit in Deutschland zu „höchster Wachsamkeit“ aufgerufen. In Deutschland sei man zu oft „blauäugig“ gewesen, was die „Schwierigkeiten des Zusammenlebens in einer pluralen Gesellschaft“ angehe. Migranten mit christenfeindlichen Einstellungen dürften in Deutschland nicht willkommen sein. Die durch das Christentum in die Gesellschaft hineingetragene Kultur und das mit ihr verbundene Ethos würde darüber hinaus auch auf die Ablehnung von Links- und Rechtsextremisten stoßen. (ts)

5 Kommentare

  1. Sehr geehrter Kirchfahrter Archangelus,
    es geschieht nichts. Zumindest von unserer Seite her.
    Wenn man durch eines der urbanen Zentren der alten Bundesrepublik (in diesem Zusammenhang fällt es schwer, den Begriff Deutschland zu verwenden) fährt oder am besten geht, dann scheint es unausweichlich, dass dem Westen das Schicksal der Kopten bevorsteht. Wenn die in Jahrtausenden angesammelten Ressourcen dann aufgebraucht sind,
    kommen die blühenden Landschaften Mordors.
    Unsere Eliten, die gegen die Osteuropäer und Australier predigen, denen aber der offiziell beschlossene Völkermord an den Buren in Südafrika herzlich egal ist, haben gezeigt, auf wessen Seite sie stehen.
    Meine Enkel werden das tun, was einst im frühen deutschen SiFi-Roman „Der Untergang der Stadt Passau“ beschrieben wurde:Sich in unsere alten Steppen zurückziehern und später aufsammeln, was von der abendländischen Zivilisation in der Wildnis übriggeblieben ist.

  2. Möge es dem Herrn Erzbischof Schick gelingen, seine hehren Worte in den deutschen Alltag zu übersetzen. Nicht um Politik zu machen. Wer aber aus christlichem Geist den widernatürlichen antigöttlichen Entwicklungen unserer Tage entgegentritt, wird natürlich sofort politisch verstanden werden (müssen). Konkret: kann er, gestärkt mit seinen eigenen allgemeinen Worten, den Kampf aufnehmen gegen Abtreibung, Gender, systematische Gesetzesbrüche an unseren Grenzen, Asylmißbrauch, Diktatur des Relativismus, linksgrüne Gleichschaltung der ÖR-Medien und deren Desinformation, bezahlt von unseren GEZ-Milliarden, Skandalisierungen ohne reale Basis ( Klima-Unsinn, CO2-Wahn, falsche NOx-Grenzwerte, usw ) die offensichtlich nur zur Vernebelung des Denkens dienen, Verleumdung besorgter Bürger, Kampf gegen rechts, Götze Darwinismus, uvam ? Ist er bereit, wenigsten bei einem der genannten Themen öffentlich das falsche verbogene Mainstreamgerede zurechtzurücken ? Nehen wir es als Analogie zu Jakobus 2: „15 Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung sind und ohne das tägliche Brot 16 und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt das? 17 So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat.“ Hehre Worte auf der Metaebene sind gut und richtig – aber „tot“ wenn sie nicht umgesetzt werden im alltäglichen „dreckigen“ Kampf für das Reich Gottes.

    • Der „dreckige Kampf“ benötigt aber robuste Strukturen, mit einem „Gloria.tv“ mit gehobenem Inhalt wird man dauerhaft nicht weiter kommen. Sichtung, Sammlung, Formierung – was geschieht? Geschieht überhaupt etwas? Die aktuellen irritierten Jammereien von Herrn Prof. G. und Herrn von G. sind an ungewollter Komik kaum überbietbar…

      • Es geschieht vieles. Ich weiß nicht, ob etwas in Ihrem Sinne dabei ist. Allein der „dreckige Kampf“ ist klar erkennbar, wenn er denn stattfindet. Falls Bischof Schick bspw die derzeitige Abtreibungspraxis in klaren einfachen Worten als ungesetzlich und gegen Gottes Gebot verstoßend bezeichnen, und Einhalt gebietend sprechen würde – das was dann im medialen Sumpf hochfährt wie ein Poseidon mit Dreizack, bedrohlich und laut, DAS wäre dann der BEGINN eines „dreckigen Kampfes“.Dito bei vielen anderen Themen.

  3. So klar habe ich einen Vertreter der Bischofskonferenz, der wohl für der Kommission der Weltkirche als Vorsitzender vorsteht, noch nie gehört. Schwant ihm jetzt auch so langsam, was auf die lädierte Christenheit zukommen könnte?

    Schade, dass diese Stellungnahme nicht schon wesentlich früher erfolgt ist. Aber es ist nie zu spät.

    Ein Anfang ist gemacht. Ich habe diesem Statement nichts hinzuzufügen. Es weist in die richtige Richtung.

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