Marco Stahlhut: Der globale „Siegeszug des Islamismus“ und die Illusion eines moderaten Islam

Jean-Joseph Benjamin-Constant - Der Einzug Mehmets II. in Konstantinopel (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Journalist Marco Stahlhut ist mit Schwerpunkt im Raum Südostasien tätig. In einem aktuellen Beitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bewertet er die Folgen der globalen Durchsetzung islamistischer Tendenzen innerhalb des Islams für Europa.

  • Insbesondere der indonesische Islam sei lange als Beleg für die Hypothese angeführt worden, dass es im Islam relevante Strömungen gebe, die sich nicht als Gegner des Christentums und westlich-europäischer Kultur verstehen würden.
  • Vertreter dieser Hypothese gehen davon aus, dass eine friedliche Koexistenz der Religionen und Kulturen sowohl auf globaler Ebene als auch in Europa möglich sei. Dies sei jedoch angesichts der tatsächlichen Entwicklungen im Islam, wo ein „Siegeszug des Islamismus“ zu beobachten sei, Ausdruck von Wunschdenken.

Im indonesischen Islam hätten sich mit Unterstützung der globalen islamistischen Infrastruktur innerhalb weniger Jahre islamistische Tendenzen soweit durchgesetzt, dass diese mittlerweile die Norm darstellten. Islamistische Kräfte würden hier immer offensiver gegen Christen und andere von ihnen bekämpfte Gruppen vorgehen, ohne dass relevante Gegenkräfte innerhalb des Islam erkennbar seien.

Die Entwicklungen in Indonesien haben Implikationen weit über das Land hinaus. Denn Indonesien ist nicht irgendein beliebiger Staat. Indonesien wurde von westlichen Politikern und Experten noch bis vor kurzem als Paradebeispiel für einen moderaten Islam hochgehalten […]. Dabei sind die neuesten Entwicklungen zwar schockierend, aber nicht überraschend. Sie haben sich seit Jahren abgezeichnet. Wer das nicht wahrhaben wollte, war der Westen.

Für alle tolerant gesinnten Menschen, denen an der liberalen Demokratie etwas liegt, sollten die Entwicklungen im größten muslimischen Land der Erde ein Warnruf sein. Denn Indonesien ist […] ein besonders dramatisches Beispiel für den Siegeszug des Islamismus im Islam. Wenn von der deutschen Regierung nichts Entscheidendes getan wird, dürften die in Deutschland lebenden Muslime von diesem allgemeinen Trend beeinflusst werden. […]

Nach dem Wandel Indonesiens gibt es kein moderates mehrheitlich muslimisches Land von Bedeutung mehr. […] Statt das Spiel weiterzuspielen, muslimische Länder als „moderat“ zu bezeichnen, die tatsächlich nur weniger menschenfeindlich als Iran und Saudi-Arabien sind, ist es an der Zeit, der Realität ins Auge zu sehen. Nach Jahrzehnten ungehinderter Geld- und Ideologieströme aus den ebenso reichen wie reaktionären arabischen Golf-Staaten wird der Islam nun weltweit von Auslegungen dominiert, die auf andere Religionen verächtlich herabsehen […].

Auch auf globaler Ebene würden islamistische Tendenzen im Islam mittlerweile die Norm darstellen, während das, was man in Europa als „moderaten Islam“ betrachte, nur eine „marginale Größe“ sei. Der Umgang mit islambezogenen Herausforderungen müsse sich auf den real existierenden Islam beziehen und sich von der „Fiktion“ trennen, „der gegenwärtige Islam wäre eine Religion wie jede andere“.

Die wesentliche Ursache für das in Europa verbreitete Wunschdenken bezüglich der Entwicklungen im Islam sei die Furcht vor den politischen Folgen einer Anerkennung der tatsächlichen Entwicklungen im Islam:

Die Entwicklungen im globalen Islam gehen so deutlich in Richtung eines Siegeszugs des Islamismus, dass für das Verschweigen dieser Tatsache durch sich als liberal verstehende westliche Eliten kaum eine Erklärung übrig bleibt als klassisches Lagerdenken: Man fürchtet, der „Rechten“ zu nutzen, wenn man den Islam kritisiert. […] Wohin die Entwicklung in Indonesien geht, war seit Jahren hinreichend deutlich. Für den Rest der muslimischen Welt ist das nicht anders. Alle Informationen dazu liegen bereits seit langem vor. Wer aber vom Islamismus nicht reden mag, sollte auch vom Rechtspopulismus schweigen.

Auch in Europa gebe es bereits islamistische Enklaven und im Zuge des Zustroms einer großen Zahl häufig islamistisch eingestellter junger Männer nach Europa werde sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren weiter beschleunigen.

Hintergrund

Der französische Sozialwissenschaftler Gilles Kepel, der als einer der führenden Islamismusexperten weltweit gilt, hatte 2017 gewarnt, dass islamistische Kräfte auch in Europa erstarken würden. Der Islam bilde hier zunehmend die Grundlage einer Gegenidentität, die sich über die Ablehnung europäischer Kultur definiere. Zahlreiche Untersuchungen bestätigen die von Kepel beobachteten Tendenzen.

Der Islamwissenschaftler Loay Mudhoon hatte in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass liberale Strömungen im Islam in Deutschland nur aus „Einzelpersonen“ bestehen würden. Der liberale Islam sei eine „Schimäre“, auf den man unrealistische Hoffnungen setze.

Eine Übersicht über Ansätze der katholischen Soziallehre zum Umgang mit islambezogenen Herausforderungen findet sich hier sowie hier. Da die inneren Probleme des Islams von außen nicht lösbar sind, umfassen die vorliegenden Strategieentwürfe zur Bewältigung entsprechender Risiken im Rahmen der Soziallehre vor allem Maßnahmen zur räumlichen Trennung von den Bedrohungen bzw. zu deren Isolation.

Wo sich diese Bedrohungen jedoch terroristisch oder gewaltsam äußern, besteht laut dem von Papst Johannes Paul II. beauftragten Kompendium der Soziallehre der Kirche die moralische Pflicht „die Verteidigung auch mit Waffengewalt zu organisieren“ sowie die Angegriffenen militärisch zu unterstützen, wenn diese nicht dazu in der Lage sind, sich selbst zu verteidigen. (ts)

13 Kommentare

  1. Werter Herr Troll, werter Herr Stephan,

    nun ist es keine Böswilligkeit, die mich dazu veranlasst haben diesen Passus von Nostra Aetate zu zitieren. Ich habe mich etwas mit den dunklen Seiten des Islams beschäftigt nach Terroranschlägen durch islamische Radikalgläubige. Diese Zeilen aus Nostra Aetate sagen nicht und überlassen es der Phantasie des Lesers, was der Islam denn für wahr und richtig hält. Was im Islam für heilig gehalten wird, wird noch lange nicht im Christentum als heilig angesehen. Allein schon der Gebetsruf „Allahu akbar“, Gott ist größer, wird ja nicht nur als Ehrerbietung Allah gegenüber ausgesprochen, sondern es ist für radiakale Muslime, die eben auch nicht von den 4 Rechtsschulen aus der Umma ausgeschlossen werden können, der Schlachtruf, mit dem Ungläubige getötet werden. Der „islamunbedarfte“ Leser wird allein gelassen mit dem Text und es wird im Grunde die Heiligkeit des Jüdisch-Christlichen als solche durch das Heilige, was im Islam gilt, pervertiert und verdunkelt. Wenn jeder religiös denkende Muslim denkt und dieses Denken auch im Bewusstsein der Wahrheit betet, dass Nichtmuslime wie Papst Johannes Paul II, sich in der Hölle befinden, so auch Sie, Herr Troll und Herr Stephan, wenn Sie einmal das Zeitliche segnen, so ist die Verehrung des Schöpfergottes schon nicht mehr heilig, rein und unbefleckt. Diese Ehrerbietung des Allah =Schöpfergottes ist die Verehrung eines Gottes, der die Welt einteilt in höherwertige und minderwertige Menschen und laut seinem eigenen Wort dem Koran, direkt Dämonen erschafft, ja, sogar Menschen direkt für die Hölle.

    Sorry, ich bin nur ein wenig oder halbgebildeter Mensch und bin mir dessen bewusst. Aber in aller Demut ist das Lob des Schöpfergottes im jüdisch-christlichen Bereich ein anderer Lobansatz, als der der Muslime. Daran mangelt es bereits, nämlich im Verständnis. Während der Muslim nur Allah als Schöpfergott ansieht, sehen wir die DREIEINIGKEIT als Schöpfergott an und haben somit ein völlig anderes Verständnis vom Adressaten unserer Gebete. Im Übrigen sollte hier nicht nur die christlich-kirchliche Sicht gelten, sondern auch die Sicht des Islams auf den Gott der Chrsiten. Der Koran erwähnt nicht einmal meines Wissens den Namen Jehovas. Christus lehnt er als Gott ab. Den Heiligen Geist interpretiert er als Maria. Der Islam ist ein erbitterter Gegner dessen was mit Nostra Aetate auf kirchlicher Seite versucht wurde, zum Ausdruck zu bringen.

    Wenn also jemand das Spaghettimonster anbetet als Schöpfergott, würde dann Nostra Aetate auch zutreffen? Der Islam hat einen völlig anderes Heiligkeits- und Vollkommenheitsverständnis und -begriff als die jüdisch-christlichen Religionen.

    Was wäre denn, wenn die Wahrheit wäre, dass Allah lediglich ein Götze wäre? Und die Stimmen, die dies behaupten, sind nicht wenige. Der oberste Gott von 360 Götzen der Kaaba trug den Namen Allah. Kann ein Götze aus der Kaaba sich zum Schöpfer aller Dinge aufschwingen? Denn Allah hat zumindest zum Teil Charaktereigenschaften, die aus der Hölle stammen. Wenn dem aber so ist, so verehren wir dann ja einen Teil der Hölle?

    Das zu verdeutlichen war meine Intention. Die bloße „Verehrung“ des „zahlenmäßig“ einen Gottes dürfte doch wohl kaum ausreichen, eine Gemeinsamkeit festzustellen, vor allem dann nicht, wenn die Quellen der „Entstehung“ des Allah so dubios sind. Reine mohammedanische unzulässige Vereinnahmung Jehovas und Jesu reichen wohl kaum aus, aus Allah einen „der Ehre werten“ Gott zu formen.

    Mir jedenfalls sträuben sich die Nackenhaare, wenn ich in dem Bewusstsein mein Gebet zu Gott richten sollte, in dem Allah auch nur einen kleinen Platz einnehmen darf. Wenn ich beim Gebet Jesus am Kreuz oder in anderer Situation vor Augen habe, verbietet es sich mir, an Allah auch nur im Entferntesten zu denken.

    Dieser Text aus Nostra Aetate trägt nur zur Verunsicherung des jüdisch-christlichen Glaubens bei. Ein Text, er noch verbesserungswürdig ist und solche Dimensionen haben kann und sich dem Synkretismus nähern, haben in Konzilstexten m. E. nichts verloren. Jede noch so kleine Gemeinsamkeit schwächt den christlichen Glauben in der Nachfolge Jesu. Etwas Zynismus an dieser Stelle: Märtyrer für Jesus? Warum? Dann kann ich ja auch unter Druck zum Islam wechseln, denn dessen Gott bietet ja Gemeinsamkeiten, wenn auch wenige. Denn der Islam sieht ja in Isa = Jesus sogar einen Propheten, sogar im Gegensatz zum Judentum, an, zwar einen, der mit dem NT nichts zu tun hat, aber man kann sich ja unter Druck diesen Isa schöndenken.

    Von Konzilstexten erwarte ich jedenfalls, dass diese Dimensionen bei der Verfassung bedacht werden. Offensichtlich wurden diese Gedankengänge nicht angestellt.

    War dies wirklich gewollt? Ich denke, dieser Text verdient es, zurückgenommen zu werden. Aber auch nur meine Meinung.

  2. Christliche Kirchen und Islam in der Gegenwart

    1. Der Kern der überkommenen christlichen Glaubenslehren, Überzeugungen und Dogmen ist der Masse der aturwissenschaftlich geprägten Menschen der Gegenwart WIRKLICH nicht mehr in ausreichendem Maße glaubhaft zu machen. Daran können ändern Mission und die Bildung traditionalistischer Glaubensgemeinschaften, z.B. Pius Bruderschaft, (leider) nichts mehr ändern.

    2. Die Vielzahl der Kirchenaustritte ist in erster Linie eine Folge des fehlenden Glaubensverständnisses in Bezug auf die – als archaisch empfundenen – christlichen Lehren.

    3. Für die naturwissenschaftlich geprägten Gegenwartseuropäer sind allein jene Teilelemente der christlichen Botschaft noch nachvollziehbar und annehmbar, die sich auf karitativ-soziales Handeln beziehen (d.h. Jesus als guter Lehrer, als „Gutmensch“), aber eben nicht auf jene Elemente, die in Wahrheit den Kern des Christentums – etwa nach Paulus – ausmachen.
    Das läuft dann theologisch auf die Verabschiedung Gottes hinaus und auf die Herausbildung eines „Christentums“ ohne den Glauben an Gott und Christ Göttlichkeit als Kernelemente – bei gleichzeitiger Vergöttlichung des Menschen selbst … (z.B. Apotheose der Menschenrechte)

    4. Hieran könnte sich nur dann etwas ändern, wenn die naturwissenschaftlich-technische Moderne nach einer Phase der chaotischen Zusammenbrüche einem neuen voraufgeklärten und vorwissenschaftlichen neuen Mittelalter weichen sollte.

    5. Jene (unter Nr. 3) skizzierten heute noch glaubhaften Elemente des Christentums haben eine große Schnittmenge mit der gottlosen Zivilreligion des „humanitären Universalismus“, weswegen es für die Herrschenden reizvoll erscheint, die christliche Lehre in diese Richtung hin umzuformen und für ihre „One-World-Ideologie“ nutzbar zu machen.

    6. Dessen ungeachtet existiert allerdings nach wie vor ein recht weit verbreitetes „Kulturchristentum“, das beispielsweise christliche Feiertage oder die Kirche im Dorf verteidigt. Hier gibt es allerdings erhebliche regionale Unterschiede. Die Vorstellung, „Kulturchristen“ wieder in nennenswertem Maße zu echten Christen machen zu können, erscheint nicht realistisch.

    7. Die Kirchenleitungen reagieren auf die Kirchenkrise in erster Linie mit dem Versuch, die Organisation zu erhalten, und zwar durch bereitwillige Anpassung/Selbstgleichschaltung an die Werte und Vorstellungen der Herrschenden und der politisch engagierten Gemeindemitglieder (daher: Übernahme der Werte des „humanitären Universalismus“, Einsatz für die „Eine-Welt“, Anbiederung an den Islam, Behauptung des „Koexistenz ist möglich“, Beteiligung am Kampf gegen die patriotische Opposition [„Kampf gegen Rechts“].

    8. Eine Anpassung der Kirchen an altgläubige Muster ist nicht absehbar, da dies die Kirchen in einen Widerspruch zu den Herrschenden bringen würde und – überdies – für diese Fundamentalopposition angesichts der immer weniger werden altgläubigen Gemeindemitglieder schlichtweg das Personal fehlen würde.

    9. Altgläubige Gemeinschaften können – unter dem Dach der Kirchen – fortexistieren, doch scheint es unrealistisch zu hoffen, dass sie irgendwann einen größeren Bedeutungsgewinn erlangen könnten. Abspaltungen wären schnell in der Situation, in der Öffentlichkeit nur noch als Sekten wahrgenommen zu werden.

    10. Da die Herrschenden überall und stets aber eines geistig Überbaus bedürfen, besteht bei ihnen ein natürliches Interesse, die Kirchen in diese Richtung hin umzuformen – wozu sich auch genug bereitwillig-korrupte Kirchenfunktionäre finden. Die Instrumentalisierung einer vorhandenen Organisation ist zudem leichter als die Schaffung einer neuen.

    11. Der Islam wird von der Mehrheit der Kirchenfunktionäre und der angepasst-dummen Karrierepolitiker (der unteren und mittleren Ebenen) falsch eingeschätzt.

    a) Unwissenheit hinsichtlich des realen Islams, da man in der eigenen „Echokammer“ gefangen ist und es nicht wagt, alternative Informationen zu nutzen und zu diskutieren.

    b) absurd große Überzeugung von der „Macht der Säkularisierung“, an die die Kirchenfunktionäre anscheinend mehr glauben als anderes,

    c) Furcht, der von oben vorgegeben Einschätzung (→ „Gemeinschaft ist möglich“, „gemeinsamer Gott“, „Euroislam wird kommen“ bla bla ) zu widersprechen und so Karriereprobleme zu bekommen,

    d) subjektiv angenommene „Alternativlosigkeit“, da Islamkritik ja der „Die-eine-welt-ist-möglich-ideologie“ widersprechen würde … und das dann den Bankrott des „humanitären UNIVERSALISMUS“ offenbaren würde.
    Einen solchen Bankrott versucht man aber zu verdrängen, weil der humanitäre Universalismus ja das LETZTE geistige Fundament der nicht mehr gottgläubigen Kirchenleute darstellt …
    Mit anderen Worten: Es kann nicht sein, was nicht sein darf … !

    12. Die Mächtigen der höheren Etagen schätzen den Islam wiederum genau richtig ein und nutzen ihn bewusst als Zerstörungsinstrument – einerseits um die nationalen Kulturen abzuräumen, andererseits, um bei dem dann alsbald eintretenden Chaos (im besten Falle „Brasilianisierung“) als „Retter“ auftreten zu können.

    13. Der Islam entpuppt sich indessen als das, was er nunmal IST – nämlich als archaischer Erobererungskult innerlich vormoderner Menschen zur Schaffung einer gleichgeschalteten totalitären „Umma“.
    Wie sehr er davon profitiert, dass ihm hier nicht entgegengetreten wird, vermögen sich Kirchenfunktionäre in ihrer dümmlichen Beschränktheit (mit einer anderen Wortwahl würde man dem Tatbestand nicht gerecht werden) gar nicht begreifen.
    „Nostra Aetate“ zeugte daher schon 1965 von einer gewissen Naivität. Sich aber auch heute noch darauf zu berufen, zeugt nicht nur von Naivität, sondern von Verantwortungslosigkeit.

    14. Die Vorstellung, durch altgläubige Gemeinschaften einen Widerstandskern gegen Islamisierung und Umvolkung implementieren zu können, ist einerseits verlockend und verdient großen Respekt, doch vermag sie es nicht, das unter Nr. 1 skizzierte Grundproblem ausreichend zu lösen.

    15. Angesichts des „metaphysischen Grundbedürfnisses“ des Menschen dürfte es aber nicht unmöglich sein, das Christentum in eine Richtung hin zu entwickeln, die sich einerseits vom fundamentlosen „humanitären Universalismus“ unterscheidet und andererseits doch auch als geistiges Rüstzeug jener Europäer taugen könnte, die sich nicht globalistisch gleichschalten lassen wollen.
    Diese unbedingt wünschenswerte Rettung eines gottgläubigen Christentums – im Gegensatz zum „Neuen Christentum des humanitären Universalismus“ – kann unter Beachtung von Nr. 1 aber nur gelingen, wenn die 2000 Jahre alte jüdisch-christliche Symbolsprache so modernisiert wird, dass sie von heutigen Normalbürgern angenommen werden kann.

    16. Wenn altgläubige Gemeinschaften diese Herausforderung – d.h. die Modernisierung der Lehre – nicht annehmen und hierauf keine adäquate Antwort finden, wird das Christentum als große Religion in Europa mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit untergehen.
    Es wird würde dann nur noch fortbestehen als gottverlorenes „Neues Christentum des humanitären Universalismus“ oder aber in Form altgläubiger Sekten – und dies auch nur in gefährdeter Koexistenz mit einem immer offensiver auftretenden Islam.

    Hinzu käme noch das Proselytentum zum Islam bei jenen westlichen Zeitgenossen, die einerseits geistig schlicht gestrickt sind und denen andererseits die Gedankenwelt des „humanitären Universalismus“ zu blutleer ist. Man sollte diese Bereitschaft bei einfachen Gemütern nicht unterschätzen.

    • @Waldgänger
      Ich möchte Ihnen bei vielen Ihrer Beobachtungen zustimmen, bei einer aber nicht: Die Unverständlichkeit des Christentums für naturwissenschaftlich gebildete Menschen kann ich so grundsätzlich nicht erkennen. Die Kirche hat m.E. leider lange nicht ausreichend zwischen den problematischen Aspekten neuzeitlicher Ideologien und deren Stärken differenziert, ist über diesen Punkt aber doch lange hinweg. Es gibt mittlerweile sehr interessante Denkansätze dazu, die man hier vielleicht einmal vorstellen sollte. Ich kann diese leider nicht so gut wiedergeben, aber sie laufen heraus, dass es gute Gründe dafür gibt, als rational denkender Mensch von einem Wirklichkeitsbegriff auszugehen, der nicht nur den materiellen, von den Naturwissenschaften beschreibbaren Teil der Wirklichkeit umfasst. Die Existenz des freien Willens etwa scheint für Naturwissenschaftler ein unlösbares Rätsel darzustellen, da es diesen in einer nur materiellen Wirklichkeit nicht geben dürfte. Dies ist einer der guten Grund dafür, von der Möglichkeit der Existenz eines immateriellen Teils der Wirklichkeit auszugehen, ohne dass man naturwissenschaftliches Denken deshalb zurückweisen müsste.

      • Lieber Morbrecht,

        ich gehe – als Naturwissenschaftler – schon von einer immateriellen Wirklichkeit aus. Da haben Sie mich vermutlich missverstanden. Mein Zweifel betrifft nicht den Glauben an Gott, sondern die spezielle christologische Variante im Christentum mit der spezifischen deutung der Person Jesu und seiner Stellung.
        Letzteres ist es, was schwer vermittelbar ist.

  3. Man wird „Nostra Aetate“ nur „retten“ können, wenn man die Textstelle als das WIRKLICH Heilige in den anderen Religionen interpretiert. Wenn es also heißt: „…dass die kath. Kirche nichts von alledem ablehnt, was bezogen auf den Islam wahr und heilig ist“, darf man keineswegs all das subsumieren, was bspw der Koran für „heilig“ hält. Die diesbezügliche Diskussion um den Islam ist sowieso schräg, weil in der Enzyklika zunächst EIGENTLICH NUR DIE JUDEN ALS „UNSERE ÄLTEREN“ angesprochen sind, und der Islam wurde dann ( leider !!! ) – wohl wegen dem Euphemismus von den „drei monotheistischen Religionen“ als Trittbrettfahrer mit aufgenommen. Nur bei den Juden ist es auch stimmig: sie sind „die älteren Brüder“ und es ist der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der sich im AT offenbart hat. Islamschelte ist hier schon genügend geleistet worden – man mag das garnicht wiederholen. Die Inhalte des Koran sind ja wirklich in großen Teilen geistlich vergiftet. Wie man sich hier zum Verteidiger aufschwingen kann, ist mir völlig schleierhaft @Christian Troll. Wichtig sollte uns die Unterscheidung Islam vs Muslime sein und bleiben ! Nostra Aetate spricht auch nur von den Menschen, und nicht von „dem Islam“, soweit ich das in Erinnerung habe. Da halte ich es mit unserem Papst JPII, der trotz der im Islam wirksamen „Verdunkelung von Jesus Christus“ es für möglich hält, daß gläubige Muslime IN IHREM HERZEN DEN WAHREN GOTT MEINEN ! Ich füge hinzu, daß sich sicher viele Muslime jenseits aller bösen Islampropaganda in ihren Herzen einen eigenen Zugang zum Gott der Liebe erhalten haben. PS: Viele solche leben unter uns in Deutschland. Wer lädt sie – wann, wo wie – ein, das Christentum kennenzulernen ?

  4. Demnächst kommt der Film „7 Tage in Entebbe“ in unsere Kinos. Ich selbst kenne den Film nicht, aber sowohl den positiven als auch negativen Kritiken nach zeigt er wohl viel Verständnis für deutschen Linksterroristen und ihre palästinensischen Verbündeten; bemüht den Begriff „Spirale der Gewalt“, der ursprünglich für sich hochschaukelnde, eigentlich vermeidbare Konflikte verwendet wurde, BISHER allerdings nicht für Terrorismus.
    Es wird also nicht mehr sehr lange dauern, bis in westeuropäischen Ländern Filme produziert werden, in denen auch für islamistische Massenmörder und die rote SA viel Verständnis (und jede Menge staatliche Fördergelder) aufgebracht werden.
    Also liebe Freunde, schön den Kopf gebeugt halten und nur noch politisch korrekte Kommentare versenden (zB „wer nicht vergewaltigt werden will, soll halt nicht auf die Straße gehen“ usw.) senden, sonst heißt es noch, wir drehen an der Spirale der Gewalt.

  5. Gratuliere! Sie haben es auf den Punkt gebracht! Sehr gut geschrieben und formuliert. Ich stimme mit Ihnen bei allem überein. Mit freundlichen Grüßen aus Hannover. Marden Neves

    • Man kann Texte aus reinem Unwissen oder aber auf Grund von Bösartigkeit missverstehen. Die oben von Hermann-Josef Kemmer aus einem verlinkten Artikel 2 Paragraphen, die die Lehre des 2. Vatikanischen Konzils im Dokument Nostra Aetate wiedergeben, sagen natürlich nicht, dass die kath. Kirche all das anerkennt und für gut hält was irgend ein Muslim oder ein Gruppe von Muslimen als heilig betrachtet. Es geht darum, das die Kirche Elemente in der Lehre des Koran und des Islam findet, die aus ihrer Sicht mit Heiligkeit in Verbindung gebracht werden können und müssen, so z.B. die Lehre über den Schöpfergott und die ihm geschuldete Verehrung im Gebet.
      Selbstverständlich lehnt die katholische Kirche z. B. die Aussagen des Koran ab, die zu Gewalt gegen Ungläubige aufrufen und vieles andere, das der Koran lehrt. Wer wirklich, sine ira et studio, die Lehre der Kirche auf diesem Gebiet kennenlernen möchte, konsultiere den Band: Die offiziellen Dokumente der katholischen Kirche zum Dialog mit dem Islam; hrsg. von CIBEDO e.V. Regensburg: Pustet, 2009.

      Christian W. Troll, Frankfurt
      :

      • Sehr geehrter Herr Troll,
        vielen Dank für Ihre Klarstellung; wir hatten den Inhalt von Nostra Aetate hier auch entsprechend dargestellt.
        In diesem Kontext möchte ich aber noch auf die Kritik von Benedikt XVI. an Nostra Aetate hinweisen. Dieser hatte 2012 angemerkt, dass das Dokument aussschließlich auf die positiven Aspekte anderer Religionen eingehe, aber nichts über die „kranken und gestörten Formen von Religion“ sage, „die geschichtlich und theologisch von großer Tragweite sind“.
        Grundsatzdokumente vergleichbarer Art, welche die gegenwärtige Herausforderung durch radikale Strömungen im Islam und der Antwort der Kirche darauf zum Inhalt haben, gibt es nicht, soweit ich es bislang überblicken konnte, aber da lasse ich mich sehr gerne korrigieren.
        Auf Nachfrage wurde mir erklärt, dass man verfolgten Christen keinen Gefallen täte, wenn man so ein Dokument veröffentlichen würde, und dass in dieser Frage im Grunde aber auch schon alles gesagt sei. Unter denjenigen, die sich beruflich mit der Bekämpfung oder Abwehr militanter Islamisten beschäftigen, herrscht aber dennoch m.E. der Eindruck vor, in dieser Frage kirchlicherseits weitgehend alleine gelassen zu werden.

  6. Werter Attila Varga, die Christianisierung setzt einen starken Glauben und eine feste Botschaft voraus. Diese möglicherweise erhoffte Wiederholung scheint Wunschdenken dieser Kirchenkreise zu sein.

    Aber möglicherweise hoffen sie auch, sich in diesem Einheitsbrei nicht mehr zu Jesus bekennen zu müssen und alles wird gut.

    • Eine Kirche ohne Bekennen zu Jesus…also ein bürokratisches Monster mit jeder Menge gut bezahlter Würdenträger, Selbstdarsteller und Angestellter, welche ihre Einnahmen, die Verteilung an das Prekariat und sich selbst verwaltet und Tips gibt, wie man dem Zeitgeist entsprechend moralisch auf der richtigen Seite bleiben kann.
      Ja, dies wäre zweifellos der passende Partner bzw Dienstleister für den One World-Staat.

  7. Nun ja, vielleicht hoffen ja kirchliche Kreise, dass sich die Geschichte wiederholt. In der Spätantike fand durch die Christianisierung des Imperium Romanum sozusagen eine feindliche Übernahme durch das vorher verfolgte Christentum statt.
    Möglicherweise hoffen diese Kreise, auf den globalistischen Zug aufspringen zu können und in einem One World-Einheitstaat mit einem ethnischen Einheitsbrei als Bevölkerung die Zügel in die Hand zu bekommen. Das dabei das ohnehin agnostisch-atheistische Westeuropa draufgeht, wird billigend in Kauf genommen.
    Ich hoffe, dass dies nur eine Verschwörungstheorie ist, denn falls die obige Strategie existiert, hat sie einen gravierenden Fehler: Sie ist total bescheuert.

  8. Der Inhalt dieses Artikels ist nicht überraschend. Er ist im Grunde die notwendige Folge dessen, was sich überall im islamischen Machtbereich abspielt. Die Verweise auf Papst Johannes Paul II. sind leider müßig, weil sich auch in der Kirche unter Papst Franziskus die notwendig positiven Ansätze, mit dem Islam dialogmäßig umzugehen, verändert haben.

    Im verlinkten Artikel heißt es:

    Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.

    Die Kirche betrachte dementsprechend positive Aspekte des Verhaltens von Muslimen „mit Hochachtung“ und ruft dazu auf, „sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.“

    Benedikt XVI. sagte 2012, dass die Erklärung rückblickend betrachtet eine Schwäche aufweise und zu wenig auf problematische Aspekte nichtchristlicher Religionen eingegangen sei.

    Ja, Papst Benedikt XVI wusste offensichtlich, wo der Schuh drückt. Allein der Satz, dass die kath. Kirche nichts von alledem ablehnt, was bezogen auf den Islam wahr und heilig ist, ist bereits der falsche Ansatz.

    Im Islam ist es z. B. wahr und heilig, nicht nur den Dschihad des Fastens und der inneren Kämpfe zu führen, was ja noch unterstützenswert wäre, sondern auch den Gewaltdschihad. Und wenn dies wahr und heilig gilt in der kath. Kirche, dann ist dieser Satz – abgesehen von der Anbetung des einen Gottes – bereits ein fataler Irrtum. Im Islam sind alle Sünden heilig, sofern sie den Dogmen des Islams nützen, somit vom Mord bis zu Lüge. Da selbst ein muslimischer Terrorist nicht aus der Umma ausgeschlossen werden kann, ist die Frage der Heiligkeit seiner guten Vollkommenheit einfach zu wichtig, als dass sie – wie in diesem Dokument aufgeführt wurde, auf dem Markt der Relativierungen hätte verschleudert werden dürfen.

    Herr Prof. Korchide, Oberislamlehrer der Uni Münster, setzt auf Allahs Barmherzigkeit, wohl wissend, dass dessen Barmherzigkeit

    a) eine völlig andere Bedeutung hat als im Christentum, nämlich nur für die Muslime gilt, die mit Gut und Blut für ihn kämpfen und sich sonst an die Regeln halten und
    b) nur für Muslime gilt sowie

    Den naiven Gläubigen des Christentums predigt er Allahs Barmherzigkeit, als ob es keine Unterschiede zwischen Allah und der Hl. Dreieinigkeit gäbe. Es wäre ja zu schön, um wahr zu sein. Folgen tun ihm seine Glaubensgeschwister in den Islamorganisationen nicht. Er steht mit seiner Meinung allein da. Wunschdenken findet nun einmal keine Nahrung in der Realität.

    Der Sohn aus Jesu Gleichnis hätte Allah wohl kaum angenommen. Das Beispiel der biblischen Ehebrecherin mag dies besonders gut zeigen. Von einem Kind war im NT nicht die Rede. Selbst da hat Jesu Barmherzigkeit verbunden mit der Aufforderung des Nichtsündigens voll durchgeschlagen. Mohammed ließ der Ehebrecherin, die ihm gegenüber trat nach dem Abstillen töten lassen und damit dem Kind seine Mutter genommen. Das ist die Barmherzigkeit Allahs.

    Papst Franziskus spricht sich für offene Grenzen und die Aufnahme einer großen Anzahl von „Flüchtlingen“ aus, obwohl er genau weiß, dass diese Flüchtlinge zumindest in Europa in der mehr als großen Mehrheit junge islamische Männer sind. Was davon zu halten ist, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

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