Peter Graf Kielmansegg: Die „Ehe für Alle“ als Symptom kultureller Auflösung

Thomas Couture - Die Römer der Verfallszeit (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Peter Graf Kielmansegg lehrte Politikwissenschaft an der Universität Mannheim. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ kritisiert er das Versagen der Parteien beim Schutz der kulturellen Grundlagen des Gemeinwesens im Zusammenhang mit der Einführung der sogenannten „Ehe für alle“. Ein demokratisches Gemeinwesen könne allerdings auch nicht gegen den Willen einer Bevölkerungsmehrheit aufrechterhalten werden, die dies nicht wünsche. Wer für die traditionelle europäische Lebensordnung eintrete, müsse dazu bereit sein, dies künftig auch ohne staatliche Anerkennung tun.

Die Entscheidung des Bundestages habe einen „kulturrevolutionären Akt“ sowie einen Bruch mit dem im Grundgesetz festgehaltenen Verständnis der kulturellen Grundlagen des Staates dargestellt:

  • Die Parteien hätten sich ohne Debatte und unter der Missachtung demokratischer Verfahren eines Ehe- und Familienbegriffes entledigt, der „als eine Selbstverständlichkeit tief und weit zurückreichend im europäischen Kulturkreis verwurzelt war.“ Man habe es hier mit einem „krassen Fall parlamentarischen Versagens“ zu tun.
  • Der Artikel 6 des Grundgesetzes sei Ausdruck eines gesellschaftlichen Willens zur Dauer und zur Kontinuität, und in ihm komme die „existentielle Angewiesenheit des Gemeinwesens auf eine gelingende Generationenfolge“ zum Ausdruck. „Ehe und Familie sind die elementarsten Bedingungen der Möglichkeit gelingender Generationenfolge“, „weil Kinder am besten in einem auf Dauer angelegten Miteinander von Vater und Mutter“ heranwachsen würden.
  • Im Verständnis der kulturrevolutionären Ideologien, der die Mehrheit der Abgeordneten des Bundestages gefolgt sei, spiele die Dauerhaftigkeit des Gemeinwesens und der Schutz seiner kulturellen Grundlagen keine Rolle. Dass diese Ideologien die von ihnen über diese Ziele gestellte individuelle Selbstverwirklichung auch auf Kosten des Gemeinwohls durchzusetzen bereit seien, käme nicht nur in der Abkehr vom traditionellen Begriff von Ehe und Familie, sondern auch im Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Partnerschaften zum Ausdruck. Dieses mache „Kinder zu Objekten – in letzter Konsequenz zu käuflichen Objekten“.

Das eigentliche Problem sei jedoch nicht das Versagen der Bundestagsabgeordneten, denen die Tragweite und Konsequenzen ihrer Entscheidungen oft nicht bewusst gewesen seien, sondern die „säkularen gesellschaftlichen Trends“, denen sie bei ihrer Entscheidung gefolgt seien. Man könne eine Demokratie nicht „gegen stabile Mehrheitsanschauungen, die die eigene Lebenspraxis betreffen“, sowie gegen eine gesellschaftliche Entwicklung, die „offenbar unaufhaltsam“ über das Wissen der Erfordernisse kultureller Kontinuität hinweggehe, regieren.

Die kulturelle und politische Entwicklung in Deutschland habe einen Punkt erreicht, an dem auch das Recht der Lebensordnung, auf der das Gemeinwesen beruhe, keine Geltung mehr sichern könne. Wer diese Lebensordnung erhalten wolle, müsse sie künftig ohne staatliche Anerkennung umso überzeugender selbst leben.

Bewertung und Folgerungen

Aus christlicher Perspektive vorgebrachte weltanschauliche Kritik an der Entscheidung des Bundestages hatten wir hier zusammengefasst.

Nach der Einführung der „Ehe für alle“ waren weitere Radikalisierungstendenzen bei Anhängern entsprechender Ideologien zu beobachten, die erwarten lassen, dass das Eintreten für christliche Weltanschauung mittel- bis langfristig in noch stärkerem Maße mit Herausforderungen verbunden sein wird. Justizminister Heiko Maas hatte zum Beispiel im September 2017 erklärt, dass er das Eintreten für ein „klares Familienbild aus Vater, Mutter und Kindern“ als verfassungswidrig bewerte.

Unter diesen Bedingungen werden unverbindliche, liberale Strömungen des Christentums gegen den entstehenden sozialen und politischen Druck nicht bestehen können und sich auflösen, sich assimilieren oder sich zu Ausläufern säkularer Ideologien in Form einer Staatskirche transformieren. Die kulturelle Erneuerung, die nach dem Scheitern kulturrevolutionärer Ideologien zu leisten sein wird, wird nur von den Teilen der Kirche ausgehen können, die diesen Tendenzen widerstehen. (ts)

24 Kommentare

  1. Kaum zu übersehen, dass die Umgestaltungen auf der politischen Ebene von (nur vereinzelt wahrgenommenen) gesellschaftlichen Vorgängen gleichsam flankiert werden, um „überlieferte Geschlechterrollen“ abzuräumen. In der Basler Zeitung liest man von orchestrierter Kritik an den „James Bond“-Filmen, die Junge Freiheit berichtet vom Verzicht der Formel 1 auf die sog. „Grid-Girls“ – beides wegen angeblichem „Sexismus“. Hier wird ein globales Rad gedreht, um die Zukunft für das fluide Genderwesen sicherzustellen…

  2. Leider gehört auch Peter Graf Kielmansegg zu jener wachsenden Gruppe der schon im Ruhestand befindlichen entsetzten Bürger. Diese Gruppe ist gar nicht mal so klein, doch bleibt ihr Einfluss eher gering.

    Wichtig besonders der Schluss des Artikels:
    „Unter diesen Bedingungen werden unverbindliche, liberale Strömungen des Christentums gegen den entstehenden sozialen und politischen Druck nicht bestehen können und sich auflösen, sich assimilieren oder sich zu Ausläufern säkularer Ideologien in Form einer Staatskirche transformieren.

    Die kulturelle Erneuerung, die nach dem Scheitern kulturrevolutionärer Ideologien zu leisten sein wird, wird nur von den Teilen der Kirche ausgehen können, die diesen Tendenzen widerstehen. (ts)“

    Da absehbar ist – und zwar immer mehr, je mehr Zeit vergeht – dass diese kulturrevolutionären Ideologien nur im Zerstören reüssieren, aber nie im Aufbauen und da sie somit schier zwangsläufig zusammen mit der von ihnen ruinierten Gesellschaft mit untergehen werden, werden alle Strömungen und Gruppierungen die sich haben korrumpieren lassen, ebenfalls untergehen.
    Die Frage ist allerdings, was und wie viel nach diesem Untergang noch übrig sein wird …
    Die Aufgabe, dass absehbare Desaster zu überstehen, mag der von deutschen Widerständlern 1944 / 45 ähneln.

    • Lieber Waldgänger,
      es sind wirklich die Ruheständler, welche sich zu Wort melden, weil diese keine beruflichen Nachteile fürchten müssen. Diese Feststellung macht auch Martin van Crefeld in seinem Buch „Wir Weicheier“. Fast immer sind es Offiziere im Ruhestand, welche analysieren, warum die westlichen Armeen trotz ihrer gewaltigen Feuerkraft immer mehr an Kampfkraft verlieren.

  3. „Die Entscheidung des Bundestages habe einen „kulturrevolutionären Akt“ sowie einen Bruch mit dem im Grundgesetz festgehaltenen Verständnis der kulturellen Grundlagen des Staates dargestellt.“
    Im letzten Teil ist auch noch nicht das letzte Wort gesprochen. Sollte eine Verfassungsbeschwerde – ohne Richterin Baer im Vorsitz – zustande kommen, könnte dieses Gesetz kippen, da, wie im Zitat erwähnt, das Grundgesetz ein gänzlich anderes Verständnis von Ehe hat. Es geht nämlich von der Regenerierung der Gesellschaft in der Famile aus und sollte dieses Verständnis bei den Verfassungsrichtern verloren gegangen sein, wäre das Grundgesetz, wie oben erwähnt,.obsolet, da es aus seinem gesamten Kontext gerissen würde. Ich glaube aber auch, dass mitlerweile die Gesellschaft zu überwiegenden Teilen die gleichgeschlechtliche Ehe für fortschrittlich hält – ist schließlich medial lange genug beworben worden. Sie ist sich allerdings nicht bewusst, wofür noch Türen und Tore geöffnet wurden (vier Ehefrauen?).
    Auf der anderen Seite finde ich es persönlich nur richtig und konsequent, es als freie Wahl anzunehmen, dem christliche Bild der Ehe treu zu bleiben. Insbesondere dann, wenn bei uns Christen das Verständnis wiederkehrt, dass Mann und Frau füreinander geschaffen sind und als Gegensätze in der Ehe sich selbst und Gott erfahren können und, mit der Fähigkeit Leben zu schaffen, an Gottes Schöpfung teilhaben (dies ist insbesondere in den Ostkirchen ein wesentlicher Aspekt, weshalb die Ehepartner bei der Hochzeit gekrönt werden). Wir kommen ohnehin als Christen in den Genuss, aus einer Lebenspraxis heraus Stabilität, Kraft, und vor allem Hoffnung und Liebe zu generieren, die schon den Urchristen im Römischen Reich nicht fremd gewesen war. Back to the roots also. Die Staatskirchen selbst dürften nicht mehr in der Lage sein, Märtyrer im wörtlichen Sinne zu sein, als dass sie den Kern unseres Glaubens bezeugen – vor allem dann, wenn sie gesellschaftlich isoliert, gar verfolgt oder schlicht nicht mehr steuerlich finanziert weden (dazu bei Tichys https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/spahns-spitzwege/deutschlands-kirchen-und-das-ende-der-kirchensteuer/). Wenn der agressive Islam gegenüber der gesellschaftlichen Vakanz des Glaubens nicht wäre, ich würde diese Situation als Chance begreifen. Aber wer weiß, vielleicht kann ein wahres, freies Christentum den ehemaligen Christen dem Islam gegenüber ein Licht sein!?

    • edit:
      „Der fortschrittliche Kleriker endet in revolutionären Zeiten als Toter, aber nicht als Märtyrer.” Nicolas Gomez Davila

  4. Ein guter Artikel. Wichtig und richtig auch sein düster-realistischer Ausblick am Ende.
    Leider fragt er nicht nach den Protagonisten dieser fatalen Entwicklungen. Es ist schon gut und richtig, wenn es heißt: ZITATANFANG: Das eigentliche Problem sei jedoch nicht das Versagen der Bundestagsabgeordneten, denen die Tragweite und Konsequenzen ihrer Entscheidungen oft nicht bewusst gewesen seien, sondern die „säkularen gesellschaftlichen Trends“, denen sie bei ihrer Entscheidung gefolgt seien. Man könne eine Demokratie nicht „gegen stabile Mehrheitsanschauungen, die die eigene Lebenspraxis betreffen“, sowie gegen eine gesellschaftliche Entwicklung, die „offenbar unaufhaltsam“ über das Wissen der Erfordernisse kultureller Kontinuität hinweggehe, regieren. ZITATENDE. Leider wird nicht gefragt, von woher die säkularen gesellschaftlichen Trends getriggert werden, und wo antidemokratische „stabile Mehrheitsanschauungen“ herrühren. Es ist die ARD und das ZDF ! Es ist ein Herr Kleber und ein Herr Zamparoni ( bzw vor allem natürlich der ganze einheitlich linksgrün eingefärbte Apparat, der dahintersteht ) die unser Volk, und in der Folge den Bundestag ( bis zum 23.9.2917 ) in diesen Selbsthass und in eine kranke übertriebene Fremdenfreundlichkeit getrieben haben. Mit ihrem „Kampf gegen rechts“ und all den anderen Einseitigkeiten ( „menschengemachter Klimawandel uam )
    Dieser Befund ist keine Kleinigkeit. Geben doch seriöse Befragungen wieder, daß die Menschen ( relativ ) AM MEISTEN ARD UND ZDF VERTRAUEN ! Das muß man verstehen. Die finanziell unantastbaren „autonomen“ Öffentlich-Rechtlichen sind derart stark in der Produktion überzeugender Bilder und Filme, daß die Menschen sich nicht nur belügen lassen, sondern sich gleichzeitig gut informiert fühlen ! Sie fühlen sich richtig informiert ausgerechnet dort, wo die politische und kulturelle Einseitigkeit extrem ist, und mit Händen zu greifen. Hier liegt der zentrale Komplex – gut versteckt (?) – des im Artikel gut geschilderten Problems.

  5. Weil religiös vergiftete Ehegesetze abgeschafft werden, geht unsere Kultur unter? Vielleicht die religiöse Kultur des -angeblich- jüdisch-christlichen Abendlandes. Aber wenn ich mich an die Zeit der verlogenen und verheuchelten Adenauer-Republik zurück erinnere, in der diese „Kultur“ mit ihrer Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Liebe, ja jeder Liebe, die sich nicht katholischen Vorschriften unterwarf, noch wütete, bin ich froh, dass diese nicht mehr herrscht. Mit ihrer Frauenverachtung, der schwarzen Pädagogik und allen anderen wüsten Auswüchsen.

    • @F.M.
      Ich bin davon überzeugt, dass Diskussionen nur dann gewinnbringend sein können, wenn man sich in ihnen nicht in Emotionen hineingesteigert. Dass Ihnen christliche Kultur offensichtlich nichts bedeutet, ist natürlich Ihr gutes Recht, und auch für Ihre starken Emotionen mögen Sie Gründe habe. Aber ist diese Kultur in der Tat „vergiftet“? Halten Sie auch Werke christlicher Kultur wie die Musik Bachs, die Vorstellung einer unveräußerlichen Menschenwürde und Institutionen wie Universitäten oder Krankenhäuser für grundsätzlich „vergiftet“, um nur einige Beispiele zu nennen? Ich vermute bzw. ich hoffe, dass Ihre tatsächliche Sicht auf die Dinge differenzierter ist, als es aus Ihren sehr emotionalen Worten hervorgeht.
      Und wie sieht es Ihrer Ansicht nach mit Weltanschauungen aus, die in der deutschen Geschichte „gewütet“ haben, wie Sie es nennen? Mir fielen da in der Tat andere Beispiele ein als der christliche Konservatismus der frühen Adenauer-Zeit, den Sie nennen, und Ihnen gewiss auch.
      Davon abgesehen erschließt sich mir nicht, was die Gesetzgebung der Adenauer-Zeit mit der Einführung der „Ehe für alle“ zu tun hat, aber vielleicht können Sie ja selbst erklären, was Sie damit meinen.
      Vermute ich richtig, dass der Grund für ihre starken Emotionen mit ihrer Betonung der „gleichgeschlechtlichen Liebe“ zu tun hat? Ich kenne persönlich Menschen, die sich aus diesem Grund durch das Christentum persönlich angegriffen fühlen und im Affekt deshalb gerne auch einmal überziehen, was die Kritik angeht. Mit dem einen oder anderen ergaben sich am Ende doch noch gute Diskussionen.

      • Oh Gott , keine Emotionen, Gefühle haben zu dürfen muss ja die Hölle sein. Wir sind doch Menschen aus Fleisch und Blut und sollen emotionslos sein? Im Glauben? Wirklich?

        Sie sollten Thomas a Cempis De Imitatione Christi lesen; dann wissen Sie, wie emotionsgeladen Glauben und glauben sein sollte. Wenn mans richtig macht.

        Wenn Sie was emotionsloses haben wollen, lesen Sie den Katechismus der katholischen Kirche. Fast dreitausend Paragrafen auf über achthundert Seiten, da weiss man danach, was man in Händen hält. Eine völlig emotionslose Nebelschau und Selbstbeweihräucherung der römisch katholischen Kirche. Oder, noch besser, den Neuner-Roos. Trockenste Kirchenjuristerei ohne Ende. Für katholische Emotionen völlig unbrauchbar (auch für den Glauben unbrauchbar), genau das richtige, wenn man emotionslos diskutieren will, wie Glaubensverwaltungsbeamte vor Gericht.

        Wenn Sie nur Bestätigung Ihres Glaubens haben wollen, gehen Sie zur FSSPX oder in eine evangelikale Glaubensshow. Dort bekommen Sie Bestätigung.

        Wollen Sie Diskussion, hauen Sie mich hier in die Pfanne.

      • @F.M.
        Es gibt m.E. einen Unterschied zwischen geordneter Emotion und völlig überzogener Polemik. Sätze wie „wenn Sie nur Bestätigung Ihres Glaubens haben wollen, gehen Sie zur FSSPX…“ oder „Sie bestehen auf dem Alleinbesitz göttlicher Wahrheiten?“ stellen nicht den Ansatz eines Argumentes oder eines Beitrags zur Diskussion dar, sondern nur weitere Polemik als Antwort auf den Versuch einer sachlichen Diskussion.
        Hier finden Sie einige Hinweise zum hier erwünschten Stil: https://bundsanktmichael.org/impulse/die-abendlaendische-diskussionskultur/
        Vielleicht gibt es nachvollziehbare persönliche Gründe für Ihre Art des Auftretens, aber auch die unschönsten Erfahrungen ändern nichts daran, dass man eine Diskussion so nicht weiterbringt.
        Ansonsten ist hier weiterhin jeder Kommentar willkommen, der sich auf angemessene Weise zur Sache äußert, egal ob zustimmend oder ablehnend.

    • @ F. M.

      Was Sie geäußert haben, das ist eine MEINUNG, oder sagen wir mal so: Ihr persönliches EMPFINDEN, ein GEFÜHL.
      Das dürfen Sie natürlich, wir sind ja ein freies und tolerantes Land.
      Und deshalb hat man Sie ja hier auch nicht gelöscht.
      Sie sind hier eben auf einer freien Seite – aber das nur am Rande.

      Andererseits ist das Äußern einer persönlichen BEFINDLICHKEIT aber weit entfernt davon, irgendwas mit Wahrheitsfindung oder umfassenderem Verständnis der Realität zu tun zu haben!
      Mir scheint daher, dass Sie doch eher aus jenem gesellschaftlichen Spektrum kommen, das Meinung und Wollen mit Realität und Wahrheit verwechselt.
      Oder kommen Sie gar aus einem Spektrum, dass die bloße Verkündung der eigenen MEINUNG für eine Art Argument hält, weil man zugleich behauptet, dass man auf Seiten der guten Moral steht?
      DAS haben Hitler und Stalin auch getan! Die waren doch auch subjektiv davon überzeugt, Gutes zu tun.
      Die eigene Meinung, dass man selber Gutes will, ist jedoch IRRELEVANT. Das ist kein Maßstab.

      Nehmen Sie zur Kenntnis, dass Sie hier auf einer Plattform sind, wo MEINUNGEN eher irrelevant sind. Das mag für Sie neu sein.

      Es gibt viele Dinge und Folgeentwicklungen, also Tatsachen, die man nicht mag – aber es gibt sie eben doch: beispielsweise reale absehbare negative Folgen der verfassungswidrigen Zerstörung der herkömmlichen Ehe. Sie werden antworten: „Es sind ja gewollte Folgen …“
      Sie müssen aber ALLE Folgen im Blick haben, dürfen nicht nur sich selbst, Ihre Szene, Ihre persönlichen Interessen oder ein bestimmtes Milieu berücksichtigen, sondern mehr.

      Wenn Sie hier ernst genommen werden wollen, dann müssten Sie sich mit den Aussagen von Kielmansegg oder Giglioli schon auf Sachebene – ohne Eifer und Zorn – befassen und nicht nur pöbeln.
      Vielleicht möchten und können Sie das ja?
      Das ist eine Art Einladung.

      • Meinungen sind für Sie eher irrelevant? Sie bestehen auf dem Alleibesitz göttlicher Wahrheiten? Schön, das ist auch eine Antwort. Eine Antwort darauf, was Ratzinger wirklich wollte, bzw. wähnte, wenn er die „Diktatur des Relativismus“ (ein grandioser Wuderspruch in sich!) geisselte. Er wollte nichts relatives, er wollte absolutes, absolute Whrheit, in deren Alleibesitz er sich wahrsvheinlich immer moch wähnt.
        Da kann ich mit meinen irdischen Wahrheiten (z. B. positivem, gesetztem Recht anstelle des katholischen Naturrechts, das er im Reichstag eingefordert hat) natürlich nicht mithalten. Bin schon weg.

    • Hallo F.M.: Die Christliche Ehe ( und Familie ) geht auf Jesu Lehre zurück. Wohl dem Land, das sie hochhält. Sie unterscheidet sich von ALLEM, was andere Kulturen hervorgebracht haben. Materiell laufen alle anderen Entwürfe auf eine Unterdrückung der Frau hinaus. Ist „die Alte“ nicht mehr gut genug, nimmt sich der „Pascha“ eine Jüngere. Im Islam so vorgesehen, sofern er die Finanzen dazu hat. Die westliche Ideologie der Vergötzung des Geldes bewirkt in diesem Zusammenhang noch schlimmeres, nämlich vor allem dieses: Versklavung der Frau als käufliches Sexualobjekt. Nun mögen Sie aufheulen und erklären, daß Sie auch als Atheist ( oder wahrscheinlich jedenfalls Kirchengegner ? ) doch so sehr menschlich und würdevoll mit ihrer Frau umgehen (?) Die Antwort ist, daß Sie dann eben christlich handeln, christlich eingestellt sind. Als Erbe einer großen christlichen Kultur. Wie gesagt, außerhalb des Christentums wird die Frau strukturell ewig der Verlierer sein. Ausnahmen bestätigen die Regel.

      • Schön, christliche Ehe den Christen, zivile Ehe für alle. Ich frage mich die ganze Zeit, warum ein derartiger Wind gemacht wird, um eine rein zivile, also bürgerliche Angelgenheit, weit ausserhalb der Kirchenmauern.
        Es kommt immer wieder das Argument, dass dies der katholischen Ehe schaden würde.

        Ich gebe einem Bedürftigen Kleidung. Einem zweiten auch. Wird die Kleidung des ersten durch die Gabe an den zweiten dünner? Weniger wert? Diese Argumentstion riecht nach etwas ganz anderem. Sie riecht nach Angst. Angst vor Machtverlust. Angst davor, nicht mehr alleine, als Institution, bestimmen zu dürfen, wer heiraten darf und wer nicht.

      • Hallo F.M.: Sie schreiben: „Schön, christliche Ehe den Christen, zivile Ehe für alle. Ich frage mich die ganze Zeit, warum ein derartiger Wind gemacht wird, um eine rein zivile, also bürgerliche Angelgenheit, weit ausserhalb der Kirchenmauern.
        Es kommt immer wieder das Argument, dass dies der katholischen Ehe schaden würde“ NA GUT. Wenn ein Staat sich vollständig von der Christlichen Lehre trennen will – bitte schön. Es bleibt aber wahr, daß es diesem Staat ( auf lange Sicht ) umso schlechter ergehen wird, je weiter er sich davon entfernt. Und dann kommt im Falle Deutschlands eine Kleinigkeit dazu: es ist auch MEIN Staat, und ich erlaube mir, hier für MEINE Interessen ( und die meiner Enkel usw ) zu kämpfen.

    • Ein Troll springt unter seiner Brücke hervor und triggert….und alle springen über die Stöckchen, die man ihnen hin hält. Als ob es das Internet erst 5 Jahr geben würde….

      • @F451
        Es gibt hier solche Kommentare aus den verschiedensten Richtungen, und sie werden normalerweise nicht veröffentlicht. In diesem Fall schien mir eine Diskussion nicht ganz ausgeschlossen zu sein, aber man lernt eben dazu.
        Noch mehr Sorgen bereitet mir aber, was für Erfahrungen hinter solchen Kommentaren stehen mögen. Der Kommentator lässt ja erkennen, durchaus schon Kontakt zu Christen gehabt zu haben, wobei hier offenbar etwas auf sehr gravierende Weise falsch lief.

  6. @ts

    Völlig richtig erkannt, im Christentum eigentlich jeder Denomination, ist einiges falsch gelaufen. Das hat nicht erst am 31. Oktober 1517 begonnen als ein paar Donnerstage später der halbe Laden weg war und ist heute noch nicht überwunden, wie der Mitgliederschwund belegt.

    Die eigentliche Katastrophe ist doch die, dass man aus den Fehlern der letzten fünfhundert Jahre, aus den Fehlern der letzten hundert Jahre und aus den Fehlern der letzten zehn Jahre nur eine einzige Konsequenz gezogen hat: Augen zu und durch!

    Der einsame Versuch, aus diesen Fehlern zu lernen und diese in Zukunft zu vermeiden, war das zweite Vatikanum. Der Ausgang ist bekannt, der Versuch wurde abgewürgt und Papst Paul hat den Weg in die Isolation eingeschlagen.
    Wenn das so weiter geht, kann die Kirche demnächst mit den Zeugen Jehovas Glaubensinhalte diskutieren. Auf Augenhöhe.

    • @F.M.
      Nehmen Sie es mir nicht übel, aber Ihr Bild des Geschehens der vergangenen 500 Jahre ist doch arg holzschnittartig geraten. Die Missstände, die zur Reformation beitrugen (z.B. Missbrauch im Ablasswesen), wurden z.B. bereits in den Jahren unmittelbar nach Beginn der Reformation im Rahmen des Konzils von Trient als solche anerkannt und korrigiert.
      Wie hier schon gesagt wurde, kommt man bei solchen Diskussionen nicht weiter, wenn man nur Meinungen („ich finde XYZ nicht gut“) vorbringt. Einer Meinung kann man nur zustimmen oder sie ablehnen, aber eine gewinnbringende Diskussion kann auf der Grundlage nicht entstehen, dafür wäre zumindest eine begründete Hypothese („XYZ ist falsch weil…“) erforderlich. Ihnen wünsche ich alles Gute!

  7. Ich denke, dass Demokratie von Mehrheiten lebt.

    Wir müssen diese Situation der aus christlicher Sicht verwahrlosenden Moral letztlich als Realität anerkennen, ob wir wollen oder nicht. Jesus sagte, das er die Weg, die Wahrheit und das Leben sei. Christen glauben dies und lassen sich dann eben auch nicht davon abbringen, dass die „Ehe für alle“ aus christlicher Sicht eine Katastrophe bedeutet. Und das ist sei eben aus christlicher Sicht auch.

    Wir müssen emotionslos konstatieren, dass der christliche Glaube seit Jahrzehnten verdunstet. Die Menschen richten sich nicht mehr nach kirchlichen und christlichen Grundsätzen. Das ist bedauerlich, aber eben Realität. Die Menschen können auch gute Taten ohne Gott vollbringen. Sie können Gott aus all ihren Lebenswegen herauslösen. Sie brauchen Gott nicht mehr, so meinen sie. Dazu brauchen sie keinen Glauben. Der Gottesglaube ist relativ geworden. Viele Menschen in Deutschland glauben zwar an ein höheres Wesen, aber an eines, welchem sie nicht verpflichtet sind. Dieses höhere Wesen ist Wachs in ihren Händen und sie können es so gestalten, wie sie dies für ihr Leben brauchen; es schränkt sie nicht ein, es stellt auch keine Anforderungen an sie. Diese Tendenz, die die Kirche selbst auch durch den kumpelhaften „verkündeten“ Jesus, der mit dem historischen kaum noch identisch war, mit den beliebig interpretierbaren Bibeltexten, der Negierung von Wundern selbst mit gefördert hat, ist von den meisten Menschen, eben auch von Christen gern und dankbar angenommen worden und die Kirche hat diese Menschen in die Beliebigkeit der Relativierung und eines unbestimmten Glaubens entlassen. Der Sündenbegriff verlor an Wirkung, die Hölle wurde abgeschafft, wenn es sie denn je gab, ist sie leer. Exorzismus ist was für ewig Gestrige und das Böse kommt grundsätzlich nur noch von den schwarzen Tiefen menschlicher Existenz. Einflüsterungen aus der Dunkelwelt gibt es nicht.

    Diese Beliebigkeit hat den Atheismus gefördert. Der „Agnostizismus“ der Unverbindlichkeit von Glauben an ein höheres Wesen hat das ursprünglich Christliche ersetzt. Der Mensch hat Gott an die kurze Leine genommen. Ehrfurcht vor Gott, nach dessen Vorgaben jeder Mensch sich zu richten hatte, wurde zunehmend Mangelware. Das sind die Auswirkungen eben auch der innerkirchlichen Diskussionen um Frauenpriestertum und andere Nebensächlichkeiten, während die Unterstützung für die Christen in Verfolgungssituationen kaum noch Relevanz hatte und hat, leider.

    Die Kirche hat es nicht geschafft, einen christlichen Glauben in die Seelen der Menschen zu implantieren, die die Begeisterung für JESUS und seine Lehre geweckt hat. Allerdings war sie ziemlich allein auf weiter Flur. Wir müssen ehrlich konstatieren, dass mit dem Katechismus, so lehrreich und mehr als gut er sein mag, kaum menschliche Innerlichkeit für den Glauben erreicht werden kann. Wer in einem Gesetzbuch liest, findet den gefühlsmäßigen Zugang zu Jesus wohl eher nicht.

    Jetzt zeigt uns der Islam wie Glauben geht, na ja, halt auf seine spezifische Art und Weise. Die Gläubigen werden mit nackter Angst vor er Hölle in Schach gehalten und in Geiselhaft genommen. Das andere Extrem.

    Christentum ist mehr als schwer zu vermitteln. Jesus wollte immer die Freiwilligkeit. Seine flehendliche Bitte: „Dann glaubt doch (wenigstens) um meiner Werke willen“, ist schon mehr als eine Resignation zu werten. Aber auch er kam nicht ohne das Angstbild Hölle und Satan aus. Umso wichtiger wäre es gewesen, Jesus als feste Säule im Glauben zu verkünden. Das aber haben die Kirchen leider jahrzehntelang vermasselt, indem sie erstens die Marienverehrung vernachlässigt haben und die Sicht Marias auf Jesus freiwillig aufgegeben haben. Sie haben den historischen Jesus glaubensmäßig irgendwie durch den verkündeten Jesus in die Marginalität getrieben und damit sich selbst ein wenig ins Abseits geschoben.

    Während dieser Zeit waren Sozialismus, Atheismus, Nihilismus und die Kritiker des „verspießten“ Christentums nicht untätig und boten der Masse die Flucht in die irdische Brot-, Spaß (Sexaufbruch des Oswald Kolle) – und Spielementalität an, die nur zu gern angenommen wurde insbesondere von den jungen Leuten, die mit der christlichen Sexuallehre aber auch nun gar nichts anfangen konnten. Tugenden wie Keuschheit, Reinheit und Ritterlichkeit waren spießig, verpönt, waren Schauobjekte der Lächerlichkeit.

    Die vatikanische „Notbremse“ der Enzyklica humanae vitae kam offenbar um Jahre zu spät, aber sie kam. Sie kam jedoch zu einer Zeit, in der kaum über den Inhalt ernsthaft diskutiert wurde, als dass dieser Inhalt auf einen Aspekt verkürzt wurde und Papst Paul VI als „Pillen-Paule“ geradezu verspottet wurde.

    Sexualität als Konsumgut, nicht mehr als bewahrenswertes Gut an sich, wurde popolärer. Sex in jeglicher Form als Vergöttlichung war dann auch die Triebfeder, die die christliche Ethik immer weiter in den innerkirchlichen Raum zurückdrängte und wer von den Christen hat sich noch bis zur Ehe aufgehoben? Wohl keine 5 % ab den Siebziger Jahren.

    Machen wir uns nichts vor. Dies alles musste so kommen. Noch nie in der Geschichte der Religionen und auch des Christentums hatte mit diesen Herausforderungen der besonderen Art wie der Explosion der Technik, TV und anderen Ablenkungen, aber eben auch mit medizinischen Errungenschaften zu kämpfen. War die Frau vor Erfindung von Ovulationshemmern im Grunde dazu verdammt, Kinder am laufenden Band zu bekommen, wurden die Verhütungsmittel egal in welcher Form, ob bewusst oder unbewusst zu Frauenbefreiungsmittel, aber eben nur in diesem Problem.

    Der Verzicht als christliche Norm wurde nur noch als Weltfremdheit belächelt, obwohl dieser Verzicht für die Bildung von Charakter besonders wertvoll ist.

    Den Rest der Entwicklung schenke ich mir. Wenn 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung noch praktizierend dem christlichen Glauben anhängen, 80 Prozent der Menschen in diesem Lande aber mit Religion und Christentum nichts mehr am Hut haben, so ist die „Ehe für alle“ letztlich Zeitgeistgebot der Stunde.

    Der Atheismus steht vor der unlösbaren Aufgabe, moralische Grenzen festzulegen. Wer nur im Diesseits agieren kann, läuft immer Gefahr, grenzenlose Moral zu verkünden. Dass lebensnunwertes Leben der Euthanasie anheim fällt, dass Abtreibung, ja selbst bis zur Geburt salonfähig wird, war abzusehen. Warum dürfen Bruder und Schwester nicht heiraten, warum nicht Mutter und Sohn oder Mutter und Tochter, warum nicht Mensch und Tier, warum nicht Erwachsene und Kinder, die damit einverstanden sind, die ja auch leicht manipulierbar sind. Warum dürfen Menschen und immer besser werdende Roboter nicht heiraten? Die ethischen Gesetze stehen auf dem Spiel. Der Atheismus ist nur dem vermeintlichen Wohl des Menschen verpflichtet. Der Atheismus läuft Gefahr, das Recht des Stärkeren durchzusetzen, warum auch nicht!? Alles ist möglich. Wer will moralisch festlegen, ob ein Mensch oder eine Fliege nicht denselben Wert haben? Nur weil der Mensch gegenüber der einzelnen Fliegen stärker ist, kann der Wert nicht unbedingt unterschiedlich sein müssen. Mit welchem Recht nimmt sich der Mensch als das wichtigste Lebewesen dieser Erde heraus? Die Existenz aller Wesen sind nur dem Zufall der Entstehung zu verdanken, keinem willentlichen Schöpfungsakt. Der unmoralischen Fantasie sind da keine Grenzen mehr gesetzt. Die Bibel nannte dies Sodom und Gomorrha, wobei die damaligen Verhältnisse wohl kaum so dramatisch waren wie heute. Die „Ehe für alle“ ist lediglich ein Anfang, ein Türöffner für weitere moralische Experimente. Der christliche Begriff der Ehe ist im Schwinden begriffen. Das Overton-Fenster lässt grüßen:

    Der interessierte Leser möge sich mit dem Overton-Fenster bekannt machen. Christen würden dieses Fenster als satanisch ansehen. Aber es hat mit Satanismus letztlich nichts zu tun. Es ist nur eine soziologisch-psychologische Beobachtung von Verhältnissen, die wir gerade erleben.

    Das Overton-Fenster zeigt, wie eine völlig absurde Idee des Unmöglichen und Unsäglichen geboren wird, sie durch wissenschaftlichen Anschein, durch Manipulation an die gesellschaftliche Oberfläche getragen wird, bis sie in Gesetzesform gegossen werden kann. Im Grunde eine Bestandsaufnahme der Methodik der Herbeiführung des Zerfalls einer toleranten Gesellschaft, die nur deshalb so leicht manipuliert werden kann, weil sie keine eigenen sittlichen und moralischen Werte, keine eigene Identität mehr hat.

    Der schrittweise Weg einer solchen Totalmanipulation ist im Artikel mittels der Skizze mit den Stichworten 1. Undenkbarkeit (der Idee oder These) ,
    2. Radikalität (Wandlung von der Undenkbarkeit zur Radikalität dieser These) ,
    3. Akzeptanz (dieser These von Einigen, diskutiert in Elitezirkeln) ,
    4. Sensibilisierung (dieser These mutiert zur absoluten gesellschaftlichen Wichtigkeit) ,
    5. Popularität (dieser These bis hin zu den Stammtischen, Internetforen und Medien in aller Munde diskutiert),
    6. Endprodukt: Politische Instrumentalisierung (durch Gesetzesmaßnahmen zur Aufrechterhaltung oder Anwendbarkeit dieser These in die rechtliche Form) markiert.

    https://de.sott.net/article/16224-Overton-Fenster-Wie-unsere-Gesellschaft-unannehmbare-Ideen-akzeptiert.

    80 % der Menschen sind wie Schafe, die keinen Hirten haben, klagte Jesus einmal. Die meisten davon wollen aber auch keinen Hirten mehr haben, der sie führt und lenkt. Das ist Realität.

    Die Kirche muss Jesus Christus wieder neu entdecken. Je eher auch die Kirche schonungslose Bestandsaufnahme macht, je eher kann sie darauf reagieren. Je mehr sie sich von den Grundsätzen der Bibel entfernt, umso unglaubwürdiger wird sie.

  8. Oha, „popolärer“ war wohl ein Freud’scher Versprecher. Sorry, sollte populärer heißen. Aber in dem Zusammenhang durchaus verstehbar.

  9. Lieber Herr Kämmer,
    Ihre Klage ist gleich Nietzsche frei von Hoffnung.
    Jedoch möchte ich ein, zwei Thesen in Bezug Ihres Essays in den Raum stellen:
    – Historische Jesus.
    Ist es nicht gerade zu ein Problem, was einem als Christen immer wieder entgegenschlägt?Werden sie nicht auch ständig mit der Frage konfrontiert, ob Sie tatsächlich an die Schöpfungsgeschichte glauben? Wie oft liest man in Foren die Aussage, dass man keinen Jesus bräuchte, der über Wasser gelaufen ist, um glücklich zu sein? Vielleicht sollten wir Christen gerade da zwischen den biblischen und dem historischen Jesus unterscheiden. Über den ersten berichten uns die Evangelien; bei dem zweiten kann man davon ausgehen, dass er existiert hat, mehr nicht. Ist ein historischer Jesus überhaupt wichtig oder verfangen wir uns da selbst in einer zu weltlichen Diskussion? Gerade jetzt zur Fastenzeit: durchleben wir nicht selbst auf geistiger Ebene genau diesen Kampf, den Jesus Christus schon für uns in der Wüste führt (e)? Erleben wir nicht selbst am Karfreitag die Trauer um den Tod aber auch den Verrat des Menschen (nicht nur durch Judas, sonder auch die dreifache Leugnung des Petrus)? Und erleben wir mit dem Fastenbrechen in der Osternacht nicht selbst an uns die Auferstehung? Ist hier nicht eine weitere Transzendenz des Christentums, dass das gesamte Heil nicht einfach vor 2000 Jahren geschehen ist, sondern es täglich geschieht? Ist es da nicht völlig egal, was an Jesus historisch ist? Sein Wesen wird im NT offenbar, das ist unsere Wahrheit und aus dieser Wahrheit ist auch Christi Handeln wahr – aber nicht Historisch. Letzteres ist eine Wissenschaft.
    – Hölle
    Auch diese wird kritisch als Drohkulisse gesehen, der der Einzelne fast nicht entgehen könne. Drohkulissen dienen immer der Erhaltung der Macht. Die marxistische Prägung der modernen Gesellschaft kritisiert daher diese Art der Machtausübung und im gleichen Zuge die „Kirche“. Auch hier fehlt das allgemeine Wissen, dass es doch nicht im wörtlichen Sinn um einen Ort geht, sondern um einen Zustand. Wenn ich Gott leugne, vor allem aus einer Form der Selbstüberschätzung und Gehässigkeit, bleibt diese Trennung auch im Tod erhalten. Es ist nicht einfach nur ein Ort der Qualen, sondern die Abwesenheit Gottes. Und sie dient nicht einer Abhängigkeit von der Kirche, die ohnehin letztlich die Summe aller Christen ist.
    Zu guter Letzt die 80% der Menschen, die keinen Hirten mehr haben wollen. Sind sie nicht viel abhängiger? Ich nutze da gern den Vergleich mit den fernöstlichen Religionen, die eine Mode erfahren. Stellt dort die Meditation nicht eine Praxis dar, sich von allen Abhängigkeiten zu lösen? Unterliegen sie nicht einem Führer statt eines Hirten?
    Sie sehen, Thesen sehen eigentlich etwas anders aus. Was ich aber sagen will, ist, dass wir uns nicht verbiegen müssen. Wir müssen richtig stellen und wir müssen wieder Kirche sein und es nicht den Wölkys überlassen. Wir passen durchaus in die (Post)moderne, da das geistliche Fundament zeitlos ist.
    Verlieren Sie nicht die Hoffnung!

  10. Werte(r) Philosil,
    danke für Ihre Reaktion. Meine Absicht war es, einfach die Realitäten anzuerkennen. Wenn es hoch kommt, 20 % aktive und bewusste Christen, der Rest hat mit Christentum nicht viel gemein. Vielleicht haben wir da aneinander vorbeigeredet. Ich habe wohl da zu sehr den „Anwalt des Teufels“ gegeben und habe der Gegenseite das Wort geredet, was nicht in meinem Sinne war. Ich habe das natürlich als Kritik verstanden und habe die Gegenseite versucht zu beschreiben. Das Overton-Fenster wollte ich als Methodemittel der Durchbrechung von ehemals christlichen Tabus hin zum säkularen Gesetz beschreiben und bemühen, wie wir bei Abtreibung und „Ehe für alle“ so plastisch vor Augen geführt bekommen haben. Als Klage wolllte ich meinen Kommentar im Grunde nicht verstanden wissen, weil ich mir einfach nur Gedanken darüber gemacht habe, wie es zu den Zuständen, die wir heute erleben, kommen konnte.

    Ich habe da aufgrund meines Glaubens durchaus Hoffnung. Ich gehe mit Ihrem Statement konform. Auch ich sehe die Hölle als Zustand der Gottesferne, bei der die Seele die ewigen Qualen der Liebesentbehrung Gottes durchleiden muss, wenn sie sich bewusst gegen Gott entscheidet, entweder durch schwere Sünde oder bewusste Ablehnung Gottes. Wer je unter schwerem Liebeskummer gelitten hat, wird dies als hoch unendlich empfunden, durchaus fürchten.

    Selbstverständlich glaube ich daran, dass Jesus Wunder im Sinne der Durchbrechung der hier bekannten physikalischen Gesetzmäßigkeiten aufgrund göttlicher Vollmacht gewirkt hat, denn sonst würde der Auferstehungsglaube ja ad absurdum geführt werden und sehe den biblischen Jesus als einen Gottmenschen aus Fleisch und Blut an.

    Als naive Begründung meinerseits führe ich für mich an, dass die Evangelien im Grunde relativ kurz sind und die einzelnen Episoden mit Jesus (außer Johannes) griffig und kurz und knapp geschildert werden. Dies ist in Einklang zu bringen, mit dem Vorwort des Lukas, der von Augenzeugen spricht. Und herausragende Wunder oder Gesagtes wie die Bergpredigt fallen auf und bleiben im Gedächntnis. Darum vertraue ich auf den Inhalt der Evangelien der Synoptiker. Und Johannes wird nach gleichem Muster vorgegangen sein. Nur hat er vielleicht noch mehr Wert auf die geistlichen Aussagen Jesu gelegt.

    Ich hoffe, ich konnte richtig stellen und entschuldige mich für meinen unverständlichen Kommentar.

  11. Lieber Herr Kemmer,
    Es gibt nichts richtig zu stellen, da wir in der Tat wohl das Selbe meinen. Mir blieben lediglich die beiden Punkte noch hängen und die schienen mir etwas hoffnungslos. Ich gehe mit Ihnen sonst völlig d’accord.
    Lieben Gruß

Kommentare sind deaktiviert.