Papst Franziskus: Christen müssen der Krise der modernen Welt entgegentreten

Pierre-Narcisse Guérin - Henri de La Rochejaquelein (gemeinfrei)

Die gestern veröffentlichte, durch Papst Franziskus erlassene Apostolische Konstitution „Veritatis Gaudium“ geht auch auf die eskalierende Krise der modernen Welt ein und ruft Christen dazu auf, dieser Krise entgegenzutreten und die globale Entwicklung in eine andere Richtung zu steuern. Dazu sei die Schaffung einer Kultur und die Herausbildung einer Führerschaft erforderlich, die diese Aufgaben leisten könnten.

  • Laut dem Dokument stehe die Welt einer „umfassenden anthropologischen und sozio-ökologischen Krise“ gegenüber, die damit verbunden sei, dass zunehmend „Symptome eines Bruchs“ zu beobachten seien.
  • Die gegenwärtige Lage sei von einer „großen Geschwindigkeit der Veränderungen und der Verschlechterung“ gekennzeichnet, was sich unter anderem in Form von „Gesellschafts- oder sogar Finanzkrisen“ äußere. In dieser Lage müsse es darum gehen, „das Modell globaler Entwicklung in eine [andere] Richtung [zu] lenken“.
  • Dazu sei die Schaffung einer Kultur erforderlich, „die es braucht, um dieser Krise entgegenzutreten.“ Außerdem sei es notwendig, eine Führerschaft heranzubilden, die diesbezüglich Wege aufzeige.

Hintergrund

Die katholische Kirche ist die einzige größere Institution, die sich aktiv mit allen Aspekten der krisenhaften Entwicklung der modernen Welt auseinandersetzt und umfassende Antworten auf diese bereithält. Sowohl Papst Franziskus als auch seine Vorgänger haben dabei stets betont, dass diese Krise mittelfristig zu enormen Verwerfungen führen könne, die für das Christentum in Europa, aber auch für die ganze moderne Welt existenzbedrohende Dimensionen annehmen könnten.

Der katholische Philosoph Josef Pieper sah die Quelle des Realismus des christlichen Denkens darin, dass es auf ein „innerzeitlich katastrophistisches Ende der Geschichte gefasst“ sei. In diesem Punkt sei es wesentlich realistischer als der naive Fortschrittsglaube der Moderne. Bis zum Ende der Zeit werde das „Heerlager der Heiligen“ bedroht und verfolgt werden, wobei die Herausforderungen im Verlauf der Zeit immer mehr zunehmen würden.

Weitere Gedanken zum Realismus und der Krisenerwartung des Christentums finden sich hier. (ts)

Hinweis: Das Beitragsbild zeigt den französischen Adligen Henri de La Rochejaquelein (1772-1794), der einer der Kommandeure des Widerstandes gegen den totalitären Terror der Französischen Revolution in der Vendée war. Kardinal Robert Sarah hatte diesen Widerstand 2017 als Beispiel des christlichen Engagements gegen die zum Totalitarismus neigenden modernen Ideologien gewürdigt.

8 Kommentare

  1. Ich habe von „Veritatis Gaudium“ nur den Anfang gelesen. Nach wunderbaren wahren Worten kommt dann dieser verhängnisvolle (?) Satz, der ( nach meiner Vermutung ! ) den Weg in eine falsche, nicht mehr evangeliumsgetreue Deutung der Lage öffnen soll. Der Satz lautet: „Zugleich ist hier der Entwicklung der letzten Jahrzehnte im Bereich der akademischen Studien Rechnung zu tragen, ebenso dem weltweit gewandelten soziokulturellen Kontext wie auch den Empfehlungen auf internationaler Ebene hinsichtlich der Ausführung der verschiedenen Initiativen, denen der Heilige Stuhl beigetreten ist.“ Ich kann es jetzt nur als Frage bringen ( und ich würde mich freuen, wenn ich total danebenläge mit meinen bösen Ahnungen ) Meine Frage lautet etwa so: Kommt jetzt die Wahrheit mehr von der UN [„internationale Ebene“], von „kalten“ Wissenschaftlern, die gar keinen Glauben mehr haben müssen [„akademischen Studien“] und von linken Kräften, welche immer nur blöken können „die Schere zwischen arm und reich öffnet sich immer mehr“ [„soziokultureller Kontext“]. Kommt die Wahrheit „heute“ aus der Welt, und nicht mehr von der ewigen Wahrheit der Offenbarung Gottes ? Hat – um EIN Beispiel zu nennen – der Satz „es soll nicht aufhören Aussaat und Ernte“ heute für uns weniger Autorität als die ( teuflisch ? ) raffinierte Propaganda eines „Wissenschaftlers“ Schellnhuber mit seinem ganzen völlig übertriebenen „Klimaquatsch“ ? Wenn wir mit der CO2-Produktion so weitermachen, sagte er unwidersprochen neulich im Deutschlandfunk, dann werden wir „unsere Zivilisation an die Wand fahren“. Was für ein demagogischer Irrsinn – und unser Papst geht mit in diese Richtung ?

    • @Herbert Klupp
      Unter Papst Franziskus wurden bereits Abtreibungsbefürworter in Funktionen an der Päpstlichen Akademie für das Leben berufen: http://www.kath.net/news/59922
      Ihr Eindruck täuscht also vermutlich nicht.
      Es gibt m.E. zwei Optionen um damit umzugehen:
      a) Man konzentriert sich auf die vielen in der Tat sehr besorgniserregenden Entwicklungen im Zusammenhang mit Franziskus
      b) Man konzentriert sich auf seine konstruktiveren Äußerungen und Taten und vertraut darauf, dass auch der schlechteste Papst die Kirche nicht zerstören können wird.
      Eigentlich gibt es noch eine Dritte, nämlich der katholischen Kirche oder zumindest ihrer nachkonziliaren Form den Rücken zu kehren.

  2. Liebe Freunde, genau hier habe ich Probleme mit dem Dogma der Unfehlbarkeit.
    Als meine heidnischen Vorfahren in Europa einbrachen, wurde ihnen das römische Christentum vorgestellt von einem Papst, welcher der Leiche seines Vorgängers den Prozess machte, diese verstümmelte und in den Tiber schleifen ließ; von der päpstlichen Edelprostituierten Marozia und einem Papst, welcher eben jene meine heidnischen Vorfahren besoldete, damit sie seine christlichen Mitbrüder und italienischen Landsleute umbringen.
    Als im 16. Jahrhundert ein Ungar Papst werden wollte und großzügig „Geschenke“ an die Kardinäle verteilte, scheiterte er daran, dass sein Gegenspieler, ein Medici, weit höhere Bestechungssummen zahlen konnte (das Geld holte die Familie/Hausbank des Letzteren durch den Ablasshandel wieder rein, was daraus wurde, wissen wir).
    Im 30jährigen Krieg finanzierten das katholische Frankreich und Venedig sowie seine Heiligkeit in Rom die Armee von Gustav Adolf, damit er die Macht der katholischen Habsburger beschneidet.
    Kurz: Als unsere Katholische Kirche auf dem Höhepunkt ihrer Macht stand, wussten Laien, Kleriker und die Päpste selbst, dass sie NICHT unfehlbar sind.
    Das Dogma wurde geschaffen von einer Kirche in größter Not von einem edlen, heroisch kämpfenden Papst. Leider gab es keine Garantie, dass alle seine Nachkommen so sein werden.
    Zum Thema Abtreibung: Sogar die extrem konservative katholische Kirche in Kroatien und der Hercegowina lenkte schweren Herzens ein, dass im Balkankrieg Frauen abtrieben, die von marodierender Soldateska oder in systematisch engerichteten Vergewaltigungslagern schwanger wurden, weil die NOTLAGE dieser Frauen und Mädchen unerträglich war. Finanzielle Probleme oder ein mißglückter one-night-stand sind keine unerträgliche Notlage.
    Zum Thema Klimawandel: Fast immer ist Klimawandel, so kam Hannibal mit seinen Elefanten über die Alpen, so gediehen in Warmzeiten in Norwegen Weintrauben, deshalb war die Ostsee mal ein Süßwasser-See und mal ein viel größeres Meer als heute. Klimawandel hat viele Ursachen, die mit Sicherheit unbedeutenste ist CO2, dessen Anstieg eher die Folge als die Ursache der Erwärmungen war.

    • @Attila Varga: Ihr Beitrag kommt mir vor wie ein Sammelsurium hochtrabend vorgetragenen Unfugs. Darf ich dazu etwas fragen ? Ich fange vorne an ? Welche „Ihrer Vorfahren“ sind „in Europa eingebrochen“ und welcher Papst hätte denen dann „das Christentum vorgestellt“ ? Und falls das auch nur einigermaßen historisch richtig sein könnte – was wäre daran so anklagenswert ? Ihr gesamter Beitrag atmet die verleumderische Anklage gegen die Heilige Kirche. Zwar gibt es jede Menge kleinerer und größerer Sünder IN dieser Kirche ( auch Päpste sind natürlich nicht ausgenommen ) aber das meint ihr Beitrag ja nicht. Sie klagen „die Kirche“ an – so empfunde ich den Duktus. In Hochhuts „Stellvertreter“ haben wir das Muster, das uns aus allen Jahrhunderten entgegenstänkert. Irgendein ( wenig seriöser ) Zeitgenosse fängt an, Lügen über Lügen über einen Kirchenmann zu verbreiten – leider mit Resonanz im allgemeinen Publikum ( welches immer schon auch aus Kirchenhassern besteht ! ) Die Lüge wird zwar widerlegt, aber die widerlegenden Stimmen sind nicht so stark am Markt, wie die reißerische Anklage. Und dann lebt das fort durch die Jahrhunderte. Und Leute wie Sie fallen darauf herein. Leute wir Sie werden in zweihundert Jahren den Hochhuth als „Beweis“ dafür heranziehen, daß Papst Pius mit Hitler gemeinsame Sache gemacht hätte. Ich „hasse“ ( bitte das jetzt richtig verstehen ) diesen stinkenden Lügenhaufen, aus dem aber viele immer noch ihre „Nahrung“ beziehen. Arme Teufel !

      • Lieber Herbert Klupp,
        fangen wir also von vorne an.
        A) Meine Vorfahren sind die Ungarn. Diese ließen sich 895/ 96 (als Folge ihrer Allianzen mit Arnulf von Kärnten gegen die Mährer und mit Byzanz gegen Bulgarien und die Petschenegen) im Karpatenbecken nieder.
        B) Dies war kein idealer Zeitpunkt, um einen guten Eindruck von der Kirche zu gewinnen:
        im Januar 897 hielt Papst Stephan VI die „Leichensynode“ (Synodus horrenda) ab, bei welcher er aus politischen Gründen die Leiche seines Vorgängers Formosus der erwähnten Sonderbehandlung unterzog.
        C) Sie mögen dies nicht für anklagenswert halten, die Zeitgenossen hätten gerne darauf verzichtet. Wegen solcher und ähnlicher (Madame Marozia usw.) Mißstände hielten viele Christen die Ungarneinfälle für eines Gottesstrafe.
        D) Die übrigen Vorgänge sind ebenfalls historisch.
        E) Ich kann mich nicht daran entsinnen, Papst Pius der Zusammenarbeit mit Hitler beschuldigt zu haben.
        F) Sie empfinden den Duktus falsch. Ihre Kirche ist auch meine, allerdings habe ich das menschliche Problem, dass es mir schwer fällt, die Institution vollständig vom Personal zu trennen. Wenn Vertreter dieser Kirche Aussagen treffen, die ich für falsch halte, kann ich diese hinterfragen, ohne gleich ein Feind der Kirche sein.
        G) Wir sollten schon sachlich mit den Fehlleistungen von Vertretern dieser Kirche umgehen, jede Kritik abzubügeln, hilft nicht der Kirche, sondern ihren Feinden.
        H) Meine persönliche Meinung: Wir sollten nicht derart inflationär mit dem Wort Hass umgehen wie unsere Gegner.

  3. Na, lieber Attila,
    die Unfehlbarkeit gilt ja nur „ex cathedra“ in Fragen des Glaubens und der Sittenlehre. Der Papst muss diese Glaubenslehre als „von Gott offenbarte Wahrheit“ äußern. So gibt es bis heute nur zwei Dogmen, in dem dieses Prinzip angewandt wurde: Die „unbefleckte Empfängnis“ und die „Leibliche Aufnahme Mariens“.* Ansonsten teile ich Eure Befürchtungen – wobei ich die Wissenschaften weniger ihrer Kälte wegen beargwöhne, – dafür denke ich selbst zu wissenschaftlich – sondern wegen ihrer Nähe zu ideologischen Interpretationen und Lobbies. Sei es nun Gendermainstreaming, welches bar jeder Grundlagenforschung ist und ihr sogar widerspricht, sei es die Weise der Klimaforschung, die ihre Gelder aus sämtlichen politischen Feldern requiriert und bemüht ist, weiterhin ihre Einrichtungen der Finanzen wegen zu legitimieren.
    Insbesondere dann, wenn Papst Franziskus von soziokulturellen Herausforderungen spricht, kann er nur bedingt die Wissenschaften nutzen. Ist doch gerade sein soziales Verständnis immer normativ; dagegen soziokulturelle Verhältnisse meist nur beschreib- und analysierbar und aus ihrer Vielfalt und ständigen Wandlung heraus kaum festlegend beschreibbar.
    Leider gibt es einen ähnlichen Disput auch in den Ostkirchen. Dort hat 2016 auf Kreta das panorthodoxe Große und Heilige Konzil stattgefunden, in dem auch einige brisante Themen angeschnitten werden sollten (Wiederverheiratung geschiedener Priester). Letztlich kamen nicht alle Patriarchen, darunter der russische, so dass de iure kein Beschluss gefasst werden konnte. Leider sehen das nicht alle ein. Das tröstliche an der Sache ist jedoch, dass alle Beschlüsse – neben der Einstimmigkeit – auch vom Kirchenvolk angenommen werden müssen. Ist dies nicht der Fall, werden „Reformen“ auch wieder zurückgenommen.
    Nichtsdestotrotz stimmt es mich traurig, mit ansehen zu müssen, wie in der ganzen Welt das christliche Selbstverständnis immer mehr an Boden zu verlieren scheint.

    *Ich habe aus Zeitmangel und da es mir bereits bekannt war, ausnahmsweisel Wikipedia als Quelle genutzt.

  4. Lieber PhilosII:
    Genau in Fragen des Glaubens und der Sittenlehre steckt der Teufel im Detail! Wo hören Glauben und Sittenlehre auf, wo fängt die Realpolitik an?
    Befehlen mir Glauben und Sittenlehre Menschenmassen die Tore zu öffnen, die meinen Glauben zerstören, die Sittenlehre der Kirche zerstören wollen? Ein Teil davon gibt dies selbstbewußt zu, der Rest bildet unbewußt die Ressourcen für die Eroberung mittels demographischer Entwicklung.Es irritiert mich immer wieder, dass der Papst einerseits für die Bewahrung des Christentums eintritt und andererseits Völkern, die seit Jahrtausenden die Grenzen des Abendlandes verteidigen, in den Rücken fällt. All jene Päpste, fehlbare wie untadelige, die über tausend Jahre lang mit Wort und Tat den Verteidigern des Abendlandes von Karl Martell bis Prinz Eugen zur Seite standen, haben sich also geirrt? Die Ausbreitung islamischer Enklaven über ganz Europa und Anbiederung an den Zeitgeist sind vereinbar mit der Verteidigung christlicher Werte und Sitten?
    Ich arbeite seit Jahrzehnten mit Muslimen zusammen,mit vielen konnte ich über heikle Themen sprechen. Der „polnische Papst“ wurde von ihnen nicht gemocht, aber respektiert, für die Annäherungsversuche von Papst Franziskus hatten meine Gesprächspartner nur Hohn übrig. Wie stark ist eine Kirche, denen die Gläubigen davonlaufen und die von ihren alten Gegnern nur noch belächelt wird?

  5. Lieber Attila, Jesus und die Lehre der Heiligen Kirche haben stets nur DEN EINZELNEN im Visier, sein Seelenheil, sein körperliches Heil, seine Umkehr zu Wahrheit, Erkenntnis, Freiheit und Liebe. Politik für Millionenheere ( auch noch von Eindringlingen ! ) die man jetzt „zu integrieren“ hätte, läßt sich daraus keinesfalls ableiten. Die sowas tun, stellen sich materiell (faktisch) außerhalb unserer Lehre !

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