Weltanschauliche Bekämpfung des politischen Islam: Eine militärische Perspektive

Bartolomeo Vivarini - Der hl. Johannes von Capestrano (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Militärhistoriker Michael Anderson war als amerikanischer Offizier vor allem im Bereich Militärisches Nachrichtenwesen eingesetzt, unter anderem im für die globale Bekämpfung militanter Islamisten zuständigen „Special Operations Command“ (SOCOM). In einem aktuellen Beitrag analysiert er Defizite in der weltanschaulichen Auseinandersetzung westlicher Gesellschaften mit dem politischen Islam.

Westliche Gesellschaften seien im Kampf gegen den politischen Islam bzw. gegen islamistische Akteure zwar auf taktisch-operativer Ebene, nicht jedoch auf der entscheidenden strategischen Ebene erfolgreich. Dies habe die folgenden Ursachen:

  • Der Konflikt mit dem politischen Islam sei ähnlich wie der mit dem Kommunismus seinem Wesen nach eine „existenzielle weltanschauliche Auseinandersetzung“. Viele westliche Regierungen würden ihn jedoch nur verkürzt als rein taktisch-militärische oder polizeiliche Herausforderung wahrnehmen. Andere Regierungen würden aus Sorge vor weiterer Vertiefung ethnisch-religiöser Bruchlinien in den jeweiligen Gesellschaften die Herausforderung durch den politischen Islam verharmlosend darstellen und erforderliche Maßnahmen bei dessen Bekämpfung unterlassen.
  • Viele Muslime würden den Unwillen westlichen Gesellschaften, den gegen sie gerichteten Herausforderungen mit der angemessenen Entschlossenheit zu begegnen, als Zeichen von Schwäche wahrnehmen. Dies stärke das islamistische Narrativ und die Glaubwürdigkeit islamistischer Propaganda, die den Westen als schwach darstelle, und führe dazu, dass der politische Islam auch in westlichen Gesellschaften in immer größerem Umfang Anhänger mobilisieren könne.

Um sich im Konflikt mit dem politischen Islam durchzusetzen, müssten westliche Gesellschaften die Dimensionen dieses Konflikts richtig erkennen und die Auseinandersetzung mit entsprechenden Gegnern vor allem auch als „Krieg der Ideen“ auf weltanschaulicher Ebene führen.

  • Dazu sei vor allem eine mobilisierende Weltanschauung erforderlich, welche eine umfassendere und aggressivere Bekämpfung des politischen Islams legitimiere, die Bevölkerungen westlicher Staaten von der Richtigkeit dieses Kampfes überzeuge und zu dessen Unterstützung motiviere. Gleichzeitig müssten diese Weltanschauung und die mit ihr verbundenen Botschaften dazu geeignet sein, Islamisten zu demoralisieren und unentschlossenen Muslimen zu vermitteln, dass die Unterstützung des politischen Islams für sie nachteilig wäre und dessen Kampf gegen westliche Gesellschaften aussichtslos sei.
  • Westlichen Regierungen und Bevölkerungen müssten zudem erkennen, dass existenzielle Herausforderungen angemessene Maßnahmen zur Bekämpfung des Gegners erfordern würden. Man könne einen Krieg nicht gewinnen, wenn man dessen Realitäten und ihre Erfordernisse nicht zur Kenntnis nehmen wolle. Die weltanschauliche Bekämpfung des politischen Islams müsse daher im Rahmen einer umfassenden Strategie von einem erweiterten kinetischen und nicht-kinetischen Vorgehen gegen entsprechende Akteure auch über das terroristische Spektrum hinaus begleitet werden.

Eine umfassendere, integrierte Bekämpfung des politischen Islam erfordere nicht nur den Aufbau zusätzlicher behördlicher Kapazitäten, sondern auch die Einbindung der Zivilgesellschaft westlicher Staaten, um wirksam sein zu können.

Bewertung und Folgerungen

Der politische Islam ist einer der Hauptakteure, was weltweite Christenverfolgung angeht, und tritt auch in Europa zunehmend als Herausforderung für das Christentum in Erscheinung. Da kirchliche Akteure Maßnahmen zur Abwehr und Bewältigung dieser Herausforderungen nur in sehr begrenztem Maße selbst durchführen können, sind sie auf die Unterstützung von Staaten angewiesen. Dabei wurden zuletzt unterschiedliche Interessen der Kirche und Staaten wie den USA sichtbar, deren Vorgehen im Irak und in Syrien negative Auswirkungen auf die Lage der christlichen Bevölkerungen dort hatte.

Wie Anderson in seinem Beitrag andeutet, sind säkulare westliche Gesellschaften zu ihrer Selbstbehauptung gegen die Herausforderung durch den politischen Islam gleichzeitig auf christliche Beiträge angewiesen, so wie es auch bei der weltanschaulichen Bewältigung der Herausforderung durch den Kommunismus der Fall war.

Auch der damalige Bundespräsident Joachim Gauck hatte vor einiger Zeit einen Mangel an konfliktfähigen Narrativen im Identitätsverständnis säkularer westlicher Gesellschaften kritisiert:

Wir Europäer haben bis heute keinen Gründungsmythos nach Art einer Entscheidungsschlacht, in der Europa einem Feind gegenübertreten, siegen oder verlieren, aber jedenfalls seine Identität bewahren konnte.

Das Christentum könnte die von Anderson und Gauck eingeforderten kulturellen Ressourcen bzw. jene Selbstbehauptung und Durchsetzungsfähigkeit begünstigenden Narrative zur Verfügung stellen, die auf der christlichen Geschichte von 1400 Jahren der beinahe ununterbrochenen Konfrontation mit verschiedenen Formen des politischen Islams beruhen.

Damit der Bezug auf diese Narrative jedoch glaubwürdig ist und nicht nur eine Instrumentalisierung des Christentums für säkulare Zwecke darstellt, wäre es erforderlich, dass die sich darauf beziehenden Staaten und Gesellschaften auch dazu bereit sind, sich auch in anderen Aspekten des gesellschaftlichen Lebens mit ihrem christlichen Erbe zu identifizieren.

Die christliche Auseinandersetzung mit dem politischen Islam kann sich darüber hinaus nicht darauf beschränken, dessen Angriffe abzuwehren, sondern muss dem Gebot der Feindesliebe folgend dessen Anhänger als Menschen behandeln, deren geistig-kulturelles Notlage es erforderlich macht, ihnen religiöse Alternativen zu der Religion aufzuzeigen, die für ihre Notlage verantwortlich ist. (ts)

Hinweis: Das Beitragsbild zeigt den hl. Johannes von Capestrano (1386-1456). Der franziskanische Ordenspriester und Wanderprediger engagierte sich nach dem Fall Konstantinopels in besonderem Maße für die Mobilisierung von Verteidigung gegen die osmanische Bedrohung Europas. So führte er etwa den Reichsfürsten auf mehreren Reichstagen die drohende Gefahr vor Augen. Einer Predigt, welche die beinahe schon geschlagenen Verteidiger Belgrads im Jahre 1456 gestärkt habe, wird deren Sieg über die osmanischen Angreifer und die damit verbundene Rettung Mitteleuropas zugeschrieben.

11 Kommentare

  1. „Gleichzeitig müssten diese Weltanschauung und die mit ihr verbundenen Botschaften dazu geeignet sein, Islamisten zu demoralisieren und unentschlossenen Muslimen zu vermitteln, dass die Unterstützung des politischen Islams für sie nachteilig wäre und dessen Kampf gegen westliche Gesellschaften aussichtslos sei.“

    „Man könne einen Krieg nicht gewinnen, wenn man dessen Realitäten und ihre Erfordernisse nicht zur Kenntnis nehmen wolle.“

    „die Einbindung der Zivilgesellschaft westlicher Staaten.“

    Alle zitierten Stellen zielen m.E. nach auf ein wesentliches Problem: Das letzte Zitat. Dabei glaube ich, dass das Gros der Zivilgesellschaft im Grunde den Problemen und ihren Lösungen gar nicht so ablehnend gegenüber stünde, würde sie einen freien Zugang zu allen Informationen erhalten. Die ganzen politischen Katastrophen, der letzten 100 Jahre wären wohl kaum möglich gewesen, wenn es einen objektiven und allen voran wertfreien Journalismus gegeben hätte und gäbe. Frei und objektiv bedeutet vor allem, frei von Ideologien und sonst irgendwelchen Moralansprüchen. Dann würden auch die Kopfgeburten von arischen oder bunten Gesellschaftsmodellen nicht versucht, umgesetzt zu werden, sondern das zählen, was ist. Wer sich von den Medien emanzipiert hat, der wird das aus Begegnungen mit anderen kennen: Vorwürfe gegen das eigene Denken, zitiert aus dem ZDF u.ä. Medien, tatsächlich aber völlig andere Inhalte damit verbunden. Es geht also um den mittlerweile etwas blass gewordenen Begriff der „Aufklärung“. Zugleich mit der Forderung des Autors, das Christentum zu fördern, ohne es für politische Zwecke zu instrumentalisieren, auch um Wahrhaftigkeit und „das Eigene“.

  2. Wobei man nicht den Eindruck hat, dass die regierenden Eliten in Brüssel oder Berlin in der Zunahme islamischer Migranten überhaupt ein Problem sehen. Und wenn dies auch der Fall wäre, würden die Verfechter der säkularen und zunehmend christenfeindlichen Staatskonzeption wohl kaum die Lösung im Christentum sehen. Oder anders gesagt: Wer Kreuze aus öffentlichen Räumen verbannt, wählt kein christliches Narrativ…

    • Zum Artikel vom BStM:

      So vollkommen richtig Anderson die Situation skizziert, so meilenweit sind die Machthaber in der EU und Deutschland aber davon entfernt, auch nur ansatzweise in diese Richtung denken zu wollen.

      Nach dem Brexit Großbritanniens, der Wahl Trumps in den USA und der anhaltend migrationskritischen Haltung Australiens lässt sich allerdings – auch in Verbindung mit einer Reihe bemerkenswert kritischer Veröffentlichungen in diesen Ländern (so etwa jene von Anderson) – die Möglichkeit einer Trendwende im angelsächsischen Raum erkennen.
      Das heißt nicht, dass die angelsächsischen Länder für schon sehr viel weiter sind als die kontinentaleuropäischen Länder, aber sie scheinen das Problem zu erkennen und zumindest ein Teil der gesellschaftlich relevanten Kräfte dürfte wohl auch umsteuern wollen.
      Die Ratten verlassen nun das sinkende Schiff, welches schon von der Migrationswaffe torpediert worden ist.
      Zu dieser Einschätzung passt auch die Haltung der traditionell amerikafreundlichen Polen, die sich eben auch nicht selbst ruinieren wollen – und damit (wie schon vor 1939) als wichtiger angelsächsischer Alliierter im Osten intakt bleiben.

      Den kontinentaleuropäischen Konkurrenten lässt man hingegen ganz bewusst weiter ins Unglück rennen bzw. – um im Bild zu bleiben – absaufen. Diejenigen nützlichen Handlanger und Agenten an Bord, die den Torpedotreffer nicht hatten verhindern wollten, sondern danach auch noch zusätzlich die Ventile geöffnet haben, damit das Schiff noch rascher sinkt, lässt man vielleicht im letzten Moment noch in ein Rettungsboot springen oder von einem angelsächsischen Hubschrauber abholen …

      @ Kirchenfahrer Angelus

      Sie schreiben:
      „Wobei man nicht den Eindruck hat, dass die regierenden Eliten in Brüssel oder Berlin in der Zunahme islamischer Migranten überhaupt ein Problem sehen.“

      Da die Dummheit dieser „Eliten“ gar nicht so groß sein KANN, dass sie das Problem mit der islamischen Migration nicht sehen, bleiben nur die zwei Varianten als Erklärung übrig, nämlich dass die Leute entweder nicht nur beschränkt und dumm, sondern geradezu wahnhaft-saudumm sind oder dass es sich eben um eine ganz bewusste Zerstörungsarbeit zugunsten bestimmter Interessengruppen handelt. Und damit wären wir dann wieder bei den weiter oben angerissenen Dingen …

  3. Ist denn da nicht von vornherein der Ansatz falsch? Nur den politischen Islam bekämpfen heißt doch letztlich nur, das Symptom, nicht die Ursache bekämpfen zu wollen. Der politische Islam ist noch nur der ausführende Teil des Islams, der islam-religiöse Gesetze als irdische politische Gesetzgebung in der Scharia durchzusetzen gedenkt und auch durchsetzt. Strafen bei Apostasie und Ehebruch, usw. Ich denke – auch nur meine Meinung – dass der Kampf gegen den Islam erst einmal damit beginnen sollte, rein theologisch endlich die weit größeren Verschiedenheiten auszumachen als immer auf die wenigen Gemeinsamkeiten zu schauen, die einer Überprüfung letztlich nicht standhalten, weil die Begrifflichkeiten wie Liebe, Barmherzigkeit, Toleranz, Respekt und Freiheit in beiden Systemen völlig andere Bedeutung haben. Bevor die Theologie solche Aussagen trifft, hätte sie zunächst die unterschiedlichen Definitionen dieser abstrakten, aber eben für die Theologie so wichtigen Begrifflichkeiten klären müssen .

    Es beginnt damit, dass Christen der kath. Kirche in ihrem offenbar neuerdings (seit dem II. Vatikanum) allen Ernstes glauben, dass Christen, Juden und Muslime denselben Gott, lediglich mit verschiedenen Zugängen, anbeten. Das allerdings wird wohl nur von Christen so gesehen, nicht von Muslimen und deren vier Rechtsschulen und wohl auch nicht von Juden.

    Wer dies bei diesen ja fast diametral entgegenstehenden „Zugängen“ behauptet, hat doch den Kampf um die Wahrheit des Gottesbildes schon verloren. Wenn die kath. Kirche wirklich behauptet, dass Allah und der Dreieine Gott identisch seien und wie alle denselben anbeten, dann ist das im Grunde ein Affront gegen Jesus Christus. Judas war da einsichtiger. Allah, wie er sich im Koran darstellt, ist ein Kriegsgott, einer der Hass sät, einer der Jesus und seine Lehre geistig vergewaltigt, der Ungläubige, Andersgläubige und nicht zuletzt Schriftbesitzer, die er an manchen Stellen je nach Übersetzung als „schlechteste oder abscheulichste Geschöpfe“, also noch unter den Geschöpfen von Dämonen der Hölle verortet, als Menschen niederer Klasse darstellt und die Frauen letztlich dem Eigentumsrecht der Morgengabe überlässt und Frauen als Sexsklavinnenkriegsbeute behandeln lässt. Mohammed selbst hielt sich so manche. Der Islam ist in seiner Grundstruktur im wahrsten Sinne des Wortes „religionsrassistisch“. Darum hat Hamad Abdel Samad nicht umsonst das Buch „Der islamische Faschismus: Eine Analyse“ geschrieben.

    Meines Wissens hat es in der kath. Kirche zwar jede Menge Höllenpredigten gegeben, um so die Schäfchen durchaus „klein“ zu halten, aber es ist wohl nie „ex cathedra“ eine Höllenbestimmung einer Person durch die Kirche erfolgt. Das haben wir hoffentlich immer dem Dreieinen Gott selbst überlassen.

    Der Koran sieht das etwas anders. Alle, die nicht den Islam annehmen, landen in der Hölle, laut einer Fatwa auch der heilig gesprochene Johannes Paul II. Darum auch das einfache Urteil vieler religiöser Muslime: Alle Nichtmuslime landen in der Hölle. In einen religiösen Kontext gestellt: Ein vernichtendes Urteil. Diese Muslime nehmen das allahische Urteil vorweg. Sie richten schon hier auf Erden wie Allah später im Jenseits richten wird. Dessen sind sich sich glaubensmäßig zu 100 % sicher und so behandelt man auch Schriftbesitzer im islamischen Machtbereich. Da ist bereits die Ursache für das Haus des Krieges und das Haus des Friedens. Frieden nach dem Diktat des Islams.

    Ich habe als Katholik nie verstanden, dass so eine Aussage in den Dokumenten des 2. Vatikanums ihren Niederschlag finden konnte. Wer sich auch nur peripher mit dem Koran und dem Islam beschäftigt hat, weiß, dass jeder gläubige Muslim glaubt, dass Christen und Juden, dass Nichtglaubende oder andersglaubende Höllenanwärter sind. In dieser Frage sind sie konsequent und machen auch keine Unterscheidung zwischen Ungläubigen und Schriftbesitzern.

    Und ja, es bleibt zu konstatieren, dass die Lehre des Koran in seiner theologischen Auswirkung selbst für die eigenen Gläubigen und erst recht für den Rest der Welt minderwertig ist. Selbst das Himmelsbild gleicht eher einem Bordell als einem harmonischen spirtiuellen Zustand nach dem Tod der Seelen.

    Der politische Kampf gegen den Islam setzt doch erst einmal voraus, dass bereits theologisch die Erkenntnis erfolgen muss, dass die Lehre des Islams eine antichristliche Theologie verfolgt. Ich erkenne diese Antichristlichkeit, welche nicht nur praktisch historisch bereits seit Mohammends Tagen festzustellen war, sondern selbst im Heute in einer Christenverfolgung und- diskriminierung Niederschlag findet, die das Alte Rom blass aussehen lässt. Und auch da muss ich meine Kirche kritisieren: Sie nennt leider nicht Ross und Reiter für dies heute stattfindende Christenverfolgung. Sie nennt nur den Kommunismus, nicht aber die islamische Lehre als Verursacherprinzip.

    Warum sollte denn der politische Kampf des Islams begonnen werden, wenn der Islam noch immer sowohl von den Kirchen bis hin zum Papst und demzufolge auch von allen Politikern als eine Religion des Friedens angesehen wird, obwohl bereits das kleinste islamische Gesetz im islamischen Machtbereich, welches Nichtmuslimen weniger Recht zugesteht als Muslimen das Gegenteil vor Augen führen sollte.

    Wie lange dauern die kirchlichen Dialoge mit Vertretern des Islams? Haben sie in Ländern des islamischen Machtbereichs auch nur irgendeine leichte Veränderung zugunsten der Christen bewirkt? Aber vielleicht sehe ich da zu pessimistisch.

    Möglicherweise zeige man mir Fortschritte auf, die durch solche Dialoge für Christen entstanden sind? Mir sind keine bekannt.

    • Sehr geehrter Herr Kemmer,
      der elementare Unterschied zwischen Islam und Christentum, welchen Sie ansprechen, könnte etwas damit zu tun haben, dass das Christentum das Produkt eines langen Reifeprozesses ist, während der Islam im Wesentlichen auf dem Werk eines Propheten ruht.
      Mohammeds Umwelt war geprägt von den alten heidnischen Kulten der Stadt Mekka, von Judentum und Christentum. Er band Traditionen aller drei Religionen in seine Lehre ein, wurde aber von den Anhängern der drei Religionen abgelehnt, so dass der Glaubenskrieg von Anfang an zum Islam gehörte. Was seine Krieger motivierte, war der Glaube, dass sie auf jeden Fall ins Paradies kommen und ihre Gegner auf jeden Fall in die Hölle.
      Ein gutes Beispiel für das frühe abendländische Christentums ist der Epos „Beowulf“. Der Gaute Beowulf lebte im 6. Jh., seine Abenteuer wurden in die skandinavische Mytholgie aufgenommen und schließlich von einem angelsächsischen Mönch niedergeschrieben. Dieser Mönch musste davon ausgehen, dass Beowulf nach seinem Tod als Heide wahrscheinlich zur Hölle fährt, schilderte aber seinen Helden als „guten Heiden“, der durch seine Heldentaten und Selbstaufopferung vielleicht doch die göttliche Gnade gewinnt. Kurz: Ein Christ, welcher ein schlechter Mensch war, hat weniger Aussicht auf den Himmel, als ein edler Heide, welcher durch Geburt oder mangelnde Gelegenheit nicht die Taufe annehmen konnte. Ich weiß nicht, ob die Theologie dies genauso sieht, aber zB. die mittelalterliche Saladin-Verehrung in Europa oder das Werk von Mutter Theresa deuten darauf hin, dass die Einstellung des Beowulf-Autors im Christentum weiterhin vorhanden war.

      • Werter Attila Varga,
        ich danke für die ausführliche Stellungnahme. Sehr interessanter Aspekt. Danke. Ich würde nie behaupten, dass ein Muslim, der zu seinem Allah betet in dem Bewusstsein, dass andere Menschen gleichwertig sind und gute Werke tut, nicht in den Himmel kommen würde. Diese Gebete werden bei Gott ankommen, meine Überzeugung.

        Aber es ist m. E. wichtig, die Teile der Theologie oder der Dogmatik des Islams fundamental zu kritisieren, die „religionsrassistisch“ daher kommen und eben leider auch heute noch so praktiziert werden. Das Dilemma des Islams ist der Koran als kaum interpretierbares Wort Gottes und sein Prophet, der genau nach diesem Wort gehandelt hat, zuletzt eben als mordender Kriegsherr und genauso sehen dann auch seine Verse aus. Die kath. Kirche würde Mohammed wohl kaum heilig sprechen. Und darum ist es mehr als gewagt und auch irreführend, also der jesuanischen Wahrheit widersprechend, dass Muslime und Christen denselben Gott anbeten.

        Während Judendie Thora, die Christen das AT und das NT immer interpretiert und entwickelt haben, blieb der Islam im Wort des Korans stecken. Das macht ihn aber eben auch gleichzeitig so gefahrvoll für alle, die er als ungläubig ansieht und zum weiblichen Geschlecht zählen. Denn aufgrund dieser Verse werden Mädchen zwangsverheiratet, Kinderehen legitimiert, jüngst wieder von der türkischen Religonsbehörde, die die Anzahl der Kinderehen durch Imame letztlich wieder steigen lassen wird und Nichtmuslime werden im Dhimmistatus gehalten. Mohammed hat doch letztlich gegen alle 10 Gebote mehr oder weniger verstoßen und schreckte wie der IS (wie auch Saudi Arabien oder der Iran in ihrer scharianischen Gesetzgebung) auch vor Mord an wehrlosen jüdischen Kriegsgefangenen zurück.

        Jeder Religion steht m. E. das Recht zu, ihre Lehre als einzige Wahrheit zu betrachten, nach der die jeweiligen Gläubigen sich richten sollen oder können. Keiner Religion steht aber das Recht zu, Dogmen in die Welt zu setzen, die die Religionsfreiheit auch nur im Ansatz einschränken. Da – so meine ich – sollte dann auch Klartext gesprochen werden.

        Diese Kritik jedoch kommt mir zu kurz in der kath. Kirche. Und darum ist der politisch Islam ja im Grunde nur der gesetzliche Folge und Ausfluss dessen, was in der islamischen Theologie gelehrt wird. Darum sollten Kirche und Staat hier mehr als intensiv zusammenarbeiten. Wenn aber die Urproblematik ignoriert wird, nutzt auch die Bekämpfung des bzw. die Auseinandersetzung mit dem politischen Islams kaum.

  4. Richtig, die Nichtinterpretierbarkeit des Koran unterscheidet diesen von Thora und Bibel. Deswegen glaube ich auch nicht, dass es so etwas wie einen Euro-Islam, modernen Islam oder liberalen Islam als Massenbewegung geben wird.
    Im Mittelalter gab es Versuche, den Koran im gnostisch-platonischen Sinn zu interpretieren, dies führte zu Bürgerkriegen und Bildung von Sekten, von denen die Drusen und Yeziden Überbleibsel sind. Die Sufi-Bewegung, die sich aus ähnlichen Quellen speiste, wurde vom Heiligen Krieg vereinnahmt, die Bektaschi-Derwische wurden zur Speerspitze des osmanischen Imperialismus, Sufi-Orden bekämpften zusammen mit salafistischen Bewegungen im 19. Jh. die Kolonialmächte. Die Ahmadiya und Babai gingen einen anderen Weg und wurden daher von den Konservativen aus der islamischen Glaubensgemeinschaft ausgeschlossen.
    Es wundert mich, dass Teile der katholischen Kirche so tun, als wüssten sie dies alles nicht, daher benutzen auch sie die konstruierte Redewendung vom politischen Islam. Ob wirklich Naivität dahintersteckt oder irgendein ein Plan, welcher uns „Frontschweinen“ gefällt oder nicht, wird sich wohl bald zeigen.

  5. Lieber Herr Kemmer,
    Ihre Forderungen schließen an dieser Diskussion sehr gut an:
    https://bundsanktmichael.org/2018/01/12/patrick-deneen-christliche-antworten-auf-die-bevorstehenden-krisen-westlicher-gesellschaften/
    In der Tat würde ich nicht behaupten, dass Juden, Christen und Muslime nicht denselben Gott anbeten, es gibt nur den einen. Ich würde eher darauf hinweisen, dass der Islam aus Gott einen Götzen macht und die Forderungen sowie die Art der Offenbarung eher dem Charakter des gefallenen Engels entsprechen. Dieses Argument ist m.E. deswegen wichtig, weil Muslime uns Christen häufig Götzendienst vorwerfen. Sei es wegen der Dreifaltigkeit oder wegen der Ikonen und Statuen. Sie übersehen dabei, dass wir gerade dadurch kaum ein fixiertes Bild von Gott haben. Im Gegensatz dazu degradiert die Scharia Gott zu einem kleinen eifersüchtigen, kontrollsüchtigen Macho – einen Götzen. Oder, um es mit Dieter Nuhr zu sagen: „Wüsste man nicht , dass der Koran von Gott käme, man könnte meinen, ein Mann hätte ihn geschrieben.“
    Was den Kampf von Staat und Kirche angeht: ich glaube, wir sollten Gott geben was Gott gehört und dem Kaiser, was dem Kaiser gehört. Der Staat soll also weltlich, wir geistig dem Islam entgegentreten. Marx, Wölki und Bedford-Strohm sind schon zu nah am Staat.

    • Werter Attila Varga, werte(r) Philosil,
      danke für die Stellungnahmen und das zusätzliche Wissen, welches Sie Herr Varga, mir zur Kenntnis gebracht haben. Der Koran verhindert jegliche Weiterentwicklung. Der Begriff „Siegelprophet“ sagt im Grunde ja schon alles. Nach Mohammed keine Änderung mehr. Das Siegel ist beigefügt.

      Es ist wohl so, dass die wohl nur aus christlicher Sicht aufgestellte Feststellung, dass Muslime und Christen nur den einen Gott anbeten zu einer Degradierung des Gottesbildes hin zum Unvollkommenen gereichen. Die versuchte Integration Allahs in das für „alle geltende“ Gottesbild nimmt damit kaum wiedergutzumachenden Schaden der Vollkommenheit des Dreieinen Gottes.

      Nicht umsonst wird das „Allahu akbar“ vielfach auch bei Mordtaten islamischer Terroristen gerufen, denn dieser „Gott“ ist tatsächlich in allem größer, nämlich sowohl im Guten des islamischen Verständnisses als auch insbesondere im allgemein verstandenen Bösen, welches durch die Missachtung der 10 Gebote allgemeine Gültigkeit hat. Damit erfährt dieses Allahbild einen janusköpfigen Anstrich. Im Islam ist somit Allah sowohl Gott als auch Satan, auch wenn es islamischerseits nicht so gesehen wird. Da wird das Böse zumindest zum Legitimen, ja sogar zum Guten, wenn es den Zielen des Islams dient. Allah ist somit Chef im Himmel als auch in der Hölle, da er ja auch Dämonen sofort als Dämonen und Menschen direkt für die Hölle erschuf. In ihm war somit das Böse bereist immanent vorhanden.

      Während Jesus im Matthäusevangelium die Vollkommenheit des Vaters feststellt genau in dem Kapitelvers der zur Bergpredigt gehörenden Feindesliebe und Jesus damit dem christlchen Gottesbild in nicht nur in diesem seinem Wort, sondern auch in seiner Erlösungstat dem Allmachtsgerechtigkeitsgedanken des AT die Demut Gottes und damit die menschlich kaum fassbare Liebe zu seiner Schöpfung hinzufügt, degradiert der Islam seinen Gott in die rein menschliche Tyrannengedankenwelt von Diktatoren und Despoten.

      Der Islam betrügt seine Gläubigen somit um das wahrhaft Göttliche, um das Wissen der unfassbaren Liebe Gottes zu den Menschen, indem er nicht nur das AT, sondern auch Jesus in seiner koranischen Darstellung verfälscht und damit degradiert zu einer niederen Stellung, welche Mohammed ihm angedeihen ließ. Und er musste aus seiner Sicht so handeln, weil die Spiritualität Jesu sein Schwarz-Weiß-Denkmuster so überragte und damit verdeutlicht werden würde, dass er selbst zu den in der Bibel durch Jesus persönlich schon angekündigten falschen Propheten gehörte. Allein die islamische Gebetshaltung spricht Bände. Gerade die Dreieinigkeit Gottes ist es, die diese Liebe Gottes theologisch so trefflich zum Ausdruck bringt. Erst die Integration Jesu in das Gottesbild der Dreieinigkeit führte Gott zur göttlichen Vollkommenheit, welche Gott damit in das „Gott ist Größer“, aber eben nur im Guten ins Unermessliche steigern konnte. Selbstverständlich war Gott schon immer im Guten vollkommen. Aber diese Sichtweise großer Teile des AT auf Gott ließ die damaligen Menschen dies nicht so intensiv erkennen. Sie empfanden Gott eher als gerecht als göttlichen „Zuchtmeister“, der zwar immer wieder zur Vergebung bereit war, aber das irdische Bestrafen zum Teil seines Wirkens machte und leider auch vor Krieg nicht zurückschreckte.

      Muslime sind somit in erster Linie Opfer der theologisch durch den Koran grundierten Unvollkommenheit Gottes. Ich denke, dass wir uns darüber einig sind.

      Aber leider scheint die Führungsriege nicht nur unserer Kirche dies alles zu ignorieren. Von Nichtwissen können wir nicht ausgehen. Dieses Ignorieren, so denke ich, ist jedoch m. E. ein Verhalten, welches die Wahrheit ein Stück weit verdunkelt und Jesus damit keinen Gefallen tut.

      Selbstverständlich erwarte ich von der Kirchenführung bis hin zum Papst nicht einen Frontalangriff gegen den Islam, der ja auch die Christen in islamischen Ländern in besondere Gefahr bringen würde. Aber eine kritischere Betrachtung in liebevoller Form vorgetragen, würde ich mir schon wünschen. Denn es ist leicht, der islamischen Theologie angesichts des Instrumentariums der Apostasiebestrafung (also mittels scharianischen Zwangs, die Gläubigen bei der Stange zu halten, der Ungläubigenfeindlichkeit, der Frauenrechtsfrage in islamischen Ländern den Spiegel vorzuhalten, das Dhimmitum des Islams zu kritisieren, das Gottesbild in aller Höflichkeit anzuprangern. Aber offensichtlich geschieht auf dieser Ebene nichts, zumindest höre ich nichts davon.

  6. Kritische Betrachtung in liebevoller Form würde so einige Probleme entschärfen. Schon in Südosteuropa gilt Nachgiebigkeit nicht als Tugend, sondern als Schwäche und Schwäche wird verachtet. Je weiter man sich von Europa entfernt, desto mehr verstärkt sich dieses Menschenbild. Die katholische und die protestantischen Kirchen Europas werden als schwach, erpressbar und nicht von ihrer eigenen Religion überzeugt wahrgenommen. Brüssel und Berlin gelten im Orient als nörgelnde Besserwisser, die sich im Ernstfall nicht durchsetzen können. Dank dem britischen Genderwahnsinn und der albernen Politik von Hollande und Macron werden auch die Militärmächte England und Frankreich nicht mehr ernstgenommen.
    Wenn man sich vor jemanden in den Staub wirft, dann kann man nicht erwarten, dass dieser auf Augenhöhe verhandelt.

    • Werter Attila Varga,
      dem ist leider nichts hinzuzufügen. Schade um die christliche Identität Europas.

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