Patrick Deneen: Christliche Antworten auf die Krise westlicher Gesellschaften

Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski - Stürmische See (gemeinfrei)

Der Politikwissenschaftler Patrick Deneen lehrt an der katholischen University of Notre Dame in den USA. In einem aktuellen Beitrag bewertet er die sich abzeichnende Krise westlicher Gesellschaften als Krise des Liberalismus, der in eine Spätphase eingetreten sei. In diesem Zusammenhang seien künftig größere Verwerfungen zu erwarten, für die Christen Vorkehrungen treffen sollten, um unter den zu erwartenden Bedingungen die erforderliche Erneuerung westlicher Gesellschaften leisten zu können.

  • Ein Indikator für die Krise des Liberalismus sei, dass liberale und progressive Eliten sich zunehmend nicht mehr auf die Überzeugungskraft ihrer Ideologie stützen, sondern auf staatliche Zwangsmittel zurückgreifen würden, um ihre immer extremer werdenden gesellschaftspolitischen Vorstellungen durchzusetzen.
  • Solche Tendenzen seien in der Vergangenheit stets ein Kennzeichen dafür gewesen, dass eine Ideologie und die auf ihr beruhende Ordnung in eine Spätphase eingetreten sei.

Es sei noch offen, was an die Stelle der zerfallenden liberalen Ordnung treten werde. Es bestehe die Möglichkeit, dass die gegenwärtigen Auflösungsprozesse spätliberaler Gesellschaften von größeren, vor allem kulturellen Verwerfungen begleitet sein könnten.

Christen sollten daher Vorkehrungen treffen, um unter den Bedingungen der von Deneen erwarteten Krisen für die kulturelle und sonstige Erneuerung der davon betroffenen Gesellschaften bereit zu sein:

In der Wildnis der liberalen Antikultur wird eine Hauptaufgabe darin bestehen, echte Kultur zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Dies ist natürlich eine Aufgabe für Familien, aber auch für größere Gemeinschaften, wo diese vorhanden sind oder ins Leben gerufen werden können. Das ist vor allem ein Auftrag für religiöse Gemeinschaften […] in bewusster Abgrenzung und auch im Widerspruch zur vorherrschenden Antikultur. Diese Arbeit muss auf Grundlage der Erkenntnis geleistet werden, dass es dabei nicht um eine Annäherung an die liberale Gesellschaft geht, sondern um die Entwicklung einer widerstandsfähiger Kultur, die das Scheitern dieser Gesellschaft überdauern können. Darauf beruhend – und nicht alleine auf einer Theorie – können wir dann echte Alternativen entwickeln, die inmitten der Trümmer der liberalen Ordnung wegen ihrer Lebensfähigkeit umso attraktiver sein werden.

Hintergrund

Der von Deneen verwendete Begriff der „Antikultur“ geht auf den Soziologen Philip Rieff zurück, der damit das auf die Auflösung gewachsener Kultur und Tradition gerichteten Wirken moderner Ideologien beschrieben hatte.

  • In modernen Ideologien und Bewegungen, darunter auch den vorherrschenden Strömungen des Liberalismus, sei das Wirken eines kollektiven Todestriebes im Freudschen Sinne zu erkennen. Diese würden ihre Selbstauslöschung anstreben und sich in ihrem Wirken gegen die kulturellen Wurzeln der Gesellschaften richten, in denen sie aktiv sind.
  • Entsprechenden Bewegungen würden in ihrer Eigenwahrnehmung davon ausgehen, das gute Ziel der Schaffung eines neuen Menschen zu verfolgen. Dies sei jedoch stets mit destruktiven Akten wie dem revolutionären Bruch mit der vorhandenen Tradition und Kultur sowie der Zerstörung menschlicher Bindungen verbunden.
  • Antikultur beruhe auf Negation der gewachsenen Kultur und könne keine kulturelle Substanz erzeugen. Sie müsse zwangsläufig scheitern, wenn die Substanz der von ihr bekämpften Kultur verbraucht sei.

Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) sah offenbar in den kulturrevolutionären Tendenzen der späten 60er Jahre den endgültigen Durchbruch entsprechender Ideologien. 1970 beschrieb er die Aufgaben, die sich für Christen aus den deshalb bevorstehenden Verwerfungen ergeben würden, ähnlich wie Deneen:

Aus der Krise von heute wird auch dieses Mal eine Kirche morgen hervorgehen, die viel verloren hat. Sie wird klein werden, weithin ganz von vorne anfangen müssen. […] Aber nach der Prüfung dieser Trennungen wird aus einer verinnerlichten und vereinfachten Kirche eine große Kraft strömen. Denn die Menschen […] werden unsagbar einsam sein. Sie werden, wenn ihnen Gott ganz entschwunden ist, ihre volle, schreckliche Armut erfahren. Und sie werden dann die kleine Gemeinschaft der Glaubenden als etwas ganz Neues entdecken.

Die entsprechenden Gedanken bilden die Grundlage unseres in Arbeit befindlichen Entwurfs für eine Strategie zur Sicherstellung der Kontinuität des Christentums in Westeuropa.

Der 2015 verstorbene amerikanische Kardinal Francis George erwartete in diesem Zusammenhang, dass die kommenden Generationen von Christen in westlichen Gesellschaften immer stärkerem Druck ausgesetzt bis hin zur aktiven Verfolgung ausgesetzt sein könnten. Die Kirche müsse darauf vorbereitet sein, auch in westlichen Gesellschaften Opfer zu bringen. Eine spätere Generation von Christen werde dann den Auftrag haben, die Trümmer zerstörter Gesellschaften aufzulesen und in ihnen die auf dem Christentum gründende Kultur wieder aufzubauen, wie es die Kirche in der Geschichte schon so oft getan habe. (ts)

14 Kommentare

  1. Eine gute Analyse, die aber den falschen Begriff verwendet. Echte Liberale hätten den Rückgriff auf staatliche Macht zur Meinungskontrolle nicht nötig. Es sind vielmehr linke Kräfte am Werk. In Deutschland ist die SPD traditionell links, die GRÜNEN sind nur an der Oberfläche ökologisch, im Kern hart links. Die altlinken Nachfahren der SED sowieso. Das ist aber nicht alles. Die linksradikale 68er-Bewegung hat tatsächlich den Marsch durch die Institutionen erfolgreich geschafft. Krawattenträger in den Chefredaktionen von ARD und ZDF stehen geistig genau in dieser Tradition. Sie drücken unser Land nach links, oberflächlich gesagt nach linksgrün, getarnt als Gutmenschlichkeit. Sie haben uns allen den Kopf gewaschen, den Richtern und den Kulturschaffenden, den Verwaltungsmenschen und Politikern, den Bürgermeistern und den Experten aller Art, den kleinen lokalen Zeitungsmachern, den Sozialarbeitern uvam. Und DANN passiert das, was schon immer im Sozialismus der Fall war: erst greifen die Konzepte nicht, dann muß dafür ein Sündenbock gefunden werden ( und niemals werden etwa die linken Konzepte angepaßt ! ) Der Sündenbock wird dann stets bei den Konservativen gefunden, in der ( katholischen ) Kirche, bei Traditionalisten und Patrioten. Und wenn die Verleumderei alleine auch noch nicht richtig greift, kommt am Ende die Beschränkung der Meinungsfreiheit. Nazikeule. Antifa-Attacken. Netzdurchsetzungsgesetz. Aufstand der Anständigen.

  2. „Aus der Krise von heute wird auch dieses Mal eine Kirche morgen hervorgehen, die viel verloren hat. Sie wird klein werden, weithin ganz von vorne anfangen müssen. […] Aber nach der Prüfung dieser Trennungen wird aus einer verinnerlichten und vereinfachten Kirche eine große Kraft strömen. Denn die Menschen […] werden unsagbar einsam sein. Sie werden, wenn ihnen Gott ganz entschwunden ist, ihre volle, schreckliche Armut erfahren. Und sie werden dann die kleine Gemeinschaft der Glaubenden als etwas ganz Neues entdecken.“
    Ich befürchte nur, Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) hatte damals noch nicht den Islam im Visier gehabt. Ich schrieb es hier schon einmal, dass, wo der Islam Fuß fasst, Geschichte aufhört. Und schon in dieser Diskussion https://bundsanktmichael.org/2018/01/14/prognose-amerikanischer-sicherheitsbehoerden-europas-dunkle-und-schwierige-zukunft/ schreiben einige Foristen, dass es nicht möglich ist, Muslime zu bekehren.
    Das wird m.E. eine größere Herausforderung, als purer Nhilismus und Relativismus.

    • Es ist eine gar nicht so leicht zu beantwortende Frage, ob man denn Muslime dem Islam eher durch christliche Mission oder aber durch bewussten Atheismus und radikale Infragestellung islamischer Glaubenslehren und Dogmen entfremdet.

      Bisher zeigte sich, dass jene Ex-Muslime, die den Islam mit seiner Archaik wirklich abgeschworen haben, (z.B. Necla Kelek, Hamed Abdel-Samad, Imad Karim) nicht zum Christentum tendieren – vielleicht auch, weil sie es gar nicht mehr richtig vermittelt bekommen – sondern eher zu einem atheistischen Säkularismus. Eine Sabatina James ist hier eher die Ausnahme.

      Und dies erinnert ja auch ein Stückweit an den Weg, den die Kirchen in Europa im 19. und 20. Jahrhundert gehen mussten – hindurch durch eine radikal a-religiöse Kritik, die die Extreme, die es ja auch im Christentum der frühen Neuzeit noch gegeben hatte, wegätzte.
      Die ganze Koranlehre also wegätzen durch die geschliffen Klingen westlicher Kritik und Rationalität.
      Der Angriff also gegen den Kern dieses Wahns!
      Das wäre dann einmal sinnvolle Dekonstruktion!
      Entscheidend bei all dem ist die Überlegung, dass der Islam an sich nicht reformierbar ist.

      Mag sein, dass Ex-Muslime dann über den Umweg des Atheismus wieder zu einer geläuterten religiosität zurückfinden kann.

      • Es gibt außer Sabatina James noch viele andere Muslime, die zu Jesus Christus gefunden haben, bspw Mark Gabriel oder Nassim ben Imam. Eine Bekämpfung des Islam mit dem Ziel seiner Auflösung ( und möglichst vieler gläubiger Übertritte zum Christentum ) wäre eigentlich ( inhaltlich ) nicht schwer. Sowohl mit der großen Weisheit unserer Heiligen Schrift, unserem reichen Glaubenswissen, als auch mit einfachen kritischen Rückfragen – vernunftbasiert – wäre der Islam leicht zu widerlegen und aufzulösen. Allein, es sind ganz andere als Glaubens- oder Vernunftdinge, die ihn so stark machen. Es ist die Todesdrohung für Abweichler, die Zementierung von Lügen, die soziale Einbindung, Strafen aller Art und Grade für „Abweichung“, die ihn so stark machen. Denken wir an die damalige „DDR“. Diskussionen mit den Leuten dort waren schwierig. Die einen wandten sich ab aus Angst, die anderen verteidigten inbrünstig und kämpferisch ihren „Sozialismus“, einfach weil das auch existenziell für sie war. Die Lügen sind dann ganz schnell zusammengebrochen, als der Kommunismus seine Macht (!) verloren hatte. So wird es auch mit dem Islam sein. Daher gilt im Politischen: besser wie Trump diesen Ländern entgegentreten als mit dem „ewigen“ Appeasement unserer Politiker. Denn wo der Islam Schwäche wittert, wird er umso stärker. Und Mission schwieriger.

  3. Ein weiteres Phänomen des Islam besteht darin, dass er eine geschlossene Gesellschaftsordnung besitzt. Dies macht ihn wohl auch so attraktiv für die Linke (dazu zähle ich such den früheren NS), die schlussendlich eine vollkommene Gesellschaft wünscht – nur im Unterschied eines neuen Menschen und ohne metaphysische Herrschaft.
    Wenn der Westen als ganzes, sprich agnostische und christliche Welt je den Islam im Kern angreift – in der Lehre und beim Gottesbild, dann kann es eine Chance geben. Das heißt aber auch, dass die Kräfte im Westen, die einerseits im Islam eine bunte Bereicherung sehen und andrerseits in der europäischen Kultur alles relativieren und nihilieren, ihre Deutungshoheit völlig verlieren müssen, dass sie keinen Keil mehr in unsere Gesellschaften treiben können. Das heisst wohl leider, wie im Zweiten Weltkrieg, der Glaube an den Endsieg muss erst erschüttert werden; vulgo: es muss noch viel schlimmer kommen.

    • @ PhilosII

      Sie haben das für meine Begriffe sehr treffend skizziert.

      Einerseits wäre der geistige Angriff auf den Kern des so sehr archaisch-vorrationalen Islams – und zwar „in der Lehre und beim Gottesbild“ (wie Sie schreiben) mittels echter rationaler Aufklärung durch ein in sich einiges Europa selbst heute noch (theoretisch) sehr wohl möglich und erfolgversprechend, …

      … andererseits ist dies eben in der Praxis kaum zu erwarten, weil der Islam sowohl von den globalistischen Eliten als auch auch vom linken Komplex zur Zerstörung europäischer Kultur, Ordnung und Staatlichkeit BENUTZT wird.
      Oder sagen wir mal so: Sie bilden sich ein, dass sie den Islam als Werkzeug benutzen können und dass sie selbst Koch und der Islam Kellner bleiben und dass er ihnen nicht entgleitet.

      Keiner will jetzt aber ein für nützlich erachtetes – und noch funktionierendes – Werkzeug aufgeben;
      was dann wiederum dazu führt, dass das Werkzeug ein Eigenleben entwickelt.
      Sollte dieses Eigenleben in Europa einmal zu einer echten schockartigen Katastrophe führen, so würde es aber auch all jene mit in den Abgrund reißen, die dieses Werkzeug haben gedeihen lassen …

      • Liebe Freunde,
        wir brauchen uns um die Zukunft jener, welche die islamische Landnahme forcieren und dann von dieser untergebuttert werden, keine Sorgen zu machen. Auch das Osmanische Reich kam nicht ohne griechische, slawische und armenische Großwesire und Paschas aus.
        Dr. Max Krah hat in seinem Vortrag vom 8. Januar in Chemnitz einige unserer Spitzenpolitiker treffend als das beschrieben, was sie sind: geborene und Laufe ihrer Karriere zur Perfektion gereifte Kollaborateure.
        Und kennen wir nicht alle genug Mitbürger, die kein Problem damit hätten, als tributpflichtiges Giaur-Vieh zu leben,ihre Söhne als Janitscharen und Töchter als Haremhuris zu sehen? Schlagen die Medien (nicht nur Kika), Politiker, Kirchen und Experten aller möglichen Nonsenswissenschaften nicht bereits und (noch) freiwillig für diese Zukunft die Werbetrommel?

  4. Müssen wir angesichts des aufkommenden Islams nicht zugeben, daß die Linken auch einmal recht behalten haben ? Eine typisch linke Denkweise war und ist die FRAGE NACH DER MACHT. Immer wollen sie nach der Macht greifen ( auch der NationalSOZIALIST Hitler feierte seine „Machtergreifung“ ) um sich dann als unfähig zu erweisen, diese auch sinnvol zu gebrauchen. Die „Schwarmintelligenz“ in einer freien Gesellschaft ist IMMER der einer eingebildeten Elite überlegen, sofern diese Elite sich anmaßt, ALLES zu bestimmen ( nach Moskau jetzt auch „werdend“ Brüssel ? ) Jetzt zum Islam: seine Todesdrohungen sind nicht nur leere Worte ( siehe Breitscheidplatz ). Sie stellen auch eine Machtausübung dar. Warum ? Würden die Kirchen mit ihren großen Bildungsapparaten ( Erwachsenenbildung, Akademien, Religionslehrer uam ) nicht längstens eine Einladung zur Glaubenslehre ausgesprochen haben, wenn 10 Millionen Buddhisten hierher gekommen wären ? So aber haben wir ca 10 Millionen Muslime in Deutschland ( die offiziellen Zahlen glaube ich nicht ) – samt dem blutrünstigen Drohpotential des fundamentalistischen Islam „im Hintergrund“. Die Kirchen bieten also KEINE entsprechende n Kurse an – weil sie Angst haben. Die Machtfrage wirkt. Am Ende ist Gott und Jesus die größte Macht. Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit. Aber das spielt dann vielleicht erst in 500 Jahren ??? Was ist mit den kommenden 20, 40, 60 Jahren ? Kommt die islamische „Machtergreifung“ ?

  5. @Herbert Klupp

    Nun, das Vertrauen in Jesus Christus ist mir ein geistiges. Die Machtübernahme durch den Islam ist ein weltliches und bliebe meines Erachtens nicht bei 500 Jahren – siehe Ägypten. Sie wäre dann nur durch eine „Reconquista“ von Außen zu beendigen. Die nächsten 20 Jahre oder mehr sind tatsächlich die eigentliche Frage. Christlicher Glaube beruht auf Freiheit (da Gott uns nach seinem Ebenbild geschaffen hat) und zwar der Freiheit des Einzelnen, seiner individuellen Möglichkeit der Hermeneutik, eines Erkenntnisprozesses und entsprechenden Entscheidungen. Ich versuche meinen Kindern das Christentum best möglich nahe zu bringen, ebenso die alten griechischen Mythen und philosophischen Fragen. Ich hoffe, dass sie die Chance ergreifen, frei von ideologischen Dogmen und Konsumismus zu sein. Sie sollen die Freiheit besitzen, daraus das Beste nach ihren Möglichkeiten zu machen und wenn ich gut war, sich auf die Suche nach der Wahrheit zu machen. In einer Gesellschaft, die unter Angst lebt, in der Dogmata herrschen, die es dem Menschen nicht ermöglichen, über seinen Schatten zu springen, wird dies nicht möglich sein. Dem gilt meine Furcht und mein ganzer Widerstand. Wenn wir das als Europäer insgesamt wieder begreifen – ohne das alle tief gläubige Christen werden müssen, dann können wir diesen Geist der Freiheit auch wieder in die Welt tragen (durch die pure Existenz, ohne missionarischen Eifer). In diesem Sinne gilt eben auch der Kampf gegen die Unfreiheit gegenüber den Kräften, die mit ihrem relativistischen Haltungen nichts anderes forcieren, als Hedonismus mit Konsum und entsprechenden Umverteilungsansprüchen bzw. Gleichmachereien (die in sich ja relativistisch sind). Bis dahin ist es ein steiniger Weg und ob wir ihn schaffen können, liegt in unserer Wahrhaftigkeit und den Anspruch, den wir an uns selbst stellen müssen.

  6. @Philosil: vielen Dank, daß Sie nochmal auf das Thema eingegangen sind. Man kann es nicht deutlich genug sagen, und Sie beschreiben das gut: die Freiheit des Einzelnen, die Freiheit zur Wahrhaftigkeit, und andererseits die Systeme des Zwanges und der Unterdrückung. Die ziemlich bitterste Unterdrückung findet sich im Krieg ( für den Bekämpften und unterlegenen ).
    Als ich noch keine Ahnung vom Islam hatte, es war ca ca ca 1990, da folgte ich als „junger Mann“ einer Einladung einer muslimischen Gemeinde. Der Vortragende hob an, daß der „Islam die dem Menschen gemäßeste Religion“ sei usw. Sicher gab es mehr Punkte, an denen ich aufhorchte, spätestens ( und unvergeßlich ) dann seine Ausführung, daß im Islam die Welt in zwei Bereiche geteilt ist: Friede da, wo der Islam herrscht, und Krieg, wo er noch nicht herrscht. Ich war elektrisiert, und ich weiß nicht mehr, wie ich danach Fragen gestellt habe. Allerdings weiß ich noch sehr gut, wie all die anderen, meist älteren ( deutschen ) Herrschaften immer so weise mit dem Kopf nickten, auch bei der „Kriegserklärung“ an uns. Das werde ich nie vergessen. Es hilft alles nichts. Abgesehen von der wünschenswerten Bekehrung der Muslime bleibt die Frage an unsere eigene Vernunft, an unseren Mut, und das Ziehen von Konseuenzen weiterhin aktuell. Aber von all dem ist im Mainstream so wenig zu sprüren. Ja, sie arbeiten direkt dagegen ….. ist mein Eindruck.

  7. @ Herbert Klupp (16. 1.)

    Ja, einige Moslems sind konvertiert. Und Sie haben natürlich ganz recht, dass das Apostasieverbot mit Todesdrohung eine besondere Behinderung der Mission und Moslems darstellt,.

    Dennoch glaube ich, dass noch anderes hinzukommt. Der Islam ist im Vergleich zu den meisten anderen Religionen eine sehr diesseitige Religion mit einem spürbaren Spiritualitätsdefizit. Das betrifft m. E. auch hiesige Islamisten, die selbst das Jenseits mit sexualisiert betrachten (… die 72 „Huris“) und ansonsten nur an die totalitäre Formung des physischen Diesseits denken. Der Islam ist eben vom Prinzip her in erster Linie mit der Organisation der „Umma“ beschäftigt ist und nicht – wie das Christentum – mit der geistigen Entwicklung des Einzelnen, mit der Abkehr von der „Welt“ und dem Gewinnen des „Himmelreichs“. Von daher ist vielen Moslems das, was das Christentum eigentlich kennzeichnet, ziemlich fremd und dürfte ihnen als ein seltsam hoher Anspruch erscheinen.

    Der Durchschnittsmoslem sieht im Islam in erster Linie soziale und kulturelle Identität und eher selten das, was im Abendland ein geistig Suchender mit Religion verbindet.
    Insofern glaube ich, dass das Christentum lediglich für eine kleine Minderheit wirklich geistig suchender Moslems Attraktivität besitzt.

    Eine Mission unter Moslems dürfte daher vor ähnlich großen Schwierigkeiten stehen wie eine Mission unter atheistischen westlichen Hedonisten …

    • In der Tat stellen Sie ein großes Problem dar: Die Denke. Und in der dürfte das Christentum in einem „seltsam hohen Anspruch erscheinen.“ Dabei wird gerade hier die Schwäche des Islam offenbar – nicht im hohen Anspruch des Christentums, sonderm im niedrigen Anspruch des Islam. Die Umma, die Rechte der Frauen vs. den Vorzügen der Männer, die Scharia, die Eifersucht und das Misstrauen Gottes ist in Anbetracht eines Allweisen Schöpfers lächerlich. Im Koran wurde mit Aussagen, dass Ungläubige weniger wert seien als Tiere und dass Allah die Nazarener totschlagen möge, die glauben, dass Jesus Gottes Sohn ist (Sure 9, Vers 30), ein eifersüchtiger Wüstensohn oder Neudeutsch „Gangster“ als Gott geschaffen. Ein Gott, der seine eigene Schöpfung verachtet. Die Behauptungen, dass das Evangelium und zuvor die Tora wie der Koran von Gott gesandt worden seien, stimmen weder historisch, noch wurden sie von Christen (außer manch evangelikalen Gruppen) oder Juden je behauptet. Eine weitere Schwäche liegt in diesem Rahmen an Gottes Irrtum: Erst schickt er die Tora aber die Juden missverstehen sie, dann Jesus und wieder wird seine Botschaft missverstanden, so dass es nun Mohammed braucht. Ziemlich tollpatschig, dieser Gott. Es sind der Islam, der Gott mit diesem Buch und durch diesen Propheten ins Lächerliche zieht und verhöhnt (im Übrigen die Muslime seine Opfer).
      Die Seite atheistischer oder agnostischer Zuwendung kann sich dafür umsomehr auf die gesellschaftlichen, wirtschaftlich und technischen Aspekte islamischer Länder beziehen. Hier gilt es vor allem den Wohlstand des Westens, des ehemaligen Ostblocks (in zeitlicher Relation) und des aufstrebenden Ostens darzustellen. Raketen, Flugzeuge, Computer, Autos etc. pp. – nichts davon wurde in der islamischen Welt erfunden oder entwickelt. Selbst die historisch angeblich großen Zeiten des Islam, wie in Spanien, erweisen sich als Schwindel. Werden heute in Dubai und Katar Wolkenkratzer und Luxusschlösser gebaut, sind die Architekten aus dem Westen, die Bauarbeiter aus dem fernen Osten und oft sklavisch gehalten. In Andalusien waren die Architekten aus Byzanz und die Bauarbeiter die lokalen Nichtmuslime. Die Verwaltung des Riesenreiches in Baghdad wurde nach neuesten Forschungen wohl von arabischen Christen und Juden bewerkstelligt – ebenso das Osmanische Reich. Der Erhalt antiker Schriften durch christliche Araber (in Spanien Mozaraber genannt) ….
      Ich möchte hier nicht weiter machen. Was ich aber sagen will, ist, dass wir im Westen, wie auch im fernen Osten, genau diese Märchen klarstellen müssen. Der Islam bringt geistige Stagnation; der Rest der Welt aber darf nicht verhandelbar sein.

      Ps.: Die Kalligrafie lass ich der muslimischen Welt

      • @ PhilosII

        Sie füllen mit Ihrer zutreffenden Kritik in gewisser Weise eine Lücke, die von einem Teil der liberalen Islamkritik noch nicht ausreichend gefüllt wurde – nämlich die Kritik an diesem Religionskonstrukt selbst.

        Üblicherweise beleuchtet die gängige Islamkritik ja lediglich das problematische Verhältnis zwischen Islam und freiheitlich-demokratischer Rechtsordnung (Totalitarismusproblem, Theokratieproblem usw.)
        So richtig und wichtig diese Kritik ist, so greift sie doch etwas kurz, weil sie davor zurückschreckt, den Islam selbst, vom prinzipiellen Kern her zu attackieren und dessen auch theologisch unmenschliche und schwache Position der verdienten Kritik zu unterziehen. Völlig unnötig und zu Unrecht wird der islam als gleichwertige Religion betrachtet. Hat er diesen Respekt überhaupt verdient?

        Erschreckend, dass – bis auf Papst Benedikt XVI in seiner berühmten Regensburger Vorlesung – kaum ein Kirchenführer hier hervorgetreten ist.

        Und die von Ihnen beschriebene wissenschaftlich-technische Fruchtlosigkeit des Islams kommt noch hinzu!
        Sehr viel von der sog. Kulturblüte des islamischen Mittelalters ist überdies eben NICHT eine FOLGE des Islams, sondern ein Nachwirken der antiken und altorientalischen Hochkulturen in den eroberten Gebieten (v.a. Ägypten, Iran).

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