Papst Franziskus: Migranten müssen die europäische Identität „unbedingt“ respektieren

Das christliche Europa - Ausschnitt aus dem Genter Altar (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Papst Franziskus hat in einer aktuellen Ansprache anlässlich des Neujahrsempfangs für das am Heiligen Stuhl akkreditierte diplomatische Korps vor dem Hintergrund der laufenden Migrationswelle nach Europa Migranten dazu aufgerufen, die Identität der sie aufnehmenden Gesellschaften „unbedingt“ zu respektieren:

Wer aufgenommen wird, muss sich den Regeln des Landes, das ihn beherbergt, unbedingt anpassen und dessen Identitätsprinzipien respektieren.

Er warnte zudem vor den negativen Folgen von Migration. Man müsse anerkennen, dass unter den Migranten „nicht immer alle von den besten Absichten geleitet werden“. Außerdem forderte er von europäischen Regierungen einen „verantwortlichen Umgang“ mit der Migrationsproblematik und rief diese dazu auf, auch der Verantwortung gegenüber ihren eigenen Bevölkerungen gerecht zu werden:

Sie haben eine klare Verantwortung gegenüber der Bevölkerung in ihren Ländern, deren ordentliche Rechte und harmonische Entwicklung sie gewährleisten müssen, damit sie nicht wie der törichte Bauherr erscheinen, der falsche Berechnungen angestellt hat und nicht in der Lage war, den Turm fertigzustellen, dessen Bau er begonnen hatte.

Die Migrationsproblematik solle „Europa dazu anspornen, das eigene kulturelle und religiöse Erbe wiederzuentdecken.“ Nur wenn „es sich der Werte bewusst wird, auf die es erbaut wurde, dann mag es sowohl die eigenen Traditionen wachhalten als auch weiterhin ein gastfreundlicher Ort sein, der Frieden und Entwicklung verspricht.“

In diesem Zusammenhang kritisierte Franziskus auch die Tendenz europäischer Gesellschaften zur Trennung von den „Wurzeln und Traditionen, welche die reiche Geschichte der Nation gespeist haben und von unschätzbarem Wert für die ganze Welt sind.“

Zudem rief er zum verstärkten Schutz verfolgter Christen im Nahen Osten sowie zu verstärkten Anstrengungen auf, damit Flüchtlinge aus der Region „in ihre Heimat zurückkehren können.“

Hintergrund

Papst Franziskus wird von Teilen der Medien in Deutschland einseitig zitiert, so dass vielen Menschen sein Eintreten für die Bewahrung des christlichen Erbes in Europa nicht bekannt ist. Tatsächlich hat Franziskus sich bereits häufig in diesem Sinne geäußert:

Bereits vor dem Beginn der aktuellen Migrationkrise hatte Franziskus im November 2014 vor dem Europaparlament gesagt, dass es Aufgabe der Regierungen Europas sei, „die europäische Identität zu bewahren“. (ts)

 

 

15 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Klupp,
    in dem von Ihnen beschriebenen Szenario müssten wir Gott dankbar sein: Er hat die Kochplatte unter dem Topf 2015 so aufgedreht, dass der darin schwimmende Frosch endlich merkt, dass er gekocht wird.
    Und seien wir Gott dankbar, dass er unsere „Eliten“ derart mit Blindheit geschlagen hat, dass diese nicht erkennen, dass sie noch die Europäische Union und damit sich selbst und ihre Macht retten können?
    Bis jetzt hat noch jedes Imperium, jede Machtelite ihren Zenit nur erreicht, um kurz darauf zu fallen.

    • Sehr geehrte Frau Dagmar,
      eine interessante Initiative. Ich bin allerdings gespannt, wann der Erstunterzeichner Woelki aufhört, dass Gegenteil von dem zu tun, was in dem Text gefordert wird.

  2. @Attila Varga und @Waldgänger: ich fürchte, Sie haben beide völlig recht. Müssen wir deshalb resignieren ? Ich meine, man muß vorher alle diejenigen am Portepee packen, die aus der katholischen Kirche heraus „mutig“ tönen: „Evangelisierung ist der Daseinsgrund der Kirche“ ( Papst Franziskus ) oder Bernhard Meuser aktuell in der Kirchenzeitung: „Jesus ist mit einer Mission in die Welt gekommen. Diese Mission hat er uns übertragen“. WER IST „UNS“ ? Ich habe schon öfters in bischöflichen Reden, oder auch Predigten gehört, daß „wir“ den Glauben bekennen und dadurch evangelisieren sollen. Wer ist „wir“ ? Wollen die Bischöfe selber kneifen und die Aufgabe an das „Fußvolk“ delegieren ? Ich wünschte, jeder Bischof, der so oder ähnlich „mutig“ von der „Notwendigkeit der Evangelisierung“ spricht, würde von einem Zuhörer direkt danach am Portepee gepackt und gefragt: UND SIE SELBER, EXZELLENZ ? Wo ist der Glaubenskurs für unsere muslimischen oder auch atheistischen Mitmenschen ?

    • Sehr geehrter Herr Klupp,
      von Resignation kann gar keine Rede sein. Da ich Nachkommen habe, kann ich es mir gar nicht leisten, in wohligen Weltuntergangsszenarien zu schwelgen.
      Meine alte Heimat ist ein Vielvölkermosaik an der „frontier“ des Abendlandes zur byzantinischen und islamischen Welt, wir sind es gewohnt, was auf Deutschland erst zukommt. Die Heidenmission war immer schon ein Teil der aggressiven und defensiven Strategien unserer Könige. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass man schamanistische Volksgruppen (Petschenegen, Uzen, Kumanen) bekehren und integrieren kann, nicht aber muslimische Tataren oder Osmanen. Die jetzt amtierende ungarische Regierung gibt beträchtliche Summen dafür aus, den orientalischen Christen in ihrer Heimat zu helfen, doch halten wir eine Missionierung im Dar ul Islam und den islamischen Enklaven für aussichtslos.
      Nichtsdestotrotz haben Sie grundsätzlich Recht, dass man die Evangelisierung nicht vernachlässigen kann, denn diese ist ein Pfeiler unseres Glaubens. Doch sollte man sich dabei vielleicht auf unsere atheistischen Mitmenschen konzentrieren, die nicht aus Überzeugung gottlos sind, sondern weil unsere schäbige Gegenwartskirche zu faul und feige ist, um sich um das eigene Volk zu kümmern.

      • Sehr geehrter Herr Varga,
        wie recht Sie doch haben mit ihrer Beschreibung der Vergeblichkeit der Mission in muslimischen Ländern. Längst müßten wir alle realisiert haben, daß der Islam DIE PERFEKTE ANTICHRISTLICHE KONSTRUKTION ist. Könnte es denn sein, daß unser Gott die aktuelle Migration zuläßt, weil er sehen will, wie wir, wie unsere Kirche auf EINZELNE Muslime reagiert ? EinTest, ob nicht wenigstens der einzelne Muslim zu Jesus geführt werden kann ? Und hier haben wir wiederum zwei Gegenmächte: die Linken, die gar nicht massenhaft genug Muslime herschleusen können ( denn dann kann man nicht mehr von Einzelnen reden, dann sind sie schnell wieder im Verbund ) – und unsere Amtkirche, DIE NICHT EINE EINZIGE EINLADUNG AUSSPRICHT. PS: Warum tue ICH das nicht ? Eine entsprechende Annonce schalten und Muslime zum katholischen Glaubenskurs einladen ? WEIL ICH MIR DAMIT DEN ZORN DER KIRCHENOBEREN ZUZIEHEN WÜRDE ! Es ist unfaßbar.

      • Sehr geehrter Herr Klupp,
        ich teile den Pessismus Herr Vargas, auch weil es der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Fällen nicht einmal gelungen ist, ihre eigenen Mitglieder zu halten. Dass es unter solchen Umständen in größerem Maßstab gelingen kann, meist über wesentlich stärkere Bindungen verfügende Muslime zum Christentum zu führen, halte ich für fraglich. Sie sprechen ja auch die Schwäche der Kirche an, die noch nicht einmal eine freundliche Einladung der Muslime zum Christentum wagt.
        Aber vielleicht entspricht die laufende Migrationswelle dennoch dem Willen Gottes, denn sie zwingt vielleicht diese schwach gewordene Kirche, die sonst in Europa still aus der Geschichte verschwunden wäre, zu Entscheidungen und zur Selbstvergewisserung. Auf ähnliche Weise hat die Kirche (insbesondere ihre Heiligen) auch die frühere Herausforderung durch den Islam gedeutet.
        So gab es z.B. bis ins 18. Jahrhundert die sog. „Türkenpredigten“, die sich auf die osmanische Bedrohung Europas und des Christentums bezogen. In diesen Gebeten ging es weniger um die Auseinandersetzung mit dem Islam, sondern um die mit den eigenen Verfehlungen, die als eigentliche Ursache der osmanischen Bedrohung betrachtet wurde. In Predigten wurden dabei auch Missstände angeprangert, welche die Erfolge der Osmanen begünstigten. Papst Calixtus III. ermahnte in diesem Sinne etwa in einer Bulle aus dem Jahr 1456 zu Gebet, Fasten und Buße sowie zu Bittprozessionen und Messen sowie Predigten. 1571 ordnete auch Papst Pius IV. entsprechende Gebete an, bei denen das Eingeständnis der eigenen Sünden und Unzulänglichkeiten im Vordergrund stand. Die Christenheit trage selbst Schuld an der osmanischen Bedrohung und habe diese durch sündige Lebensweise und Vernachlässigung des Betens heraufbeschworen. In entsprechenden Predigten, etwa des bekannten Augustiners Abraham a Sancta Clara, ging es dementsprechend neben dem Aufruf zum Kampf auch um innere Umkehr und Erneuerung. Zudem riefen entsprechende Gebete und Predigten zur konfessionellen und politischen Einheit bei der Abwehr dieser Bedrohung auf.

  3. Ich stimme ausrücklich zu, daß wir einerseits eine verjammerlappte, verweichlichte Gesellschaft quasi „ohne Männer“ geworden sind, und daß andererseits der Islam sozusagen perfekt antichristlich organisiert ist. Beide Fakten sprechen gegen die Möglichkeit der christlichen Missionierung der ( von Gott ? ) hierhergeschickten arabischen und anderen muslimischen Völkerschaften. Trotzdem gilt Jesu Befehl ! Es heißt ja auch, dem Menschen ist es unmöglich, Gott aber ist nichts unmöglich. Die eigentliche Frage ist doch eine andere: wieso und weshalb kneifen unsere Bischöfe allesamt, wenn jemand einen Impuls gibt, man möge öffentlich Katechesen für Muslime anbieten. Anbieten, nur einfach zeigen, daß es noch eine katholische Lehre gibt, und daß jeder, der sie hören will, insbesondere auch Muslime, dort auch willkommen sind. Aber sie kneifen ! Kein Bischof macht das ( soweit mir bekannt ). Der Papst macht es nicht, und alle „kleinen Pfarrer“ in der Folge dann natürlich auch nicht. Noch schlimmer: als Impulsgeber habe ich eher eine leichte Empörung bei den Herrschaften herausgehört, wie absurd es wohl ist, an so etwas zu denken. In der Stille und im Verborgenen tun es dennoch manche mutigen guten Pfarrer. Bravo. Aber warum kneifen die Bischöfe ? Warum haben sie Angst ? Wovor ? Warum sind sie stumm geworden in dieser Frage ? Warum sind sie so feige vor dem Islam ? Warum nehmen sie nicht mal den selber geforderten „Dialog“ so ernst, daß sie WENIGSTENS EIN ANGEBOT MACHEN für interessierte Muslime ? Warum ?

    • Sehr geehrter Herr Klupp,
      ich fürchte, die Kirchen sind, ebenso wie die Historiker, zur Beute der Soziologen geworden.
      Alles wird relativiert, der Glaube spielt eine immer geringere Rolle, was nicht nicht nur zu mehr „Toleranz“ führt, sondern auch eine hervorragende Entschuldigung für Feigheit und Faulheit ist. Für die Mission der Muslime aber benötigt man aber Mut und Unermüdlichkeit.
      Letztere sind aber in den Amtskirchen eher Hindernisse beim Aufstieg in ein hohes Amt.
      Vor etwa drei Monaten wurde Beato Jose Sanchez del Rio endlich heilig gesprochen. Zur Zeit der Christenverfolgungen Im Mexico weigerte sich dieser Junge, seinem Glauben abzuschwören, selbst als er mit enthäuteten Fußsohlen (!) zum Richtplatz laufen musste.
      Warum erinnern unsere Bischöfe nicht an diesen Märtyrer? Weil sie fürchten, dass das Kirchenvolk sie mit diesem Kind vergleichen würde? Der Vergleich würde für unsere birnenförmig-weichen Dampfplauderer nicht sehr schmeichelhaft ausfallen.

    • @ Herbert Klupp

      Sie fragen (vermutlich rhetorisch):
      „Aber warum kneifen die Bischöfe ? Warum haben sie Angst ? Wovor ? Warum sind sie stumm geworden in dieser Frage ?“

      Die Antwort ist so einfach wie ernüchternd:
      Diese Bischöfe begreifen sich selbst nicht mehr als autonome und souverän entscheidende Wesen, sondern als bloße Angestellte einer Firma, und zwar einer Firma, deren Leitung – unabhängig von der Qualität der Firmenpolitik – Loyalität verdient. Schließlich möchte man ja als Angestellter voran kommen in seiner Firma. Sie folgen der Leitung wie Schafe.

      Natürlich wissen wir, dass ein Bischof EIGENTLICH etwas anderes ist als ein schafartiger Angestellter.
      Doch haben sie heute eben die Mentalität von Angestellten, ja von Beamten.

      Sie fragen weiter: „Warum sind sie so feige vor dem Islam ?“
      Unsere Beamtenbischöfe, Beamtenpfarrer und Beamtenpriester sind schlichtweg zu feige, Kritik auszuhalten. Ich glaube noch gar nicht mal, dass sie vor Muslimen bzw. muslimischer Agitation Angst haben. Sie haben Angst davor, abzuweichen von der Hauptlinie der Firma.
      Das hat natürlich von ihrem Mangel an Glauben und geistiger Substabnz zu tun.

      Würden sie noch von einem Glauben erfüllt sein, wäre es anders. Diese Damen und Herren sind aber mutmaßlich oft von GAR KEINEM echten christlichen Glauben mehr erfüllt.
      Es sind Titularchristen! Warum sollten sie dann ein persönliches Risiko eingehen?

      Welch ein Unterschied zu Luther und seinem „Hier stehe ich und kann nicht anders!“

  4. „Die Muslime sind hierher gekommen, damit wir diese Völkerschaften zu seinen Jüngern machen…“
    Diese „Völkerschaften“ werden Ihnen was husten. Von Ihren Alternativen ist nur die zweite realistisch – leider.

  5. Sehr geehrter Herr Klupp,
    was die Taufe der orientalischen Einwanderer angeht, bin ich eher pessimistisch.
    Bei der Taufe Chlodwigs, Gézas von Ungarn und einigen der angelsächsischen Könige waren es starke, zutiefst fromme Ehefrauen, welche das Werk vorantrieben und nicht Damen, die einen eingeborenen Macho als Nazi klassifizieren, während sie für afro-orientalische Machos vollstes Verständnis haben bzw. Mädchen, die „freiwillig“ auf kurze Röcke, Schweinefleisch und eine eigene Meinung verzichten.
    Die Geistlichen von früher stellten sich auf die Seite der Opfer und beweihräucherten nicht die Täter und Eroberer früher Tage mussten erst mit den einheimischen Männern kämpfen, wenn sie an deren Frauen und Töchter ranwollten.
    Und: während Germanen, Kelten, Slawen und Ungarn mental offen für die Bekehrung waren, ist der Islam eine ideologisch gefestigte Buchreligion. Schon im Mittelalter und der frühen Neuzeit war es für Christen extrem schwierig, Muslime zu bekehren, obwohl unsere Vorfahren Menschen waren, denen wir nicht das Wasser reichen können.
    Ich fürchte, dass Ihr Libanon-Szenario eintrifft.

    • Da haben Sie wohl recht. Die Mohammedaner zu bekehren, das ist ein fast so alter Traum wie das christliche Abendland selbst. Der Islam war immer unser Nemesis und als solcher anscheinend wohl heilsgeschichtlich unverrückbar in seinen Dogmen. Auch Katholiken mögen auf den dicken Augustinermönch hören, um die wahre Bedeutung des Islams zu erkennen, der „die Geißel Gottes für ein verschlafenes Christentum“ sei. Klingt für mich jedenfalls plausibel. Sein Vorrücken ist – über mehrere Ecken gedacht – dem Fehlen von Tauf- und Weihwasser bei uns geschuldet.

      • Lieber Balmung,
        wohl wahr. Widukinds Sachsen, Normannen und Magyaren wurden von Gottesgeißel zu Verteidigern des Christentums. Die Heerscharen unter dem grünen Banner sind aus anderem Holz geschnitzt und haben auch eine andere historische Aufgabe. Wir sollten uns daran erinnern, dass auch wir eine haben- oder wir werden von der Geschichte entsorgt wie anderes unnütz gewordenes Gerümpel.

  6. Schade daß Papst Franziskus nicht die Absicht Gottes erkennt. Die Muslime sind hierher gekommen, damit wir diese Völkerschaften zu seinen Jüngern machen: „tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“. Tun wir das nicht, wird Europa, und in vorderster Front Deutschland islamisiert. So einfach ist das. Papst Franziskus sagt vieles, und vieles ist in sich widersprüchlich. Der Tenor seiner Aussagen zur Migration scheint mir allerdings der zu sein, daß die Migranten ein Recht hätten, zu kommen und in der neuen Heimat bleiben zu dürfen. Diese Grundeinstellung, in Verbindung mit dem selbstauferlegten (?) Tabu, die Muslime zu missionieren, ist ein tödlicher Cocktail für Europa. Im Orient läuft der Countdown des Christentums. Er begann in vielen islamischen Staaten mit einer einfachen muslimischen Bevölkerungsmehrheit. Danach Machtergreifung, Unterdrückung der Christen und beginnende Auslöschung. Musterhaft und noch gegenwärtig mitvollziehbar ist das am Beispiel des ( ehemals christlichen ) Libanon.

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