Apostel Paulus: Das Problem der unmännlichen Weichheit und die Tugend der Härte

Vitore Carpaccio - Sankt Georg und der Drache (Wikimedia Commons/Gemeinfrei)

In einer der frühesten Schriften des Christentums, dem um das Jahr 54 n. Chr. entstandenen 1. Korintherbrief, rief der hl. Apostel Paulus christliche Männer dazu auf, die Neigung zu unmännlicher Weichheit in sich zu bekämpfen. Die Weichen würden nicht zu den Erben des Reiches Gottes gehören.

Auch wenn man die Freiheit habe, sich für ein entsprechendes Leben zu entscheiden, so sei eine solche Entscheidung trotzdem falsch. Christliche Männer seien zum vorbehaltlosen Dienst an Gott und dem Nächsten berufen, und dazu tauge nur, wer „standhaft und unerschütterlich“ sowie „mannhaft“ sei.

Weichheit stellt für Paulus ein Laster dar, also einen Tauglichkeitsmangel, der einen Mann daran hindert, seinen Auftrag zu erfüllen. Das gleiche gilt laut Paulus auch für Männer, die sich dazu entschließen Trinker oder Ehebrecher zu sein oder anderen verkehrten Neigungen nachzugeben.

Das Konzept der Weichheit in der Philosophie der Antike

Paulus verwendete in seinem Brief das altgriechische Wort „Malakoi“ zur Bezeichnung der von Weichheit („Malakia“) gekennzeichneten Männer.

  • Paulus dürfte aufgrund seines hellenischen Bildungshintergrundes das Wort in einem ähnlichen Sinne verwendet haben wie Platon, der in seinen Ausführungen über die Ausbildung der Wächter des Gemeinwesens Weichheit als eine zum Dienst untauglich machende Eigenschaft beschrieb, die Folge der Vermeidung des Harten und Unangenehmen sei. Im Sport sah Platon ein wichtiges Gegenmittel zur Weichheit.
  • Aristoteles, dessen Gedanken der hl. Thomas von Aquin in das Christentum integrierte, beschrieb Weichheit ebenfalls als die Folge des Vermeidens des Unangenehmen, das zur Unfähigkeit führe, Belastungen zu ertragen. Andere klassische griechische Philosophen betonten, dass Weichheit zudem Feigheit im Sinne des Zurückweichens vor schwierigen Aufgaben fördere.
  • In der römischen Kultur beschrieb das Konzept der Weichheit bzw. der Verweichlichung die Annahme weiblicher Sprache, Gesten, Körpersprache, Haltung und Verhaltensweisen sowie den Mangel an körperlicher Stärke, emotionaler Selbstkontrolle und Tapferkeit bei Männern.

Der hl. Thomas von Aquin definierte Weichheit in Anknüpfung an antike Philosophie bzw. an Aristoteles als ein „der Beharrlichkeit entgegenstehendes Laster“. Der verweichlichte Mann ziehe sich aus Angst vor Unlust davon zurück, das Gute anzustreben, und er könne beim Streben nach dem Guten auch den geringsten Widerstand nicht mehr überwinden. Je mehr man im eigenen Leben nach dem Angenehmen suche, desto schwerer ertrage man dessen Abwesenheit, und desto mehr verweichliche man.

Die Bedeutung der Härte in der christlichen Lebensführung

Der hl. Apostel Paulus war selbst keine schwache oder weiche Person. Als er das Christentum nach Europa trug, hielt er größten Belastungen stand, darunter Folter und Schiffsuntergängen. In seinen Briefen äußert er sich ausführlich über die Härten, die der „Dienst, der mir anvertraut wurde“, ihm auferlegt habe.

Seine Sprache ist dabei von militärischen Bildern geprägt. Zudem verwendet er häufig wettkampforientierte sportliche Bilder, auch aus dem Kampfsport, und betont durchgängig die Bedeutung der Disziplin in der christlichen Lebensführung.

  • Das Leben des Christen stellt für Paulus die aktive Teilnahme an einem Kampf zwischen übergeordneten Mächten dar, dessen Fronten durch die Seelen der Menschen verlaufen. Die Härte, die Paulus fordert, ist in diesem Zusammenhang nicht Härte gegenüber anderen Menschen, sondern die bis zur Rücksichtslosigkeit gesteigerte Härte gegenüber den eigenen Schwächen, die Jesus Christus in der Bergpredigt von denen gefordert hatte, die ihm nachfolgen.
  • Paulus geht davon aus, dass derjenige, der sich statt dessen für seine Schwächen entscheide, in diesem Kampf nicht nur unbrauchbar sei wenn es darum geht dem Guten zu dienen, sondern auch seine eigene Seele gefährde. Entsprechende Neigungen wirft er dabei niemandem vor, da sie Teil der Natur des Menschen sind und kein Mensch die hohen Forderungen des Christentums auch nur annähernd erfüllen könnte. Es wäre jedoch falsch, sich deshalb der eigenen Berufung und dem Auftrag nicht zu stellen.

Die Entscheidung für das Christentum erscheint in seinen Briefen auch als eine Entscheidung gegen den Egoismus und den Materialismus einer Welt, die das Ausleben dieser Schwächen zum Sinn des Lebens erklärt. Die Entscheidung zum Dienst an Gott und dem Nächsten stehe im radikalen Gegensatz zu den Weltanschauungen dieser Welt, und wer sie treffe, begebe sich auf einen keinesfalls leichten Weg. Wer in diesen Dienst eintrete, müsse sich laut Paulus auch darüber im Klaren sein, dass er von nun nicht mehr sich selbst gehöre, und dass das Feuer eines Tages die Qualität seines Dienstes prüfen werde. (ts)