Christenfeindlichkeit in Deutschland: Lagebild 2017

Nicolas-Antoine Taunay - Triumph der Guillotine (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Im Verlauf des Jahres 2017 kam es in Deutschland zu zahlreichen christenfeindlichen Vorfällen, für die vor allem radikale Muslime sowie Linksextreme verantwortlich waren.

  • Die Zahl der Todesopfer ging dabei im Vergleich zum Vorjahr zurück, weil es Behörden anders als im Vorjahr gelang, größere islamistische Anschläge mit christenfeindlichem Hintergrund zu verhindern. Christenfeindliche Tendenzen nahmen zudem unter Muslimen in Deutschland jedoch 2017 weiter zu.
  • Christenfeindliche Tendenzen im linken Spektrum hielten 2017 an. Diese äußerten sich in mehreren Fällen auch gewaltsam, etwa in Sachbeschädigung an christlichen Einrichtungen oder gewaltsamen Versuchen zur Störung christlicher Veranstaltungen.
  • Außerdem wurde im vergangenen Jahr ein verstärktes Aufgreifen radikaler, ursprünglich im linken Spektrum beheimateter Ideologien mit christenfeindlichen Elementen wie etwa der neomarxististischen Gender-Ideologie sowie laizistischer Ideologie durch bürgerliche Parteien und Akteure sichtbar.

1. Definition

Christenfeindlichkeit liegt dann vor, wenn es Ziel in der Auseinandersetzung mit Christen und dem Christentum ist, diese zu schädigen oder ihre Grundrechte zu verletzen. Christenfeindlichkeit liegt hingegen nicht vor, wenn versucht wird, dem Christentum argumentativ zu begegnen.

  • Latente Christenfeindlichkeit liegt ggf. bei Darstellungen vor, die schädigendes Verhalten bzw. Christenfeindlichkeit legitimieren können.
  • Sekundäre Christenfeindlichkeit liegt vor, wenn sich das schädigende Verhalten nicht direkt gegen Christen oder das Christentum richtet, sondern diese über Umwege schädigt.

2. Gewalt gegen Christen und christliche Einrichtungen 2017

Den vorliegenden Informationen zufolge geht entsprechende Gewalt vor allem von radikalen Muslimen sowie von Linksradikalen aus. Seit 2016 ist die Zahl der dabei durch Islamisten aus christenfeindlichen Motiven getöteten Personen in Deutschland angestiegen. Zu den Zielen entsprechender Gewalt gehören zunehmend auch Konvertiten mit muslimischem Hintergrund.

Zu Vorfällen christenfeindlicher Gewalt zählen auch Beschädigung und Zerstörung von christlichem Kulturgut, etwa von Friedhöfen und Kirchen, aber auch von Gipfelkreuzen. Verdächtige können dabei in den meisten Fällen nicht ermittelt werden.

  • Anschlag auf den Karlsruher Christkindlesmarkt verhindert: Im Dezember 2017 wurde der militante Islamist Dasbar W. festgenommen, der dem „Islamischen Staat“ nahestand und einen Anschlag auf den Christkindlesmarkt in Karlsruhe geplant habe.
  • Übergriffe gegen Christen in Asylbewerber-Unterkünften: Im Dezember 2017 gab das „Observatory on Intolerance Against Christians“ bekannt, dass 42 Prozent der Christen in den Unterkünften in Deutschland von Morddrohungen und 56 Prozent von gewalttätigen Übergriffen berichten.
  • Angriff auf Büro der Aktion SOS LEBEN in Frankfurt a.M.: Militante feministische Linksautonome brachten im November 2017 Farbschmierereien am Gebäude an, in dem sich das Büro der christlichen Organisation befindet, und begangen Hausfriedensbruch. Sie begründeten dies mit der Aktion „40 Tage für das Leben“ vor der Frankfurter Beratungsstelle von „Pro Familia“ im Frühjahr und im Herbst 2017. Zu den angebrachten Farbschmierereien gehörte auch die Parole „Gott ist tot“.
  • Brandanschlag auf Kirche St. Hildegard in Mannheim: Am 17.10.2017 versuchten mutmaßlich zwei Täter, den Turm der Kirche mit Gasflaschen in Brand zu setzen. Einer Polizeistreife gelang es, den Brand in einem frühen Stadium zu löschen. Ein pakistanischer Verdächtiger wurde später festgenommen. Das Motiv war zunächst unklar.
  • Angriffe auf Christen in Asylbewerber-Unterkünften in Berlin: Der evangelische Pfarrer Gottfried Martens erklärte im September 2017, dass sich „mindestens einmal im Monat“ ein verletzter christlicher Asylsuchender an ihn wende und um Unterstützung bitten würde, der von muslimischen Asylsuchenden angegriffen worden sei. Anzeigen seien in der Regel aussichtslos, weil die Täter zahlreiche Zeugen benennen würden, die der Aussage des Angegriffenen widersprächen.
  • Versuchte Störung und Sachbeschädigung bzgl. des Marsches für das Leben in Berlin (September 2017): Die Polizei konnte von Linksautonomen angekündigte mutmaßliche Straftaten, mit denen die Veranstaltung gestört werden sollte, verhindern. Im Vorfeld der Veranstaltung kam es zu Sachbeschädigung am Büro des Veranstalters.
  • Angriff auf afghanischen Konvertiten in Berlin (11.09.2017): Zwei Männer hätten den Konvertiten in Neukölln wegen eines von ihm an einer Kette als Anhänger getragenen Kreuzes angesprochen und gefragt, warum er Christ geworden sei. Anschließend hätten sie das Kreuz abgerissen. Danach fügten sie ihm Schnittverletzungen zu. Über den Hintergrund der Täter machte die Polizei keine Angaben.
  • Islamistischer Angreifer wollte in Hamburg Christen töten (28.07.2017): Der palästinensische Asylbewerber Ahmad A., der im Juli 2017 mit einem Messer Passanten angriff und dabei einen Mann tötete, habe nach eigenen Angaben bei der Tat möglichst viele Christen töten wollen. Er habe als „Märtyrer“ sterben wollen und bedauert, dass er nicht mehr Menschen habe töten können. Auslöser der Tat war laut seiner Aussage eine Predigt in der As-Sahaba-Moschee in Hamburg-Barmbek. Er habe sie kurz vor seiner Tat aufgesucht.
  • Angriff auf Mann mit Kreuzanhänger in Berlin (Juli 2017): In Berlin haben drei Jugendliche einen Mann wegen seiner Kreuzkette attackiert. Er wurde geschlagen und als „schwule Sau“ beschimpft. Die Täter waren mutmaßlich nordafrikanischer Herkunft.
  • Angriff auf Mann mit Kreuzkette in Berlin (Mai 2017): Ende Mai 2017 war ein homosexueller Mann mit Kreuz-Kette in Neukölln von einer größeren Gruppe beleidigt und getreten worden. Dabei sollen sowohl christenfeindliche als auch homophobe Parolen geäußert worden sein.
  • Mord an Konvertitin in Prien am Chiemsee (29.04.2017): Ein aus Afghanistan stammender muslimischer Asylbewerber tötete bei dem Vorfall eine ebenfalls aus Afghanistan stammende Frau, die das Christentum angenommen hatte. Der religiöse Bezug war mutmaßlich Teil des Tatmotivs.

3. Diskriminierung und Verweigerung von Rechten

3.1 Einschränkung der Religionsfreiheit

Im Zuge der Durchsetzung von Konzepten wie „Hate Speech“ gibt es Tendenzen, das Festhalten am traditionellen christlichen Ehe- und Geschlechterbild als Ausdruck von „Hass“ oder „Intoleranz“ zu sanktionieren. In diese Richtung äußerte sich etwa Justizminister Heiko Maas (SPD), der im September 2017 das Eintreten für ein „klares Familienbild aus Vater, Mutter und Kindern“ als verfassungswidrig bewertet hatte.

Zudem gibt es Tendenzen, Christen unter Druck zu setzen, sich zu nichtchristlichen, v.a. säkularen Weltanschauungen zu bekennen oder in diesem Zusammenhang ihrem christlichen Bekenntnis entgegen zu handeln.

Darüber hinaus gibt es weiterhin die Tendenz zu mutmaßlich illegitimen staatlichen Eingriffen in die Rechte von christlichen Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder. So wurde 2017 etwa in Hessen unter der Verantwortung von Kultusminister Ralph Alexander Lorz (CDU) ein Lehrplan zur Sexualerziehung an Schulen eingeführt, der auf Konzepten der neomarxistischen Gender-Ideologie beruht und diese an Schüler vermitteln will, was die katholische Kirche als Eingriff in die Religionsfreiheit kritisierte.

3.2 Ausschluss von Christen und christlichen Positionen aus dem öffentlichen Leben

  • Versuche zur Verhinderung christlicher Veranstaltungen: In jüngerer Vergangenheit kam es in Deutschland mehrfach zu Versuchen zur Verhinderung christlicher Veranstaltungen oder Veranstaltungen mit christlichem Bezug, etwa der „Demo für Alle“. Verantwortlich waren in den meisten Fällen linksradikale Gruppierungen. An einigen dieser Versuche beteiligten sich auch Vertreter der SPD sowie der Partei Bündnis90/Die Grünen. Da in diesem Zusammenhang Christen mutmaßlich Grundrechte abgesprochen wurden, sind diese Vorfälle als christenfeindlich einzustufen.

3.3 Entfernung christlicher Bezüge und Symbole aus der Öffentlichkeit

Es gibt einen allgemeinen Trend, christliche Bezüge und Symbole aus der Öffentlichkeit zu entfernen.

  • Umbenennung von Weihnachtsmärkten: Der Weihnachtsmarkt in Halle wurde 2017 in „Wintermarkt“ umbenannt.
  • Absage einer Weihnachtsfeier an einer Schule in Lüneburg: Einem Bericht des NDR zufolge sagte das Lüneburger Gymnasium Johanneum im Dezember 2017 eine Weihnachsfeier ab, nachdem sich eine muslimische Schülerin über diese beschwert hatte.
  • Entfernung christlicher Symbole durch Supermarktkette Lidl: Im September 2017 wurde bekannt, dass die deutsche Supermarktkette Lidl die Abbildung christlicher Kreuze auf Verpackungen entfernt hat. Die Maßnahme betraf Fotos auf Produkten der Eigenmarke „Eridanous“, die christliche Kirchen auf der Insel Santorin zeigen. Nach Kritik gestand das Unternehmen ein, einen „Fehler“ begangen zu haben.

3.4  Staatliche Benachteilung des Christentums gegenüber anderen Religionen

Fälle christenfeindlicher Gewalt werden von Behörden in Deutschland bislang nicht systematisch erfasst. Während Verfassungschutzbehörden zudem eine „verfassungsschutzrelevante Islamfeindlichkeit“ in einigen Fällen gesondert erfassen, erfolgte eine ähnliche Erfassung von Christenfeindlichkeit auch 2017 nicht, obwohl bei entsprechenden Vorfällen 2016 mehr Menschen getötet worden waren als es in allen anderen extremistischen Zusammenhängen der Fall war. Das Christentum wird somit in Deutschland gegenüber anderen Religionen staatlicherseits benachteiligt, was den ihm gewährten Schutz angeht.

3.5 Herabwürdigung christlicher Symbole

4. Christenfeindlichkeit in verschiedenen weltanschaulichen Strömungen

4.1 Islam und Islamismus

Den vorliegenden Informationen zufolge nimmt unter Muslimen in Deutschland sowohl primäre als auch sekundäre Christenfeindlichkeit zu.

  • Der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi sprach 2017 davon, dass Christenfeindlichkeit neben Judenfeindlichkeit wesenshafter Bestandteil des Islams sei. Sie habe ihre Wurzeln im Koran sowie in der Tradition Mohammeds und sei in Deutschland auch „bei gebildeten, sogar westlich aufgeklärten Muslimen“ stark verbreitet. Die Ansicht etwa, das Weihnachtsfest sei „eine nach Blasphemie stinkende Tradition der Christen“, würde unter Muslimen in Deutschland verbreitet geteilt.
  • Das Berliner Büro des „American Jewish Committee“ (AJC) legte 2017 eine Studie über islambezogene Herausforderungen an Berliner Schulen vor. Lehrer würden demnach eine zunehmend aggressive Stimmung auch gegenüber Christen beobachten. Nichtmuslimische Schülerinnen bzw. solche, die sich nicht entsprechend islamischer Bekleidungsvorschriften kleideten, würden etwa verbreitet als „Huren“ und „Schlampen“ angegriffen. Verschwörungstheorien, mit denen Muslime das Scheitern in westlichen Gesellschaften zu erklären versuchen indem sie diese dafür verantwortlich machen, seien unter muslimischen Jugendlichen sehr verbreitet. Dabei gäbe es auch antichristliche Verschwörungstheorien, die von einer Verschwörung von „Tempelrittern“ gegen den Islam und die Muslime ausgingen.

4.2 Sonstiges säkulares Spektrum

Der liberale amerikanische Publizist und Journalist Sohrab Ahmari beschrieb im September 2017 eine Zunahme christenfeindlicher Tendenzen in progressiven Ideologien und Parteien in westlichen Gesellschaften. So würde Christen in der Politik verstärkt die Eignung für öffentliche Ämter aufgrund ihres Glaubens abgesprochen.

Ein Beispiel für entsprechende Tendenzen war 2017 die Nominierung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten der SPD. Dieser hatte als EU-Parlamentspräsident 2014 die Entfernung christlicher Symbole aus der Öffentlichkeit gefordert. Das christliche Kreuz stehe laut Schulz für Einstellungen, die im Sinne der Anti-Diskriminierungsideologie „bekämpft“ werden müssten. Widerspruch gegen diese Position wurde im Zuge seiner Nominierung innerhalb der SPD nicht erkennbar. (ts)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen