Papst Franziskus: Aufruf zum Widerstand gegen „ideologische Kolonisierung“ und Identitätsverlust

In einer heute gehaltenen Predigt über den im 2. Buch der Makkabäer beschriebenen Märtyrertod des Schriftgelehrten Eleasar sprach Papst Franziskus unter anderem über den Widerstand gegen Versuche, die kulturelle und religiöse Identität von Völkern durch „ideologische Kolonisierung“ zu zerstören. Eine Modernität, die Unterschiede einzuebnen versuche, komme kultureller Verfolgung gleich.

Im 2. Buch der Makkabäer gehe es um solche Versuche. Dort werde beschrieben, wie fremde Invasoren dem Volk Israel ihre Kultur aufzwingen und dessen Tradition, Geschichte und Religion bekämpfen. Das Buch beschreibe die Geschichte der Helden und Märtyrer, die dagegen Widerstand leisteten.

  • Auch in der jüngeren Geschichte seien laut Franziskus von totalitären Ideologien Versuche ausgegangen, kulturelle Unterschiede einzuebnen und die Tradition, Geschichte und Religion von Völkern auf eine ähnliche Weise zu zerstören, wie sie im 2. Buch der Makkabäer beschrieben ist.
  • Helden wie Eleasar hätten durch ihren Widerstand und Opfertod ein Beispiel für andere gegeben und so die Grundlage dafür geschaffen, dass aus der Wurzel ihrer Taten eine Zukunft für ihr Volk habe wachsen können.
  • Eleasars Beispiel könne auch in der Gegenwart Menschen stärken, die kultureller Kolonisierung ausgesetzt seien und vor der Frage stünden, ob und wie sie gegen diese Widerstand leisten sollen.

Franziskus kritisierte in diesem Zusammenhang vor allem kulturrevolutionäre Versuche moderner Ideologien zur Zerstörung und Überformung kultureller Erinnerung:

Da nehmen sie die Freiheiten weg, man beginnt die Geschichte zu zerstören, also die Erinnerung eines Volkes, und drängt ein bestimmtes Bildungssystem auf. Alle Diktaturen machen das. Manchmal machen sie das sogar mit Samthandschuhen. Wenn zum Beispiel ein Staat Geld von einem anderen ausleiht und dann gesagt bekommt: ‚Ach, ich gebe dir Geld, aber du sag dies oder jenes in deinen Schulen‘, und dann geben sie dir Bücher an, in denen alles, was Gott erschaffen hat und wie er es erschaffen hat, beseitigt wird. Sie heben die Unterschiede auf, zerstören die Geschichte und sagen, dass ab sofort neu gedacht werden muss. Und wer das nicht gut findet, der wird beiseitegeschoben oder verfolgt.

Kulturelle und ideologische Kolonisierung kämen dabei nicht nur von außen, sondern auch aus dem Inneren von Gesellschaften. Es sei in diesem Zusammenhang wichtig, das Neue stets darauf zu prüfen, ob es seine Wurzeln in Gott habe oder ob es aus einer kranken Wurzel stamme. Letzteres sei zum Beispiel bei der von Franziskus als „pervers“ bezeichneten modernen Vorstellung, dass es moralisch akzeptabel sei, die eigenen Kinder zu töten, der Fall.

Hintergrund

Das 2. Buch der Makkabäer beschreibt die Ereignisse im Zusammenhang mit dem Widerstand des Volkes Israel gegen die seleukidische Besatzung im zweiten Jahrhundert vor Christus. Der Schriftgelehrte Eleasar wurde der Beschreibung nach von den Besatzern getötet, weil er sich geweigert hatte, sich ihrer Kultur anzupassen:

Er aber zog den ehrenvollen Tod einem Leben voll Schande vor […]. Viele junge Leute könnten sonst glauben, Eleasar sei mit seinen neunzig Jahren noch zu der fremden Lebensart übergegangen. […] Darum will ich jetzt wie ein Mann sterben und mich so meines Alters würdig zeigen. Der Jugend aber hinterlasse ich ein edles Beispiel, wie man mutig und in edler Haltung für die ehrwürdigen und heiligen Gesetze eines guten Todes stirbt. […] Auf solche Weise starb er; durch seinen Tod hinterließ er nicht nur der Jugend, sondern den meisten aus dem Volk ein Beispiel für edle Gesinnung und ein Denkmal der Tugend.

Die Makkabäer-Bücher spielen in der Tradition der christlichen Spiritualität des schützenden Dienstes am Nächsten allgemein eine wichtige Rolle.

Papst Franziskus hatte auch bei früheren Anlässen Christen dazu aufgerufen, für die Bewahrung des christlichen Erbes in Europa einzutreten. (ts)