Adrian Vermeule/R.R. Reno: Liberalismus als existenzielle Herausforderung für das Christentum

Celestin Medovic - Bacchanal (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der an der Harvard Law School lehrende Verfassungsrechtler Adrian Vermeule und der Religionswissenschaftler R.R. Reno analysieren in der aktuellen Ausgabe des Magazins „First Things“ den sich zuspitzenden Konflikt zwischen materialistischen Ideologien, die sie unter dem Begriff „Liberalismus“ zusammenfassen, und dem Christentum in westlichen Gesellschaften. Reno beobachtet in diesem Zusammenhang eine „Verbürgerlichung“ des Christentums, das sich diesen Ideologien aus Furcht vor weiterem Relevanzverlust laufend anpasse und dadurch zu einer anderen Religion zu werden drohe.

Liberalismus als Sammelbegriff für moderne, materialistische Ideologien

Die Autoren verwenden den Begriff des „Liberalismus“ (wie es in den USA üblich ist) auch zur Beschreibung moderner, materialistischer, vorwiegend progressiver Ideologien. Die Autoren schließen in ihre Beschreibung zudem die in Europa verbreitet als neoliberal bezeichneten globalistischen Strömungen mit ein. Diese hatte der in St. Gallen lehrende Historiker Caspar Hirschi als „kosmopolitischen Liberalismus“ bezeichnet. Der Philosoph Ryzard Legutko hatte dessen zunehmend hervortretende Parallelen zu totalitären Strömungen der Moderne analysiert.

Die verschiedenen Strömungen materialistischer Ideologie vereine trotz ihrer Unterschiede, etwa bei der Bewertung des Privateigentums, das Streben nach Auflösung von Bindungen und der gewachsenen Kultur sowie die Ablehnung des Christentums, Intoleranz gegenüber anderen Weltanschauungen und der Anspruch, alle Bereiche des Lebens dem eigenen politischen Gestaltungsanspruch unterwerfen zu wollen. Die Autoren grenzen entsprechende Strömungen im Liberalismus gleichzeitig von der liberalen Tradition des zurückhaltenden Staates und der individuellen Freiheitsrechte ab, die sie befürworten, und die durch neoliberale Strömungen ebenfalls gefährdet werde.

Liberalismus als permanente Revolution gegen das Christentum

Vermeule zufolge seien materialistische Ideologien dadurch gekennzeichnet, dass sie ihr Selbstverständnis aus der Verneinung des Christentums beziehen würden. Die christliche Annahme einer unverfügbaren, absoluten moralischen Ordnung, die hohe Ansprüche an den Menschen stelle und ihm Grenzen und Einschränkungen auferlege, stelle für diese Ideologien eine nicht duldbare Provokation dar.

  • Diese Ideologien seien ihrem Wesen nach unfähig zur friedlichen Koexistenz mit dem Christentum, da sie es als Feindbild zur Selbstlegitimation zwingend benötigen würden.  Im Zuge einer permanenten Revolution bzw. einer „unablässigen strukturellen Aggression“ würden sie die durch das Christentum geschaffene kulturelle Substanz angreifen, um sie zu zerstören. Diese Zerstörung werde als Voraussetzung der angestrebten Befreiung des Menschen verstanden.
  • Nachdem diese Zerstörung beim Schutz des ungeborenen Lebens und der Institution der Ehe bereits gelungen sei, werde aktuell das auf der Existenz von zwei Geschlechtern beruhende Menschenbild angegriffen. Das eigentliche Ziel solcher kulturrevolutionären Kampagnen seien dabei jedoch stets das Christentum und die Kirche.

In den von materialistischen Ideologien geprägten Gesellschaften hätten gleichzeitig jedoch über den Bereich der Kultur hinaus Absterbeprozesse eingesetzt, was sich u.a. daran zeige, dass diese Gesellschaften zum demographischen Selbsterhalt unfähig seien. Das langfristige Scheitern dieser Ideologien sei daher sehr wahrscheinlich.

Für das Christentum in westlichen Gesellschaften müsse es daher darum gehen, sich von diesen Prozessen zu isolieren und die Zeit zu überstehen, bis deren Auflösungstendenzen an ihren Endpunkt gelangt seien. Es sei allerdings wahrscheinlich, dass sich die entsprechenden Ideologien im Zuge ihres Scheiterns weiter radikalisieren und den Druck auf Christentum und Kirche dabei weiter verstärken würden.

Das Eindringen des Liberalismus in die Kirche als existenzielle Herausforderung

Reno zufolge gelänge die von Vermeule geforderte Isolierung des Christentums von materialistischen Ideologien in der westlichen Kirche nicht. Das etablierte Christentum in westlichen Gesellschaften habe daher in weiten Teilen keine bewahrende oder gestaltend  Kraft mehr. Es habe sich größtenteils verbürgerlicht in dem Sinne, dass es innerlich an den sich im stetigen Fluss befindlichen moralischen Konsens säkularer Eliten bzw. des Bürgertums anpasse.

  • Da dieser Konsens spätestens seit den 1960er Jahren vorwiegend durch säkulare Ideologien geprägt werde, würde geistige Entwicklung im westlichen Christentum vor allem in schrittweiser Anpassung an diese Ideologien bestehen.
  • Die etablierte Kirche sei von zunehmender Angst geprägt, ihre verbliebene gesellschaftliche Rolle durch Abweichen von diesem Konsens einzubüßen und mit Vorwürfen konfrontiert zu werden, „Haß“, „Intoleranz“ oder „Rückständigkeit“ zu verbreiten, etwa durch das Festhalten an der Ehe von Mann und Frau. Man passe sich daher an und rechtfertige dies, indem man Lehre und Theologie durch eine schwache Sentimentalität ersetze, die keine Position mehr verteidige und allem zustimme, was man von ihr an Anpassung fordere.

Auf diese Weise wandele sich das westliche Christentum von einer vertikalen, an Gott orientierten hin zu einer horizontalen, an säkularen Ideologien orientierten, politisch beliebig instrumentalisierbaren Religion. Die Unterstützung weiter Teile westlicher Kirchen für offene Grenzen und irreguläre Massenzuwanderung, bei der kirchlicherseits die vorhandene Lehre und ihre Forderung nach Gemeinwohlorientierung politischen Handelns vollständig ausgeblendet wird, sei ein Beispiel dafür. Dies sei nicht nur theologisch fragwürdig, sondern führe auch dazu, dass die Kirche in ihrem Dienst versage und mit dem Scheitern der von ihr übernommenen säkularen Ideologien weiter an Glaubwürdigkeit verlieren werde. (ts)

8 Kommentare

  1. Sehr geehrte Herren,
    vielen Dank für die zahlreichen Anregungen. Zum Themenkomplex Sezession etc. gibt es hier noch einiges an noch nicht veröffentlichten Auswertungen vorliegender Erfahrungen. Grob skizziert ergibt sich für mich das folgende Bild:
    – Räumliche Sezession scheiterte meistens, u.a. weil der erforderliche Bruch mit dem bisherigen Leben zu groß war. Die Klein- und Kleinstgemeinschaften, die ihn vollzogen, zerbrachen meist nach kurzer Zeit, u.a. weil es am Ort der Sezession keine Lebensgrundlage gab oder spätestens die nächste Generation fortzog. Ausnahmen sind Gruppen, die absichtlich Unterschiede gegenüber ihrem Umfeld betonen und aufrechterhalten, etwa Amish oder einige orthodoxe Juden.
    – Eine Alternative zur Sezession ist das Exil, wobei am Ort des Exils ggf. ausreichend große kulturelle Unterschiede zum Umfeld bestehen, die dazu führen dass stabile Exilgemeinschaften entstehen.
    – Eine weitere Alternative ist die nicht-räumliche Sezession dieser Art: https://bundsanktmichael.org/2017/05/15/kulturelle-kontinuitaet-die-parallel-polis/
    Man könnte auch von „Parallelgesellschaft“ sprechen. Einige islamische Organisationen betreiben dies in Europa mit großem Erfolg, ohne dabei die mit dem Begriff meist verbundenen Unterschichtenphänomene herauszubilden: https://bundsanktmichael.org/2016/11/15/lernen-von-muslimen-die-hizmet-bewegung/

  2. Lieber Waldgänger,
    Sie haben völlig recht. Die Zukunft ist offen und ich rechne sogar damit, dass wir, um Elrond zu zitieren, uns nach Niederlagen und fruchtlosen Siegen doch eine Enklave erobern können, in der wir das Erbe des Abendlandes bewahren können. Jede Hoffnung, ob berechtigt oder nicht, ist besser, als ein sich Ergeben in die Bleierne Zeit.

  3. @ Konservativer @ Attila Varga

    Liebe Freunde im Geiste,

    ja, der Zug fährt in eine totalitäre Richtung – und doch ist die Zukunft offen. Dass sich nun etwa nicht nur ein Dr. Raddatz, sondern auch ein Prof. Streeck so deutlich und unmissverstehbar geäußert hat (noch dazu in der FAZ) macht gewisse Hoffnung.
    Dank an ts für die Verbreitung!

    Man könnte dem Merkel-Regime auch zurufen: „Übermut tut selten gut!“ Und um Übermut und die nackte Arroganz der Macht handelt es sich zweifellos bei einem Regime, dass auch zwei Jahre nach offenkundigem Rechtsbruch nichts zu dessen Beseitigung tun will. Es erinnert in seiner Dreistigkeit ein wenig an das SED-Regime, das einerseits Enteignungen durchführte, sich aber andererseits mitunter so sicher wähnte, dass es nicht mal mehr die Eintragung im Grundbuch zu ändern für nötig hielt.

    Doch gibt es in unserem sehr ängstlichen, ja feigen Land sehr wohl noch gewisse Restbestände an Anstand und Verantwortungsbewusstsein. Von daher ist der hier bekannt gemachte Beitrag von Prof. Streeck viel wert!

    Das Regime wird noch mehr Fehler machen, wird sich selbst den Ast absägen.
    In einer offener gewordenen Situation, offen auch wegen des Auftretens der AfD, neigen Regime entweder zum Nachgeben und anschließend zum Kippen – oder sie forcieren die Eskalation. Die Diktaturen der Vergangenheit tendierten immer zur Eskalation: die Jakobiner 1792, Hitler 1934 beim sog. „Röhm-Putsch“, Stalin vor und in der „Zeit des Großen Terrors“ (1934 – 38), die SED nach dem 17. Juni 1953 und erneut nach der Biermann-Ausbürgerung 1976.

    Beim heutigen Machtkartell hat man den Eindruck, dass – mit Ausnahme von CSU und teilweise der FDP – die Schiffe hinter sich verbrannt haben. Das deutet auf Eskalationswillen hin. Man sollte nicht für unmöglich halten, dass wir noch übel Überraschendes erleben.
    Und ja, @ Konservativer hat natürlich recht: „Es wird jedenfalls zunehmend gefährlicher, öffentlich eine Gegenmeinung zu vertreten.“

    @ Attila Varga

    Sie haben sehr schön am Beispiel Ihres älteren Bekannten gezeigt, wie sehr sich die Maßstäbe verschoben haben – obwohl Gesetz und Verfassung im Prinzip unverändert Bestand hatten und man selbst nur man selbst geblieben ist.
    Dieses Verschieben der Maßstäbe am Geist des Gesetzes vorbei ist natürlich nur durch Unterwanderung, induzierte Selbstgleichschaltung div. gesellschaftlicher Institutionen, sowie durch Rechtsbeugung und Staatsstreich möglich gewesen.

    Das Eigentümliche von Merkels Machtergreifung ist einerseits das muttihaft-schleichende Erscheinungsbild Charakter und andererseits der Eindruck überwältigender und finster entschlossener Machtballung. Wenn das linke Wort von der „strukturellen Gewalt“ je gestimmt hat – dann im Hinblick auf dieses heutige Regime!

    Die Bereitschaft von Schulen und Hochschulen, von Professoren, Lehrern, Pfarrern und Journalisten sich all dem Unsinn anzubiedern – ich denke an das, was Ihre Kinder erleben müssen – ist für lange Zeit ein Schandfleck im deutschen Geistesleben.

    Fast möchte man denken, es müsste doch endlichder Moment kommen, wo wie in jenem berühmten Politfilm „Die Welle“ der Taumel beendet wird und der Versuchsleiter den dummen Versuchskaninchen ihre eigene Verführbarkeit offenbart.
    Doch dazu wird es leider nicht kommen, denn wir sind im Ernstfall und nicht im Studio

    Sie schreiben: „Es stellt sich die Frage, was früher kommt: Bürgerkriegsähnliche Zustände oder eine Schöne Neue Welt, in der mangelnde Begeisterung der Untertanen als Akt der Rebellion ausgelegt wird.“

    Und doch: Die Zukunft ist offen.

  4. Liebe Freunde,
    im Ostblock war „inneres Exil“ möglich im Jugoslawien der 70er/80er Jahre oder dem ungarischen Gulaschkommunismus, der nach der Devise „Wer nicht gegen uns ist, ist für uns“ arbeitete. In anderen roten Diktaturen wurde vom Regime Begeisterung und Hingabe erwartet, ein „sich einbringen“ würde man heute sagen.
    In Deutschland ist man auf dem letzteren Weg. Einer meiner Söhne bekam in Englischunterricht drei Bücher als Pflichtlektüre. Alle drei behandelten das Thema Rassismus und Homosexualität. Meine Kinder mussten Bücher von Sybille Berg kaufen und so interpretieren und kommentieren, wie es der Lehrplan vorsah, abweichende Meinungen wurden nicht geduldet. In Schulen, in denen europäische Kinder Freiwild sind, werden Projekte durchgeführt, bei denen es um den Kampf gegen „weißen Rassismus“ geht und von den Steuergeldern der Eltern der Opfer finanziert. Arbeitgeber und Gewerkschaften verlangen von Arbeitern und Angestellten „freiwillige“ und demonstrative Akzeptanz für alle echten und eingebildeten Minderheiten und die Denunziation von Abweichlern.
    Der Kampf gegen Rechts wird stetig ausgeweitet, weil immer mehr Gruppen als Rechts eingestuft werden. Ein älterer Bekannter von mir beklagte sich vor einiger Zeit, dass er vor 40 Jahren politisch irgendwo zwischen rechter Flügel SPD und linker Flügel CDU stand. Heute steht er rechts des geduldeten Menungsspektrums, obwohl sich sein politischer Standpunkt nicht geänderrt hat.
    Es stellt sich die Frage, was früher kommt: Bürgerkriegsähnliche Zustände oder eine Schöne Neue Welt, in der mangelnde Begeisterung der Untertanen als Akt der Rebellion ausgelegt wird.

  5. Sehr geehrter Waldgänger,
    der Sezessionsgedanke hat etwas für sich… und zwar nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Gemeinschaft der einfachen Bürger. Dafür würde man ein abgelegenes Gebiet benötigen und die Möglichkeit zur weitgehenden wirtschaftlichen Autarkie und Selbstverteidigung. In den USA gibt es solche Gemeinschaften, wie die seit dem 17./18. Jh. existierenden Amisch-, Herrenhutter- usw. Gemeinden. In letzter Zeit kamen die Separatisten dazu, die in amerikanischen Filmen grundsätzlich als religiöse Spinner, Rassisten, Hillbillys oder hübsche Teenager jagende Menschenfresser dargestellt werden. In Deutschland hat man noch nicht einmal die Möglichkeit, seine Kinder selbst zu unterrichten und dem Opus Dei weht hier auch in katholischen Kreisen ein recht kalter Wind entgegen. Ansätze zur Sezession würden sofort im Keim erstickt werden.

    • Ich dachte mehr an so etwas wie „innere Emigration“ oder verstecktes inneres Exil, da die Sezession im äußerlichen Sinne eben auf die Schwierigkeiten stößt, die Sie ganz richtig angesprochen haben.
      Doch fehlt mir jetzt leider die Zeit für eine ausführlichere Antwort.
      Gruß

      • Lieber und geehrter Waldgänger

        Ihre Aussage steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Essenz, die aus dem Buch „Der Waldgang“ von Ernst Jünger zu entnehmen ist.

        Ich persönlich lebe in so etwas wie einem „inneren Exil“, in einem Staat, der, wie ich meine, von bestimmten Menschen (zumeist verbunden in gewissen Netzwerken) beständig in eine totalitäre Richtung bewegt wird (nicht nur für Günter Maschke ist dieser „Totalitarismus“ schwer auszubuchstabieren
        https://youtu.be/wEiioKo9Hwk?t=492
        ). Es wird jedenfalls zunehmend gefährlicher, öffentlich eine Gegenmeinung zu vertreten.

        Doch innerhalb der katholischen Kirche scheint es für Gegenmeinungen noch einen akzeptierten Raum zu geben, Siehe dazu den folgenden Beitrag von Hans Peter Raddatz in „Die neue Ordnung“:

        http://web.tuomi-media.de/dno2/Dateien/NO517-7.pdf

        Was unter dem Strich dabei herauskommt, bleibt abzuwarten.

  6. Der Beitrag ist mit Gewinn zu lesen, weil er noch deutlicher macht, dass dem heute totalitär gewordenen Liberalismus (Globalismus / „kosmopolitischer Liberalismus“) und der modernen materialistisch-nihilistischen Gesellschaft des Westens die Kirche eben nicht nur gleichgültig ist, sondern ein anzugehendes Ärgernis. Hieraus resultieren Manipulation/Unterwanderung oder – falls diese nicht gelingt – Feindschaft.

    Das ist schon ein erheblicher Unterschied zur Situation um 1970 oder 1980 herum, wo damalige moderne Politiker die Kirchen zwar antiquiert fanden, sie aber noch nicht so sehr zur Selbstgleichschaltung drängten und ihr eher mit kritischer oder gleichgültiger Toleranz begegneten. Natürlich war damals auch die Verwurzelung in der deutschen Alltagskultur noch stärker.
    Erst recht ist es ein gewaltiger Unterschied zur Situation vor 1900, wo das Bündnis von Thron und Altar noch Bestand hatte und den Herrschenden nutzte.

    Würden die Kirchen sich heute nicht anpassen, so drohten Sanktionen wie etwa das Ende des Einzugs der Kirchensteuer durch staatliche Einrichtungen, die Streichung sonstiger Vergünstigungen und stattdessen die Begünstigung willfähriger Gruppierungen. Dennoch wäre natürlich vom Prinzip her eine widerständige Haltung sehr möglich und würde wohl auch von einem erheblichen Teil der Kirchenchristen mitgetragen.
    Man erinnere sich an Lefebvre oder die „Bekennende Kirche“! Allein – die Funktionsträger der großen Kirchen wollen nicht, weil sie eben eine „bürgerliche Religion“ als höchsten Wert betrachten. Dass das im Grunde Ketzerei und Verrat ist, erkennen sie nicht mal. Das wird auch so bleiben, da hat Reno vollkommen recht. Das wirft natürlich ein Licht auf die Charakterstärke der Funktionäre …

    Wenn sich die Kirchen anpassen, so sind sie dem System wiederum regelrecht nützlich. Das ist gegenwärtig zwar am deutlichsten bei der EKD zu sehen, doch zeigte sich auch der Vatikan zuletzt immer wieder erschreckend indifferent, ja systemkonform (siehe etwa hier: http://www.neue-ordnung.at/index.php?id=945 ). Ob die Korrumpierbarkeit wirklich bis zu Renos Formulierung „politisch beliebig instrumentalisierbare[n] Religion“ reichen wird … ?

    Es ist klar, dass diese Feinderklärung durch die Globalisten jede Religion betrifft, die einen eigenen geistigen Raum beansprucht. Dass der Islam von ihr noch nicht berührt wird, hat verschiedene andere Ursachen, die zu erörtern hier zu weit führen würde.

    Es bleibt die Möglichkeit der Abspaltung, der Sezession.
    Doch zeigte sich, dass in Anbetracht der modernen Macht- und Medienverhältnisse abgespaltene Gruppierungen zwar überleben können, danach aber nur in seltenen Fällen größeren Einfluss erlangen. Von daher scheint die Behauptung von traditionellen Gruppen innerhalb der Kirche erfolgversprechender – Beispiel: Opus Dei – als außerhalb.
    Die Sezession muss gut überlegt sein.

    Bei weiterem Fortschreiten der gesellschaftlichen Auflösung scheint ein Überleben christlicher Vorstellungen, Kulturmuster und Gruppen in räumlichen Nischen und in der inneren Emigration möglich.

    Es ist aber zu unterscheiden zwischen einer Rettung von Teilen der christlichen Religion und Kirchenorganisation auf der einen Seite und der Rettung einer Religion, die auch tatsächlich eine stärkere Verwurzelung in der Bevölkerung besitzt und kulturprägenden Einfluss hat. Letzteres, also der kulturprägende Einfluss, hat bei der Kirche des Mittelalters und der frühen Neuzeit natürlich bestanden. Bereits für das 19. Jahrhundert kann ein solcher Einfluss im mitteleuropäischen Raum verneint werden. Es bleibt daher die Frage, ob die im inneren Exil überlebenden christlichen Gruppen in der Zukunft selbst im Falle eines nachlassenden Außendrucks seitens des globalistischen Systems eine nennenswerte Beachtung in der Bevölkerung finden würden … Und damit sind wir wieder beim Thema meines vorherigen Beitrags, der das Nichtverständnis christlicher Lehren innerhalb der Bevölkerung behandelte.

Kommentare sind deaktiviert.