Kardinal Sarah: Europas Kulturrevolution als Aufstand gegen die Ordnung Gottes

Paul Gustave Doré - Die babylonische Sprachverwirrung (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der aus Guinea stammende Robert Kardinal Sarah gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der katholischen Kirche der Gegenwart. Auf der Konferenz „Europa Christi“, die am vergangenen Wochenende in Polen stattfand, sprach er über die geistige Krise Europas und der westlichen Welt sowie die sich hier gegenwärtig vollziehende Kulturrevolution, die er als Aufstand gegen die Ordnung Gottes beschrieb.

Berichte über die Äußerungen Kardinal Sarahs finden sich hier und hier.

  • Europa habe sich nach der Überwindung des Kommunismus dagegen entschlossen, seine Zukunft auf der Grundlage seines christlichen Erbes zu gestalten. Es habe sich statt dessen für die „Ideologie des liberalen Individualismus“ entschieden, von seinen Wurzeln getrennt und sei in eine Phase der „stillen Apostasie“ und des Nihilismus eingetreten, die von materialistischen und utopischen Ideologien geprägt sei. Die westliche Welt befinde sich in einer geistigen Krise und im Aufstand gegen die Ordnung Gottes.
  • Die kulturelle Auflösung der westlichen Welt habe globale Auswirkungen. Insbesondere das von ihr verbreitete kulturrevolutionäre Menschenbild der Gender-Ideologie würde großen Schaden anrichten, etwa in Form der angestrebten Auflösung des Konzeptes der Ehe von Mann und Frau sowie des traditionellen Familienbilds. Die Verbreitung dieser Ideologien stelle eine „neue Form des Kolonialismus“ dar.
  • Der Umgang mit dem Thema Migration sei ebenfalls Ausdruck der geistigen Krise Europas. Die Verwirklichung des Gemeinwohls erfordere die Unterscheidung von Migranten nach ihrer kulturellen Integrierbarkeit. Liberale Ideologien würden hingegen würden diese Unterscheidung nicht treffen, weil sie globale Vereinheitlichung durch die Auflösung von Grenzen, Nationen und Kulturen anstrebten. Ihr Ziel sei eine Welt, deren einzige Werte Produktion und Konsum seien.

Christen in Europa müssten vor diesem Hintergrund Zeugnis dafür ablegen, dass der Kern einer Nation ihre Kultur sei, und dass der Kern einer Kultur der Glaube sei. Nationen wie Polen hätten aus dem Glauben heraus in der Vergangenheit heroischen Widerstand gegen die Ideologien des Bösen geleistet und seien jetzt dazu berufen, Wächter des christlichen Erbes in Europa zu sein.

Hintergrund

Kardinal Sarah ist auch in der Vergangenheit mit deutlichen Aussagen über die Lage des Christentums in Europa in Erscheinung getreten. Seine Positionen haben wir hier zusammengefasst. (ts)