Christenverfolgung laut Hilfsorganisation auf historischem Höchststand

Gustave Doré - Die christlichen Märtyrer (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Laut einer Analyse des britischen Büros der katholischen Hilfsorganisation Kirche in Not hat die weltweite Christenverfolgung vor allem aufgrund verstärkter Aktivitäten islamistischer Akteure zwischen 2015 und 2017 einen neuen historischen Höchststand erreicht. In Staaten wie Syrien und dem Irak nehme Christenverfolgung dabei auch genozidale Formen an.

  • Laut Kirche in Not habe Christenverfolgung, was die Zahl der Verfolgten und die Schwere der Übergriffe angehe, gegenwärtig gravierendere Ausmaße als zu jedem anderen Zeitpunkt in der Geschichte des Christentums.
  • Das Christentum stelle gleichzeitig die am stärksten verfolgte Religion weltweit dar.
  • Neben radikalen Strömungen im Islam seien vor allem kommunistische und sozialistische Regierungen für Christenverfolgung verantwortlich.

Hintergrund und Bewertung

Während Christenverfolgung derzeit in Westeuropa nicht zu beobachten ist, sind auch in dieser Region die Zunahme von Christenfeindlichkeit sowie die Radikalisierung christenfeindlicher Akteure zu beobachten. Auf unserer Portalseite zum Thema Christenfeindlichkeit finden sich weitere Informationen und Bewertungen, was diesbezügliche Entwicklungen im deutschsprachigen Raum bzw. in der DACH-Region angeht.

I. Christenfeindlichkeit in radikal-islamischen Strömungen

Seit 2015 ist im deutschsprachigen Raum ein deutlicher Anstieg der Zahl gewaltsamer christenfeindlicher Vorfälle zu beobachten. Dabei wurden erstmals seit 1945 auch zahlreiche Menschen aus christenfeindlichen Motiven getötet.

  • Urheber gewaltsamer Christenfeindlichkeit waren im deutschsprachigen Raum 2015 und 2017 ausschließlich radikale Muslime, wobei die Übergriffe sich unterhalb der Schwelle tödlicher Gewalt schwerpunktmäßig gegen Christen mit Migrationshintergrund sowie gegen ehemalige Muslime richteten, die das Christentum angenommen hatten.
  • Insgesamt wurden im deutschsprachigen Raum bei christenfeindlich motivierter Gewalt seit 2016 mindestens 14 Menschen getötet. Die meisten Opfer forderte ein Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin Ende 2016, der als christenfeindlich einzustufen ist, weil der Täter ein Ziel mit christlichem Bezug angriff. Ein islamistischer Attentäter, der im Juli 2017 Menschen mit einem Messer angriff, erklärte, er habe möglichst viele Christen töten wollen. Zudem wurde 2017 in Süddeutschland eine aus Afghanistan stammende Konvertitin mutmaßlich wegen ihrer Annahme des Christentums getötet.

Darüber hinaus gab es zahlreiche Fälle nichtmilitanter Christenfeindlichkeit bei Akteuren des politischen Islams im deutschsprachigen Raum. Anfang 2017 wurde etwa bekannt, dass einige in Deutschland aktive, der türkischen DITIB zugehörige Moscheegemeinden auf Facebook in türkischer Sprache u.a. verbreitet hatten, dass Weihnachten „eine nach Blasphemie stinkende Tradition der Christen“ sei.

II. Christenfeindlichkeit in progressiven Strömungen

Der liberale amerikanische Publizist und Journalist Sohrab Ahmari beschrieb im September 2017 eine Zunahme christenfeindlicher Tendenzen in progressiven Ideologien und Parteien in westlichen Gesellschaften.

Entsprechende Tendenzen sind auch in Deutschland zu beobachten.

III. Weitere Zunahme von Christenfeindlichkeit wahrscheinlich

Eine weitere Zunahme von Christenfeindlichkeit im deutschsprachigen Raum ist vor allem aufgrund des Erstarkens radikaler islamischer Strömungen unter Muslimen sowie dem zunehmenden gesellschaftlichen Einfluss primär oder sekundär christenfeindlicher neomarxistischer Strömungen wahrscheinlich. (ts)