Extremismusforscher Lorenzo Vidino: Islamophobie-Vorwürfe als islamistisches Propagandamittel

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Lorenzo Vidino, der Direktor des Programms für Extremismusstudien an der George Washington University, gilt als einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Erforschung des politischen Islams. In einer von ihm veröffentlichten  Studie über die Aktivitäten der Muslimbruderschaft in Österreich beschreibt er unter anderem, wie die Muslimbruderschaft und die um sie herum aktiven Netzwerke in westlichen Gesellschaften Islamophobievorwürfe als Propagandamittel einsetzen.

  • Islamistische Netzwerke setzten den Vorwurf der Islamophobie „in vielen Fällen unbegründet und aus strategischem Kalkül“ ein, um Kritiker durch Rufschädigung unter Druck zu setzen und sie zu delegitmieren. Islamophobievorwürfe würden dabei variiert eingesetzt und häufig auch als Rassismusvorwurf formuliert. Der propagandistische Zweck sei in diesem Fall jedoch der gleiche.
  • Gleichzeitig würden die Androhung des Islamophobievorwurfs und das damit verbundene Drohpotenzial genutzt, um Regierungen und öffentliche Stellen zur Kooperation zu zwingen. Einige europäische Regierungen würden mittlerweile mit Akteuren aus dem Netzwerk der Muslimbruderschaft zusammenarbeiten, um solche Vorwürfe zu vermeiden.
  • Zudem würden die Netzwerke der Muslimbruderschaft das Thema Islamophobie nutzen, um Muslimen propagandistisch zu vermitteln, dass sie Angriffen westlicher Gesellschaften ausgesetzt seien, um sie zur Unterstützung islamistischer Organisationen zu bewegen. Dies sei anschlussfähig an die Narrative militanter Islamisten, die Gewalt zur Verteidigung gegen wahrgenommene Angriffe westlicher Gesellschaften gegen den Islam propagieren, wobei auch islamkritische Äußerungen als gewaltlegitimierende Angriffe gelten.

Hintergrund

Der französische Philosoph Pascal Bruckner hatte das Konzept der „Islamophobie“ bzw. des „antimuslimischen Rassismus“ als psychologische Waffe beschrieben, die sowohl durch den politischen Islam als auch durch westliche Anhänger utopischer Ideologien gegen europäische Gesellschaften eingesetzt werde.

Dies gefährde nicht nur europäische Gesellschaften allgemein, sondern richte sich vor allem gegen das Christentum. Während dieses „heute vom Nahen Osten bis Pakistan die Religion der Märtyrer ist“, würden sowohl Islamisten als auch ihre progressiven Unterstützer im Rahmen des Islamophobie-Vorwurfs das Christentum als „Religion der Eroberung und der Intoleranz“ darstellen und damit nicht nur eine Ansprache realer Verfolgung erschweren, sondern letztlich die physische Bekämpfung des Christentums im Nahen Osten auf geistig-kultureller Ebene auch in Europa fortsetzen. (ts)

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