Kardinal Marx: Keine unbegrenzte Aufnahme von Migranten in Deutschland

Ambrogio Lorenzetti - Allegorie der guten Regierung (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat heute klargestellt, dass die katholische Kirche in Deutschland die Forderung nach unbegrenzter Aufnahme von Migranten in Deutschland nicht teile. Eine unbegrenzte Aufnahme sei schon aus praktischen Gründen nicht möglich.

Hintergrund

Vor einigen Tagen hatte bereits Papst Franziskus deutlich gemacht, dass die katholische Soziallehre für die Gestaltung von Migration nach den Erfordernissen des Gemeinwohls eintrete. Migration müsse daher unterbunden werden, „wenn die Zahlen untragbar werden“. Eine legitime Aufnahmegrenze sei erreicht, wenn eine „Gefahr der Nichtintegration“ bestehe. Es sei zudem legitim, wenn sich europäische Staaten die Frage stellten, ob es genügend Kapazitäten gäbe, um irreguläre Migranten aufzunehmen.

Schon bei früheren Anlässen hatte Franziskus betont, dass Staaten gemäß der katholischen Soziallehre ihre Grenzen schützen müssten, und dass dies insbesondere für Staaten gelte, die durch Terrorismus bedroht würden. Er hatte Staaten zudem davor gewarnt, Grenzen auf irrationale Weise für Migranten zu öffnen.

Was die konkrete Gestaltung des Umgangs mit Migration vor dem Hintergrund des Ziels der Sicherstellung des Gemeinwohls angeht, so überlässt die katholische Soziallehre die Details den im Sinne des Gemeinwohls denkenden Experten. Der Migrationsforscher Paul Collier hatte in diesem Zusammenhang kürzlich darauf hingewiesen, dass die vergleichsweise offenen Grenzen Europas für irreguläre Migration dem globalen Gemeinwohl schaden würden und dass angemesse und nachhaltige Lösungen des Problems von Flucht und Vertreibung in den Herkunftsregionen ansetzen müssten. (ts)

 

2 Kommentare

  1. Mit anderen Worten: Die früheren Befürworter offener Grenzen in der Kirche haben ihre Position stillschweigend revidiert und rudern kräftig zurück.

  2. Bemerkenswert. Das ist immerhin ein Hinweis darauf, dass die nicht wirklich kollektiv Selbstmord begehen wollen.
    Nur, was machen die wenn sie in vielleicht gar nicht so ferner Zukunft feststellen, dass sie nur noch für einen kleinen Teil der eigenen Bevölkerung genug zu essen haben? Ich fürchte die fahren mit ihrer „Titanic“, die alleine in Deutschland 82 Millionen Menschen an Bord hat, mit Volldampf in ein ganzes Eisbergfeld.
    Siehe dazu z.B. https://www.freizahn.de/2017/05/gedanken-zum-film-bauer-unser/ und
    https://www.freizahn.de/2017/09/gordischer-knoten-2-0/

    Reformen und Veränderungen wie sie nötig wären kosten Zeit, die man vielleicht schon nicht mehr hat und sie bräuchten echtes Führungspersonal.
    Das zentrale Problem ist, dass auch die Bischöfe und Kardinäle in erster Linie an den Gott des Fortschritts glauben: https://www.freizahn.de/2015/10/nach-dem-fortschritt/

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