Polen: 150.000 Menschen beten für den Schutz Europas

Enguerrand Charonton - Schutzmantelmadonna (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Am 7. Oktober haben in Polen anlässlich des Rosenkranzfestes ersten Angaben zufolge rund 150.000 Menschen im Rahmen der Aktion „Rosenkranz an der Grenze“ ein gemeinsames Gebet für den Schutz Europas durchgeführt.

Die Organisatoren betonten, dass Europa gegenwärtig existentiellen Herausforderungen in Form des Wirkens eines radikalen Säkularismus sowie radikaler Strömungen im Islam gegenüberstehe. Als Kontext für die Aktion sei das Rosenkranzfest ausgewählt worden, weil dieses dem Jahrestag der Seeschlacht von Lepanto gedenke, in der eine Koalition europäischer Staaten Europa vor der Eroberung durch islamische Mächte gerettet habe. Maciej Bodasinski, einer der Organisatoren, sagte gegenüber dem Deutschlandfunk über den Hintergrund der Aktion:

Es gibt eine Gefahr, die noch kaum abzusehen ist. In dieses geistlich so schwache Europa kommt eine neue Zivilisation in einem seit vielen Jahrhunderten ungekannten Ausmaß. Das bedroht unsere Zivilisation, denn geistlich viel stärkere Menschen nehmen Raum ein und dominieren schon an manchen Orten.

Der Krakauer Erzbischof Marek Jedraszewski unterstützte die Aktion und sagte, er bete „für die anderen europäischen Nationen, damit sie die Notwendigkeit verstehen, zu den christlichen Wurzeln zurückzukehren, damit Europa Europa bleibt.“

Hintergrund und Bewertung

Das Rosenkranzfest hieß ursprünglich „Maria vom Siege“ und wurde durch Papst Pius V. als Dank für den Sieg in der Seeschlacht von Lepanto am 7. Oktober 1571 eingeführt. Der Sieg der Flotte der Heiligen Liga unter der Führung von Ritter Johann von Österreich (Don Juan d’Austria) gegen eine osmanische Flotte stellt eines der wichtigsten Ereignisse in der Militärgeschichte Europas dar. Die Seeschlacht war zudem der vorläufige Höhepunkt in einer langen Reihe von Abwehrkämpfen gegen islamische Expansionsbestrebungen an der Südostflanke Europas.

  • Die Sorgen der Organisatoren bezüglich des Wirkens radikaler säkularer bzw. neomarxistischer und insbesondere islamistischer Kräfte in Europa werden von weiten Teilen der katholischen Kirche geteilt. Kardinal Robert Sarah, eine der einflussreichsten eher konservativen Stimmen in der Kirche, hatte Christen kürzlich zu verstärktem Engagement gegen solche Ideologien aufgerufen. Der eher progressive Münchener Kardinal Reinhard Marx hatte sich ähnlich geäußert und nach islamistischen Anschlägen dazu aufgerufen, „destruktiven Ideologien entgegenzutreten.“ Allerdings ist die Entschlossenheit, diese Position auch gegen Widerstand aufrechtzuerhalten, innerhalb der Kirche unterschiedlich ausgeprägt.
  • Der Rosenkranz, eine meditative Form des Gebets, wurde von mehreren katholischen Heiligen als eine spirituelle Waffe beschrieben, welche die Seele des Menschen im Kampf gegen das sie angreifende Böse in besonderer Form für das Wirken Gottes öffne, korrumpierenden Kräften entgegenwirke und ihn dadurch auch für den Dienst am Nächsten stärke. Das Rosenkranzgebet ist somit eine nach innen gerichtete, betont friedfertige Handlung, die sich gegen die eigenen Schwächen richtet. Die Organisatoren betonten dementsprechend, dass sie die geistliche Schwäche Europas als sein größtes Problem betrachten würden.
  • Einige Kritiker unterstellten der Aktion offenbar aus Unkenntnis der Bedeutung des Rosenkranzgebetes und unter Ausblendung des expliziten Bezugs der Organisatoren auf radikale Strömungen im Islam pauschal islamfeindliche Motive. Außerdem blendete diese Kritik den historischen Kontext des Lepanto-Gedenkens aus, das sich auf die Abwehr eines nach damaligen wie heutigen Maßstäben illegitimen, auf die kulturelle Vernichtung des christlichen Europas zielenden Angriffskrieges bezieht. Wenn das katholische Europa des 16. Jahrhunderts diese Aufgabe nicht geleistet hätte, wären auch das säkulare Europa der Gegenwart niemals entstanden.

Die polnische Nation war in ihrer Geschichte mehrfach Versuchen totalitärer Ideologien ausgesetzt, sie kulturell und physisch zu zerstören. Gestützt auf ihren starken katholischen Identitätskern überstand die Nation alle diese Versuche. Bis in die Gegenwart ist in Polen daher die Sensibilität gegenüber radikalen und totalitären Ideologien mit christenfeindlichen Zielen stärker ausgeprägt, als es in Deutschland oder anderen westeuropäischen Ländern der Fall ist. (ts)

Nachtrag (10.10.2017): Laut Angaben der polnischen Bischofskonferenz würden nähere Informationen zu den Teilnehmerzahlen erst in den nächsten Tagen vorliegen. Sie lag anderen Schätzungen zufolge deutlicher höher als 150.000 Menschen.

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