Muslimische Verbündete des Christentums: Die Lipka-Tataren

Józef Brandt - Tataren auf Spähtrupp (gemeinfrei)

Im Rahmen der Erschließung der christlichen Kultur des schützenden Dienstes an Europa und des damit verbundenen Erbes sind auch muslimische Beiträge zu diesem Erbe zu würdigen. Dazu gehört der Einsatz der muslimischen Lipka-Tataren, die über Jahrhunderte hinweg als Verteidiger des Christentums in Europa in Erscheinung getreten sind.

Bei den Lipka-Tataren handelt es sich um die Nachkommen von Angehörigen muslimischer Turkvölker, die sich ab dem Ende des 14. Jahrhunderts zunächst auf Einladung des litauischen Großfürsten Vytautas auf dem Gebiet des heutigen Litauen und Polen ansiedelten. Ihr Name geht auf das krimtatarische Wort für Litauen zurück. Ein Überblick über ihre Geschichte findet sich hier.

  • Lipka-Tataren zeichneten sich durch besondere Leistungen bei der Verteidigung der christlichen Gemeinwesen aus, in denen sie lebten, wobei sie vor allem Kavallerie stellten. Ihr militärischer Beitrag spielte vor allem bei der Abwehr osmanischer Invasionen eine Rolle.
  • So dienten etwa im deutsch-polnischen Entsatzheer, das 1683 in der Schlacht am Kahlenberg unter der Führung von König Johann III. Sobieski osmanische Vorstöße nach Mitteleuropa vor Wien dauerhaft zum Stehen brachte, mehrere Regimenter von Lipka-Tataren.
  • Bis heute leben einige tausend weiterhin muslimische Lipka-Tataren in Polen, Litauen und Weißrussland, wo sie überwiegend die christlich-europäische Kultur der ihnen zur Heimat gewordenen Länder angenommen haben und als kulturell vollständig integriert gelten.

Ihre politischen Vertreter haben sich skeptisch gegenüber ungesteuerter Migration von Muslimen aus dem Nahen Osten geäußert und dabei auf die kulturell bedingt geringen Integrationsperspektiven vieler dieser Migranten hingewiesen.

Bewertung

Das Beispiel der Lipka-Tataren verdient nicht nur aus historischen Gründen eine Würdigung, sondern zeigt auch die Bedeutung der Annahme europäischer Kultur als Voraussetzung gelungener Integration auf.

Außerdem zeigt das Beispiel der Lipka-Tataren, dass die Bereitschaft, persönliche Risiken für die aufnehmende Gesellschaft in Form von Wehrdienst einzugehen, ein geeigneter Indikator für vollzogene Integration ist. (ts)

2 Kommentare

  1. Die Lipka-Tataren sind durchaus kein Unikat. Russische Adelsgeschlechter, Mehrer des moskowitischen Reiches, wie die Kasimow und Jussupow waren die Nachkommen getaufter Tatarenfürsten. Im mittelalterlichen Ungarn dienten zentralasiatische und kaukasische Muslime (Kaliz, Böszörmeny, Szerecsen) der Krone als Soldaten, Beamte, Münzmeister und Handelsagenten. Ein ungarischer König stellte Friedrich Barbarossa 500 muslimische Reiter für seine Mailand-Feldzüge zur Verfügung. Die mittelalterlichen Kriegerkasten übten eine große Anziehungskraft auf schamanistische und muslimische Abenteurer aus, russische Historiker nennen die Zeit der ersten Rurikriden-Großfürsten die Epoche der „Gefolgschaftskultur“ („Druzina-Kultur“). Leider strahlt das heutige Europa eine völlig andere Art von Anziehungskraft aus.

    • Sehr geehrter Herr Varga,
      vielen Dank für den Hinweis. Das Thema war mir tatsächlich völlig neu, und ich werde mich da mal näher einlesen. Vielleicht finden sich ja noch mehr fruchtbare kulturelle Bezüge, auf die man künftig wieder zurückgreifen könnte.

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