Publizist Sohrab Ahmari: Zunehmende Christenfeindlichkeit in progressiven Ideologien und Parteien

Pierre-Antoine Demachy - Das Fest des Höchsten Wesens (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der liberale amerikanische Publizist und Journalist Sohrab Ahmari stammt aus dem Iran und entschied sich 2016 dazu, Katholik zu werden. In einem aktuellen Beitrag in der New York Times beschreibt er die Zunahme christenfeindlicher Tendenzen in progressiven Ideologien und Parteien in westlichen Gesellschaften.

  • Anlass sind aktuelle Vorfälle in den USA und Großbritannien. So sprachen etwa Abgeordnete der demokratischen Partei in den USA der katholischen Juraprofessorin Amy Coney Barrett wegen ihres Glaubens die Eignung für ein Amt am Bundesberufungsgericht des Landes ab und bezeichneten ihren Glauben dabei offen als „Problem“.
  • In Großbritannien findet zudem aktuell eine Kampagne gegen den Katholiken und konservativen Abgeordneten Jacob Rees-Mogg statt, dem seitens progressiver Politiker, Aktivisten und Medien wegen seines Glaubens und seiner christlichen Positionen die Eignung für das Amt des Premierministers abgesprochen wird.

Im Zuge der fortschreitenden Durchsetzung säkular-progressiver Ideologien in gesellschaftspolitischen Fragen in westlichen Gesellschaften würden sich diese Ideologien und entsprechende politische Akteure zunehmend radikalisieren. In diesem Zusammenhang würden sie insbesonderen in den USA auch auf christenfeindliche Verschwörungstheorien zurückgreifen und unter anderem behaupten, dass Katholiken als Staatsbürger illoyal seien.

Hintergrund und Bewertung

Christenfeindlichkeit liegt unter anderem dann vor, wenn Christen wie in den erwähnten Fällen wegen ihres Glaubens etwa die Eignung zur Ausübung öffentlicher Ämter oder das Recht zur öffentlichen Äußerung ihrer Positionen abgesprochen wird.

Auch in Deutschland sind im progressiven Spektrum über dessen linksradikale Teile (in denen Christenfeindlichkeit immer schon stark präsent war) hinaus verstärkt christenfeindliche Tendenzen zu erkennen.

  • Der Sozialdemokrat und Bundesjustizminister Heiko Maas erklärte vor wenigen Tagen, dass er das Eintreten für ein „klares Familienbild aus Vater, Mutter und Kindern“ für verfassungswidrig halte. Auch wenn die Äußerungen von Maas sich nicht direkt gegen Christen richteten, so liegt in diesem Fall potentiell sekundäre Christenfeindlichkeit vor, da Maas hier den Vertretern eines christlichen Familienbildes mutmaßlich das Recht abspricht, ihre Position politisch zu vertreten.
  • Mutmaßlich christenfeindliche Positionen vertritt auch der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, der 2014 als EU-Parlamentspräsident eine Entfernung christlicher Symbole aus der Öffentlichkeit forderte. Das christliche Kreuz stehe laut Schulz für Einstellungen, die im Sinne der Anti-Diskriminierung „bekämpft“ werden müssten.
  • In jüngerer Vergangenheit kam es in Deutschland mehrfach zu Versuchen zur Verhinderung christlicher Veranstaltungen, etwa der „Demo für Alle“. An einigen dieser Versuche beteiligten sich auch Vertreter der SPD. Da in diesem Zusammenhang Christen Grundrechte abgesprochen wurden, sind diese Vorfälle als christenfeindlich einzustufen.
  • Im Zusammenhang mit solchen Versuchen werden regelmäßig christenfeindliche Parolen gezeigt oder geäußert. Neben der SPD sind auch die Parteien Bündnis90/Die Grünen sowie Die Linke in vielen Fällen an Aktionen dieser Art direkt oder indirekt beteiligt. Eine Distanzierung dieser Parteien von in diesem Zusammenhang beobachteter Christenfeindlichkeit erfolgte bislang nicht. Diese arbeiten zudem unverändert im Rahmen von Aktionsbündnissen mit offen christenfeindlich agierenden Linksradikalen zusammen.
  • In Deutschland genießt das Christentum zunehmend weniger Schutz als andere Religionen, was christenfeindliche Tendenzen begünstigt. Während etwa einige Verfassungsschutzbehörden Islamfeindlichkeit beobachten, wird Christenfeindlichkeit bislang nicht behördlich beobachtet. Ansätze zur Behebung dieser Benachteiligung sind bislang nicht zu erkennen.

Eine generelle Christen- und insbesondere Kirchenfeindlichkeit, wie sie seit der Zeit der französischen Revolution bei vielen progressiven Parteien und Bewegungen zu beobachten war und dabei nicht selten die Schwelle zur Christenverfolgung überschritt, liegt bei den Parteien des progressiven Spektrums in Deutschland trotz der beschriebenen Tendenzen jedoch gegenwärtig nicht vor.

Je mehr sich europäisch geprägte Gesellschaften von ihren christlichen Wurzeln entfernen, desto größer wird allerdings der Gegensatz zwischen den sie prägenden säkular-progressiven Ideologien und dem Christentum. Christenfeindlichkeit mit entsprechendem Hintergrund wird daher voraussichtlich parallel zur ebenfalls stärker werdenden islamischen bzw. islamistischen Christenfeindlichkeit langfristig weiter zunehmen.

Dies wird dadurch verstärkt, dass christliches Denken und Leben diesen Akteuren zunehmend als fremd und unverständlich erscheint. Insbesondere die Elemente christlichen Lebens, die Selbstkontrolle bei der Verfolgung der eigenen Leidenschaften beinhalten, werden zunehmend als Provokation empfunden und stoßen auf Intoleranz.

Da Staat und Politik bislang nicht auf diese Tendenzen reagieren und die Wahrscheinlichkeit tendenziell abnimmt, dass sie es künftig noch tun werden, wird es langfristig immer wichtiger werden, dass Christen sich selbst gegen Christenfeindlichkeit in allen ihren Formen engagieren und dieser angemessen entgegentreten. (ts)

5 Kommentare

  1. Die Europäische Union beruft sich immer gerne auf die ideale der französischen Revolution. Da kann es nicht verwundern, dass die EU auch der Maxime „keine Feinde von Links“ folgt und die Methode, Kritiker der ach so edlen Ideale mit dem Fallbeil zu bekehren, durch gesellschaftliche und wirtschaftliche, in zunehmenden Maase auch juristischer Enthauptung bzw. hochnotpeinlicher Belehrung durch autonomen (?) Prügelpöbel. Es ist der alte Feind, dass Jakobinertum, welches nach den Blutbädern in Russland, China und Kambodscha in seine alte westeuropäische Heimat heimkehrt. Wie schon 1792/93 fragen sich die ersten Deisten, Agnostiker und Liberalen „was haben wir da nur angerichtet?“ Es sind aber noch zu wenige und es mangelt nicht an schlechten Priestern, die bewußt oder unbewußt Antichrist dienen. Auch in den USA, dem größten Kind Europas, ist es soweit. Aus der Kritik an den Evangelikalen ist ein antichristlicher Kreuzzug geworden, nach Robert E. Lee, einem großartigen Soldaten und Menschen, folgt der Angriff auf die bisher unangreifbaren (deistischen) Ikonen Washington und Jefferson. Wer soll ihre Plätze einnehmen. Und wo liegt die nächste Vendee?

  2. „Da Staat und Politik bislang nicht auf diese Tendenzen reagieren und die Wahrscheinlichkeit tendentiell abnimmt, dass sie es künftig noch tun werden, wird es langfristig immer wichtiger werden, dass Christen sich selbst gegen Christenfeindlichkeit in allen ihren Formen engagieren und dieser angemessen entgegentreten.“

    Was sehen Sie in diesem Zusammenhang als ein „angemessenes“ Entgegentreten an?

    • @Karl
      Angemessenes Entgegentreten bedeutet im m.E. Kontext der von progressiven Akteuren ausgehenden Christenfeindlichkeit, (welche die Schwelle zur Gewalt nicht überschreitet) vor allem, Christenfeindlichkeit als solche zu benennen. Es bedeutet zudem für die Schließung rechtlicher Lücken einzutreten, die derzeit bei diesem Thema noch vorhanden sind. Ebenso wäre m.E. ein Eintreten für den Abbau der Benachteiligung angemessen, denen das Christentum derzeit gegenüber anderen Religionen ausgesetzt ist, was staatlichen Schutz angeht. Beide Konfessionen agieren hier derzeit noch eher passiv und könnten wesentlich größeren Druck auf die Verantwortlichen erzeugen.
      Gegenüber einem SPD-Kanzlerkandidaten etwa, der das christliche Kreuz aus der Öffentlichkeit entfernen will und erklärt, die damit verbundene Botschaft „bekämpfen“ zu wollen, wäre m.E. kirchlicherseits doch einmal ein deutliches Wort angebracht, auch im Sinne der Aufklärung der Wähler über solche Einstellungen seinerseits. Noch stellen Christen ja einen beträchtlichen Anteil unter den Wahlberechtigten dar. Dabei ist mir durchaus bewusst, dass die SPD oder andere progressive Parteien nicht pauschal christenfeindlich sind. Es soll hier auch nicht darum gehen, gegen oder für eine bestimmte Partei zu agieren. Wo aber Grenzen derart überschritten werden, sollte man dies nicht widerspruchslos hinnehmen, egal um welche Partei es geht.

      • Für die Schließung rechtlicher Lücken oder einen Abbau einer Benachteiligung einzutreten, läuft letzten Endes auf politische Arbeit hinaus, die als Ziel ein neues oder geändertes Gesetzt anstrebt. Ich fürchte, so würde man das Pferd von hinten aufzäumen. Nehmen wir einmal, sie hätten Erfolg und es gäbe diese Gesetzte. Im derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Klima würden diese meines Erachtens nicht angewandt. Denken Sie beispielsweise daran, dass es sehr leicht ist als Deutscher wegen Ausländerfeindlichkeit oder Diskriminierung verurteilt zu werden. Es ist dagegen sehr schwer für einen Araber wegen Deutschenfeindlichkeit oder Diskriminierung verurteilt zu werden. Das ist kein Problem des Gesetzestextes, sondern ein Problem der ungleichen Rechtsanwendung.

        Ihr Anmerkung, es wäre angebracht, dass die Kirchen ein deutliches Wort sagen, geht an der Sache vorbei. Es geht ja schließlich darum, was jeder einzelne von uns tun kann. Von Bischöfen, die ihre Kreuze ablegen, um Moslems nicht zu provozieren, können Sie ein deutliches Wort wohl auch nicht ernsthaft erwarten.

        Sehen Sie als Vergleich, wie Moslems die Islamisierung in Europa vorantreiben. Deren Strategie liegt nicht darin Gesetzesvorhaben auf den Weg zu bringen. Stattdessen bemühen sich diese lokal, bei jeder Gelegenheit islamische Kultur und Gepflogenheiten durchzusetzen.

        Ich halte eine solche Strategie für wesentlich aussichtsreicher als das Ansetzten auf einer so abstrakten und vom Alltag der Menschen entfernten Ebene, wie der Gesetzgebung. Die Rechtsanwendung und auch die Gesetzgebung folgt der vorherrschenden Kultur.

        Das Eintreten für christliche Tugenden und Werte sowie die Verurteilung unchristlicher Kultur halte ich deshalb für einen besseren Weg. Ich glaube, dass es mehr bringt und sich auch psychologisch leichter durchhalten lässt, da man im kleinen viel eher zu Erfolgserlebnissen kommt als bei einer Agitation für eine Gesetzesänderung.

        Dinge wie die Teilnahme an einer DEMO FÜR ALLE liegen wohl irgendwo zwischen diesen beiden Ansätzen. Allerdings werden Sie als Teilnehmer derartiger Veranstaltungen schnell feststellen, dass die Gegendemonstranten die Schwelle zur Gewaltanwendung routinemäßig überschreiten. Freilich können Sie einwenden, dass sich diese Gewalt nicht spezifisch gegen Christen richtet. Ein Atheist, der von einer solchen Veranstaltung alleine nach Hause geht, riskiert genauso zusammen geschlagen zu werden wie ein Christ.

      • @Karl
        In den meisten Ihrer Punkte kann ich Ihnen nicht widersprechen, wobei das, was Sie „Verurteilung unchristlicher Kultur“ nennen, ggf. identisch mit dem ist, was ich meinte als ich das Benennen der Christenfeindlichkeit als solcher ansprach. Auch die Annahme, dass von Seiten der Politik (egal von welcher der Parteien) und der Gesetzgebung keine Lösung letztlich kultureller Probleme zu erwarten ist, teile ich nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre. In den USA hat sich aber gezeigt, dass aus christlicher Perspektive vorerst noch eine politische Minimalstrategie funktionieren kann. Diese beschränkt sich darauf, die eigenen kulturellen Räume durch Gesetze für Religionsfreiheit etc. abzusichern und sich in der balkanisierten Gesellschaft als eine Minderheit unter anderen einzurichten. Dafür braucht es nicht einmal christliche Politiker (Donald Trump verkörpert gewiss nicht christliche Tugenden), sondern die Fähigkeit, Christen als Wählerblock zur Unterstützung von Parteien zu mobilisieren, welche die christliche Interessen wie die erwähnte Absicherung von Religionsfreiheit etc. vertreten. In den USA scheint diese Minimalstrategie erst einmal funktioniert zu haben:
        http://edition.cnn.com/2017/05/03/politics/trump-religious-liberty-executive-order/index.html
        Umgekehrt kann die Möglichkeit, dass dieser Wählerblock seine Unterstützung auch entziehen kann, potentiell mäßigend auf Politiker wirken.
        Natürlich ist das in Deutschland vorerst u.a. aufgrund der engen Bindung der Kirchen an die großen Parteien und den politischen Einstellungen vieler Christen vorerst noch unrealistisch. In den nächsten Jahren dürften vielen Christen aber ihre eigenen Interessen unter dem Druck der Ereignisse deutlich bewusster werden als es jetzt verbreitet der Fall ist, weshalb die Mobilisierbarkeit zunehmen könnte. Natürlich wäre nur ein Vorhaben von vielen und würde zudem eine wesentlich größere und reifere Organisation voraussetzen als die ersten Ansätze, die hier zur Verfügung stehen.

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