Kampfsport als Beitrag zu christlicher Charakterbildung und Lebensführung

Ein an seiner Tonsur erkennbarer Mönch beim Kampfsport (Darstellung aus dem Walpurgis-Fechtbuch des Mönches Liutger, ca. 1320, Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der katholische Autor und Leistungssportler Jared Zimmerer ist für das Vorhaben „Word on Fire“ des amerikanischen Bischofs Robert Barron tätig, wo er sich vor allem mit Fragen männlicher Spiritualität befasst. In einem aktuellen Beitrag beschreibt er den Beitrag von Kampfsport zur christlichen Charakterbildung und Lebensführung.

  • Im traditionellen Kampfsport gehe es nicht nur um physischen Kampf gegen andere, sondern in erster Linie um die Konfrontation mit inneren Schwächen und dem Kampf gegen sie. Kampfsport stärke in diesem Zusammenhang die Fähigkeit, Leid zu ertragen, Opfer zu bringen und Ziele gegen Widerstände zu verfolgen, weshalb er zum Aufbau von christlicher Tugend beitrage.
  • Darüber hinaus stärke Kampfsport die Fähigkeit, Gefahren erfolgreich zu begegnen, wodurch er die Fähigkeit zum schützenden Dienst am Nächsten und dem Gemeinwesen und somit eine christliche, dienende Lebensführung fördere.

Für die gesunde Entwicklung der Seele des Mannes sei Kampfsport von entscheidender Bedeutung:

[R]ight up to the early 20th century, boys would often fight or wrestle one another as both a test of manhood and a way to be welcomed into the tribe or culture in which they found themselves. Boys became men by learning how to defend their tribe, which taught them that their life was one of self-sacrifice for the common good. The camaraderie of learning how to defend others built lifelong friendships between boys who were expected to work together for the good of the tribe. In times past, priests themselves would teach troubled youth the art of boxing in order to help engrain discipline and respect into the boys they were evangelizing. These boys would fight one another and a brotherhood would grow. Boys have not changed.

Angesichts von gesellschaftlichen Entwicklungen, die damit verbunden seien, dass die spirituellen Bedürfnisse von Jungen und Männern zunehmend herabgesetzt würden, sei die Praktizierung von Kampfsport umso wichtiger.

Hintergrund

Die Gedanken Zimmerers knüpfen an Überlegungen an, die in der katholischen Spiritualität seit dem Mittelalter verstärkt zu finden sind. Diese wiederum knüpften an antike, griechische und römische Konzepte an, die Tugend als Tauglichkeit zu einem guten Zweck im Angesicht von Gefahr definierten. Von diesem Verständnis war auch der hl. Paulus geprägt, der christliche Tugenden unter Rückgriff auf militärische und athletische Bilder beschrieb.

In der christlichen Spiritualität des Mittelalters galt die biblische Gestalt des Judas Makkabäus als Vorbild idealer männlicher Tugend, weil er militärische Fähigkeiten und körperliche Belastbarkeit mit Frömmigkeit verband und daher in besonderem Maße zum schützenden Dienst befähigt war. Geoffroi de Charny etwa stellte ein entsprechendes Verständnis von Tauglichkeit in seiner um 1350 erschienenen Schrift über den schützenden Dienst des Rittertums in den Mittelpunkt.

Das Ideal des zum entsprechenden Dienst tauglichen Mannes sei der Edelmann („Preudomme), der militärisch Leistungsfähigkeit und Frömmigkeit in sich vereine. Der entsprechend taugliche Mann diene Gott und dem Nächsten, führe den asketischen Kampf gegen seine ungeordneten Leidenschaften, pflege Glaubenspraxis sowie den Empfang der Sakramente und sei zudem tapfer, diszipliniert, loyal und taktisch versiert. De Charny propagierte in diesem Zusammenhang auch Kampfsport bzw. Turniere als Mittel zur Förderung von Tauglichkeit.

Neben der Kunst der Schwertherstellung wurden zudem auch Kampfkunst und Kampfkultur mutmaßlich in einzelnen christlichen Klöstern des Mittelalters gepflegt (darauf geht am Rande auch diese Dissertation von Heidemarie Bodemer ein). Eine so vollständige Integration von Wehrhaftigkeit, Charakterbildung, Spiritualität und Kampfsport wie etwa im japanischen Budo wurde dabei jedoch im Christentum bislang nicht erreicht.

Diese Tradition christlicher Spiritualität ist dabei keine Besonderheit des Mittelalters und trat erst in den vergangenen Jahrzehnten in Europa weitgehend in den Hintergrund. Vor rund hundert Jahren war sie jedoch noch so präsent, dass etwa Papst Pius X. in ihrem Sinne Christen zu „edler Mannhaftigkeit“ und schützendem Dienst am Christentum ermutigte.

Gegenwärtig wirkt diese frühere Verbindung von Wehrhaftigkeit und Spiritualität nur noch in schwacher Form nach, etwa in ursprünglich christlichen Schützenbruderschaften. In diesen haben Charakterbildung und Spiritualität jedoch gegenüber der Pflege von Geselligkeit bestensfalls nur noch einen nachrangigen Stellenwert. Die als „Öffnung“ dargestellte Absenkung von Standards in diesen Bruderschaften führt dort dazu, dass in ihnen christliches Bekenntnis und Lebensführung eine immer geringere Rolle spielen und sie säkularen Vereinen immer ähnlicher werden. (ts)

2 Kommentare

  1. Nach dem Schwarzen Silvester 2015/16 wurde ich von osteuropäischen Bekannten gefragt, ob bei den Feiern in Köln und anderswo keine deutschen Männer, die Freunde und Ehemänner der angegriffenen Frauen, anwesend waren-nirgends könne man etwas über männliche Verletzte oder Gegenwehr lesen.
    Meine Antwort war etwas langatmig: A) Falls sich deutsche Männer zusammengerauft und ihre Frauen verteidigt hätte, wäre im Januar 2016 die Presse voll gewesen von Berichten über rechtsradikale Ausschreitungen gegen unschuldige Migranten und Selbstjustiz
    B) Der durchschnittliche urbane Westdeutsche KANN sich und seine Lieben gar nicht verteidigen, weil er es nie gelernt hat.
    Während an den Schulen Raufereien seitens afrikanischer und asiatischer Gäste als kulturelle Eigenheit oder Widerstand gegen soziale Ungerechtigkeit toleriert werden, wird der deutsche Jungrabauke vor ein Tribunal aus Schulleiter, Schulpsychologen, den Eltern aller Beteiligten uswusw gestellt.
    Der durchschnittliche Osteuropäer hätte seine Frau, Freundin oder Tochter verteidigt. Nicht weil jener durchschnittliche Osteuropäer ein Held ist, sondern weil er weiß, dass ihm seine Frau/Freundin ansonsten kommentarlos die Koffer vor die Tür stellt und ihm seine Eltern mitteilen, dass er nicht mehr ihr Sohn ist.
    Im Westen hingegen redet sich der Deserteur ein, dass seine Passivität ein Zeichen friedfertiger Gesinnung und kultureller Reife und- natürlich- Toleranz ist. Was mich wundert ist, dass offenbar die Mehrheit der Frauen dies akzeptiert. Es mag ja sein, dass der domestizierte Mann das Wunschbild der 68er-Emanzen ist, aber sogar Alice Schwarzer hat verstanden, dass man die eigenen Männer irgendwie als Verbündete gegen die Steinzeit-Machos braucht.
    Die Fähigkeit und der Wille, seine Familie zu verteidigen ist die Pflicht des Mannes. Wenn diese Fähigkeit, Wille und Pflicht nicht mehr vorhanden sind, sind Männer wirklich überflüssig geworden. Ob diejenigen, die sich den Idealmann als humorvollen, zahlungsfreudigen und allesverstehenden Feigling vorstellen, in dieser Welt überleben können, ist eine andere Frage.

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