Kardinal Marx ruft Christen zum Widerstand gegen „destruktive Ideologien“ auf

Pierre-Narcisse Guérin - Henri de La Rochejaquelein (gemeinfrei)

Reinhard Kardinal Marx ist Erzbischof von München und Freising. Nach dem islamistischen Anschlag in Barcelona hat er Christen dazu aufgerufen, einander im schützenden Dienst zur Seite zu stehen und der Ideologie der Täter entgegenzutreten.

Wörtlich sagte der Kardinal im Kontext seiner Verurteilung des Anschlags und derer, die ihn zu verantworten haben:

Wir Christen sind herausgefordert, aufeinander Acht zu geben, destruktiven Ideologien entgegenzutreten und für Menschenwürde und Solidarität einzustehen.

Hintergrund und Bewertung

Vertreter der Kirche sind allgemein zurückhaltend, was Äußerungen zum Konflikt zwischen radikalen Strömungen im Islam und dem Christentum angeht. Hintergrund ist dabei meist nicht die Absicht zur Verharmlosung dieses Konflikts, sondern vielmehr das Bewusstsein darüber, wie akut dieser Konflikt mittlerweile ist.

Da die Kirche in dieser Lage selbst nicht über die Möglichkeit verfügt, verfolgten und angegriffenen Christen schützend zu Seite zu stehen, konzentrierte sie sich in der Vergangenheit auf Versuche, den Druck auf das Christentum zu reduzieren, indem sie es vermied, militanten Islamisten Material für ihre Propaganda zur Verfügung zu stellen. Der gebotene Einsatz zum Schutz verfolgter und angegriffener Christen wurde dabei als Sache von Staaten und Regierungen betrachtet.

Unter Islamisten stärkte dies jedoch die Wahrnehmung, dass Bindungen unter Christen nur schwach ausgeprägt seien und insbesondere die Kirche in Europa aus mangelndem Mut und mangelnder Glaubensstärke davor zurückschrecke, den im Wirkungsraum militanter Islamisten verfolgten Christen zur Seite zu stehen. Dies ermutigte radikale Muslime dazu, ihre Verfolgungen in die genozidalen Dimensionen auszuweiten, die derzeit etwa in Teilen des Nahen Ostens zu beobachten sind, und ihre Aktivitäten auch auf Europa auszweiten.

So sprachen militante Salafisten etwa bereits vor einiger Zeit davon, auch Europa zu einem „Schlachtfeld“ machen zu wollen. Es gehe dabei um die „Eroberung von Rom“, womit sie zum Ausdruck brachten, dass Europa für sie identisch mit seinem christlich-abendländischen Erbe ist und dessen Vernichtung das eigentliche Ziel ihrer Aktivitäten sei:

Bereits die erste Ausgabe des Online-Magazins „Dabiq“ im Juli 2014 zeigte auf der Titelseite den Vatikan. Die Eroberung des Vatikans solle also den „Sieg über die Ungläubigen“ festschreiben. Denn dem Propheten des Islams schreiben die Ideologen des IS den Ausspruch zu, dass das Jüngste Gericht mit einer Schlacht der Muslime gegen die „Armee Roms“ in Dabiq nahe Aleppo und dem „Sturz Roms“ eingeleitet werde. Nur war zu Lebzeiten Mohammeds Ostrom, also Konstantinopel und damit das heutige Istanbul, das Zentrum der Christenheit, nicht Rom selbst.

Kardinal Marx gehörte in der Vergangeheit zu denen, die bei Versuchen, dieser Angriffswelle durch Deeskalation ihre Kraft zu nehmen, bis an die Grenzen gegangen waren. Da dieser Ansatz weitgehend wirkungslos war und islamistische Angriffe gegen Europa und das Christentum parallel zu solchen Versuchen weiter zunahmen, ist es nun an der Zeit, das Thema des schützenden Dienstes (Kardinal Marx: „aufeinander Acht geben“) und des Widerstands gegen die Angreifer und Verfolger (Kardinal Marx: „destruktiven Ideologien entgegentreten“) wieder stärker in den Vordergrund zu stellen. (ts)

6 Kommentare

    • @F451
      Was dort steht stellt m.E. einen krassen Bruch mit der Lehre der Kirche dar, die staatliches Handeln an das Gemeinwohl gebunden sieht, auch beim Thema Migration (Punkt 2241: http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_P83.HTM). Auch ein Papst kann nicht einfach so beschließen, dass von nun an das Gegenteil der bisherigen Lehre gilt. Das ist die im Katholizismus eingebaute Kontrolle von Macht, die auch mit ggf. beim aktuellen Papst zu beobachtenden Schwächen fertigwerden und verhindern wird, dass diese allzugroßem Schaden anrichten.

  1. Wer ohne jede Not das Kreuz ablegt und gegenber einem totalitären Staatsystem in Verkleindung einer Religion den Kotau ablegt, soll besser den Mund halten, sofort zurücktreten und in tiefer Demut versinken!

    • @Marcionit
      Der Kardinal dürfte hier fehlgeleiteten Ratschlägen jener gefolgt sein, die davon ausgehen, dass Konflikte dieser Art durch Anpassungsgesten überwindbar wären. Seine aktuellen Äußerungen deuten aber an, dass er damit begonnen haben könnte, die Dinge anders zu sehen. In diesem Fall sollte man m.E. das Positive in seinem Handeln bestärken anstatt die Fehler zu betonen, auch im Interesse der Einheit der Kirche.

  2. Man könnte das Zitat des Kardinals tatsächlich so verstehen, dass er mit den „destruktiven Ideologien“ vor allem auch diejenige derer meint, die einen Konflikt wahrnehmen.

  3. Es wäre wirklich schön, wenn Kardinal Marx Lernfähigkeit und gesunden Menschenverstand zeigen würde. In Anbetracht seines bisherigen Werdegangs fürchte ich, dass er bei dieser Aussage kurzfristig die sinkenden Einnahmen durch Kirchenaustritte und langfristig die Angst im Sinne hat, als schlechter Hirte von seiner Herde fortgejagt zu werden. Seine Auffassung unseres Glaubens entspricht ziemlich genau der Definition von destruktiver Ideologie und hat zu der Krise des Abendlandes maßgeblich beigetragen.

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