Naher Osten: Hilferuf der katholischen Patriarchen an die Kirche

Bartolomeo Vivarini - Der hl. Johannes von Capestrano (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Die katholischen Patriarchen des Nahen Ostens haben nach einem Treffen im Libanon einen Hilferuf an die Kirche veröffentlicht. In diesem Zusammenhang sprachen sie von einem Verschwinden des Christentums aus der Region in Folge eines planmäßigen Genozids, dem die Welt tatenlos zusehe. Sie kündigten zudem an, „in der Erde unserer Väter und Vorfahren verwurzelt“ bleiben zu wollen und auf scheinbar verlorenem Posten auszuhalten.

Bewertung

Es ist unwahrscheinlich, dass der Hilferuf der Christen des Nahen Ostens und ihre Warnungen an die Christen Europas auf größere Aufmerksamkeit stoßen werden. In Deutschland erwähnten bislang weder Medien noch Kirche diesen Hilferuf überhaupt. In Teilen der Kirche gerade in Deutschland scheint die Furcht, von den radikalen Muslimen, deren Ableger um Nahen Osten für die angesprochene Verfolgung verantwortlich sind, der Intoleranz bezichtigt zu werden, mittlerweile größer zu sein als die Sorge um das Schicksal der verfolgter Christen.

Persönlichkeiten wie etwa hl. Johannes von Capestrano (um nur ein Beispiel von vielen aus der Geschichte Europas zu nennen) sind im Europa der Gegenwart nicht zu erkennen. Dieser hatte im 15. Jahrhundert auf die Verfolgung der Christen Südosteuropas durch die Osmanen mit diesem Aufruf an Papst Calixt III. geantwortet:

Es erhebe sich Eure Heiligkeit! […] Wecket auf, Heiligster Vater, die Schläfer, streichet und stoßet sie mit dem Hirtenstab des Kreuzes Christi! Sendet Rufer und Prediger voll glühenden Eifers, Männer mächtig in Tat und Wort, die den Geiz hassen, die allein Gottes Ehre und das Heil der Seelen suchen, die bereit sind, für die Verteidigung der heiligen katholischen Wahrheit ihr Leben hinzugeben. O Heiligster Vater, erbarmet Euch der Tränen und des Jammers der Völker […].“

Der damalige Papst Calixt III. kündigte darauf einen verstärkten Einsatz zur Rettung der Christen Südosteuropas vor den osmanischen Invasoren an und beauftragte Capestrano, seinen predigenden Einsatz fortzusetzen und zum Kampf gegen die Angreifer zu mobilisieren. Ihm wird dabei wegen seiner Erfolge eine entscheidende Rolle bei der Verteidigung Europas gegen die Osmanen zugeschrieben.

Heute ist die Geschichte der Verteidigung des Christentums allgemein entweder in Vergessenheit geraten oder zum Verbrechen erklärt worden. Dies gilt auch für Heilige wie Capestrano und ihre Taten. Die ersten Opfer von Verdrängung und Vergessen sind dabei die Christen des Nahen Ostens, die dem an ihnen vollzogenen Genozid schutzlos ausgeliefert sind. (ts)