Erzbischof Charles Chaput: Die demographische Krise und der drohende Tod Europas

Thomas Cole - The Course of Empire - Desolation (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Charles Joseph Chaput ist Erzbischof von Philadelphia und eine der führenden katholischen Stimmen in politischen Debatten in den USA. Vor einigen Tagen warnte er vor dem drohenden demographischen Erlöschen Europas und einer möglichen islamischen Zukunft des Kontinents:

The future belongs to people with children, not with things. […] If you want to see the face of Europe in 100 years, barring a miracle, look to the faces of young Muslim immigrants.  Islam has a future because Islam believes in children.  Without a transcendent faith that makes life worth living, there’s no reason to bear children.  And where there are no children, there’s no imagination, no reason to sacrifice, and no future.  At least six of Europe’s most senior national leaders have no children at all.  Their world ends with them. It’s hard to avoid a sense that much of Europe is already dead or dying without knowing it.

Chaput hatte zuvor erklärt, dass es der Auftrag des Christentums in der gegenwärtigen Lage sein müsse, Zellen intakten Lebens in den sich ausweitenden Verfallsumfeldern zu bilden, die als Identitätskern einer späteren Erneuerungsbewegung wirken könnten. Chaput rief Christen zudem dazu auf, sich dienend für die Länder einzusetzen, in denen sie leben:

We need to work as long as we can, as hard as we can, to nourish the good that remains in our country—there’s a deep well of good that does remain—and to encourage the seeds of a renewal that can only come from our young people. […] We’re creatures of place. […] The soil under our feet matters, home matters, communities matter. The sounds and smells and tastes of the world we know, and the beauty of it all, matter. There’s something cheap and unworthy in a heart that has no roots, that feels no love of country.

Er knüpfte damit an Gedanken von Papst Johannes Paul II. über christlichen Patriotismus an.

Hintergrund

Die vor einigen Monaten erschienene Studie „The Changing Global Religious Landscape“ des Pew Research Center hatte die demographischen Grundlagen der Warnung Chaputs im Wesentlichen bestätigt. In Europa werde der Anteil der Muslime an Bevölkerungen aufgrund von höheren Geburtenraten und Migration weiter zunehmen, während der Anteil der Christen vor allem aufgrund niedrigerer Geburtenraten sowie schwächeren religiösen Bindungen künftig stark zurückgehen werde.

Der katholische Theologe George Weigel beschrieb in diesem Zusammenhang, dass Europa vor allem aus geistig-kulturellen Gründen „demographischen Selbstmord“ begehe. Das Verhältnis moderner europäischer Kultur zum Heiligen sei zutiefst gestört, weshalb dieser Kultur angehörige Menschen je nach weltanschaulicher Variante entweder aus der Welt verschwinden wollten oder keine über dem Individuum stehende Ordnung und keine übergenerationalen Ziele mehr anerkennen würden. Die mit Nachwuchs verbundenen Opfer würden daher häufig nicht mehr als sinnvoll wahrgenommen. Ein Indikator dafür sei, dass die politischen Führungen der wichtigsten Staaten Europas mittlerweile durch kinderlose Politiker gestellt würden. Diese repräsentierten einen säkularen Lebensstil, dessen Horizont nicht über das eigene Leben hinausreiche. (ts)

6 Kommentare

  1. Der drohende Tod Europas…
    Wir hatten in den vergangenen Wochen das Vergnügen und Privileg, durch einen Teil Europas zu reisen (Ungarn, Slowenien und Kroatien), welches gar nicht daran denkt, zu sterben.
    Österreich hadert mit sich, ob es zu diesen Europa gehören will oder zu jenem, dem zum Beispiel der bisher nicht durch abendländisches Gedankengut aufgefallene Mick Jagger das baldige Absterben prophezeit.
    Der größte Teil des deutschen Volkes hadert nicht, es hat offenbar beschlossen, sich nicht mit dem Thema zu befassen. Ich frage mich, wer schlimmer ist, die Minderheit der jakobinischen Irren und Selbsthasser oder die Mehrheit der „Nach mir die Sintflut“-Spießbürger.

    • @Attila Varga
      In 20 oder 30 Jahren wird Mitteleuropa die Hilfe des Ostens vielleicht bitter benötigen. Da wäre es doch mal eine Anregung, Kontakte zu befreundeten Organisationen dort zu knüpfen…

      • Lieber TS
        Das Problem ist, dass ich bereits in Ungarn nach DEUTSCHEN Organisationen gefragt wurde, mit denen man Kontakte knüpfen könnte…
        Daher meine Frage an Sie: Gibt es in Deutschland seriöse Organisationen, die in Osteuropa, wo immerhin der Staat die nationalen Anliegen vertritt, ernst genommen würden?
        Nach der Wende überschwemmte Ungarn eine Sintflut patriotischer Organisationen und Aktivisten, von denen sich die meisten als Scharlatane, Narren, Schwätzer oder gefährliche Irre erwiesen. Wir benötigten zwei Jahrzehnte, um die Spreu vom Weizen zu trennen und so viel Zeit hat Deutschland schlicht und einfach nicht mehr.

      • Sehr geehrter Herr Varga,
        ich würde mich in naher Zukunft wegen dieser Frage einmal per E-Mail bei Ihnen melden. Übrigens ist mittlerweile auch die Nachricht angekommen, die Sie vor einiger Zeit einmal über das Kontaktformular versendet hatten. Wegen eines Problems mit dem dafür genutzten Plugin wurden diese Nachrichten nicht wie geplant an unser Postfach weitergeleitet, wovon leider sehr viele Lesernachrichten betroffen waren.

    • Ungarn: 1,44 Geburten pro Frau ‎(2015)
      Kroatien: 1,46 Geburten pro Frau ‎(2015
      Slowenien: 1,58 Geburten pro Frau ‎(2015)
      Die denken vielleicht nichts ans austerben, aber echtes demographisches Überleben sieht halt auch anders aus.

      • Lieber till-ole,
        die Geburtenrate der Frauen in z.B.Frankreich ist höher, aber ich hege so meine Zweifel, ob dies den FRANZOSEN nützt.
        Selbst wenn die Bevölkerung Ungarns auf 9 oder 8 Millionen Menschen sinken würde, wären die demographischen Überlebenschancen der Einheimischen größer als in Deutschland, dessen Einwohnerzahl wächst, während die Zahl der ethnischen Deutschen abnimt.
        Auch der zeitgenössische Osteuropäer neigt dazu, nicht mehr Kinder in die Welt zu setzen, als er angemessen versorgen kann. Ungarns Ziel ist eine Geburtenrate von 2,x Kindern pro Familie. Die Regierung Orbán hat viel für die Familienförderung getan, die Zahlen haben sich seit 2015 verbessert, aber das Ziel liegt, da haben Sie sicherlich recht, noch in relativ weiter Ferne.

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