Papst Benedikt XVI.: Sorge um die Zukunft Europas

Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski - Schiffe im Sturm (gemeinfrei)

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. betonte in dem 2016 erschienenen Band mit dem Titel „Letzte Gespräche“ noch einmal seine Sorge um die Zukunft Europas und die Kontinuität des Christentums in Europa:

Wie Europa sich entwickeln wird, wie weit es noch Europa sein wird, wenn andere Bevölkerungsschichten es neu strukturieren, wissen wir nicht. […] Das Wort des Evangeliums kann natürlich aus Kontinenten verschwinden. Wir sehen ja, die christlichen Kontinente des Anfangs, Kleinasien und Nordafrika, sind nicht mehr christlich. Es kann auch in Räumen verschwinden, wo es groß war.

Im Buch schildert er auch Eindrücke seiner ersten Romreise, bei der ihn vor allem die „Größe der Kontinuität“ ergriffen habe, die angesichts der Zeugnisse der zweitausendjährigen Geschichte des Christentums in der Stadt besonders stark wahrnehmbar sei.

Außerdem spricht er im Buch über Fehlentwicklungen im Zusammenhang mit dem Wirken progressiver Kräfte in der Kirche seit den 60er Jahren. Benedikt habe sich ursprünglich selbst diesen Kräften zugerechnet und zusammen mit ihnen eine „gewisse Verachtung“ für frühere Fehlentwicklungen im Katholizismus geteilt, etwa gegenüber einer „etwas kitschigen Frömmigkeit und Übersentimentalität“. Die guten Ansätze progressiver Strömungen hätten jedoch in den 60er Jahren eine „Umfärbung“ erfahren, wobei von außerhalb der Kirche „auch andere Kräfte eingewirkt“ hätten. Er habe mit ansehen müssen „dass gerade das, was wir wollten, dieses Neue, zerstört wird“.

Hintergrund

Benedikt XVI. hat sich über Jahrzehnte mit der Krise Europas auseinandergesetzt, und auch in einem Treffen Benedikts mit einem Kreis von Theologen im Sommer 2016 soll es noch einmal um diese Krise gegangen sein. Der Koordinator des Kreises betonte, dass Benedikt „voller Sorge um Europa“ sei. Details wurden jedoch nicht bekannt.

Das Werk Ratzinger beinhaltet darüberhinaus eine umfassende Analyse der Krise Europas. So warnte er etwa vor einer „Antikultur des Todes“, die sich Europas bemächtigt habe, es schrittweise von seinen geistigen und kulturellen Wurzeln trenne und dadurch in den Niedergang führe:

Diesem inneren Absterben der tragenden seelischen Kräfte entspricht es, dass auch ethnisch Europa auf dem Weg der Verabschiedung begriffen erscheint. Es gibt eine seltsame Unlust an der Zukunft.

Die Zukunft des Christentums in Europa werde von jenen geprägt werden, die „mehr wahrnehmen als die Phrasen, die gerade modern sind“, und „die tiefe Wurzeln haben“. (ts)

7 Kommentare

      • Tja, liebe Freunde, dann wird es langsam eng:
        Die politischen Eliten Europas haben sich endgültig und unversöhnlich gespalten in die kinderlosen Staatsführer des Westens und den „Typ Visegrád“ mit Kind bzw. Kindern, also mit völlig verschiedenen Wünschen für die Zukunft.
        Deutschland hat zwei Gesetze angenommen, die es heute dem eigenen Volk und morgen Europa aufzwingt.
        Die Westkirche (Katholiken und Protestanten) ist einer feindlichen Übernahme erlegen und reiht sich in die globalistische Einheitsfront ein.
        Viel Feind, viel Ehr´, aber man kann es auch übertreiben.

      • @Attila Varga
        Bei allen Schwierigkeiten in der katholischen Kirche kommen hier hoffentlich noch genug positive Beispiele zur Sprache, um noch Anlass zur Hoffnung zu geben, dass die feindliche Übernahme noch ein Stück entfernt ist.

  1. An „Attila Varga“ :
    Dem Namen nach sind Sie Ungar.
    Meiner Meinung nach sind sie in der glücklichen Lage in Ihrem Land einen guten Präsidenten und eine gute Regierung zu haben, die sich der westlichen Gender-Politik widersetzt und auch in der „Flüchtlingspolitik“ einen gesunden Menschenverstand an den Tag legt.
    Herzliche Gratulation
    Dass es den Menschen in Ihrem Land (noch) schlechter geht als bei uns, sind meiner Meinung nach immer noch die Folgen des Kommunismus und einer zunehmenden Isolierung innerhalb der EU, „weil ja Ungarn nicht vernünftig ist“.

    • Sehr geehrter voltenauer,

      da den Ungarn im Allgemeinen und mir im Besonderen Eitelkeit nicht unbekannt ist, danke ich ich Ihnen für Ihre Worte und hoffe, dass das Vertrauen, welches viele in uns setzen, gerechtfertigt ist.
      In den letzten Jahren habe ich immer wieder betont, dass Ungarn erst 2006-10 ganz Unten aufprallen musste (in der Tat waren die Raubtierinstinkte unserer Eliten und eine gewisse Balkaneinstellung eines großen Teils des Gemeinvolkes die Folgen von Kommunismus und wilder Privatisierung), um aufzuwachen. Auch gab ich der Hoffnung Ausdruck, dass Deutschland einen solchen Absturz nicht benötigt, um „die Kurve zu kriegen.“
      Mittlerweile habe ich diese Hoffnung begraben. Offenbar müssen Deutsche wie Ungarn erst all ihre Illusionen verlieren, um zu merken, dass das Haus brennt.
      Natürlich würde eine solche Krise in Deutschland den ganzen Kontinent erschüttern, aber vielleicht ist ein Ende mit Schrecken doch besser, als ein Schrecken ohne Ende.

  2. An PStM:
    Es sind jene positiven Beispiele, die mich daran hindern, aus der Kirche auszutreten.

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