Jesuit Henri Boulad: Die Kirche muss sich islambezogenen Konflikten stellen

Józef Brandt - Die Schlacht von Wien (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der aus Alexandria stammende Jesuit Henri Boulad war Regionaloberer der Jesuiten und Leiter der katholischen Wohlfahrtsorganisation Caritas in Ägypten sowie ihr Vizepräsident für den Nahen Osten und Nordafrika. 2004 wurde er Rektor des Jesuitenkollegs von Kairo. In einem Gespräch mit dem National Catholic Register hat er die Kirche und westliche Gesellschaften zum Umdenken im Umgang mit islambezogenen Herausforderungen aufgerufen.

Die Ursache der für Nichtmuslime vielfach problematischen Folgen islamischer Präsenz läge nicht in Abweichungen von der eigentlichen Tradition des Islams, sondern in belastbaren Interpretationen seiner Offenbarung. Der Westen und die Kirche müssten sich dieser Realität stellen:

Islam is an open-ended declaration of war against non-Muslims. […] Extremists are just applying what their religion teaches them to do. It seems to me that – on the pretext of openness, tolerance and Christian charity — the Catholic Church has fallen into the trap of the liberal left ideology which is destroying the West. […] The West is in an ethical and moral debacle, both religious and spiritual. And it is not by relativizing the painful reality that these societies will be helped to emerge from their disarray.

Konflikte mit den entsprechenden Kräften im Islam seien unvermeidlich, und der Westen müsse diese Konflikte austragen anstatt sie zu leugnen oder anzunehmen, dass sie auf Missverständnissen beruhten:

By defending at all costs Islam and seeking to exonerate it from the horrors committed every day in its name, one ends up betraying the truth. […] A systematically conciliatory attitude is interpreted by the majority of Muslims as a sign of fear and weakness. If Jesus said to us: Blessed are the peacemakers, he did not say to us: Blessed are the pacifists. Peace is peace at any cost, at any price. Such an attitude is a pure and simple betrayal of truth.

Hintergrund und Bewertung

Im April 2017 hatte Boulad in einem Gespräch mit dem Osservatore Romano darauf hingewiesen, dass der Koran zahlreiche Passagen enthalte, die einen „Aufruf zum Krieg, zur Gewalt und zum Kampf gegen die Christen“ darstellten. Man müsse aber zwischen den vielen friedlichen Muslimen, die dies nicht umsetzten, und auf solche Passagen gestützter Ideologie des politischen Islams differenzieren.

Im Mai 2017 hatte Boulad die ungarische Staatsbürgerschaft angenommen, um die auf Risikoprävention ausgerichtete Politik des Landes gegenüber der Zuwanderung von Muslimen symbolisch zu unterstützen:

Mit der Annahme der ungarischen Staatsbürgerschaft wolle er „signalisieren, dass das von Viktor Orbán geführte Land in der Frage der Migrationskrise, welche die Existenz Europas gefährdet, die richtige Entscheidung getroffen hat“, sagte Boulad. „Ich möchte (…) auf der Seite der Ungarn und Orbáns für die Zukunft und für die christlichen Werte kämpfen.“ Prinzipiell sei eine Unterstützung von Flüchtlingen und Armen „richtig und gut“, sagte Boulad, „aber etwas mehr klarer Kopf würde dabei auch gut tun“. Die Aufnahmefähigkeit Europas habe „ihre Grenzen“. Er kritisiert „bedingungslose Zuwanderung“ und warnt vor einer künftigen muslimischen Bevölkerungsmehrheit auf dem Kontinent. […] Maßgebliche Politiker in Europa, aber auch die Kirche unterschätzten aus seiner Sicht die von herrschenden Strömungen im Islam ausgehende Gefahr. „Politische Korrektheit“, meinte der Jesuit wörtlich, „demoliert den Westen: „Sie macht es unmöglich, dass wir die wirkliche Gefahr des Islam begreifen“.

Vertreter der Kirche, die wie Boulad aus islamisch-geprägten Gesellschaften stammen oder dort längere Zeit tätig waren, sind aufgrund ihrer Erfahrungen allgemein sensibler für das Konfliktpotential, das im Zusammenhang mit islamischer Migration nach Europa entsteht. Sie treten daher stärker als europäische Kirchenvertreter, denen solche Erfahrungen häufig fehlen, als warnende Stimmen in Erscheinung und bewerten die langfristigen Perspektiven eines konfliktfreien Zusammenlebens zwischen Muslimen und Nichtmuslimen in Europa meist weniger optimistisch. (ts)

1 Kommentar

  1. Der Jesuitenorden verkörpert die bis zum Säurestadium herausdestillierte Essenz der Katholischen Kirche, daher war er auch unter katholischen Christen stets umstritten: Man vermied es bis in die jüngste Vergangenheit, einen Jesuiten zum Papst zu machen; im 18.Jh. trieben sowohl der Freimaurer und Kirchenhasser Pombal als auch der konservative und gläubige Reformer Karl III. von Spanien (aus völlig unterschiedlichen Gründen!) das Verbot des Ordens voran.
    Boulad scheint als „Mann an der Front“ die Ansichten Arrupes und des Papstes nicht zu teilen und verkörpert jene Fraktion des Ordens, die das Wohl des Abendlandes über die Interessen des Ordens stellt. Wir leben zwar nicht in den schönsten Zeiten, aber man kann unsere Epoche auf jeden Fall nicht als langweilig bezeichnen.

Kommentare sind deaktiviert.