Progressiver Aktivismus und kulturelle Auflösung: Das Beispiel Polen

Thomas Couture - Die Römer der Verfallszeit (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Polen ist einer der Staaten in Europa, in denen es Anzeichen für das erfolgreiche Wirken kultureller (in diesem Fall katholischer) Erneuerungsbewegungen gibt. Dies stößt auf die Ablehnung progressiver Aktivisten, deren Bewegung der Journalist Florian Hassel in der Süddeutschen Zeitung am Beispiel der Aktivitäten des Posener Oberbürgermeisters Jacek Jaśkowiak beschreibt.

Bei seiner Beschreibung der Aktivisten fällt auf, dass diese nicht über eigenständige politische oder kulturelle Ziele verfügen, sondern sich ausschließlich über ihre Ablehnung der Kultur und Tradition des Landes definieren. Zu den Zielen der Aktivisten gehören demnach etwa:

  • Legalisierung der Tötung ungeborener Kinder;
  • Auflösung des traditionellen Verständnisses von Ehe und Familie sowie des traditionellen Geschlechterbildes;
  • Beseitigung christlicher Symbole aus der Öffentlichkeit und Bekämpfung der öffentlichen Rolle der Kirche;
  • Ansiedlung irregulärer, vorwiegend muslimischer Migranten;
  • Staatliche Subventionierung von Aktivisten unter Verweis darauf, dass diese „an einer Statue von Papst Johannes Paul II. Oralsex imitiert“ hätten, was dem Kontext nach offenbar als Leistung gewürdigt werden soll.

Keines dieser Ziele ist dabei mit der Schaffung kultureller Werke oder der Pflege eines an nachfolgende Generationen zu übergebenden Erbes verbunden. Indem die Aktivisten das Ziel der Legalisierung von Abtreibung betonen und gleichzeitig Ehe und Familie ablehnen machen sie vielmehr deutlich, dass sie nicht nur das kulturelle Erbe des Landes beseitigen wollen, sondern auch die potentiellen Erben.

Es handelt sich bei dieser ausschließlich auf Negation beruhenden und auf Auflösung abzielenden Bewegung um ein Beispiel für das, was der amerikanische Soziologe Philip Rieff als „Antikultur“ bezeichnete:

  • In modernen Ideologien sei das Wirken eines kollektiven Todestriebes im Freudschen Sinne zu erkennen. Als Folge einer kollektiven seelischen Störung würden Teile dieser Ideologien die eigene Selbstauslöschung anstreben und sich wie eine Autoimmunkrankheit gegen die eigene kulturelle Substanz und die eigenen geistigen Wurzeln richten.
  • Antikultur trage meist utopische Züge und strebe die Schaffung eines neuen Menschen an, der durch den revolutionären Bruch mit einer Tradition entstehen solle. Nicht nur totalitäre Ideologien, sondern auch progressive oder liberale Strömungen könnten dabei antikulturell wirken.
  • Antikultur stelle grundsätzlich eine Gefahr dar, weil sie keine kulturelle Substanz erzeugen könne und im Zuge ihres Wirkens nicht nur diese Substanz sondern auch das zerstöre, was zu deren Regeneration in der Lage sei. Antikultur müsse daher zwangsläufig in Chaos und Verwahrlosung enden, wenn die Bestände der von ihr bekämpften Kultur verbraucht seien.

Polen war in der Vergangenheit bereits Ziel von zwei totalitären Versuchen, es durch Angriffe auf seinen religiösen Identitätskern zu zerstören. Einer der Gründe dafür, dass kulturelle Erneuerungsbewegungen in Polen größere Wirkung erzielen als in anderen europäischen Staaten könnte in diesem Zusammenhang darin bestehen, dass viele Polen aufgrund der Geschichte des Landes sensibler für die von entsprechenden Bestrebungen ausgehenden Gefahren sind und diese auch dann erkennen, wenn sie sich in ein progressives Gewand kleiden. (ts)

13 Kommentare

  1. @Mitropa
    Revolution ist immer dann am schönsten, wenn es keinen Widerstand gibt.Pierre Gaxotte beschreibt in seinem Buch über die Französische Revolution exakt, wie der Staat bereits in den 1770er Jahren vor den Clubs, Lesezirkeln und Logen kaptulierte, deshalb konnten maximal 10%Revolutionäre dem Land ihren Willen aufzwingen. Die Aristokraten klatschen in frivoler Begeisterung, wenn im Theater ihr Blut gefordert wurde, ebenso wie unsere zeitgenössischen Spießbürger bei Liedern wie „Kill the white Man!“ oder bei Moores „Stupid white Men“, dessen Kritik weniger die verbrecherische Politik des George Bush anprangert, als den einfachen amerikanischen Arbeiter und Farmer, dessen Kinder für Halliburton und Bechtel sterben durften, bevor ihnen das System dann auch noch Heim und Ersparnisse raubte.Woher nehmen denn die „Aktivisten“ heuer ihre Chuzpe? Aus dem Wissen, dass das System-Politik, Justiz und Medien-hinter ihnen steht.

  2. @Attila Varga und Mitropa

    Aber nach der Generation Pong (GenX) kam die Generation He-Man (Millennials). In den späten 80ern und 90ern hatten die 68er-Ideale schon Patina angesetzt und unsere Eltern waren indifferent statt ideologisch. Der uneingeschränkte Konsum setzte sich glaube ich ungefähr zeitgleich mit dem Durchbruch der digitalen Revolution ein und das alles ist mit der Globalisierung postmoderner Prägung auch untrennbar verbunden. Miley Cyrus ist m.E. kein Kind von Rudi Dutschke sondern Steve Jobs.

    • @Graurabe
      Da sehe ich keinen Widerspruch, ihr Beitrag illustriert den kontinuierlich fortschreitenden Materialismus. Im ehemaligen Ostblock wurden in Zeitraffer aus überzeugten Kommunisten begeisterte Anhänger des Raubtierkapitalismus. Und warum auch nicht? Die Ziele (Auflösung von Familie, Gemeinschaft und Staat zur Bildung einer amorphen Masse von Verbrauchern und Arbeitstieren) sind identisch. Der Werdegang eines Joschka Fischer ist ein Beispiel, dass es im Westen nicht anders ablief, Freund Joschka vertrat die Weltrevolution mit der selben Begeisterung, wie die konsumorientierte Globalisierung, da ist der Mann konsequent.

  3. Richtig, der Weg des Geldes gibt häufig die Antwort. Das neue ungarische NGO-Gesetz soll übrigens nicht, wie behauptet, die NGO´s grundsätzlich verbieten, es soll diese aber dazu zwingen, ihre Finanzierung offen zu legen.

  4. Die Intensität ist ja kaum noch steigerbar. Gezielt Kinder zu schlachten hat eine andere Qualität, denn da deutet sich eine genozidale Absicht an. Das ist sozusagen die Steigerung der Massenvergewaltigung, die „nur“ demütigen soll.

    Geduld müssen wir wohl haben mit den Europäern, aber ich glaube tatsächlich dass sich was tut, bei einer beträchtlichen Anzahl.

  5. @Graurabe
    „Für mich ist Manchester kein Anschlag wie jeder andere, hier zeigt sich, ob da überhaupt noch was lebt.“

    Ähnliche Worte habe ich schon nach den Ereignissen von Köln und nach sovielen Anschlägen in der Zeit danach gehört. Vielleicht ist es einfach so, dass da eben nichts mehr lebt. Ein Arzt würde sagen, dass die wiederholte Sensibilitätsprüfung leider kein positives Ergebnis gebracht hat. Vielleicht braucht es aber auch nur ein wenig mehr Intensität, wer weiß…

  6. @Morbrecht
    „Ich verurteile niemanden, der sich so etwas anschaut oder anhört…“

    Ich auch nicht. Vor allem würde ich mir aber wünschen, dass die europäischen Männer und Frauen den Zorn wiederentdeckten. Aber in drei Wahlen wurden drei historische Chancen vergeben. Vll hört wirklich erst beim Fußball der Spaß auch für die Europäer auf. Indes, ist ihr Überleben in Frieden und Freiheit dann eigentlich etwas wert, wenn nicht mal ihre eigenen toten Kinder sie aufrütteln können ? Für mich ist Manchester kein Anschlag wie jeder andere, hier zeigt sich, ob da überhaupt noch was lebt.

    • Geehrter Graurabe
      Aus gegebenem Anlass und nach längerer Zeit erneut auf dieser Seite:

      https://www.youtube.com/watch?v=Xn_Qo9eqlOE

      „So here we are waking
      Savages shaking
      The road that we’re taking
      We’ve walked before

      And if these times
      Should seal our fate
      You won’t see me
      At Heavens gate

      Danger is lurking
      Evil is working
      Yet here we are hiding
      Behind our doors

      Come out, come out
      It’s time to grow
      Enjoy the ride
      One more time before you go

      According to Hoyle, all cards on the table
      What else can you do when life is unstable?

      The night’s growing colder
      The enemy bolder
      But as you grow older
      You cease to care

      But if we run
      Or try to hide
      And turn our faces
      We’ll have no hopes to keep alive

      According to Hoyle, all cards on the table
      Reactions cool, the world unstable
      According to Hoyle, all cards on the table
      What can you do when life is unstable?

      So here we are waking
      Savages shaking
      Here we are hiding
      Danger is lurking“

  7. @Graurabe
    Miley Cyrus war als „Hannah Montana“ zu meiner aktiven Zeit bei den amerikanischen und anderen angelsächsischen Kameraden recht beliebt. Diese harmlos-banalen Geschichten um ein liebes Mädchen hat sich mancher im Irak und in Afghanistan gerne angeschaut…ich musste dabei an die ähnlich harmlos-banalen Peter Alexander-Filme der Nachkriegszeit denken, die sich Männer anschauten, die mehr erlebt haben als meine Generation:

    Und je näher man an das Kriegsende herangeht, desto banaler wird es:

    Ich verurteile niemanden, der sich so etwas anschaut oder anhört, und ich bedauere, was aus Miley Cyrus geworden ist.

    • Was KONNTE denn aus Miley Cyrus werden? Die Revolution frisst ihre Kinder, dies hat sie schon immer getan.
      Wir können dabei ruhig auch auf unsere Seite des Ozeans blicken. Erinnern Sie sich noch an die „Rappelkiste“, bei der Eltern, Lehrer, Polizisten immer negativ oder lächerlich dargestellt wurden oder erinnern Sie sich an den ganzen progressiven Unsinn, mit dem wir seit den 70ern überschüttet wurden. Im Rückblick erscheinen diese alten Schinken gar nicht mehr so harmlos. Die 68er und ihre Auftraggeber haben uns doch offen und ehrlich gesagt, dass sie Deutschland zerstören werden-wir hätten die Ankündigung ernst nehmen sollen.

      • Wer von der Generation Pong kann sich nicht erinnern, an all die „schönen“ sozialdemokratischen Schulreformen der 70ér? Die Rappelkiste ( Start 1973) ist im übrigen ein schönes Bsp, wie schnell und problemlos der Marsch durch die Institutionen damals erfolgte. Die Linken, haben sich damals zwar immer schön als Freiheitskämpfer stilisiert, großen Widerstand gab es gegen dieses Klientel aber überhaupt nicht. Die Berufsverbote waren auch nicht mehr als heiße Luft. Heute funktioniert das viel effektiver und geräuschloser. Die Aktivitäten und der Einfluß dieser Gruppen ist heute weitgehend unbekannt. Literatur zum Thema ist selten. Muß man jetzt nicht kaufen, der Artikel reicht:
        http://www.wallstreet-online.de/nachricht/9491550-buchtipp-bundesdeutsche-linke-70er-jahre

  8. Ah ok, von Disney kamen ja schon Britney Spears und Miley Cyrus. Bei Letzterer sind die Übergänge zwischen der üblichen Permissivität und richtiggehendem Satanismus schon fließend.

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