Migrationsforscher Ruud Koopmans: „Die stabilen Staaten haben alle eine nationale Kultur“

Das christliche Europa - Ausschnitt aus dem Genter Altar (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Migrationsforscher Ruud Koopmans ist Professor für Soziologie und Migration an der Humboldt-Universität zu Berlin und zudem am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) tätig. Vor einigen Tagen äußerte er sich zur Leitkulturdebatte in Deutschland und betonte dabei, dass jeder funktionierende und stabile Staat auf einer nationalen Kultur beruhe.

Nicht nur Deutschland, jedes Land der Erde braucht eine Leitkultur, und die stabilen Staaten haben auch alle eine nationale Kultur. […] Bisher hat es nur der Nationalstaat geschafft, Verteilungskonflikte friedlich auszutragen und einen Wohlfahrtsstaat aufzubauen.

Der Wunsch und das Streben nach Gemeinschaft auch in Form von Bindung an eine Nation oder eine nationale Kultur seien in der Natur des Menschen angelegt. Funktionierende Staaten würden auf dieser Bindung und dem Wunsch beruhen, kulturelle Gemeinsamkeiten in öffentlichen Institutionen verwirklicht zu sehen. Realitätsgerechte Politik müsse dies berücksichtigen, sonst würde sie unnötige Konflikte erzeugen.

Es sei eine Besonderheit Deutschlands, dass Teile der politischen und kulturellen Eliten des Landes die Folgen einer die Natur des Menschen leugnenden Politik und die daraus resultierenden migrationsbedingten  Herausforderungen zunehmend ignorieren und dabei versuchen würden, realitätsgerechtere Positionen moralisch abzuwerten, um sie aus der Debatte herauszuhalten. Die Diskussion um die Frage der Leitkultur könne dies aufbrechen.

Bewertung und Folgerungen

Christliche Beiträge zu dieser Debatte können etwa auf die christliche Prägung der Kulturen Deutschlands und Europas verweisen. Aus dieser Prägung entstanden auch die meisten der Errungenschaften, auf die säkulare Befürworter des Konzepts der Leitkultur verweisen.

Mit der katholischen Soziallehre wurde zudem ein Ansatz entwickelt, der nicht von utopischen Annahmen über den Menschen ausgeht. Das natürliche Streben des Menschen nach Bindung und Gemeinschaft wird von dieser Lehre nicht geleugnet, sondern die Natur des Menschen anerkennt und vor ihrem Hintergrund eine auf Gemeinwohl und Solidarität beruhende Gesellschaft angestrebt, weshalb sie den auf kulturellen Bindungen beruhenden Nationalstaat befürwortet, wenn er entsprechenden Zielen dient. (ts)

2 Kommentare

  1. Haben Sie übersehen, dass Koopmans als zentralen Inhalt der deutschen Leitkultur den Holocaust fordert? Er ignoriert dabei, dass der Holocaust längst die herrschende Leitkultur ist, nämlich die der Deutschlandabschaffer unserer „Elite“.

    • @Andreas Vonderach
      Ich hatte Koopmans das nicht fordert, sondern eher als Faktum feststellt und dann versucht, seinen Kritikern rhetorisch auf dem Weg den Wind aus den Segeln zu nehmen. Als den stärksten Teil von Koopsmans Aussagen empfand ich das eben wegen dieser doch recht durchschaubaren rhetorischen Absicht jedoch nicht.

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