Sozialgeograph Christophe Guilluy: Die Krise Europas und ihre Ursachen

Ambrogio Lorenzetti - Die Allegorie der schlechten Regierung (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Journalist Christopher Caldwell, der vor allem durch sein Werk “Reflections on the Revolution In Europe” bekannt wurde, fasst in einem aktuellen Beitrag die Analysen des französischen Sozialgeographen Christophe Guilluy zusammen. Dieser hat einen umfassenden Ansatz zur Erklärung der Krisen westlicher Gesellschaften vorgelegt, der auf seinen Untersuchungen über die Entwicklungen in Frankreich beruht.

Globalisierung führt zu sozialer und ethnischer Polarisierung in westlichen Gesellschaften

Die Globalisierung bzw. die Auflösung bestehender Kultur und Ordnung aus ökonomischen Motiven sei der wesentliche Treiber der Krise westlicher Gesellschaften, weil sie soziale Polarisierung in diesen Gesellschaften fördere und kulturellen und anderen Druck auf ihre erodierenden Mittelschichten erzeuge.

  • Gewinner der Globalisierung in westlichen Gesellschaften seien ihre in die globale Ökonomie eingebundenen wirtschaftlichen Eliten sowie liberal-progressive kulturelle Eliten, die sich räumlich in wenigen Großstädten konzentrieren und weitgehend isoliert von schrumpfenden einheimischen Mittelschichten und erstarkenden migrantischen, vorwiegend islamischen Unterschichten leben würden.
  • Für die erodierende Mittelschicht gäbe es zunehmend weniger wirtschaftlichen Bedarf, weshalb ihre Angehörigen tendentiell seit einiger Zeit einem sozialen Abstieg unterlägen. Dadurch gerieten sie mit den demographisch erstarkenden und kulturell selbstbewussten migrantischen Unterschichten zunehmend in wirtschaftliche und sonstige Konkurrenz.

Die Lebenswelt der absteigenden Mittelschichten beschreibt Guilluy am Beispiel Frankreichs so:

An ethnic Frenchman moving into a heavily North African housing project finds himself threatening a piece of property that members of “the community” think of as theirs. Guilluy speaks of a “battle of the eyes” fought in the lobbies of apartment buildings across France every day, in which one person or the other—the ethnic Frenchman or the immigrant’s son—will drop his gaze to the floor first .[…]  Guilluy has written much about how little contact the abstract doctrines of “diversity” and “multiculturalism” make with this morally complex world. In the neighborhoods, well-meaning people of all backgrounds “need to manage, day in, day out, a thousand and one ethno-cultural questions while trying not to get caught up in hatred and violence.” […] Unlike our parents in the 1960s, we live in a multicultural society, a society in which “the other” doesn’t become “somebody like yourself.” And when “the other” doesn’t become “somebody like yourself,” you constantly need to ask yourself how many of the other there are—whether in your neighborhood or your apartment building. Because nobody wants to be a minority.

Verschärfung der Krise durch Reaktionen der gesellschaftlichen Eliten

Die damit verbundenen Herausforderungen würden durch wirtschaftliche, kulturelle und politische Eliten jedoch ignoriert.

  • Diese würden statt dessen migrantische Unterschichten protegieren, ihre Präsenz fördern und ausweiten, ihre Ansprüche und Forderungen unterstützen und die Problemwahrnehmung der Mittelschicht zum Ausdruck von Rassismus oder kultureller Rückständigkeit erklären und gleichzeitig für verstärkte Globalisierung eintreten. Die Perspektive der Mittelschicht sei, dass sich diese Entwicklung weiter verschärfe werde. Die einheimischen Mittelschichten würden sich daher zunehmend von etablierten Parteien abwenden, die nicht mehr ihre Interessen vertreten würden, und sich alternativen, „populistischen“ Parteien zuwenden.
  • Gesellschaftliche Eliten würden sich als Reaktion darauf ihrerseits verstärkt von den einheimischen Mittelschichten entsolidariseiren. Parteien würden etwa versuchen, sich zunehmend auf die Ansprache von ethnischen Minderheiten und liberal-progressiver kultureller Eliten abstützen, die sich gleichermaßen durch die Ablehnung der traditionellen Ordnung und Kultur Europas definieren würden, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen.
  • Der Druck auf die einheimischen absteigenden Mittelschichten würde zudem durch elitengetriebene „Top-Down Social Movements“ verstärkt, mit denen denen Staat und kulturelle Eliten gegen die einheimischen Mittelschichten und deren Kultur vorgehen würden. Solche Bewegungen würden etwa für mehr „Diversity“ eintreten, Vorbehalte dagegen als „Rassismus“ delegitimieren, sich auch gegen andere traditionelle Bindungen wie die Familie wenden und den kulturellen Auflösungsdruck dadurch weiter verstärken.
  • Die Herausforderungen, denen erodierende Mittelschichten gegenüberstehen, würden von diesen Eliten nicht verstanden, weil man deren Lebensumfeld nicht teile. Es bestehe auch kein Interesse daran, sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen, da die Kultur innerhalb dieser Elite die Wahrnehmung und Ansprache entsprechender Herausforderungen tabuisiere und Widerspruch zunehmend als „Haß“ und „Hetze“ delegitimiere, um die eigene Utopie nicht in Frage stellen zu müssen. Herausfordernde Positionen würden allenfalls in karikierender Form wahrgenommen, und man schotte sich auf diese Weise zunehmend gegen die Wirklichkeit ab. So würden diese Eliten zunehmend blind agieren und seien entsprechend von den Wahlsiegen Donald Trumps in den USA, dem Erstarken des FN oder der AfD in Deutschland oder dem Brexit überrascht gewesen.

Caldwell vergleicht Guilluys Analyse mit der von Charles Murray, der die kulturellen Auflösungs- und Polarisierungsphänomene für das Beispiel der USA sehr ähnlich in seinem Werk „Coming Apart“ beschrieben hatte.

Langfristige Perspektiven

Langfristig ergeben sich aus diesen Analysen und Beobachtungen die folgenden Perspektiven:

  • Demokratische Prozesse und Grundrechte wie Meinungsfreiheit werden im Zuge des Versuchs der Eliten, ihre Macht unter den Bedingungen zunehmender sozialer und ethnischer Polarisierung zu behaupten, weiter abgebaut und eingeschränkt werden. Durch werden westliche Gesellschaften weiter an Möglichkeiten zur Korrektur von Fehlentwicklungen verlieren.
  • Politische, wirtschaftliche und liberal-progressive kulturelle Eliten werden keine entsprechende Korrektur bewirken können, weil bereits die Ansprache der Herausforderungen ihren Weltbildern widersprechen und sie delegitimieren würde. Sie reagieren daher zunehmend autoritär auf diese Herausforderungen und ihre Ansprache, weshalb die von ihnen geführten westlichen Gesellschaften sich quasi im Blindflug befinden und auf gravierende Verwerfungen zusteuern.
  • Ethnische und soziale Polarisierung werden in diesen Gesellschaften weiter zunehmen. Ihre Folgen können derzeit noch durch stetiges Wirtschaftswachstum kontrolliert werden. Fällt dieses weg bzw. tritt eine größere Wirtschaftskrise ein, werden Konflikte entlang ethnisch-sozialer Bruchlinien eskalieren.
  • Die gegenwärtigen Eliten überschätzen ihre Fähigkeit, migrantische Unterschichten integrieren und kontrollieren zu können, und werden deren Forderungen und Ansprüchen zunehmend nachgeben und Macht an sie abgeben müssen.
  • Populistische Bewegungen sprechen einige von den Eliten ignorierte oder in Kauf genommene reale Herausforderungen an. Sie haben jedoch keine Konzepte zur Regenerierung kultureller Substanz und können die angesprochenen Herausforderungen bestenfalls verzögern.

Alle westlichen Gesellschaften stehen somit vor einer langen Phase eskalierender Konflikte, wobei noch unklar ist, ob diese Konflikte in Katastrophen münden werden oder in autoritären, wirtschaftlich liberalen und weltanschaulich progressiven Staaten mit zunehmend totalitären Tendenzen.

Folgerungen

Aus diesen Perspektiven ergeben sich die Folgerungen für christliche Akteure:

  • Größere Verwerfungen sind unabwendbar: Während politische Akteure nicht in Sicht sind, die die beschriebenen Prozesse umkehren könnten, fallen gleichzeitig immer größere Teile der Kirche in Europa als mögliches Korrektiv aus und fördern diese Prozesse zum Teil noch. Christliche Akteure abseits der in diesem Zusammenhang zu beobachtenden Tendenz zur Herausbildung von Staatskirchen werden auf absehbare Zeit keinen Einfluss auf diese Prozesse haben, weil diese zu mächtig geworden sind.
  • Der Druck auf das Christentum in Europa wird kurz- bis mittelfristig weiter zunehmen: Der Druck auf die verbliebene christlich-geprägte kulturelle Substanz und ihre Träger wird in westlichen Gesellschaften sowohl durch liberal-progressive Eliten (ggf. mit Unterstützung der erwähnten politisch instrumentalisierten Staatskirchen) als auch durch islamische Unterschichten und entsprechende Akteure weiter zunehmen. Eine wesentliche Herausforderung wird darin bestehen, diesem Druck standzuhalten oder auszuweichen. Später wird direkter  Druck im Zuge der weitestgehenden Entchristianisierung Westeuropas und dem resultierenden Relevanzverlusts des Christentums wieder abnehmen. Parallel dazu wird jedoch der indirekte Druck auf die verbliebenen Teile des Christentums durch ein schwieriger werdendes Umfeld zunehmen.

Die Aufgabe der Erneuerung Europas nach der anstehenden Zeit der Verwerfungen wird sich langfristig auf voraussichtlich zunächst kleine christliche Gemeinschaften stützen müssen, die sich unter den beschriebenen Bedingungen behaupten konnten. Solche Akteure werden in einem zunehmend von Krisen, Verfall und Auflösung gekennzeichneten Umfeld Inseln einer Gegenkultur schaffen, der sich immer mehr Menschen anschließen werden, die sich unter dem Eindruck der Ereignisse von den scheiternden Utopien abwenden.

In diesem Zusammenhang ist allerdings zu bedenken, dass im Zuge der wachsenden islamischen Präsenz eine andere Religion als das demographisch und geistlich erodierende Christentum zunehmend über bessere Voraussetzungen verfügt, um parallel zum Scheitern liberal-progressiver Utopien den ideellen Kern einer kulturellen Erneuerung zu bilden, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Den zu diesem Zeitpunkt verbliebenen Teilen des Christentums dürfte diese islamische Präsenz größtenteils kaum freundlich gegenüberstehen, wie die Erfahrungen aus anderen Teilen der Welt zeigen. (ts)

5 Kommentare

  1. Sehr guter Beitrag, nicht zuletzt weil es mir vorkommt, als ob jemand endlich meine verstreuten Kommentare über Champagner-Sozialisten und Power-Konservative sowie ökonomische Naturalismen innerhalb von Demokratien stichpunktartig zusammengefasst hat. Dieses nicht ernst gemeinte Eigenlob bei Seite: es verdeutlicht, dass es schon weit vor Guilluy, Caldwell und Murray diese ‚Analysen‘ gab, die sich nur in der Rhetorik und Wortwahl unterschieden haben. Schließlich ist die konkrete Handlung seitens der Eliten, auch wenn dieser Begriff trügt, auch nichts weiter als das Jahrtausend alte Prinzip: der Wohlstand wird mittels Leichenpyramide nach oben getragen solange die Todesschreie nicht mehr wahrnehmbar sind.

    […] wobei noch unklar ist, ob diese Konflikte in Katastrophen münden werden oder in autoritären, wirtschaftlich liberalen und weltanschaulich progressiven Staaten mit zunehmend totalitären Tendenzen.

    Kleine Korrektur: die Katasrophe findet bereits statt und die Maßnahmen zur totalitären Kontrolle und Vermeidung einer Korrektur schleichen sich doch bereits seit mehreren Jahrzehnten in die Gesetzbücher und Zeitungsblätter.

    Populistische Bewegungen sprechen einige von den Eliten ignorierte oder in Kauf genommene reale Herausforderungen an. Sie haben jedoch keine Konzepte zur Regenerierung kultureller Substanz und können die angesprochenen Herausforderungen bestenfalls verzögern.

    Diese zwei Sätze sind eine wichtige Feststellung. Die „Eliten“ monopolisieren im Zuge der ideologischen Säuberung alle Governance-Mechanismen, was es Außenstehenden immer schwerer bis unmöglich macht, so wenn sie denn gewählt werden, durch den Dschungel des Machtnetzwerks zu navigieren, welchen sich das Establishment aufgebaut hat. Dadurch resultiert zwangsläufig eine Regierungsunfähigkeit von rebellischen Parteien und Politikern auf Grund fehlender Vernetzung innerhalb der an Regierungsentscheidungen beteiligten Organe, Institute und „Clubs“ sowie an der publizierenden Gegenseite – den Medien.

    Das ist ebenfalls ein altes Prinzip, vergleichbar mit Buch- und Leseverboten seitens der Kirche, um Kenntnis von bestimmten gesellschaftlichen Abläufen zu monopolisieren, damit ein Bauer bloß nicht auf dumme Ideen kommt und seinen Platz „in Gottes‘ Reich“ anzweifelt.

    Hierzulande verläuft dieser Prozess passiv. Bildung und Wissen ist zunehmends abhängig vom Wohlstand des Elternhauses:

    -Multi-Kulti- und Inklusionsschulen für die Massen, Privatschulen für die eigenen Kinder,
    -Börsen-Arier als Ehemann für die eigene Tocher, Jamal für die „Unterschichtsfrauen“,
    -Dekadenter und ruhiger Lebensraum für sich, 200-Stöckige Hühnerfarmen für den Pöbel,
    usw. usw.

    Diese vorwiegend auf ökonomischen Mitteln basierte Machtumwälzung ist ein gelungener Export der Angelsachsen, dessen Perversion auf der nicht wahrnehmbaren Veränderung von sowohl der Macht- als auch Wohlstandsverteilung seitens der Massen beruht. Menschen sind es gewohnt, einen Diktator vor dem Rednerpult zu sehen: er ist offen, wahrnehmbar, kritisierbar und im Endeffekt köpfbar. Aber das Gerüst an ökonomischen Mechanismen, die hinter dieser Match- und Wohlstandsverteilung stehen, können nur die Wenigsten verstehen und nehmen es oftmals unter dem Label war, unter dem es auch verkauft wird: Freiheit. Diejenigen, die es entweder durch Intellekt oder Zufall (Nepotismus, Familie) in gute Verhältnisse bringen, versuchen ihre eigenen Umstände auch zu wahren.

    Es geht in den westlichen Gesellschaften auch nicht mehr darum sich möglichst viel Wohlstand anzueignen, nein, sondern gleichzeitg und aktiv den Rest zu unterdrücken, wie es ein Soziologe ausgedrückt hat. Damit ist der eigene Wohlstand sicherer und der eigene Porsche noch wahrnehmbarer. Ebenfalls ein altes anthropologisches Prinzip.

  2. @ G. Wheat
    Habe Ihren Kommentar zum obigen Artikel mit Gewinn gelesen.
    Etwa diese Stellen:

    „Die „Eliten“ monopolisieren im Zuge der ideologischen Säuberung alle Governance-Mechanismen, was es Außenstehenden immer schwerer bis unmöglich macht, so wenn sie denn gewählt werden, durch den Dschungel des Machtnetzwerks zu navigieren, welchen sich das Establishment aufgebaut hat.“

    und

    „Diese vorwiegend auf ökonomischen Mitteln basierte Machtumwälzung ist ein gelungener Export der Angelsachsen, dessen Perversion auf der nicht wahrnehmbaren Veränderung von sowohl der Macht- als auch Wohlstandsverteilung seitens der Massen beruht. “

    Wir sind längst, ohne dass es selbst jeder Interessierte gemerkt hat, in einen neuen politischen Modus eingetreten. Das Schleichende des Prozesses ist ebenso das Neue wie sdie Subtilität der Bewusstseinslenkung. Goebbels könnte heute noch manches lernen.

    Eine für mich noch offene Frage:
    Wollen die globalistischen Eliten den Islam ausschließlich destruktiv instrumentalisieren (d.h. zum Abräumen störender Identitäten und Strukturen in Europa) oder gibt es womöglich außerdem auch die Vorstellung, ihn im Sinne der Eliten sozusagen konstruktiv, (d.h. zur Schaffung einer neuen verbindenden Identität) zu nutzen?
    Letzteres würde ja an die Konstantinische Wende von 315 n. Chr. erinnern.

    Eigentlich kann ich mir schwer vorstellen, dass man glauben kannm, den Islam in letzterem Sinne instrumentalisieren zu können, aber man sollte auch die Gegenseite nie hinsichtlich ihres Intellekts überschätzen. Das Ausmaß der Islamförderung überrascht doch immer wieder …
    Ich denke dass Sie allein die erste Variante (Destruktion) vermuten werden. Trotzdem würde mich Ihre Sicht interessieren.

    @ Projekt St. Michael
    Im Sinne Ihres Vorhabens scheint es mir von allergrößter Bedeutung, dass Sie sich (vielleicht noch mehr) Gewissheit darüber verschaffen, welche Kräfte, Institutionen, Personen und Mächte (z.B. Adel) heute traditionelle kirchliche Strukturen (z.B. Opus Dei) offen oder verdeckt(!) stützen und fördern.
    Eine Analyse der Kraftvektoren.
    Dass die Netzwerke der katholischen Kirche bedeutend sind, ist ja bekannt.

    • @Waldgänger
      So eine Analyse findet hier durchaus statt. Es scheint so zu sein, als würden sich die verbliebenen Träger kultureller Substanz gegenwärtig um eine Reihe von weltanschaulichen und organisatorischen Kernen sammeln. Nicht alle dieser Kerne haben einen christlichen Bezug, aber einige der wichtigeren Kerne sind auf europäischer Ebene gesehen tatsächlich katholisch. Hier erscheint demnächst ein Beitrag, der das am Beispiel Frankreichs untersucht.
      Eine künftige Herausforderung wird m.E. auch darin bestehen zu vermeiden, dass die sich um diese Kerne herausbildenden Strukturen gegenseitig behindern oder bekämpfen. Auch da ist man in Frankreich weiter als in Deutschland.

      • Es hat in Frankreich schon einmal eine Sammelbewegung diverser konservativer Kräfte gegeben, als sich 1871 Bonapartisten, Anhänger der Bourbonen, des Hauses Orleans und konservative Republikaner gegen das Terroregime in Paris zusammenschlossen. Der gemeinsame Nenner , der die französische Gesellschaft nach 1871 zusammenhielt, war der Hass auf Deutschland. Wie mir in Frankreich lebende Ungarn versichern, mögen es Franzosen praktisch aller politischen Richtungen bis heute nicht, wenn man die Friedensverträge von 1919/20 kritisiert und reagieren bei solchen Diskussionen in etwa so herzlich, wie Russen, die man an den Hitler-Stalin-Pakt erinnert. Das Perverse an der ganzen Sache ist, dass patriotische Franzosen ausgerechnet in der Merkel-Regierung mit ihrer Schulmeistermentalität eine Art Wiedergänger des Deutschen Reiches sehen, aber gleichzeitig auch eine Wiederkehr des deutschen Patriotismus fürchten.
        Der Historiker Eugen Ewig versuchte, den deutsch-französischen Gegensätzen eine Besinnung auf die gemeinsamen merowingisch-christlichen Wurzeln gegenüber zu stellen. Doch ob die beiden großen „fränkischen“ Nationen rechtzeitig merken, dass das gemeinsame Haus brennt, muss sich noch erweisen.

  3. @Waldgänger

    Es ist ausschließlich destruktiver Natur, zur Auflösung und Teilung gedacht und dadurch im Endeffekt zwekcs Kontrolle. Um die geht es immer. Keiner der Eliten, sowohl der „Mitläufer“ als auch der dahinter stehenden „Köpfe“ will kulturellen und ethnischen Genozid, man nimmit ihn aber zu großen Teilen in Kauf, um eben eine leicht kontrollierbare Menschenmasse zu schaffen, die ideologisch weder zu einheitlichem Handeln im Stande ist, noch sich freizügig auf der sozialen Leiter bewegen kann, bis auf ein paar Ausnahmen. Ohne diesen Zustand ist weit gefächerter Globalismus kaum umzusetzen.

    Ein „konstruktiver“ Islam ist nicht kontrollierbar und fällt als nach Innen gerichteter destabilisierender Faktor weg. Zudem würde die Wirtschafts- und Wissensproduktion einbrechen, worauf die Eliten nicht verzichten können. Oder anders ausgedrückt: das Eisen soll stets in einem formbaren Zustand gehalten werden und darf sich weder verflüssigen , noch zu hart werden (Bürgerkriege). Diesen Drahtseilakt können Sie längst beobachten. In der Politik und Wirtschaft ist man Sonntags Hitler und Montags Lenin.

    Ich muss dennoch anmerken, wen ich von Eliten spreche, dann meine ich damit nur das obere 10% der Wohlhabenden. Diese stecken ideologisch und von ihren Handlungen her opportunistisch unter einer Decke, aber nur der kleinste Bruchteil davon, kann wirklich als konspirativ bezeichnet werden. Auf der praktischen Ebene begann das ganze Schauspiel mit den Umformungen des Bankensystems in Großbritanien und den USA (Anfang des 20. Jhd.), vor dem vorangegangene Präsidenten, Generäle und Philosphen gewarnt haben. Es ist natürlich nur ein sehr kleiner Teil vom Gesamtprozess der Globalisierung, aber ein guter Anfang, um sich zu verdeutlichen wie „stille“ Kriege geführt werden können.

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