Kardinal Sarah: Ein identitätsloses Europa ist „dem Untergang geweiht“

Hieronymus Bosch - Der Garten der Lüste (Ausschnitt des rechten Außenflügels, Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der aus Guinea stammende Robert Kardinal Sarah gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der katholischen Kirche der Gegenwart und als ein möglicher Kandidat für das Amt des Papstes. Er warnt in einem aktuellen Gespräch vor islambezogenen Herausforderungen für Europa und den Gefahren, die durch den in Europa zu beobachtenden Identitätsverlust entstehen.

Gegenüber einem Vertreter der Organisation „Kirche in Not“ sagte er:

Jener extremistische Islam aber, der als politische Organisation auftritt und sich dem Rest der Welt aufzwingen will, stellt nicht nur eine Gefahr für Afrika dar. Er ist ist vor allem eine Gefahr für die Gesellschaften in Europa, die allzu oft keine Identität und keine Religion mehr haben. Wenn eine Gesellschaft aber ihre eigenen Werte verdammt, die aus ihrer Tradition, Kultur und Religion hervorgegangen sind, dann ist sie dem Untergang geweiht. Denn sie hat damit jeglichen Antrieb, jegliche Energie und jeglichen Willen verloren, um für die Verteidigung ihrer Identität zu kämpfen.

Kardinal Sarah hatte europäischen Regierungen zuvor Tatenlosigkeit angesichts der zunehmenden Aggressivität radikal-islamischer Akteure vorgeworfen:

Wie viele Tote braucht es, wie viele abgeschlagene Köpfe bis die europäischen Regierenden die Lage begreifen, in der sich der Westen befindet?

In Anknüpfung an die klassische katholische Position in dieser Frage sieht er das Christentum gleichermaßen durch radikale Strömungen im Islam und utopische säkulare Ideologien herausgefordert:

„Was im 20. Jahrhundert Nazi-Faschismus und Kommunismus waren, das sind heute westliche Ideologien über Homosexualität und Abtreibung sowie der Islamistische Fanatismus“, sagte Sarah […]. Die Kirche befinde sich zwischen dem Götzendienst westlicher Freiheit und dem islamischen Fundamentalismus, beides seien „apokalyptische Bestien“, ergänzte Sarah. „Wir befinden uns, um einen Slogan zu benutzen, zwischen ‚Gender-Ideologie und IS'“ […]. Die größten Bedrohungen für die Kirche seien auf der einen Seite schnelle und leichte Scheidungen, Abtreibungen und die Homo-Ehe. Auf der anderen Seite stünde „die Pseudofamilie im ideologisierten Islam, die Polygamie, eine Abwertung der Frau, sexuelle Sklaverei, und die Kinderheirat legitimiert“.

In jüngerer Zeit ist die Tendenz zu erkennen, dass Repräsentanten der Kirche, die nicht aus Europa stammen, häufig entschiedener für das Christentum in Europa einreten als dessen europäische Vertreter und entsprechende Herausforderungen auch deutlicher benennen. Eine stärkere Rolle solcher außereuropäischen Stimmen in der Kirche wäre vor diesem Hintergrund kein Verlust für das Christentum in Europa, sondern vielmehr ein Gewinn. (ts)