Pascal Bruckner: Das Konzept der Islamophobie als psychologische Waffe gegen Europa

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Der Philosoph und Publizist Pascal Bruckner gehört zu der als „Nouvelle Philosophie“ bezeichneten Gruppe französischer Intellektueller, die sich kritisch mit utopischen Ideologien und den ihnen innewohnenden totalitären Tendenzen auseinandersetzen.

In einem Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung beschreibt er das Konzept der „Islamophobie“ bzw. des „antimuslimischen Rassismus“ als psychologische Waffe, die sowohl durch den politischen Islam als auch durch westliche Anhängern utopischer Ideologien gegen europäische Gesellschaften eingesetzt werde.

  • Das Konzept sei ursprünglich von Islamisten geschaffen worden, um an  Antidiskriminierungs- bzw. Antirassismuskonzepte anzuknüpfen. Dadurch solle die Diskussion islambezogener Herausforderungen delegitimiert und deren Bewältigung bzw. Abwehr erschwert werden.
  • Dazu betreibe man unter anderem eine gezielte „Rassifizierung“ der Debatte und stelle den Islam als ethnische Gruppe dar, um die Ansprache islambezogener Herausforderungen als „Meinungsdelikt“ und als Ausdruck von Rassismus darzustellen.
  • Westliche Anhänger utopischer Ideologien würden das Konzept ihrerseits nutzen um Muslime unter dem Vorwand, diese gegen Diskriminierung zu schützen, im Kampf gegen die Restbestände traditioneller europäischer Ordnung und Kultur in Stellung bringen.

Dies gefährde nicht nur europäische Gesellschaften allgemein, sondern richte sich insbesondere auch gegen das Christentum. Während dieses „heute vom Nahen Osten bis Pakistan die Religion der Märtyrer ist“, würden sowohl Islamisten als auch ihre progressiven Unterstützer im Rahmen des Islamophobie-Vorwurfs das Christentum als „Religion der Eroberung und der Intoleranz“ darstellen und damit nicht nur eine Ansprache realer Verfolgung erschweren, sondern letztlich die physische Bekämpfung des Christentums im Nahen Osten auf geistig-kultureller Ebene auch in Europa fortsetzen.

Auf diese Weise gerät das Christentum in Europa sowohl durch den politischen Islam als auch durch säkulare utopische Ideologien unter Druck. Diese weisen trotz der zwischen ihnen vorhandenen grundsätzlichen weltanschaulichen Unterschiede und unterschiedlicher Interessen Überschneidungen auf, was das Ziel der Bekämpfung des Christentums und der Auflösung der von ihm geschaffenen Kulturen in Europa angeht, und wirken auf dieser Grundlage zumindest temporär zusammen. (ts)