Bischof Anba Damian: „Loyalität ist das wichtigste Kriterium bei der Auswahl von neuen Mitbürgern“

Ambrogio Lorenzetti - Die Wirkung guter Regierungsführung in der Stadt (Aussschnitt, Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der aus Ägypten stammende koptische Bischof Anba Damian steht der Diözese der koptisch-orthodoxen Kirche in Norddeutschland vor. In einem aktuellen Gespräch äußert er sich auch zu ethischen Aspekten der Aufnahme von Migranten in Europa und bezeichnet die Loyalität gegenüber dem aufnehmendem Gemeinwesen als wichtigstes Kriterium der Auswahl.

Für die dauerhafte Ansiedlung ist aber die Loyalität entscheidend. Kommt jemand, weil er in Not ist und Hilfe benötigt oder kommt er, um zu ärgern, böse Dinge zu tun, für islamistische Organisationen zu wirken. Die dauerhafte Aufnahme solcher Menschen ist kein Gebot der Nächstenliebe. Loyalität ist das wichtigste Kriterium bei der Auswahl von neuen Mitbürgern. Integration, Sprache lernen – das ist alles schön und gut. Loyalität ist das absolut Wichtigste.

In diesem Zusammenhang erwähnt er auch, dass christliche Kopten in Ägypten trotz der laufenden Verfolgungswelle gegen sie mehrheitlich nicht ihre Heimat verlassen wollten:

Nein, unser Ziel ist, unser Land nicht zu verlassen, der Boden Ägyptens ist gesättigt mit dem Blut der Märtyrer. Dort sind unsere Heiligtümer, Klöster, Kirchen und Denkmäler, deswegen motivieren wir niemanden zur Ausreise.

Ägypten war bis zur islamischen Eroberungswelle im 7. Jhd. koptisch-christlich geprägt. Während das Christentum in anderen Teilen des südlichen und ostwärtigen Mittelmeerraumes im Zuge dieser Eroberungen und den Entwicklungen danach mit wenigen Ausnahmen weitestgehend vernichtet wurde, konnten sich Kopten in Ägypten bis in die Gegenwart behaupten und stellen dort weiterhin rund zehn Prozent der Bevölkerung.

Die Christenverfolgung durch islamische Kräfte hat sich in den vergangenen Jahren jedoch deutlich verstärkt, und auch in Teilen Ägyptens bzw. auf dem Sinai war zuletzt ein Vorgehen militanter Salafisten gegen Christen nach dem Vorbild der Aktionen des Islamischen Staates im Irak und in Syrien zu beobachten. In seinem Gespräch geht der Bischof auch auf die verbreitete Unterstützung oder Duldung dieser Aktionen durch nicht-salafistische islamische Kräfte in Ägypten ein.

Die Lage der Kopten und anderer verbliebener christlicher Bevölkerungsteile im Nahen Osten und Nordafrika unterstreicht in diesem Zusammenhang die Risiken, die angesichts der aktuellen Tendenzen im Islam, ungesteuerter Migration und der demographischen Entwicklung auch in Europa langfristig Christen in vergleichbaren Minderheitensituationen entstehen könnten. Zumindest geben diese Tendenzen seit langem wenig Anlass dazu, aus christlicher Perspektive von günstigen Annahmen über die weitere Entwicklung islambezogener Herausforderungen in Europa auszugehen. (ts)