Alexander Grau: Der entwurzelte Mensch als Ziel des Multikulturalismus

Nicolas-Antoine Taunay - Triumph der Guillotine (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Philosoph und Journalist Alexander Grau beschreibt beim „Cicero“ die Ziele und weltanschaulichen Vorstellungen, die der unter dem Motto „interkulturelle Öffnung“ betriebenen radikalen Umgestaltung Deutschlands zugrundeliegen.

Anlass ist die Veröffentlichung eines Dokuments mit dem Titel „Leitbild und Agenda für die Einwanderungsgesellschaft“, das unter dem Vorsitz der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özuguz, erstellt worden war.

Grau fasst die Ziele und Annahmen, die der Politik der Bundesregierung zugrundeliegen und die in dem Dokument sichtbar werden, so zusammen:

Proklamiert wird eine Gesellschaft hochgradig flexibler Individuen, die ihr Selbstbild permanent zur Disposition stellen und sich immer neu erfinden. Ihre Identität beziehen sie nicht länger aus einer kulturellen Überlieferung und Tradition, sondern aus sich stetig umbauenden sozialen Netzwerken. Der Wertewandel selbst wird zum Wert. Das Ideal ist der entwurzelte Mensch, denn nur er ist voll funktionsfähig in der entgrenzten Welt globaler Austauschbarkeit. […] Im Kern zielt diese Initiative darauf ab, Deutschland in eine transformatorische Siedlungsregion in der Mitte Europas zu verwandeln.

Aus einer staatsrechlichen Perspektiv wurde diesbezüglich bereits kritisiert, dass diese Vorstellungen unter anderem den Grundsatz der Volkssouveränität missachten würden.

Auch aus einer christlichen Perspektive bzw. aus einer auf der christlichen Soziallehre beruhenden Perspektive hinaus betrachtet sind diese Vorstellungen fragwürdig:

  • Die dargestellten Umgestaltungsprozesse richten sich gegen die christlichen und sonstigen Wurzeln und Traditionen der Gesellschaften, an denen sie vollzogen werden, was ihnen einen destruktiven Charakter verleiht.
  • Sie beruhen zudem auf einem utopischen Menschenbild, das den Menschen als bindungsloses, beliebig formbares Wesen betrachtet, dessen Existenz rein materielle Ziele habe. Dieses Menschenbild entspricht nicht dem realen Menschen, weshalb eine auf ihm beruhende Politik scheitern und sich im Zuge ihres Scheiterns erfahrungsgmäß zunehmend in eine autoritäre und totalitäre Richtung radikalisieren muss.
  • Sie stehen zudem im Gegensatz zu ethischen Anforderungen an Regierungen, die dem Gemeinwohl verpflichtet sind und einen Dienst am Gemeinwesen leisten sollen. Politisches Handeln, das auf die Auflösung des Gemeinwesens zielt, ist damit unvereinbar.

Insbesondere in Osteuropa stoßen solche Vorstellungen daher auf starken Widerstand der Kirche, die dort vor allem aufgrund ihrer Erfahrungen unter der kommunistischen Herrschaft häufig eine größere Distanz und Skepsis gegenüber politischen Utopien und auf ihnen beruhenden radikalen Vorhaben gesellschaftlicher Umgestaltung bewahrt hat als es in Westeuropa teilweise der Fall ist. (ts)