Leon de Winter über die Entmännlichung des Westens und die kämpferische Tugend des Islams

Lawrence Alma-Tadema - Die Rosen des Heliogabalus (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der niederländische Schriftsteller Leon de Winter trat in der Vergangenheit vor allem als Islamkritiker in Erscheinung. In einem vor längerer Zeit im Magazin Focus veröffentlichten Gespräch griff er jedoch viele Aspekte islamischer Kulturkritik an westlichen Gesellschaften zustimmend auf. So lobte er etwa das im Vergleich zu Vorstellungen der zunehmend entmännlichten westlichen Moderne in vieler Hinsicht wirklichkeitsgerechtere Männlichkeitsbild der islamischen Kultur.

In modernen, befriedeten Gesellschaften werden junge Männer ständig darauf hingewiesen, dass ihre Triebe nicht toleriert werden und Ideen von Ehre und Heldentum keine Wertschätzung genießen. Die Evolution hat sie zu Stammeskriegern gemacht, aber in unserer Kultur sollen sie diesen Krieger verstecken.

Im Islam kann der Mann noch Krieger sein, ist der Mann noch Mann und die Frau noch Frau, auf der Grundlage uralter Rollenbilder, wie sie im Koran, im Hadith, in der Scharia angegeben sind. Kennen islamische Kämpfer, die aus dem Krieg nach Hause zurückkehren, so etwas wie eine posttraumatische Belastungsstörung? Gibt es in islamischen Ländern Jungen mit ADHS? Dort legitimiert das Konzept des Dschihad junge Kämpfer, Krieg zu führen und Feinde zu enthaupten, Beute zu machen und Frauen zu nehmen, die sie in ihre Gewalt gebracht haben. Damit kann kein Computerspiel mithalten.

Bewertung und Folgerungen

Teile der Islamkritik stellen jene kulturellen Aspekte des Islams als besonders kritikwürdig dar, die Muslimen ihre kollektive Stärke verleihen. Hinter dieser Islamkritik verbergen sich offensichtliche Sorgen vor den Folgen der Präsenz einer in mancher Hinsicht vitaleren und stärkeren Kultur. Man scheint dabei anzunehmen, dass sich deren Angehörige sich durch liberale Rhetorik dazu bringen lassen könnten, diese wahrgenommenen Stärken aufzugeben.

Es bleibt dabei jedoch offen, warum Muslime in Europa angesichts der Schwäche ihrer westlichen Kritiker die Perspektive aufgeben sollten, den Kontinent langfristig dem islamischen Kulturraum anzuschließen. Die große Mehrheit auch religiös weniger gefestigter Muslime empfindet die Dynamik, die ihre Kulturen in Europa entwickeln, naturgemäß nicht als Problem, und wird sich auch nicht durch liberale Islamkritik vom Gegenteil überzeugen lassen. (ts)