Ethos des Dienstes: Der 20. Juli 1944 und das Geheime Deutschland

Vitore Carpaccio - Sankt Georg und der Drache (Wikimedia Commons/Gemeinfrei)

Weltanschauung und Ethos der Männer des militärischen Widerstands des 20. Juli 1944 werden von der Erinnerungskultur der Bundeswehr allgemein zurückhaltend behandelt, weil sie aus der Perspektive moderner, utopischer Ideologien heraus als kontrovers wahrgenommen werden. Manche derer, die sich auf die geistige Tradition des Widerstandes berufen, scheint es unangenehm zu sein, dass dessen Erbe nicht für die Verteidigung solcher Ideologien instrumentalisierbar ist.

Eine Darstellung der Gedanken hinter den Taten des militärischen Widerstands hat der Dokumentarfilmer Rüdiger Sunner verfasst. Sie kann hier abrufen werden. Hier wird deutlich, in welchem Maße der Widerstand in seinem Denken Impulse aus allen Phasen der abendländischen Geistesgeschichte integrierte und sich auf dieser Grundlage gegen die modern-totalitäre Ideologie des Nationalsozialismus sowie gegen andere moderne Ideologien positionierte.

Dieses Denken kommt auch im Schwur der Männer des 20. Juli zum Ausdruck:

Wir glauben an die Zukunft der Deutschen.

Wir wissen im Deutschen die Kräfte, die ihn berufen, die Gemeinschaft der abendländischen Völker zu schönerem Leben zu führen.

Wir bekennen uns im Geist und in der Tat zu den großen Überlieferungen unseres Volkes, das durch die Verschmelzung hellenischer und christlicher Ursprünge in germanischem Wesen das abendländische Menschentum schuf.

Wir wollen eine Neue Ordnung, die alle Deutschen zu Trägern des Staates macht und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgt, verachten aber die Gleichheitslüge und fordern die Anerkennung der naturgegebenen Ränge.

Wir wollen ein Volk, das in der Erde der Heimat verwurzelt den natürlichen Mächten nahebleibt, das im Wirken in den gegebenen Lebenskreisen sein Glück und sein Genüge findet und in freiem Stolze die niederen Triebe des Neides und der Mißgunst überwindet.

Wir wollen Führende, die aus allen Schichten des Volkes wachsend, verbunden den göttlichen Mächten, durch großen Sinn, Zucht und Opfer den anderen vorangehen.

Wir verbinden uns zu einer untrennbaren Gemeinschaft, die durch Haltung und Tat der Neuen Ordnung dient und den künftigen Führern die Kämpfer bildet, derer sie bedürfen.

Wir geloben:
untadelig zu leben –
gewissenhaft zu dienen –
unverbrüchlich zu schweigen –
und füreinander einzustehen.

Es war die hinter diesen Worten erkennbare traditionelle Weltsicht, welche den Widerstand zu seinem Handeln befähigte und es ihm gleichzeitig erlaubte, anders als der kommunistische Widerstand der totalitären Herrschaft des Nationalsozialismus eine menschenwürdige Alternative gegenüberzustellen. (ts)