Dienstethos und Innere Führung der Bundeswehr: Militärische Tugenden nur ein Randthema

Alonso Sánchez Coello - Juan de Austria (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Was die Auseinandersetzung mit den geistigen und ethischen Herausforderungen des Dienstes angeht, verweigert die Bundeswehr den Soldaten weitestgehend Orientierungshilfen. Das Konzept der Inneren Führung der Bundeswehr etwa orientiert sich in seiner gegenwärtigen Fassung wenig an den Herausforderungen an Soldaten im Einsatz und erwähnt militärische Tugenden wie Tapferkeit, Kameradschaft und Disziplin nur nebenbei und dann auf einer Ebene mit Themen wie Umweltschutz. Ehrenhaftes Verhalten wird zwar erwähnt, ohne dies aber näher zu definieren.

Wie wichtig eine Auseinandersetzung mit diesen Aspekten des Dienstes wäre, zeigt dabei ein Beitrag, in dem sich drei der vier Träger des Ehrenkreuzes der Bundeswehr für Tapferkeit auch zu einigen Fragen der Inneren Führung äußern. Hauptfeldwebel Alexander Dietzen erklärt etwa, was die Soldaten zu ihrer besonderen Leistung motiviert habe:

Wie sie es geschafft haben, die Gefahr für ihr Leben auszublenden, wüssten sie nicht mehr, sagen die Soldaten. Wir dachten einfach, erinnert sich Dietzen, wir können unseren Kameraden nicht da liegen lassen.

Der deutschen Gesellschaft wirft Hauptfeldwebel Dietzen vor, kein Interesse an jenen zu haben die ihr dienen:

Während die US-Amerikaner zu ihren Truppen stünden, klagt Lukács, seien die eigenen Landsleute nur dann patriotisch, wenn Deutschland Fußball spielt.

Das Konzept der Inneren Führung will u.a. verhindern, dass wie in der Reichswehr der 20er Jahre eine Kluft zwischen den Streitkräften und dem Rest der Gesellschaft entsteht. Die gegenwärtigen Bedingungen und Herausforderungen jedoch sind nicht mit denen der 20er Jahre zu vergleichen, und die gegenwärtig vorhandene (noch weitgehend unproblematische) Kluft zwischen Bundeswehr dem Rest der Gesellschaft ist eine Folge von Faktoren, welche die Bundeswehr kaum kontrollieren kann.

Soldaten wie die vier mit dem Ehrenkreuz ausgezeichneten Fallschirmjäger müssen zunehmend eine Realität bewältigen, welche der Großteil der Bevölkerung nicht kennt und nicht versteht. Die Werte, welche ihnen die Bewältigung dieser Realität ermöglichen, unterscheiden sich in logischer Konsequenz von denen des Rests der Gesellschaft. Eine Herausforderung von Innerer Führung besteht darin, diese Werte anzuerkennen und Rekruten zu vermitteln, die aus einer Gesellschaft kommen, der diese Werte fremd geworden sind. Die Vorbildfunktion der Ehrenkreuzträger für Tapferkeit bietet sich in diesem Zusammenhang zur Wertevermittlung an. (mw)