G.K. Chesterton: Das kommende dunkle Zeitalter

Thomas Cole - The Course of Empire - Destruction (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der katholische Schriftsteller G.K. Chesterton setzte sich 1927 in seinem Aufsatz „The New Dark Ages“ mit den sich spätestens seit der französischen Revolution immer deutlicher ankündigenden Verwerfungen und möglichen Antworten darauf auseinander. Chesterton war einer der ersten Autoren, der nicht mehr davon ausging, dass die zu den bereits eingetretenen und künftigen Verwerfungen führenden Entwicklungen noch umkehrbar wären. Anders als optimistischere Stimmen sprach er von Schutzräumen, die es angesichts des heraufziehenden Sturmes zu beziehen gelte.

The Dark Ages, properly understood, were that period during which cultural continuity is almost broken between the fall of Rome and the rise of medieval society. [T]here really is a parallel between our position and that of people in the Dark Ages. One way of putting it is that both are faced with a possible triumph of the barbarians. […] A much truer way of stating the parallel is this; that history is here repeating itself, for once in a way, in connection with a certain idea, which can best be described as the idea of Sanctuary. In the Dark Ages the arts and sciences went into sanctuary. This was true then in a special and technical sense; because they went into the monastery. [I]t is a fact attested by all historians that what culture could be found in that barbarous transition was mostly to be found in the shelter of the monastic institutions. We may regret or admire the form which that culture took in that shelter; but nobody denies the storm from which it was sheltered. […] In short, I believe we have reached the time when the family will be called upon to play the part once played by the Monastery. [I]t is by retiring into these forts that we can outlast and wear down the invasion; it is by camping upon these islands that we can await the sinking of the flood.

Bewertung und Folgerungen

Das Konzept von Schutzräumen mag manchem Leser als zu passiv erscheinen, aber die ihm zugrundeliegende Annahme, dass Kräfte für eine kulturelle Erneuerung, welche die erwarteten Verwerfungen abwenden könnte, nicht mehr in ausreichendem Maße vorhanden seien, bestätigt sich laufend.

Auch wenn das Bewusstsein für die Symptome dieser Verwerfungen bei vielen Menschen in Europa zuzunehmen scheint, ist eine organisierte Kraft, welche die kulturellen Ursachen hinter diesen Entwicklungen erkennt, benennt und ihnen mit einem intakteren Gegenmodell begegnet, etwa kaum in Sicht. Selbst wenn es gelingen sollte, die eine oder andere negative Entwicklung zu verlangsamen (etwa durch die bessere Steuerung von Zuwanderung), würde dies nichts an der Richtung der allgemeinen Entwicklung ändern, auch wenn es grundsätzlich positiv wäre, mehr Zeit zu gewinnen.

Das Konzept der Schutzräume gewinnt daher an Relevanz. Es wurde von verschiedenen religiösen oder ethnokulturellen Minderheiten immer wieder erfolgreich genutzt, um sich in unterschiedlich abweisenden bis feindseligen Umfeldern zu behaupten, weshalb die Auswertung entsprechender Beispiele momentan unseren Schwerpunkt darstellt. (ts)

4 Kommentare

  1. Die Frage, die man sich anhand der ansonsten treffenden Feststellungen noch zu stellen hat, lautet: Sind die Schutzräume NUR oder ÜBERHAUPT räumlich zu verstehen?
    Oder handelt es sich eigentlich um Personenverbindungen, denen es ggf. gelingen mag Räume analog zum Kloster zu halten?

    Der „katholischen Ansatz“ – so wie meine eigenen Überlegungen – geht ja eher von einem einigenden Band, also Personenverbindungen aus.
    Reale Räume wären ja mit erheblichen Kosten und Aufwendungen verbunden.

  2. @Exmeyer
    Der Stand der Überlegungen dazu wird hier noch zur Diskussion gestellt werden. Momentan geht es aber tatsächlich u.a. um Netzwerke von sich gegenseitig unterstützenden Personen. „Schutzräume“ im geographischen Sinne finden sich in den Situationen, um die es geht, zwar in anderen Fällen auch regelmäßig, aber sie sind dann eher das Ergebnis von Entwicklungen im Umfeld und weniger das Ergebnis gezielten Handelns. Fast überall, wo das versucht wurde, ist das gescheitert, und es wäre auch völlig illusorisch im Rahmen eines zu Beginn noch sehr kleinen Vorhabens für marginale Vorteile auf Konzepte zu setzen, die mit den Anforderungen des Lebens der meisten Personen kaum vereinbar wären. Vielleicht ist der Begriff des „Schutzraumes“ da tatsächlich nicht optimal.

    Das Konzept der Netzwerke ist ja nicht neu und wurde hier früher schon ausführlich besprochen, aber die Herausforderungen liegen im Detail, um nur ganz wenige zu nennen:
    – Wie spricht man die richtigen Leute an, und wie hält man die falschen Leute raus?
    – Wie macht man die richtigen Leute auf sich aufmerksam, ohne sich zu sehr zu exponieren?
    – Wie halten solche Strukturen ernsthaften Gegenwind aus, ohne sich unter Druck aufzulösen?

  3. „– Wie spricht man die richtigen Leute an, und wie hält man die falschen Leute raus?
    – Wie macht man die richtigen Leute auf sich aufmerksam, ohne sich zu sehr zu exponieren?
    – Wie halten solche Strukturen ernsthaften Gegenwind aus, ohne sich unter Druck aufzulösen?“

    Sie kommen langsam bei den praktischen Fragestellungen an. Die sind schon von anderen Organisationen, zu Ihrem Vorteil, zerkaut worden. Manchmal auch organisch entstanden.

    Als Rat, damit Sie effizient an die Antworten gelangen, schlage ich öffentlich zugängliche Lektüre von Material vor, welches sich mit aktiver Zersetzung von verschiedenen Arten von Netzwerken, Gemeinschaften, Gruppen oder gar Gesellschaften beschäftigt. Mit Hilfe dessen, können Sie aktiver und zeitschonender ein robustes Vorhaben formen, dass gegen spezifische Methoden resilient ist.

    Recht aktuell sind öffentlich verfügbare Handbücher, Papiere und akademische Diskurse aus der nachrichtendiesntlichen Ecke, die z.B. Methoden, Taktiken und Langzeitstrategien beschreiben, um politische Gruppierungen zu unterwandern, lenken und im Effekt abzubremsen. Da werden auch Kleinigkeiten, wie Ihr „enforcing exposure“ behandelt – also das gezielte Exponieren von Impulsgebern. Das Spektrum reicht also von psycholgischen Gruppenstrategien (dissimation, disruption, division), bis hin zu Makrotaktiken (medial control, law warfare).

    Diese Taktiken kommen u.A. in den heutigen sozialen Netzwerken zum Einsatz (Fickbuch, Twitter usw.), um politische Gruppen/Meinungen zu unterdrücken, interpretieren und zu lenken, sowie auch zu unterwandern oder auch zu befürworten.

    Hier, ein kleines Exzerpt aus einem öffentlich zugänglichen Papier der Drei-Buchstaben-Spione am anderen Ende des Atlantiks, das sie googeln können:

    „There are several processing limitations to human information processing that are exploitable in the design of deception schemes. Among the these of law small numbers and susceptability to conditioning. First universal intuitiveprobabilistic judgments often show substantial biases. Equally, subjective standards for analyzing the adequacy of evidence are poor and sometimes ill-defined.

    Deception becomes more difficult as the number of channels of information available to the
    victim increases. However, within limits, the greater the number of controlled channels the
    greater the likelihood of the deception being believed. This maxim is christened „Jones‘ Lenuna“ because it has been best and oft-articulated by Professor R. V. Jones, one of the key figures in British scientific intelligence during World War II

    Where possible the objective of the deception planner should be to reduce the ambiguity in
    the mind of the victim to force him to seize upon a notional world view as being correct: not making him less certain of the truth, but more certain of a particular falsehood. However, increasing the range of alternatives and/or the evidence to support any of many incorrect
    alternatives in the jargon ‚increasing the noise‘ may have particular use when the victim already has several elements of truth in his possession.“

  4. G.K. Chesterton wurde übrigens nach seinem Tod in einer Zeit, als Rom noch unter antimodernistischer Kontrolle stand, von Papst Pius XI. mit dem Titel „Fidei defensor“ (Verteidiger des Glaubens) geehrt.
    Er und andere viktorianische Autoren wie zB. sel. Kardinal John Henry Newman sind heute besonders lesenswert, da sie bereits in einer Zeit, die uns aus heutiger Sicht wie eine westlich-weiße Hochzeit/Paradies vorkommen, instinktiv spürten, dass die metaphysischen-seelischen Fundamente Europas und damit seine Reiche im Inneren angegriffen und beschädigt sind. Und das mit einem erstaunlichen Scharfsinn…

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