Katholische Soziallehre

Glaube und Heimat: Aus dem Lexikon für Theologie und Kirche

Zu den populären Irrtümern über das Christentum gehört auch die Annahme, dass es natürliche Bindungen leugne oder herabwerte. Ursache dieses Irrtums ist die Tatsache, dass das Christentum eine über allen natürlichen Bindungen stehende transzendente Bindung des Menschen anerkennt. Diese hebt seine natürlichen Bindungen, etwa an eine Familie oder eine Nation, jedoch nicht auf, wie der Irrtum meint, sondern verlangt ihre Hinordnung und Ausrichtung auf das Höchste. […]

Glaube und Ethos

Leon de Winter über die Entmännlichung des Westens und die kämpferische Tugend des Islams

Der niederländische Schriftsteller Leon de Winter trat in der Vergangenheit vor allem als Islamkritiker in Erscheinung. In einem vor längerer Zeit im Magazin Focus veröffentlichten Gespräch griff er jedoch viele Aspekte islamischer Kulturkritik an westlichen Gesellschaften zustimmend auf. So lobte er etwa das im Vergleich zu Vorstellungen der zunehmend entmännlichten westlichen Moderne in vieler Hinsicht wirklichkeitsgerechtere Männlichkeitsbild der islamischen Kultur. […]

Herausforderungen

Robert D. Kaplan: „The coming Anarchy“ – Eine Prognose über Migrationsbewegungen und ethnisch-religiöse Konflikte aus dem Jahr 1994

Der durch seine geopolitischen Analysen bekannt gewordene amerikanische Publizust Robert D. Kaplan veröffentlichte 1994 einen Aufsatz mit dem Titel „The coming Anarchy“, in dem er langfristige Krisentendenzen an der Peripherie Europas untersuchte. In diesem Zusammenhang sagte er u.a. zunehmende Instabilität in Teilen Subsahara-Afrikas und des Nahen Ostens sowie daraus resultierende […]

Kulturelle Kontinuität

Martin Heidegger: Die Krise Europas und ihre Überwindung

Der Philosoph Martin Heidegger kommt in seiner Analyse der Krise Europas zu sehr ähnlichen Ergebnissen wie die vor allem aus katholischer Perspektive heraus vorgenommene christlich-konservative Analyse. Diese geht davon aus, dass  diese Krise das Ergebnis von dessen kulturellen Loslösung europäischer Gesellschaften von dem transzendenten Ziel sei, auf das hin es […]

Kulturelle Kontinuität

T.S. Eliot: The Dark Ages Before Us

In der aus christlicher Perspektive geführten Auseinandersetzung mit der Krise des Abendlandes gab es in den vergangenen ca. 150 Jahren eine Reihe von Erklärungsansätzen und Versuchen einer Antwort. Zu den wesentlichen Erkenntnissen gehörte dabei die hier stellvertrend für viele durch den Dichter T.S. Eliot vorgebrachte Erklärung, derzufolge die Krise Europas das Ergebnis von dessen Loslösung von dem transzendenten Ziel sei, auf das hin es in einem die Jahrhunderte umspannenden Prozess gewachsen sei. […]

Christlicher Dienst

Die islamische Hizmet-Bewegung: Traditionelles Leben in modernen Gesellschaften

Die islamische Hizmet-Bewegung (nach ihrem Gründer Fethullah Gülen auch “Gülen-Bewegung” genannt), die im Zusammenhang mit dem versuchten Staatsstreich in der Türkei im Sommer allgemein bekannt wurde, ist vielleicht die interessanteste konservative kulturell-religiöse Bewegung der Gegenwart überhaupt, denn es ist ihr wie keiner anderen gelungen, unter den Bedingungen moderner Gesellschaften Strukturen […]

Kulturelle Kontinuität

Religion und Identität: Christliche Kultur in Bayern

Die Konfrontation mit dem meist islamischen Fremden und mit den Folgen der Auflösung der eigenen Kultur und Tradition im Zuge von Moderne und Postmoderne hat eine Identitätsdebatte hervorgebracht, in der der Begriff der Identität vorwiegend das zunehmende Bewusstsein einer Lücke ausdrückt. In dieser Debatte wird eine gewisse Orientierungslosigkeit offenbar, denn […]

Kulturelle Kontinuität

Simone Weil: Der Wunsch des Menschen nach Wurzeln

Die in einer jüdischen Familie aufgewachsene, 1943 verstorbene französische Philosophin Simone Weil sympathisierte zeitweise mit dem Kommunismus, wandte sich gegen Ende ihres Lebens aber dem Katholizismus zu. Im Zuge dieser geistigen Entwicklung überwand sie nach und nach ihre früheren Vorstellungen, und in ihrem letzten Werk thematisierte sie den Wunsch des […]

Glaube und Ethos

Ernst Jünger: Die Idee der Unsterblichkeit und der unbesiegbare Mensch

Jede Kultur und jedes auf Dauer ausgelegte Gemeinwesen beruht zuallererst auf religiösen Bindungen. Größere areligiöse oder atheistische Gemeinschaften jenseits der Familie zerbrachen immer spätestens dann, wenn sich eine relevante Zahl von Mitgliedern von einem Festhalten an der Gemeinschaft keinen materiellen Vorteil mehr versprach. Religiöse Bindungen sind jedoch gleichzeitig mit dem Problem verbunden, dass sie kaum rational vermittelbar oder auf Nutzenkalkül zu begründen sind. […]

Katholische Soziallehre

Johannes Paul II.: „Kontrolle der Zuwanderungsströme unter Berücksichtigung der Erfordernisse des Gemeinwohls“

Dem Christentum wird zunehmend Naivität im Umgang mit dem Thema Migration vorgeworfen. Dazu trägt bei, dass in Teilen der Kirche vor allem in Deutschland im Zuge der jüngst auch von Benedikt XVI. kritisierten aktivistischen Tendenzen eine informierte Auseinandersetzung mit diesem Thema auf Grundlage u.a. der Soziallehre tatsächlich durch naiven Moralismus […]

Glaube und Ethos

Bischof Fulton J. Sheen: Liebe und Ungleichheit

Zu den Aufgaben, die derzeit bei der Vorbereitung unseres Vorhabens seit einiger Zeit geleistet werden, gehört auch die Erschließung von Material, das die geistige Grundlage dieses Vorhabens bilden soll. Dazu ist es u.a. erforderlich, bestimmte Begriffe und Konzepte, die im Zuge moderner Entwicklungen teilweise entstellt wurden oder auch in Vergessenheit geraten sind, wieder freizulegen. Dabei geht es auch darum herauszuarbeiten, dass das Christentum als Kern abendländischer Kultur mit den vorhandenen geistigen Beständen auch eine wesentliche Grundlage entsprechender Vorhaben bilden kann und dazu besser geeignet ist als andere Konzepte. Eines von sehr vielen Beispielen für solche Bestände sind etwa die Worte des früheren amerikanischen Bischof Fulton J. Sheen über Ungleichheit als Voraussetzung von Liebe. […]

Glaube und Ethos

Ernst Jünger: Die Natur des Menschen und das Ethos des Dienstes

Der gegen Ende seines Lebens zum katholischen Glauben übergetretene Schriftsteller Ernst Jünger hat sich vor dem Hintergrund seiner Grenzerfahrungen als Soldat im Ersten Weltkrieg intensiv mit der Natur des Menschen und Glaubensfragen auseinandergesetzt. In diesem Zusammenhang behandelt er in seinem Werk auch das Ethos des Dienstes, auf das sich jedes dauerhafte Gemeinwesen stützen muss. […]

Herausforderungen

Michael Houellebecq: Europa steht vor dem Selbstmord

Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq ist vor allem durch Romane bekannt geworden, in denen er kulturelle Auflösungserscheinungen in Europa und ihre Folgen beschreibt. In der Dankesrede anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Frank-Schirrmacher-Preis warnt er vor dem drohenden Untergang Europas in Folge seiner kulturellen Schwäche angesichts der Herausforderung durch den Islam: […]

Herausforderungen

Robert Putnam: Negative Auswirkungen kultureller Heterogenität auf Gesellschaften

Der an der Universität Harvard lehrende amerikanische Politikwissenschaftler Robert Putnam erforscht die Entwicklung kulturell heterogener Gesellschaften am Beispiel der USA und hat vor einiger Zeit eine Zusammenfassung seiner Ergebnisse vorgestellt. Je heterogener eine Gesellschaft sei, desto schwächer ausgeprägt seien demnach etwa ihr innerer Zusammenhalt und die Bereitschaft, sich mit ihr zu identifizieren. […]

Glaube und Ethos

Abendländischer und orientalischer Ehrbegriff: Abgrenzung und Unterschiede

In der Auseinandersetzung mit dem christlichen Ethos des Dienstes kommt dem traditionellen, christlich-inspirierten abendländischen Ehrbegriff eine besondere Bedeutung zu. Dieser unterscheidet sich deutlich sowohl von modernen Konzepten als auch vom islamisch geprägten Ehrbegriff. […]

Kulturelle Kontinuität

Ray Bradbury: Tätige Antworten auf den Zerfall der Kultur

Ray Bradburys dystopischer Roman „Fahrenheit 451“ beschreibt einen fiktiven totalitären Staat der Zukunft, dessen Bevölkerung mehrheitlich seelisch so korrumpiert ist, dass sie nicht mehr aktiv unterdrückt werden muss und Abweichen von der vorgegebenen Linie als Ausdruck von Rückständigkeit oder psychischer Auffälligkeit betrachtet. Die Unterdrückung durch den Staat beschränkt sich darauf, verbliebene Bücherbestände zu vernichten, was kaum jemand noch als Verlust empfindet. Gleichzeitig steht dieser Staat vor einer unabwendbaren Katastrophe. In dieser Lage bereitet sich eine kleine Gemeinschaft darauf vor, den späteren Wiederaufbau vor allem geistig vorzubereiten. […]

Herausforderungen

Günter Rohrmoser: Der Ernstfall

Der Philosoph Günter Rohrmoser beschrieb 1994 in seinem Werk „Der Ernstfall“ eine Reihe konvergierender krisenhafter Entwicklungen in Deutschland. Diese würden sich auf einen Punkt zubewegen, an dem sie die Belastbarkeit von Staat und Gesellschaft in absehbarer Zeit überfordern würden, was gravierende Verwerfungen nach sich ziehen werde. Die Lage spitzt sich […]

Glaube und Ethos

Ethos des Dienstes: Der 20. Juli 1944 und das Geheime Deutschland

Weltanschauung und Ethos der Männer des militärischen Widerstands des 20. Juli 1944 werden von der Erinnerungskultur der Bundeswehr allgemein zurückhaltend behandelt, weil sie aus der Perspektive moderner, utopischer Ideologien heraus als kontrovers wahrgenommen werden. Manche derer, die sich auf die geistige Tradition des Widerstandes berufen, scheint es unangenehm zu sein, […]

Kulturelle Kontinuität

Kulturwissenschaftler Stephen Turley: Re-Traditionalisierung in Europa

Der amerikanische Kulturwissenschaftler Stephen Turley blickt optimistisch in die Zukunft. Ereignisse wie der „Brexit“ seien ein Beleg dafür, dass die Kräfte der Globalisierung und anderer Auflösungsentwicklungen schwächer seien als Ordnungskräfte wie die Sehnsucht des Menschen nach Identität in Form von Familie, Nation, Glaube und Tradition. Während sich andere Regionen der […]

Kulturelle Kontinuität

Kulturelle Kontinuität als christlicher Auftrag

Die große Frage, die alle kulturtragenden Kräfte beschäftigt, ist die nach der Kontinuität des Eigenen. Jene Japaner, die in der Meiji-Zeit die Voraussetzungen dafür schufen, dass Japan den Herausforderungen der westlichen Moderne relativ erfolgreich begegnen konnte, mussten ebenso Antworten auf diese Frage finden wie die islamischen Kräfte, die sich ebenfalls […]

Kulturelle Kontinuität

Gesellschaftliche Resilienz: Kulturelle Voraussetzungen

Im Bevölkerungsschutz wird im Rahmen des Konzepts der „gesellschaftlichen Resilienz“ die Krisenfestigkeit eines Gemeinwesens untersucht. Der Soziologe Curt Stofferahn hat in diesem Zusammenhang den Wiederaufbau in der Stadt Northwood im US-Bundesstaat North Dakota nach einem Tornado 2007 untersucht und dabei feststellt, dass die geteilte belastbare kulturelle Identität der vorwiegend norwegischstämmigen Bewohner zur besonderen Krisenfestigkeit der Stadt entscheidend beigetragen hätten. […]

Herausforderungen

Die Stärken islamischer Kultur und die Schwächen der Islamkritik

Hinter den in Europa zunehmend verbreiteten Formen der Islamkritik, welche illiberale Inhalte des Islams oder als rückständig wahrgenommene Elemente islamischer Kultur betonen, verbirgt sich berechtigte Sorge. Es ist jedoch kaum zu erwarten, dass sich Muslime ihre kulturellen Stärken unter Berufung auf die Ideale scheiternder Gesellschaften ausreden lassen werden, weshalb diese Islamkritik überwiegend als fehlgeleitet erscheint. […]

Kulturelle Kontinuität

Johannes Paul II. über kulturelle Kontinuität und Dienst am Gemeinwesen als christliche Aufträge

Papst Johannnes Paul II. äußerte sich 1985 in einem Aufruf an Jugendliche auch über kulturelle Kontinuität und den Einsatz für das eigene Gemeinwesen als christliche Aufträge. Diese seien eine Konsequenz aus dem vierten Gebot, das es Christen aufträgt, Vater und Mutter zu ehren. […]

Abendländisches Erbe

Jean Raspail: „Sieben Reiter verließen die Stadt“

Dystopische Literatur kann Themen mit Krisenbezug häufig besser beleuchten, als dies Sachbücher oder Aufsätze könnten. Manche Studien, die sich der Szenario-Technik bedienen, nutzen deshalb kurze Erzählungen, in denen die verschiedenen Szenare über die nüchterne Aufzählung von Annahmen hinaus beschrieben und mit Leben gefüllt werden. Jean Raspail hat mit mit „Sieben […]